Krankenhäuser Artikel
Hygiene-Skandal in deutschen Kliniken
Von Viola Reinhardt
Killerkeime in den Kliniken, lassen eine scheinbar harmlose Operation zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Eine skandalöse Schlamperei in vielen Kliniken verursacht jährlich bei 500-800.000 Patienten eine zum Teil schwerwiegende Folgeerkrankung und das, obwohl man mit einer relativ simplen Erkrankung oder auch nur zu einer Untersuchung in die Klinik gegangen ist. Dramatisch an dieser Tatsache ist, dass die katastrophalen Zustände beseitigt werden könnten, wenn man nur wollte.
Keime sind überall, unsichtbar und jederzeit bereit sich in den menschlichen Organismus einzunisten. Gerade in Krankenhäuser, die eine riesige Anzahl von Krankheiten zu behandeln haben, steigt die Gefahr bei mangelnden und sehr inkonsequenten Hygienemaßnahmen, dass sich Keime in einem Patienten einnisten, der eigentlich eine nur harmlose Erkrankung hat oder für eine ambulante Untersuchung kurzfristig in die Klinik muss. So kommt es unter anderem bei einer einfachen Arthroskopie zu einem Befall mit den Killerkeimen, was folglich zu einer Amputation des Beines führen kann.
Neueste Zahlen offenbaren fast schon ein Schreckensszenario: Von den bis zu 800.000 betroffenen Patienten, erkranken allein rund 40.000 an den multiresistenten Staphylokokken, kurz MRSA genannt. Bei geschätzten 64.000 Betroffenen gelangen die Keime direkt in die Blutbahn und etwa 40% der Erkrankten (mehr als 25.000 Menschen) sterben an den Folgen derartiger Infektionen. Als eines der Hauptrisiken für solche Erkrankungen mit Krankenhauskeimen, gilt eine mangelnde Hygiene bei den Untersuchungen, Operationen, der Wundversorgung oder dem Legen von Infusionen.
Nach Ansicht der Experten, wurden in den vergangenen zwanzig Jahren in deutschen Kliniken die Hygieneregeln deutlich vernachlässigt, was sich allein daran erkennen lässt, dass selbst viele Ärzte nicht wissen, wie lange eine richtige Händedesinfektion dauert: Dreißig Sekunden. Wenige Sekunden, die jedoch oft nicht eingehalten werden und somit auch nicht für eine ausreichende Hygiene im Umgang mit den zahlreichen Patienten sorgen. Zudem kommt noch in dieser Thematik hinzu, dass kaum mehr Hygiene-Institute in Kliniken eingebunden sind. Diese sollten gerade Ärzte und weiteres medizinisches Personal in der Hygiene im Klinikbetrieb unterrichten, um soweit wie möglich Risiken einschränken zu können. Leider zeigt die Realität, dass hier eine solche Unterrichtung kaum durchgeführt wird.
Als Patient ist man zwar nie ganz vor solch einer Ansteckung gefeit, wenn man in ein Krankenhaus gehen muss, aber man kann zumindest in der Klinik zu Beginn nachfragen, ob diese über einen Krankenhaushygieniker verfügt. Auch eine ausgewiesene Aktion, wie "Saubere Hände" in der Klinik, gibt mehr Sicherheit. Sollte man als Patient das Gefühl haben, dass in der jeweiligen Klinik die Hygiene deutlich zu wünschen übrig lässt, sollte man sich nicht nur für ein anderes Krankenhaus entscheiden, sondern auch das zuständige Gesundheitsamt informieren.