Ursachen, Symptome und Behandlung verschiedener Entwicklungsstörungen

Junge in grünem T-Shirt hebt wütend seine Faust

Mögliche Formen von Entwicklungsstörungen - man unterscheidet mitunter motorische, sprachliche und geistige Störungen; auch Verhaltensprobleme sind möglich

Alle Eltern wünschen sich ein gesundes Kind, welches sich normal entwickelt und fröhlich dem Leben entgegengeht. Aber in manchen Fällen kann es zu Entwicklungsstörungen kommen. Je besser man diese erkennt, umso einfacher kann man sie behandeln.

Definition

Das Wort Entwicklungsstörung ist ein weit gefasster Begriff und bezeichnet eine Vielzahl an Beeinträchtigungen. Es ist eine unspezifische Kategorie von Normabweichungen, welche die kindliche Entwicklung betreffen.

Eine Entwicklungsstörung besteht immer dann, wenn sich das Kind entweder insgesamt oder nur in einigen Teilbereichen nicht altersgemäß entwickelt. Es muss eine deutliche Abweichung zu einer normalen Entwicklung vorliegen.

Eine Entwicklungsstörung darf nicht mit einer Entwicklungsverzögerung verwechselt werden und sollte rechtzeitig von einem Arzt abgeklärt werden um darauf reagieren zu können. Eine Entwicklungsstörung kann unter Umständen eine bleibende Einschränkung bedeuten.

Eltern verfolgen mit Aufmerksamkeit und oft auch mit Staunen die Entwicklungsschritte, die ein Kind zurücklegt. Es ist enorm, was so ein kleines Menschenwesen allein im ersten Lebensjahr schon lernen und beherrschen muss und es legt wahre Meilensteine zurück.

Und doch kann es zu Auffälligkeiten kommen, welche die Eltern beunruhigen, wie etwa:

Eine Entwicklungsstörung geht oft mit Schielen und anderen Sehstörungen oder Taubheit einher. Andere Erkrankungen, wie zum Beispiel Epilepsie, können eine Entwicklungsstörung verursachen.

Entwicklungsstörungen sind entweder angeboren oder werden erst später erworben. Während angeborene Entwicklungsstörungen zumeist durch eine fehlerhafte Entwicklung des Embryos oder Fetus verursacht werden, entstehen erworbene Störungen durch äußere Defizite, wie beispielsweise Vitaminmangel.

Arten der Entwicklungsstörung

Motorische Koordinationsfähigkeit

Eine Entwicklungsstörung zeigt sich oft in der motorischen Koordinationsfähigkeit des Kindes. Es kann den altersgemäßen grob- und feinmotorischen Anforderungen nicht gerecht werden.

Die Kinder zeigen sich unbeholfen, lassen vieles aus der Hand fallen, stolpern oder fallen oft. Sie können nicht richtig Dreirad fahren und beim Werfen und Fangen stellen sie sich ungeschickt an.

Sprachstörungen

Beim Sprechen lernen werden Sprachstörungen auffällig. Später dehnen sich die Entwicklungsstörungen auf die schulischen Fertigkeiten aus; es kommt zu Lese- und Rechtschreibstörungen sowie Rechenstörungenen und auch Verhaltensprobleme sind möglich.

Psychische und physische Entwicklungsstörungen (Fehlbildungen)

Die Bereiche, in denen eine Störung der Entwicklung vorliegt, hängen teils zusammen und können sich somit auch gegenseitig beeinträchtigen. So liegen Problemen im motorischen Bereich häufig psychische Entwicklungsstörungen zugrunde; diese können sich wiederum mitunter im Verhalten sowie in der Sprache bemerkbar machen.

Des Weiteren sind dadurch auch körperliche Einschränkungen möglich, wie etwa Ausscheidungsstörungen. Körperliche Entwicklungsstörungen machen sich vor allem durch Wachstumsstörungen bemerkbar; auf diese gehen wir hier gesondert ein. Solche, die mit Fehlbildungen einhergehen, entwickeln sich bereits während der Schwangerschaft.

Kombinierte und tief greifende Entwicklungsstörungen

Es gibt auch kombinierte umschriebene Entwicklungsstörungen. Dabei handelt es sich um einen bestimmten Bereich der geistigen und körperlichen Entwicklung, welcher verzögert ist. Zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen zählt zum Beispiel frühkindlicher Autismus. Ist die Diagnose Entwicklungsstörung gestellt, lässt dies noch keine Rückschlüsse auf die Ursache oder den weiteren Verlauf zu.

Möglicherweise können die Defizite wieder aufgeholt werden oder sich verbessern. Es gibt auch sehr seltene Entwicklungsstörungen. Der BegriffKISS bezeichnet eine Kopfgelenksblockierung, die ebenfalls für eine Entwicklungsstörung verantwortlich sein kann.

Bedenklich, jedes fünfte Kind im Kindergartenalter zeigt Verhaltensauffälligkeiten

Kindergarten, Junge sitzt auf Teppich und spielt
child play in kindergarten © Pavel Losevsky - www.fotolia.de

Psychologen sind nach einer aktuellen Studie alarmiert. Unsere Kinder zeigen immer öfter Verhaltensauffälligkeiten und dies schon im frühesten Alter. Bereits im Kindergartenalter zeigt sich bei vielen ein bedenkliches Verhalten.

