Mittwoch 15.02.2012 04:25

12. Februar 2007

Karies Artikel

Sauer ist nicht immer lustig – jedenfalls nicht für die Zähne

Ananas, Kiwi, Orange und Apfel – was gut ist für die schlanke Linie, kann für die Zähne zur Gefahr werden. Denn, ein Zuviel an säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken kann bei falscher Zahnhygiene die Mundflora aus dem Gleichgewicht bringen und Karies begünstigen.

Soweit die schlechte Nachricht. Die Gute: Mit einer professionellen Prophylaxe und der richtigen Putztechnik kann Karies verhindert werden. – Karies, die so genannte Zahnfäule, entsteht, wenn Säuren den Zahnschmelz angreifen und sich Löcher im Zahn bilden. "Verantwortlich für die Säurebildung sind Nahrungsreste und Bakterien in der Mundhöhle und in den Zahnbelägen, dem Plaque", erläutert Dr. Jürgen Oberbeckmann, Leiter der Zahnklinik am Elisabeth-Krankenhaus Essen. "Vor allem zuckerhaltige Nahrungsmittel und Getränke begünstigen das Wachstum der Mikroorganismen im Plaque. Einige der Bakterien produzieren aus den Lebensmittelresten Säure. Diese wiederum löst dann die Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus. Je länger und häufiger die Säure auf die Zähne einwirken kann, desto größer ist das Kariesrisiko."


EKE - Philip Abramowski erklärt den bevorstehenden Eingriff

Fäule mit Folgen

Eine Zahnkaries hat Folgen: Nicht nur, dass der Zahnschmelz angegriffen wird und sich Löcher im Zahn bilden können, es kann auch zu sehr schmerzhaften Entzündungen des Zahnfleisches kommen. "Mangelnde Mundhygiene und Karies können unter anderem zur Parodontitis führen", erklärt der Zahnspezialist. "Dabei handelt es sich um eine gefährliche bakterielle Infektionskrankheit des Zahnhalteapparates, also des Gewebes, das die Zähne im Kiefer hält." Karies kann sich aber auch an einem überstehenden, unpolierten oder beschädigten Füllungs- oder Kronenrand bilden. "Um ein Höchstmaß an Kariesschutz zu erzielen, sollte alle drei bis vier Monate eine professionelle Zahn- und Zahnfleischrandreinigung sowie Plaque- und Zahnsteinentfernung erfolgen", rät Oberbeckmann. "Zu unserem Vorsorgeprogramm gehört ebenfalls eine umfassende Untersuchung der Zähne und des Zahnfleisches und ein Test zur Bestimmung des individuellen Kariesrisikos. Gefährdete Zähne werden zusätzlich fluoridisiert und versiegelt. Das karieshemmende Fluorid wirkt besonders durch den direkten Kontakt mit dem Zahnschmelz. Fluorid verbessert die Säureresistenz des Zahns, es härtet die oberste Schmelzschicht, hemmt das Bakterienwachstum und beschleunigt die Remineralisierung, die Wiedereinlagerung von Mineralien."

