Krankenhäuser Artikel
Medizin-Skandal - Fangprämie für Patienten
Von Viola Reinhardt
Deutschland ein Land der Korruption? Wie es scheint ist diese Frage gar nicht so abwegig, denn derzeit gibt es im Land einen neuen medizinischen Skandal, der weite Kreise zieht und die Patienten deutlich verunsichert. Diese Verunsicherung entsteht durch die heimlichen Fangprämien, die Krankenhäuser bestimmten Ärzten bezahlen, damit diese die Patienten in deren Klinik einweisen. Das Gesundheitssystem selbst krankt an allen Ecken und Kanten, doch durch diesen Skandal zeigt es erst recht seine wahre Krankheit.
Was steckt eigentlich genau hinter diesen Patienten-Fangprämien? Diese können von Kliniken an Ärzte bezahlt werden, damit diese ihre Patienten eben in diese Klinik überweisen oder im umgekehrten Fall gibt es auch genug Ärzte, die von den Krankenhäuser Geld dafür fordern, dass ihre Patienten dorthin geschickt werden. Ein abgekartetes Spiel von dem die Patienten natürlich nichts mitbekommen.
Raffgierige Ärzte und Kliniken? Der Eindruck besteht durchaus, wobei man fairerweise auch erwähnen muss, dass nicht jede Klinik und jeder Arzt solche Machenschaften unternehmen, um entweder ihre Betten vollzubekommen oder eben die Praxisumsätze zu steigern. Schuld ist eigentlich das System in Deutschland, dass nach zahlreichen Gesundheitsreformen nicht nur den einzelnen Patienten deutlich mehr finanziell belasten, sondern auch von den Ärzten deutliche Abstriche verlangen. Besieht man sich die Gebührentabelle nach der Ärzte bezahlt werden, dann lässt sich rasch feststellen, dass der Gedanke an Bestechlichkeit nicht wirklich realitätsfern ist. So erhalten Ärzte pro Quartal und je Patient zwischen knapp 17 Euro bis zu rund 70 Euro, und das unabhängig wie oft ein Patient mit welchen Beschwerden kommt. Betrachtet man sich dann die Kosten für eine neue Praxis von durchschnittlich 100.000 Euro, die Lohnkosten und viele weitere Belastungen, die durch eine Arztpraxis auf den Arzt zu kommen, dann wundert einen gar nichts mehr.
Bei den Kliniken, von denen geschätzte 5% an diesem Prämiensystem aktiv beteiligt sind, sehen die Zahlen zwar noch etwas besser aus, allerdings sehen auch diese sich immer mehr von Streichungen seitens der Krankenkassen betroffen. Also wird natürlich nach Mittel und Wegen gesucht, um nicht in die roten Zahlen zu rutschen, die wiederum nicht nur das Aus für viele medizinische Angestellte und Ärzte bedeuten, sondern vor allem auch Gelder der öffentlichen Hand zum Einstellen bringen können. Für den Laien verbirgt sich hinter dem Gesundheitssystem und seinen kompletten Abläufen und Beteiligten ein unüberschaubarer Dschungel, der durch die derzeitigen Fangprämien sicher nicht lichter wird. Im Gegenteil, denn nun stellt sich für den einzelnen Patienten die Frage, ob er bei einem Krankheitsfall auch in die Klinik kommt, die im die beste Versorgung sichert.
Panik muss man zwar nun nicht bekommen, allerdings sollte man seinen Arzt bei einer anstehenden Überweisung in eine Klinik ruhig direkt fragen, weshalb er genau dieses Krankenhaus ausgesucht hat. Dasselbe gilt zudem für den Moment, wenn man dann in der Klinik ist, denn auch dort heißt es nachfragen. Ganz sicher kann man zwar nicht gehen, dass man durch die gehörten Antworten auch eine entsprechende Wahrheit erhält, allerdings ist ein Nachfragen und kritische Betrachtung durchaus angebracht und plausibel zu erklären.