Der BVKJ, der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte, veröffentlicht die Studie, die jedes fünfte Kind als auffällig zeigt. Dies sind 21,8 Prozent der Kinder im Vorschulalter. Die Kinder haben gehäuft Probleme sich sozial zu integrieren, leiden an Aufmerksamkeitsstörungen und sind motorisch extrem unruhig.

Bei vielen zeigen sich auch ernste seelische Probleme, die dringend fachmännisch therapiert werden müssen, damit mit steigendem Alter keine ernsten Psychosen entstehen. Auch die Kinder im Grundschulalter sind betroffen. Hier sind 15 Prozent der unter Elfjährigen auffällig.

Woher diese steigende Zahlen kommen, können Jugendärzte und Psychologen sich bisher nicht erklären. Es sind Studien geplant, die dem auf die Spur gehen sollen. Besonders ins Auge fassen möchte man Erziehungsmethoden und Medienkonsum der Kinder.

Blei in Autoabgasen minderte die Intelligenz von Kindern der 70er und 80er Jahre

Langzeitfolgen von Tetraethylblei - Geringerer IQ bei Bleibelastung im Blut

Nahaufnahme Auto Auspuff mit Abgasen
abgase noch und nöcher © Stefan Redel - www.fotolia.de

Lange Zeit war es üblich, dem Benzin beim Tanken das so genannte Tetraethylblei beizumischen. Das Blei sollte den Motor schonen und damit die Laufzeit des Wagens erhöhen. Mit den Jahren wurde klar, dass eine nicht geringe Bleikonzentration über die Abgase in die Luft gelangt und der Umwelt schadet.

Da die Partikel sehr klein sind, können sie eingeatmet werden und belasten Mensch und Tier. Welche Langzeitfolgen das Nervengift für den Menschen hat, zeigt nun eine Studie, die 1972 in Neuseeland begonnen wurde. Damals bat man rund 1.000 Eltern, ihre Kinder für die Erhebung regelmäßig untersuchen zu lassen. Auf diese Weise sammelte man Gesundheitsdaten der damals Heranwachsenden.

Als die Kinder elf Jahre alt waren, durften die Forscher bei 565 von ihnen eine Blutprobe analysieren. Die Ärzte interessierten sich vor allem für den Bleigehalt im Blut.

Über die weiteren Jahrzehnte erfolgten neue Untersuchungen und IQ-Tests. Die letzte Messung der Intelligenz nahm man 2012 vor als die Probanden circa 38 Jahre alt waren.

Ein irreversibler Schaden

Tatsächlich zeigte sich eine verminderte Intelligenz, wenn die Teilnehmer im Alter von elf Jahren eine hohe Bleibelastung im Blut gehabt hatten. Wer über dem (damals gültigen) Grenzwert von zehn µg Blei pro Deziliter gelegen hatte, dessen IQ war im Schnitt 4,25 Punkte niedriger als der von Kindern ohne Bleibelastung.

Das ist vor allen Dingen deswegen interessant, da nach dem Ende des bleiversetzten Benzins die Umweltbelastung abnahm. Doch der einmal beim Kind angerichtete Schaden wird offenbar auch im Erwachsenenalter nicht mehr ausgeglichen. Das sah man auch im Alltag, denn die Betroffenen hatten insgesamt einen schlechteren beruflichen Stand.

Die Forscher fanden einen klaren Zusammenhang zwischen der Menge des Bleis und dem sozialen Status. Dieser wird über ein 90-Punkte-System (genannt "NZSEI-06") objektiv gemessen. Jeder Bleianstieg um fünf µg/dl kostete einen Betroffenen 1,79 Punkte auf dieser Skala.

Inzwischen wurde der offizielle Grenzwert für die Bleibelastung der Luft von zehn µg/dl auf fünf µg/dl gesenkt. Über diesem Wert lagen 1972 94 Prozent der untersuchten Kinder.

Im Folgenden gehen wir genauer auf die unterschiedlichen Arten von Entwicklungsstörungen ein.

Motorische Entwicklungsstörungen

Es gibt etliche Kinder, die unter motorischen Entwicklungsstörungen leiden. Sie können sich nicht so bewegen wie gesunde Kinder und sind auch beim Spielen und Basteln ungeschickter. Welche Ursachen eine derartige Entwicklungsstörung hat, wie sie sich genau äußert und wie sie behandelt werden kann, erfahren Sie im Folgenden.

Kinder mit einer motorischen Entwicklungsstörung sind beim Spielen und Baseln ungeschickter
Kinder mit einer motorischen Entwicklungsstörung sind beim Spielen und Baseln ungeschickter

Symptome

Kinder, die eine motorische Entwicklungsstörung haben, tun sich schwer, etwas Schönes zu basteln, weil sie einfach zu ungeschickt dazu sind. Die Fingerfertigkeit, mit einer Schere etwas akkurat auszuschneiden oder Perlen mit Klebstoff auf ein Bild zu kleben, fehlt ihnen. Außerdem haben sie auch Probleme beim Laufen oder beim Klettern.