Schmelz schützen

Unser Gebiss sollte regelmäßig – mindestens zweimal täglich – gründlich mit einer Kurzkopfzahnbürste und fluoridhaltigen Zahnpaste von Belägen gereinigt werden. Empfehlenswert ist es auch, die Zähne zusätzlich nach jeder Hauptmahlzeit – mit einer Bürste, die nicht älter als zwei Monate ist – zu reinigen. "Besonders geeignet sind Bürsten mit dünnen und abgerundeten Borstenenden aus Kunststoff oder elektrische Zahnbürsten", erklärt Oberbeckmann die richtige Mundhygiene. "Für die Zahnzwischenräume sind Zahnseide oder bei größeren Lücken Zahnzwischenraumbürsten zu empfehlen. Zusätzlich angewendete Mundspülungen mit handelsüblichen alkoholfreien Lösungen können eine Plaqueneubildung zwar verzögern, aber nicht verhindern." Doch auch die beste Zahnbürste kann nur wirken, wenn sie richtig angewendet wird. Oberbeckmann: "Horizontales Hin- und Herschrubben ist zur Reinigung der Zähne ebenso ungeeignet wie ein zu großer Kraftaufwand. Es kann zu Verletzungen und Abnutzungen an den Zähnen und am Zahnfleisch kommen. Richtig sind kreisende Bewegungen weg vom Zahnfleisch hin zur Zahnspitze, dabei Zahn für Zahn vorgehen und auch die Rückseite der letzten Zähne nicht vergessen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie die Zahnbürste richtig anwenden, fragen Sie Ihren Zahnarzt nach der richtigen Putztechnik." Überlieferte Empfehlungen, beispielsweise die, einen Apfel zu essen und das Zähneputzen zu vergessen, sind nicht nur völlig falsch, sondern auch noch gefährlich. Äpfel enthalten neben Fruchtzucker auch Säure, wie fast alle Obstsorten. "Eine Killerkombination für die Zähne, die zur Plaquebildung bzw. Kariesentstehung beiträgt", so Oberbeckmann. "Darum, nach dem kraftvollen Biss in einen Apfel unbedingt die Zähne putzen! Aber Vorsicht: Nach dem Verzehr von säurehaltigen Nahrungsmitteln und Getränken mindestens 30 Minuten mit dem Putzen warten, da sonst der Zahnschmelz geschädigt wird." Es gibt allerdings auch Lebensmittel, die eine positive Wirkung auf die Mundflora haben. "Die Inhaltsstoffe von grünem und schwarzem Tee haben eine antibakterielle Wirkung" erklärt Oberbeckmann, "sie stoppen das Wachstum säurebildender Bakterien im Zahnbelag. Käse schließt nicht nur sprichwörtlich den Magen, das in ihm enthaltene Protein Kasein und die Mineralstoffe Kalzium und Phosphor helfen, die Mineralien im Zahnschmelz zu erneuern. Außerdem neutralisiert Käse einen sauren ph-Wert im Mund. Trotzdem: Gouda, Emmentaler und Co. auf dem Speiseplan ersetzen nicht die Zahnbürste."

Die Spucke macht's

Unser Speichel ist das wichtigste natürliche Schutzsystem im Mund, denn er spült, schützt, repariert und härtet die Zähne. Für die Zahngesundheit sind daher ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten, in denen der Speichel die Säuren neutralisiert und die angegriffene Zahnsubstanz remineralisiert werden kann, besonders wichtig. Damit diese Eigenschaften aber auch zum Einsatz kommen können, müssen die Zähne frei von Zahnbelag sein. Außerdem sollten längere zuckerfreie Phasen eingelegt werden. Denn es kommt nicht auf die Menge des konsumierten Zuckers an, sondern auf die Häufigkeit bzw. Dauer des Konsums. Eine über den ganzen Tag verteilte Zuckeraufnahme, beispielsweise durch Süßigkeiten, Lutscher, Bonbons oder zuckerhaltige Getränke, erhöht das Kariesrisiko um ein Vielfaches, da der Zahnschmelz keine Regenerationsphasen mehr hat und die Zähne immer wieder der sich bildenden schädlichen Säure ausgesetzt sind. Besonders abends nach dem letzten Zähneputzen sollte nichts mehr gegessen werden, die Nahrungsreste würden sonst die ganze Nacht an den Zähnen haften bleiben und sie auf Dauer schädigen. "Wer auf eine zuckerreduzierte und zahnfreundliche Ernährung achtet, regelmäßig seine Zähne professionell reinigen lässt und eine gründliche Mundhygiene betreibt, kann Karies gezielt vorbeugen und auch morgen noch strahlend lächeln", rät Oberbeckmann.

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