26. April 2007
(sra) Der Wissenschaftler forscht, der Arzt verordnet und der Patient wundert sich nur noch: Bei Migräne gehen die Meinungen über die richtige Behandlung weit auseinander.
Besonders die Vorbeugung deckt sich bei manchen Patienten nicht mit den Erwartungen. Deshalb werden die durchaus wirksamen Therapien so schlecht angenommen, meinen Kopfschmerzspezialisten. Was Patienten wichtig ist, was sie von einer Migränebehandlung erwarten, hat nun eine amerikanische Studie zu klären versucht.
Migräne wird heutzutage nicht mehr als episodisch wiederkehrender Zustand verstanden. Migräne ist eine chronische Erkrankung, die in der Jugend beginnen und fast ein Leben lang bestehen bleiben kann. Epidemiologen, die sich unter anderem mit der Häufigkeit einer Erkrankung und ihren Folgen beschäftigen, schätzen, dass etwa die Hälfte aller amerikanischen Migränepatienten von einer Vorbeugung profitieren könnte. In den USA erhält aber nur jeder zehnte Patient eine entsprechende Therapie. In Frankreich soll es etwa jeder Vierte sein.
Der Grund für die mangelnde Versorgung der Migränepatienten ist einerseits die geringe Verordnung der Medikamente durch die Ärzte. Manche Ärzte nehmen die Erkrankung und vor allen Dingen die Alltagseinschränkungen durch Migräne noch nicht ernst genug. Aber auch die Patienten lehnen die Prävention oft ab. Sie möchten nicht täglich eine Tablette einnehmen, besonders wenn sie gerade keine Beschwerden haben, schätzen die Forscher.
In der aktuellen US-amerikanischen Studie wurden nun 150 Migränepatienten befragt, welche Merkmale einer Migränevorbeugung ihnen wichtig und welche weniger wichtig sind. Erstaunlicherweise standen für die Patienten nicht die Medikamente im Vordergrund, sondern der Behandler. So wünschten sich die meisten Befragten eine Beteiligung an der Entscheidung, welches vorbeugende Medikament sie einnehmen sollen. Das bedeutet auch, dass die Befragten eine umfangreichere Aufklärung über die Wirkung und Nebenwirkungen der in Frage kommenden Arzneimittel forderten.
Ein weiterer wichtiger Punkt für die Patienten ist die Wirksamkeit der Medikamente. Die Effektivität eines Medikaments soll in der medizinischen Fachliteratur belegt sein. Dabei war es für die meisten Patienten unerheblich, ob sie täglich ein oder mehrere Wirkstoffe zur Vermeidung von Migräne einnehmen müssen, wenn dadurch die beste Wirksamkeit erzielt würde.
Besonders für Frauen ist der Einfluss der Präparate auf das Körpergewicht von Bedeutung. Mittel, die das Gewicht steigern oder mindern, werden weniger akzeptiert. Die sedierende Wirkung einiger Präparate ist von manchen Patienten erwünscht, hat aber weniger Einfluss auf die Entscheidung für oder gegen ein Präparat. Weniger wichtig für die Entscheidung zur Prävention war für die Patienten auch die tägliche Einnahme eines Medikamentes, die Herkunft des Wirkstoffs (pflanzlich oder synthetisch) und das Nebenwirkungsprofil. Bei guter Wirksamkeit würden die meisten Patienten Nebenwirkungen in Kauf nehmen. Ein Mittel, das schlecht wirkt, dafür aber kaum Nebenwirkungen aufweist, ist für Migräniker uninteressant.
Die mangelnde Migräneprophylaxe scheint also weniger ein Problem der Arzneimittel zu sein. Viel mehr spielt die Aufklärung und Beratung in der Arztpraxis eine große Rolle.
Quelle:
T.D. Rozen: Migraine Prevention: What Patients Want From Medication and Their Physicians (A Headache Speciality Clinic Perspective). Headache 46 (2006), S.750-753.
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