Einen Ball zu werfen und wieder zu fangen ist für Kinder mit einer motorischen Entwicklungsstörung genauso schwierig wie das Essen mit Messer und Gabel oder auch das Schreiben in der Schule. Da die Kinder nur schwer Kontrolle über ihre eigenen Körperbewegungen bekommen, sind sie ungeschickt und werfen dabei viele Dinge um oder verletzen andere Kinder, ohne dies bewusst beabsichtigt zu haben. Auch mit dem Sprechen haben die Kinder häufig Probleme.

Motorische und geistige Entwicklungsstörungen beeinflussen sich nicht zwangsläufig

Eine motorische Entwicklungsstörung bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass das Kind auch geistig zurückgeblieben ist. Es können zwar beide Entwicklungsstörungen zusammen auftreten, müssen jedoch nicht. Viele Kinder mit einer motorischen Entwicklungsstörung sind genauso intelligent wie andere gesunde Kinder, sie können sich nur häufig nicht so ausdrücken wie die anderen Kinder.

Ursachen

Woher eine derartige Entwicklungsstörung kommt, können die Ärzte nicht immer feststellen. In einigen Fällen kommen die Babys bereits mit der motorischen Entwicklungsstörung zur Welt.

Grund dafür kann ein schlechter Lebenswandel der Mutter während der Schwangerschaft sein. Mütter, die beispielsweise während der Schwangerschaft rauchen oder Alkohol trinken, können dadurch die Erkrankung bei ihrem ungeborenen Baby verursachen.

Aber auch eine schwere Geburt mit Sauerstoffmangel beim Baby kann die Ursache für die Entwicklungsstörung sein.

Unsportliche Kinder haben Koordinationsprobleme

Mangelnde Fitness bei unseren Kindern - Technik wichtiger als der Aufenthalt im Freien

Mädchen liegt auf dem Bauch und hält Controller in den Händen, spielt Konsole
spiel © Dron - www.fotolia.de

Laut einer Untersuchung der Kölner Sporthochschule zusammen mit dem Zentralen Institut des Bundeswehr-Sanitätsdienstes haben immer mehr Kinder erhebliche motorische Probleme.

Die Hälfte der Leistungen unter dem Richtwert

In einem Test, der bereits seit Anfang der 70er Jahre durchgeführt wird, lässt sich die Koordinationsfähigkeit messen. Die Übungen sind so simpel wie aussagekräftig, da die Kinder dabei rückwärts gehen oder hüpfen müssen. Der Vergleich mit Normwerten zeigt, dass das, was in den 70ern noch problemlos klappte, schon in den 90ern für 30% der Kinder kritisch wurde. Heutzutage bleibt die Hälfte unter dem Richtwert.

"Manche Viertklässler können heute keine Sprossenwand mehr hochklettern und keinen Purzelbaum mehr machen", erklärt Medizinerin Monika Siegrist. Wanderausflüge sind schwierig geworden, weil die Kinder kaum genügend Ausdauer haben.

Besonders auffällig sei die Tatsache, dass Mädchen sich sportlich noch weniger betätigen als Jungen.

Versierter Umgang mit Technik

Weitaus geübter sind die Kinder im Umgang mit moderner Technik. Im Alter von zwei bis fünf Jahren können immerhin 19% ein Smartphone bedienen. Weniger als 10% sind in der Lage einen Schuh zuzubinden.

Der Grund für die mangelnde körperliche Fitness liegt eindeutig darin, dass Kinder nicht mehr soviel im Freien sind. Es ist nicht nur weniger Zeit für Fahrradfahren und Co. vorhanden, es fehlt auch am dazugehörenden Platz.

Dazu kommt, dass manche Eltern vor lauter Angst, den Sprösslingen könnte etwas geschehen, bremsend Einfluss nehmen. Mangelnde Bewegung sorgt zudem für Fettpölsterchen. Ungefähr jedes sechste Kind leidet in Deutschland an Übergewicht.

Behandlung

Eltern, deren Kind eine motorische Entwicklungsstörung hat, müssen nicht tatenlos dabei zusehen, wie ihr Kind unter seiner Situation leidet. Teil der Therapie ist es, dem Kind Mut zuzusprechen und so sein Selbstwertgefühl aufzubauen. Kinder, die ständig von den anderen gesunden Kindern ausgegrenzt werden, trauen sich selbst überhaupt nichts mehr zu.

Neben dieser psychologischen Betreuung hilft den Kindern aber auch eine Körperwahrnehmungstherapie. Hier können die Bewegungsstörungen zwar nicht geheilt, aber doch häufig verbessert werden. Außerdem lernen die Kinder hier, mit ihrer Bewegungseinschränkung zu leben und sie in den Alltag zu integrieren.

Außerdem ist es für Eltern auch wichtig zu wissen, dass sie ihr Kind nicht ständig maßregeln sollten. Es kann nichts dafür, dass es die Vase fallengelassen hat oder ein schlechteres Schriftbild als die Klassenkameraden hat.

