27. November 2008
Von Andreas Hadel
"Ich weiß, dass ich keine Kekse essen sollten, aber ich kann einfach nicht anders" - Klingt das vertraut? Jeder weiß, dass Kekse genauso wie andere Süßigkeiten alles andere als ein idealer Snack sind. Aber warum kommen wir dann so schwer ohne aus? Warum essen wir diese Dinge teilweise in rauen Mengen, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht unseren Zielen näher bringen?

Der Abnehmwille ist da, trotzdem können wir häufig nicht die Finger von Keksen und anderem Süßkram lassen
Die Antwort ist simpel: Kekse und andere Süßigkeiten schmeckten einfach unglaublich gut. Und weil Sportler und Menschen, die gerade Diät halten, eher auf Süßes Appetit haben, wenn sie zu stark hungern.
Die meisten Menschen glauben, dass die Kekse das Problem sind. Dabei sind sie eher ein Symptom und zu großer Hunger der eigentliche Verursacher.
Hunger ist eine mächtige psychologische Kraft, das in uns das Verlangen nach Essen weckt. Wenn ein Kind über Hunger klagt, bekommt es von den Eltern etwas zu essen. Hat ein Sportler Hunger, hat er meistens entweder gerade keine Zeit, um eine vollwertige Mahlzeit zuzubereiten oder ist auf Diät und fürchtet daher, dass jede Speise seine Ambitionen untergraben könnte.
Athleten können jedoch in der Regel ohne Probleme während einer Diät vergleichsweise viel essen, weil sie die Kalorien beim Training ohnehin wieder verbrennen. Das innere Krümelmonster wird nur dann übermächtig, wenn während einer Diät Hunger zur Norm wird. Das hat zur Folge, dass der Sportler in einen psychologisch teilweise abnormalen Grad des Hungerns fällt. Zum Teil kommt es dann zu den gleichen psychologischen Reaktionen wie bei Menschen in ärmeren Regionen der Welt, die einer Hungerperiode ausgesetzt sind.
Im Jahr 1950 hat Dr. Ancel Keys mit seinen Kollegen an der Universität von Minnesota die Physiologie des Hungerns untersucht. Sie haben dafür über einen Zeitraum von sechs Monaten 36 junge Männer beobachtet, die nur die hälfte ihrer normalen Nahrungsmenge zu sich nehmen durften.
Bevor der Testzeitraum begann, haben die Wissenschaftler das Verhalten und die Persönlichkeit ihrer Probanden für drei Monate gewissenhaft studiert. Sie haben die Männer ebenfalls nach der sechs Monate langen Diät für weitere drei bis neun Monate beobachtet.
Mit abnehmenden Körpergewicht der Testpersonen verstanden die Forscher, dass exzessive Völlerei eine direkte Folge von Hunger ist. Auffallend war zudem, dass sich die Probanden mit zunehmender Diätdauer immer mehr in das Thema Essen vertieften. Die hungrigen Männer suchten in Konversationen fast immer über Essen und Speisen zu sprechen, fingen an Kochbücher zu lesen und träumten nach eigener Aussage sogar davon. Abgesehen von dieser Beobachtung, stieg ihr Kaffeekonsum drastisch an und sie kauten exzessiv Kaugummi.
Die Männer wurden außerdem depressiv und unterlagen Stimmungsschwankungen, zeigten Anzeichen von Gereiztheit, Wut und Angstzuständen. Sie wurden gleichgültig und verloren ihren Sinn für Humor. In den letzten Wochen sank die Temperatur ihrer Hände und Füße. Die Probanden fühlten sich schließlich schwach und schläfrig.
Während der Studie waren einige Männer nicht mehr in der Lage, ihre Nahrungszufuhr rational zu steuern. Wann immer sich die Möglichkeit für eine Völlerei bot, nutzten sie sie.
Als die Studie endete und die Testpersonen wieder ohne Restriktionen essen durften, assen viele von ihnen über mehrere Tage fast ununterbrochen. Einer großen Mahlzeit folgte ein fast ebenso großer Snack, dem wiederum eine ausgiebige Mahlzeit folgte.
Was zeigt uns diese Studie also?
Sie können den Drang nach exzessivem Essen vermeiden, indem Sie ihre Diät nicht zu extrem gestalten. Bedenken Sie, dass ihr Körper bereits auf seine Fettreserven zugreift, wenn Sie die Kalorienzufuhr um 10 bis 20 Prozent senken. Eine Verringerung um fünfzig und mehr Prozent ist weder nötig noch unbedingt produktiver.
Erlauben Sie sich hin und wieder den Gelüsten in Maßen nachzugehen. Eine Tafel Schokolade über eine Woche verteilt zu essen, macht ihre Diäterfolge nicht zunichte, sondern verleiht Ihnen ein größeres Durchhaltevermögen, um die Ziellinie auch wirklich zu überqueren.
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