27. April 2007
Gehören auch Sie zu den Bewegungsmuffeln oder Sitzsportlern? Meinen Sie auch: Einmal in der Woche den Puls auf dem Sofa beim TV-Fußball in die Höhe getrieben reicht? Mehr Sport ist ungesund? Falsch! Sport hat eine positive Wirkung auf den Kreislauf und den gesamten Organismus des Menschen.

EKE - Belastungs-EKG
In den Industrieländern sind Herz-Kreislauferkrankungen immer noch die häufigste Todesursache. "Hauptursache vieler Erkrankungen des Herzens, des Blutkreislaufes und der Blutgefäße ist vor allem die Arteriosklerose, eine Verengung der Gefäße durch Ablagerungen", erläutert Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen. "Es kommt zu einem erhöhten Blutdruck und die Fließeigenschaft des Blutes ist vermindert, dies führt unter anderem zu einer Sauerstoff-Mangelversorgung des Körpers. Das müsste nicht sein, denn es ist erwiesen, dass regelmäßige sportliche Betätigung Herz-Kreislauferkrankungen vorbeugen kann."
Es ist nie zu spät, mit Sport anzufangen. "Kontinuierliches Training verbessert die Sauerstoffaufnahme der Muskulatur und des Gewebes, entlastet das Herz und steigert somit die Herzleistung", erklärt Prof. Sabin. "Ein zu hoher Blutdruck wird gesenkt, die Atmung vertieft und so die Sauerstoffaufnahme im Körper erhöht. Regelmäßige Bewegung senkt außerdem den LDH-Cholesterinspiegel, das so genannte schlechte Cholesterin, gleichzeitig kommt es zu einem Anstieg des guten HDL-Cholesterins. So kann sowohl der Entstehung als auch dem Fortschreiten einer Arteriosklerose vorgebeugt werden. Regelmäßige körperliche Betätigung hilft außerdem, überflüssige Pfunde zu verlieren. Übergewicht ist ein weiterer Faktor für die Entstehung der Arteriosklerose. Außerdem wird durch Sport das Immunsystem gestärkt und negativer Stress abgebaut." Positiver Nebeneffekt der sportlichen Aktivitäten: das Bindegewebe und die Haut werden straffer, die Knochendichte nimmt zu, wodurch das Osteoporoserisiko sinkt. Außerdem macht Sport geistig fit und sorgt durch Ausschüttung der so genannten Glückshormone für gute Laune.
Für viele ist nach einem erlittenen Herzinfarkt oder einer anderen Herzerkrankung die Vorstellung sich sportlich zu betätigen mit verständlicher Angst verbunden. Doch, es ist erwiesen, Sport wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislaufsystem und die Leistungsfähigkeit von Herzpatienten aus. Dies gilt für Frauen und Männer gleichermaßen. Vorausgesetzt der Sport ist an die körperliche Konstitution und Leistungsfähigkeit des Einzelnen angepasst", erläutert Prof. Sabin. "Wenn Sie unsicher sind, wie stark Sie sich und Ihren Körper belasten können oder dürfen, sollten Sie mit Ihrem behandelnden Kardiologen sprechen, bevor Sie beispielsweise kraftvoll in die Pedale treten." Auch eine Herzsportgruppe unter ärztlicher Aufsicht bietet sich an. Diese hat den großen Vorteil, dass Herztätigkeit und Leistungsentwicklung unter ständiger Kontrolle stehen. Wichtig ist, nicht nach Höchstleistungen zu streben, sondern regelmäßig und lieber langsamer und dafür länger zu trainieren. Die eigene Belastungsgrenze sollte nicht überschritten werden.
Empfehlenswert bei einer Herzerkrankung sind Ausdauersportarten wie schnelles Gehen, Wandern, Walken, Nordic Walking oder Fahrrad fahren. Auch Tanzen, beispielsweise Standardtanzen, ist möglich. Intensität und Pensum dieser Sportarten lassen sich sehr gut auf die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen abstimmen. Ebenfalls gut geeignet sind Dehn-, Kraft-, Koordinations-, Atem- und Entspannungsübungen. Sie regen die Durchblutung und den Stoffwechsel an. Es hat sich gezeigt, dass eine sportliche Belastung nahe der maximalen Pulsfrequenz nicht erforderlich ist, um körperliche Leistungen zu steigern. Mit maßvollem Training kann auch bei einer bestehenden Herzerkrankung eine optimale Leistungsfähigkeit erreicht werden.
Radfahren ist der beliebteste Sport in Deutschland. Es fördert, wenn er regelmäßig d.h. mindestens zwei bis dreimal pro Woche ausgeübt wird, die Ausdauer, schont das Herz-Kreislauf-System und kann auch bei gesundheitlichen Beeinträchtigungen ausgeübt werden. Der große Vorteil beim Radeln: Die körperliche Anstrengung ist gut dosierbar und kann an den individuellen Leistungsstand des Einzelnen angeglichen werden, auch bei älteren Menschen. Um jedoch Stürze zu vermeiden, sollten sich gerade ältere und unsichere Menschen eher auf ein Fahrradergometer setzen. Mit diesem Heimtrainer kann unkompliziert und sicher zu Hause trainiert werden. Empfehlenswert sind auch Gymnastikübungen, Yoga, Tai Chi oder andere Entspannungsübungen, ebenso Sportarten wie Skilanglauf und Golf. Prof. Sabin: "Schwimmen ist für Herzpatienten jedoch nur bedingt geeignet. Durch den Wasserdruck kann der Blutdruck ansteigen und Herzrhythmusstörungen können auftreten. Daher sollten Übungen im Wasser nur unter fachgerechter Anleitung stattfinden. Gänzlich ungeeignet sind alle Sportarten, die mit großem Kraftaufwand verbunden sind, wie Kampfsportarten, Bodybuilding oder Gewichtheben. Auch Klettern, Tauchen, Squash oder Wasserski sind für Patienten mit Herzerkrankungen nicht geeignet."
Jeder, egal welchen Alters, ob kerngesund oder nur vermindert belastbar, kann sportlich aktiv werden, um sich und seinen Körper fit zu halten. Als Untrainierter sollte man aber nicht gleich mit dem Langstreckenlauf starten. Prof. Dr. Georg V. Sabin, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Elisabeth-Krankenhauses Essen: "Wer lange keinen Sport betrieben hat oder gesundheitlich eingeschränkt ist, sollte vor der ersten Trainingseinheit einen gesundheitlichen Check-up durchführen lassen. Im Essener Zentrum für PräventionsMedizin BodyGuard! kann man beispielsweise innerhalb eines Tages seinen gesundheitlichen Status quo abklären lassen. Besprechen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt, welche Sportart geeignet ist und bauen Sie dann Ihr Trainingspensum schrittweise auf."
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