Je weniger Druck aufgebaut wird, desto besser können die Kinder mit ihrer Krankheit zurechtkommen.

Übersicht verschiedener Entwicklungsstörungen und deren Merkmale
Art der EntwicklungsstörungMögliche Merkmale und Erkrankungen
Motorische EntwicklungsstörungEin Mangel an Fingerfertigkeit, Fehlende Kontrolle über eigenen Körperbewegungen
FehlbildungEdwards-Syndrom (Trisomie 18), Lissenzephalie, Hydrops fetalis
SprachentwicklungsstörungStörungen der Aussprache, Probleme der Lautbildung im sprachlichen Kontext, Anwendungsprobleme im Bereich der Grammatik, Verständnisprobleme
Entwicklungsstörung schulischer FertigkeitenLegasthenie, Isolierte Rechtschreibstörung, Rechenstörung
Psychische EntwicklungsstörungDeprivationsstörung, Externalisierende Störung, Emotionale Störung, Angststörung
Tiefgreifende EntwicklungsstörungFrühkindlicher Autismus, Asperger-Syndrom, Rett-Syndrom

Körperliche Entwicklungsstörungen durch Fehlbildungen während der Schwangerschaft

Das Edwards-Syndrom (Trisomie 18)

In der Medizin bezeichnet man das Edwards-Syndrom auch als Trisomie 18. Bei dieser Fehlbildung befinden sich auf sämtlichen Körperzellen nicht nur zwei Chromosomen 18, wie es normal wäre, sondern drei. Dies hat schwere Organstörungen zur Folge.

Benannt wurde das Edwards-Syndrom nach dem englischen Humangenetiker John Hilton Edwards (1928-2007), der die Entwicklungsstörung im Jahr 1960 erstmals beschrieb.

Ursachen

Die Gründe für das Entstehen des Edwards-Syndroms kennt man bislang nur zum Teil. Verantwortlich für die Entwicklungsstörung ist zusätzliches Chromosomenmaterial des Chromosoms 18. In den Chromosomen sind die Erbinformationen des Menschen enthalten. Chromosomen treten stets paarweise auf. Insgesamt gibt es 46 Chromosomen und 23 Chromosomenpaare.

Kommt es zu einer Veränderung dieser Anzahl, handelt es sich um eine Genom-Mutation. Hervorgerufen wird eine solche Mutation zumeist durch Fehler bei der Zellteilung. Es ist allerdings unklar, warum dies geschieht.

Freie Trisomie 18

Beim Edwards-Syndrom unterscheidet man zwischen verschiedenen Varianten wie der freien Trisomie 18 und der Translokations-Trisomie 18. Verantwortlich für die freie Trisomie 18 ist die Chromosomenanzahl. In einer der Keimzellen, also entweder der männlichen Samenzelle oder der weiblichen Eizelle, ist ein zusätzliches Chromosom 18 enthalten. Dies geschieht, wenn das Chromosomenpaar 18 der ursprünglichen Zelle bei der Entstehung der Samen- oder Eizelle nicht richtig aufgetrennt wird.

Während im Normalfall jede Tochterzelle ein Chromosom 18 erhält, bekommt bei der freien Trisomie 18 eine Zelle zwei Chromosomen 18, während die andere gar kein Chromosom 18 aufweist. Diese fehlerhafte Verteilung geschieht aus Zufall.

Translokations-Trisomie 18

Eine seltene Variante ist die Translokations-Trisomie 18, in der nur einige Teile des Chromosoms 18 verdreifacht werden. Auch in diesem Fall ist eine fehlerhafte Verteilung der Chromosomenaufteilung für diese Fehlbildung verantwortlich. Das überschüssige Material des Chromosoms 18 bleibt an einem anderen Chromosom heften.

Für den betroffenen Menschen hat die Translokations-Trisomie 18 keine Auswirkungen, da durch das Anheften kein genetisches Material fehlt. Zeugt diese Person jedoch Kinder, wird der genetische Fehler auf diese übertragen, was wiederum zum Ausbruch des Edwards-Syndroms führt. Eine andere Variante des Syndroms ist die Mosaik-Trisomie 18, die einen weniger schweren Verlauf hat.

Symptome

Beim Edwards-Syndrom kommt es zu verschiedenen charakteristischen Symptomen. Bemerkbar macht sich die Trisomie 18 durch Fehlbildungen. So kommt es bei betroffenen Kinder zu:

  • einem zu kleinen Kopf
  • zu kurzen Augenlidspalten
  • einer zu kleine Mund-Kinn-Region

Bereits bei der Geburt leiden die Babys unter starkem Untergewicht.

Ebenfalls typisch für das Edwards-Syndrom sind:

Gaumen-Lippen-Spalten als häufige Fehlbildungen der Trisomie 18
Gaumen-Lippen-Spalten als häufige Fehlbildungen der Trisomie 18

Ein weiteres Merkmal der Trisomie 18 sind Deformationen der Füße wie zu kurze Großzehen oder ein Klumpfuß. Außerdem drohen schwerwiegende Organstörungen durch Fehlbildungen des Gehirns, des Herzens, des Magen-Darm-Trakts und der Nieren.

