Kindererziehung Artikel
Erwachsen werden mit Grenzen
Von Viola Reinhardt
"Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer." Diese Aussage stammt nicht von der Leiterin der Rütlischule. Diese Aussage ist fast 2500 Jahre alt und stammt von Sokrates. Er beschreibt damit nicht etwa ein temporäres Problem der Antike, sondern ein generelles Problem jeder Generation.
Manche Erwachsene werden von der Pubertät ihrer Schützlinge geradezu überrollt. Eben waren die Kinder noch kleine Mädchen im Rüschenkleidchen und süßen Zöpfen, jetzt gewanden sie sich in Schwarz, färben sich die Haare und lassen ihr Gesicht mit Piercings verschönern. Der kleine Junge, der eben noch Ball spielte, hört auf einmal laute Musik, spielt Gewaltspiele am Computer und ist für niemanden mehr zu sprechen. Viele Eltern geraten dann in Panik.
Kinder brauchen Regeln. Nicht erst, wenn sie in die Pubertät kommen, sondern vom ersten Tag an. Jedes Kind muss lernen, dass es im Zusammenleben einer Gesellschaft feste Regeln gibt. Diese müssen sie vermittelt bekommen – von den Eltern. Wer dem Kind bei Zeiten beibringt, sich abzumelden oder Bescheid zu geben, wenn es später wird, hat in der Regel später kein Problem mit "Streunern".
Eltern sollten sich auch überlegen, ob es sinnvoll ist, den Kindern statt eigenem PC und Fernseher nicht lieber feste Fernseh- und Computerzeiten einzurichten, an die sich dann beide Seiten halten müssen. Auch ein gemeinsames Sehen und Spielen macht durchaus Sinn, denn erstens wissen die Eltern dann was ihre Kinder sich anschauen oder welche Spiele sie so faszinieren und zweitens lassen sich so die Zeiten deutlich abstecken. Ebenfalls ein Mittel als Vorbild in Aktion zu treten, ist es, einen Fernseh- und Computerfreien Tag in der Woche einzuführen. Alternativen in Form von gemeinsamen Unternehmungen werden auch noch von den meisten Teenagern gerne angenommen.
Kinder brauchen Konsequenz. Wird dem Kind immer nur gedroht und es folgt keine Konsequenz, kann es nicht lernen, dass es für sein Leben verantwortlich ist. Kinder, die das nicht lernen, werden zu übermütigen Teenagern, die ihre Grenzen austesten – so weit wie möglich. Wer seinem Kind also androht, die Klamotten aus dem Fenster zu werfen, wenn es nicht aufräumt – der sollte es auch tun, denn sonst wird man als Eltern recht schnell unglaubwürdig und der Zug der Erziehung rauscht dann schneller als ein ICE an dem Kind vorbei.
Kinder brauchen Vertrauen. So schwer es fällt, aber die Pubertät ist der Startschuss für die Ablösung von den Eltern. Die sollten das Kind gehen lassen, und ihm im vernünftigen Rahmen und mit festen Regeln vertrauen. Die Belohnung wird ein wesentlich leichter zu handhabender Teenager sein, der sich einem anvertraut und bei einem Wegbleiben sich von selbst meldet um zu sagen "ich komme später, macht euch keine Sorgen und vergesst nicht, ich hab euch lieb".