Diagnose

Das Edwards-Syndrom lässt sich bereits vor der Geburt feststellen. Kommt es während der Schwangerschaft zu Auffälligkeiten wie Wachstumsverzögerungen oder verminderten Bewegungen des Babys, nimmt der Frauenarzt eine Ultraschalluntersuchung vor.

Erhärtet sich dabei der Verdacht auf Trisomie 18, lässt sich die Diagnose durch einen Gen-Test absichern. Dazu werden durch die Bauchdecke der Mutter Zellen entnommen, um diese genauer zu untersuchen.

Zu diesem Zweck erfolgt eine Chromosomenbestimmung durch die sich eine genaue Diagnose stellen lässt. Darüber hinaus ermittelt man die Art der Trisomie 18.

Therapie und Prognose

Leider lässt sich das Edwards-Syndrom nicht wirksam behandeln. Zahlreiche Kinder versterben bereits vor ihrer Geburt und bei denjenigen, die es schaffen, zur Welt zu kommen, besteht nur eine geringe Lebenserwartung. So tritt der Tod häufig schon in den ersten 12 Monaten nach der Geburt ein, etwa durch:

Manche Kinder erreichen jedoch durchaus das Jugend- oder Erwachsenenalter, sofern keine schweren Fehlbildungen der Organe vorliegen.

Die Lissenzephalie

Als Lissenzephalie wird eine selten vorkommende Gehirnfehlbildung bezeichnet. Sie ruft bei neugeborenen Kindern schwerwiegende Behinderungen hevor.

Ein typisches Merkmal der Lissenzephalie ist, dass keine Gyri (Gehirnwindungen) vorhanden sind, sodass die Oberfläche des Gehirns vollkommen glatt ist oder eine unvollständige Ausbildung der Windungen besteht.

Ursachen

Verursacht wird eine Lissenzephalie durch eine Wanderungsstörung, auch Migrationsstörung genannt. Während sich das Gehirn des ungeborenen Kindes entwickelt, kommt es im vierten Schwangerschaftsmonat zu einer Wanderung der Nervenzellen an die Oberflächen des Gehirns. Die Nervenzellen, die sich zuletzt bilden, erreichen schließlich die Oberschicht der Hirnoberfläche.

Sind die Nervenzellen jedoch nicht in der Lage, die Großhirnrinde zu erreichen, hat dies eine Lissenzephalie zur Folge. So können sich viele Verbindungen, die unbedingt notwendig sind, nicht ausbilden.

Erbliche Ursache

Die Entwicklungsstörung, die für die Lissenzephalie ursächlich ist, wird meist vererbt. So kommt es oftmals durch Veränderungen im Erbgefüge zu einer Gehirnfehlbildung.

Betroffen davon sind vor allem das DCX-Gen auf dem X-Chromosom sowie das LIS1-Gen auf Chromosom 17. Es existieren aber noch fünf andere Gene, an denen Veränderungen auftreten können, die eine Lissenzephalie hervorrufen.

Weitere Ursachen

Neben den erblichen Ursachen kommen aber auch weitere Auslöser für eine Lissenzephalie infrage:

Symptome

Die Symptome, die bei einer Lissenzephalie auftreten, sind unterschiedlich und hängen von dem Ausmaß der Fehlbildung ab. Als mögliche Beschwerden kommen infrage:

Außerdem leiden die betroffenen Kinder unter einer verzögerten psychomotorischen und körperlichen Entwicklung sowie erheblichen geistigen Behinderungen. So ist es möglich, dass ein Kind auf dem Niveau eines Babys stehenbleibt. In diesem Fall ist es nicht in der Lage:

  • zu laufen
  • zu sprechen
  • selbstständig zu essen
Diagnose

Bei Babys kann eine Lissenzephalie häufig schon durch die typischen Symptome festgestellt werden. Zur Absicherung der Diagnose erfolgt zumeist eine Computertomographie (CT) oder Kernspintomographie (MRT). Durch die Anwendung dieser bildgebenden Verfahren ist die Fehlbildung des Gehirns gut zu erkennen.

Typisch für eine Lissenzephalie ist, dass das Gehirn eine vollkommen glatte Oberfläche aufweist oder nur über wenige Furchen und Hirnwindungen verfügt. Mögliche Schäden am Erbgut lassen sich durch eine Analyse der Chromosomen ermitteln.

Therapie und Prognose

Eine wirksame Behandlung der Lissenzephalie ist nicht möglich. Daher beschränkt sich die Therapie auf die Linderung der Symptome. Außerdem ist es erforderlich, die betroffenen Kinder ihr ganzes Leben lang intensiv zu betreuen.

Orthopädische Beschwerden wie Gelenkfehlstellungen lindert man durch eine Physiotherapie oder Beschäftigungstherapie.

Doch auch bei intensiver medizinischer Betreuung ist die Lebenserwartung der betroffenen Kinder nur gering. Bei stark ausgeprägten Symptomen kommt es häufig schon in den ersten Lebensmonaten zum Tod des Kindes.

Weitere mögliche Entwicklungsstörungen

Zu den weiteren Störungen, die bereits während der Schwangerschaft festgestellt werden können und mitunter Fehlbildungen auslösen oder diese als Ursache aufweisen können, zählen:

  • Oligohydramnie
  • Polyhydramie
  • Disproportion
  • Umrissstörung
  • kardiale Auffälligkeiten
  • Hydrops fetalis
Oligohydramnie

Bei der Oligohydramnie liegt eine zu geringe Menge an Fruchtwasser vor. Beim Kind kann dieser Umstand zu Missbildungen oder Lungenfunktionsstörungen führen. Das Hauptproblem besteht in der Unterentwicklung der Lunge, da diese nicht genug Platz hat, um sich auszubilden.

Polyhydramie

Das Gegenteil, also eine zu große Menge an Fruchtwasser, stellt die Polyhydramie dar. Mögliche Ursache ist hier eine bereits bestehende Fehlbildung des Kindes, welches es daran hindert, Fruchtwasserzu trinken. Denkbar sind hier eine unvollständige Ausbildung des Großhirns oder ein Verschluss im Verdauungstrakt.

Hydrops fetalis

Von einem Hydrops fetalis ist die Rede, wenn es beim ungeborenen Kind zu Flüssigkeitsansammlungen in bestimmten Körperhöhlen oder Weichteilen kommt. Er kann mitunter einen Hinweis auf organische Fehlbildungen oder Chromosomenbesonderheiten darstellen. Besonders häufig tritt er auf bei:

  • fetaler Anämie
  • Fehlbildungen der Lunge
  • Herzfehlern
  • Edwards-Syndrom (Trisomie 18)
  • diversen Stoffwechselerkrankungen
  • Fehlbildungen des Urogenitaltraktes
  • Turner-Syndrom (Monosomie X)

Alkoholkonsum in der Schwangerschaft - Zu viele Mütter trinken

Nahaufnahme Babybauch, Schwangere hält Glas Wein und Zigarette in der Hand
Young pregnant woman holding wine and cigarette © Dmitry Naumov - www.fotolia.de

In Deutschland kommen im Jahr etwa 10.000 behinderte Babys auf die Welt. Schuld daran ist der Alkoholkonsum der Mutter. Babys, die mit dem FAS-Alkoholsyndrom geboren werden, bekommen später häufig Sprach-, Seh-, Hör- und Wachstumsstörungen.

Der Grad der Behinderung ist unterschiedlich hoch. Manche Kinder sind später in der Schule total auffällig oder unkonzentriert, während andere bereits in einen Sonderkindergarten gehen müssen. Gegen das Trinken in der Schwangerschaft soll jetzt noch mehr aufgeklärt werden.

Viele Mütter sind sich nicht bewusst, dass ein einziges Glas bereits einen erheblichen Schaden anrichten kann. Die Gehirnzellen entwickeln sich bei jedem Kind unterschiedlich lange und an anderen Tagen. Deswegen ist es nicht möglich, den Zeitraum einzuschränken, wann ein Konsum wirklich fatal werden könnte.

Ein spezieller Signalstoff verursacht Wasserköpfe bei Neugeborenen

Neugeborenes liegt beim Arzt und wird abgehört
Newborn baby with a doctor listening to her heart. © Lisa Eastman - www.fotolia.de

Weltweit leidet rund einer von 1.500 Säuglingen bei der Geburt unter einem sogenannten Wasserkopf, wobei ein Überdruck in den Hirnzwischenräumen den Kopf auf Grund der noch weichen Schädelknochen anschwillen lässt. Bislang war die Ursache für die enorme Schwellung des Kopfes unklar, doch jetzt haben Forscher des "Scripps Research Institute" im amerikanischen La Jolla herausgefunden, dass die Überproduktion eines bestimmten Signalstoffs dafür verantworlich ist.

Das Lipid namens Lysophosphatidylsäure, kurz LPA genannt, ist ein Signalstoff, der unter anderem für die Abwehrreaktionen des Körpers sowie für die Zellteilung eine Rolle spielt. Produziert der Körper des Fötus zuviel LPA, kann dieses in die Zwischenräume des Hirns gelangen und dort den besagten Überdruck auslösen. Zudem stellten die Forscher fest, dass die LPA-Produktion gezielt gestoppt werden kann, indem bestimmte Rezeptoren blockiert werden.

Bis die Medizin aus diesen Erkenntnissen allerdings eine erfolgreiche Behandlungsmethode für den fetalen Wasserkopf entwickeln kann, müssen zunächst noch weitere, genauere Untersuchungen folgen.

Gendefekt bei der Dopaminherstellung - diese Erbkrankheit kann noch im Mutterleib geheilt werden

Neugeborenes liegt auf dem Bauch im Inkubator und hält Finger des Arztes
Hand of the physician and newborn in incubator © Fanfo - www.fotolia.de

Es gibt Menschen, deren Körper von Geburt an zu wenig des Hormons Dopamin produziert. Dabei handelt es sich um eine Erbkrankheit. Bekannt sind bisher zwei Gendefekte, bei denen der Körper nicht genügend Dopamin herstellen kann. Kommen die Kinder mit dieser Krankheit zur Welt, so leiden sie bereits als Säuglinge unter erheblichen Störungen des Bewegungsapparates.

Auch geistige Defizite können infolge des Mangels auftreten. Man kann diesen Kindern allerdings helfen, in denen man ihnen L-Dopa gibt. Dabei handelt es sich um ein Medikament, das dem Körper auf künstlichem Wege die nötigen Hormone zuführt. Die Therapie kann dazu führen, dass betroffene Kinder zu 100 Prozent eine normale Motorik und Hirnleistung bekommen. Allerdings sinkt die Prozentzahl, je später man mit der Vergabe der Medikamente beginnt.

Aus diesem Grund hatten Forscher die Idee, mit der Vergabe einfach bereits vor der Geburt zu beginnen. Den Föten kann der Wirkstoff schon direkt im Mutterleib zugeführt werden, was ein frühestmöglicher Start in die Therapie ist. Die Idee wurde bereits in einem konkreten Fall umgesetzt. Eine Schwangere hatte ein Kind, bei dem der Gendefekt vorlag.

Als sie wieder Schwanger wurde, wurde zur Sicherheit einer pränatale Untersuchung auf den Gendefekt hin gemacht und tatsächlich ließ sich die Erbkrankheit auch beim Fötus feststellen. Um das ungeborene Brüderchen nun zu therapieren, vergab man kleine Mengen L-Dopa noch vor der Entbindung. Nach der Geburt setzte man die Therapie wie bisher als Standardverfahren anerkannt fort.

Das Ergebnis ist, dass der Junge sich bisher völlig normal entwickeln kann.

Höhe Feinstaubbelastung in Städten könnte sich negativ auf das Wachstum von Embryos auswirken

Stau im Straßenverkehr einer Stadt, Autoschlange im Berufsverkehr
Stau_4 © Kara - www.fotolia.de

Eine Studie des spanischen For­schungs­zentrums für Umweltepidemiologie (Barcelona) legt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen einer hohen Konzentration an Feinstaub sowie einer verzögerten Entwicklung bei Embryos beziehungsweise Feten gibt. Die Forscher werteten Daten aus insgesamt 9 Ländern und darin 18 Regionen aus.

Untersucht wurden 3 Millionen Geburten. Neugeborene mit unter 2500 Gramm gelten als bei der Geburt untergewichtig. Die Zahl dieser Fälle stieg mit der Feinstaubbelastung an. Je höher die gemessene PM10-Konzentration in einer Region war, desto höher auch die Fallzahlen.

Das absolute Geburtsgewicht war durch die PM10-Konzentration kaum beeinflusst. Auf die Bevölkerungsebene hochgerechnet war der Zusammenhang jedoch signifikant. Die Forscher gaben indes auch zu bedenken, dass etwa das Trinken von Alkohol oder das Rauchen statistisch deutlich gefährlicher sei.

Gen-Analyse kann seltene Entwicklungsstörungen bei Kindern aufdecken

Neuartige Diagnoseform spart Kosten, Nerven und Zeit von Eltern und betroffenen Kindern

3D Grafik DNA weiß auf blauem Hintergrund
dna © cornelius - www.fotolia.de

Rund drei Prozent aller Kinder werden mit einer Entwicklungsstörung geboren, die sich oft nicht auf Anhieb identifizieren lässt.

Dazu zählen:

Viele Eltern ziehen monatelang mit dem Kind von Arzt zu Arzt um der Störung auf die Spur zu kommen. Mediziner des Children's Mercy Hospitals in Kansas City setzen nun verstärkt auf Gen-Analysen zur Diagnosefindung.

Gen-Analysen zur Diagnosefindung

In einer Studie mit 119 Kindern und ihren Eltern untersuchten sie zunächst das sogenannte Exom, das zwar nur ein Prozent des menschlichen Genoms ausmacht, aber alle möglicherweise für Proteine codierenden Gene enthält.

So können Gene aufgespürt werden, die eine Krankheit auslösen. Werden die Forscher im Exom nicht fündig, untersuchen sie als nächstes das gesamte Genom.

Dabei werden in rund 45 Prozent der Fälle die Ursachen für die Entwicklungsstörung in der DNA gefunden.

Spart Kosten und Zeit

Zwar wird auch ohne Genomsequenzierung in rund der Hälfte der Fälle irgendwann die richtige Diagnose gestellt, doch dies kann jahrelang dauern. Mit der neuen Gen-Analyse kann den Eltern diese nervenaufreibende Odyssee von Arzt zu Arzt erspart bleiben.

Auch spart sie auf lange Sicht Kosten. So schlug die Analyse für eine dreiköpfige Familie im Schnitt mit 7600 US-Dollar zu Buche, während die jahrelange Suche nach der richtigen Diagnose rund 19.100 US-Dollar gekostet hätte.

Vorsicht bei Infektionen während der Schwangerschaft

Kranke, liegende Schwangere mit Tablettenpackung und Fieberthermometer neben dem Babybauch
Schwanger und krank © RioPatuca Images - www.fotolia.de

Wie Wissenschaftler feststellten, können Infektionen mit Viren bei Schwangeren zu einer Störung des Immunsystems führen, was sich auf die Hirnentwicklung des Ungeborenen auswirken könnte. So steigt dann auch das Risiko für Entwicklungsstörungen und Erkrankungen beispielsweise Autismus und Schizophrenie.

Bei ihrer Studie hatten die Forscher die trächtigen Labormäuse mit einem künstlichen Virus infiziert und später verfügte der Nachwuchs über eine schlechtere Bewegungskontrolle als normale Mäuse. Auch war die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigt. Man vermutet, dass hierbei ein bestimmtes Protein eine entscheidende Rolle spielt, der Toll-like-Rezeptor 3 (TLR3), der bei einer Infektion von Viren aktiviert wird. Durch die Einnahme des Entzündungshemmer Carprofen vor einer Infektion ergaben sich aber dann keine Probleme bei der Hirnentwicklung der Föten.

Neue Leitlinien für die Diagnose des Fetalen Alkoholsyndroms

Das Fetale Alkoholsyndrom bringt schwerwiegende gesundheitliche Störungen mit sich

Schwangere Frau hält Glas mit Wein in der Hand
bad unhealthy pregnancy © detailblick - www.fotolia.de

Das Fetale Alkoholsyndrom, kurz FASD, ist eine Krankheit die durch Alkoholkonsum mütterlicherseits während der Schwangerschaft entsteht und nicht heilbar ist. FASD ist angeboren und bringt eine geistige und körperliche Fehlentwicklung mit sich. Die Krankheit ist zu 100 Prozent vermeidbar und nicht genetisch bedingt, so Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP).

Fehlende Erkenntnisse über vollständiges Krankheitsbild

So plant Dyckman eine Vereinheitlichung der Diagnose-Standards für FASD, denn nur die richtige Diagnose kann betroffenen Kindern helfen. Jedoch sind die Erkenntnisse um das Krankheitsbild wie Symptome und Auffälligkeiten unter den Ärzten noch nicht ausgereift genug. Mit Hilfe der medizinischen Fachgesellschaften, die Dyckman eingeschaltet hat, soll nun anhand des neusten Forschungsstands die Erarbeitung wissenschaftlich belegter Leitlinien weiterhelfen.

Schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen

Jährlich werden etwa 10.000 Kinder, die unter FASD leiden, geboren. Die Auswirkungen für die Kinder bedeuten Minderwuchs, Hörstörungen ebenso wie Herzfehler und Gehirnschäden. Typische Leiden sind auch verminderte Intelligenz, Verhaltens-, Lern- und Schlafstörungen. Folgen der Krankheit wie Konzentrationsschwäche und ein beeinträchtigtes Sozialverhalten werden häufig erst nach vielen Jahren deutlich.

Sprachentwicklungsstörungen

Eine Sprachentwicklungsstörung (SES) liegt vor, wenn die Sprachentwicklung des Kindes nicht altersgemäß verläuft. Besonders im Vor- und Grundschulalter macht sie sich bemerkbar.

Man unterscheidet spezifische Sprachentwicklungsstörungen (oder auch primäre Sprachstörungen), die sich lediglich auf die sprachlichen Fähigkeiten beziehen, sowie die Sprachentwicklungsstörungen (sekundäre Sprachstörungen), die mit weiteren Entwicklungsstörungen einhergehen.

Ursachen

Zu den möglichen Ursachen zählen:

  • organische Auslöser, z.B. Hörstörungen
  • genetische Faktoren, z.B. eine frühkindliche Schädigung des Hirns
  • psychische Faktoren, z.B. die Trennung der Eltern
  • umweltbedingte Faktoren, z.B. ein Reizüberangebot
  • soziokulturelle Faktoren, z.B. eine mangelnde Anregung der Sprache

Symptome

Sprachentwicklungsstörungen können sich auf unterschiedliche Art und Weise bemerkbar machen; es können einzelne oder auch kombinierte Symptome auftreten. Bei phonetisch-phonologischen Störungen kommt es zu Störungen der Aussprache: der Laut "s" wird beispielsweise häufig nicht richtig gebildet, da die Zungenmotorik gestört ist. Ebenso kommt es zum Ersetzen eines bestimmten Lautes durch einen anderen.

Bei phonologischen Störungen wird ein bestimmter Laut isoliert zwar korrekt gebildet; dies gelingt im sprachlichen Kontext wiederum nicht. Auch können ähnlich klingende Laute oftmals nicht voneinander unterschieden werden.

Semantisch lexikalische Störungen zeichnen sich durch eine nicht altersgemäße Entwicklung der aktiven Wortschatzbildung und des passiven Wortverständnisses aus. Bei syntaktisch-morphologischen Störungen kann die Grammatik nicht gänzlich oder nur fehlerhaft angewendet werden.

Pragmatisch-kommunikative Störungen machen sich durch eine unverständliche Wiedergabe von erlebten Situationen bemerkbar. Leidet das Kind unter Störungen des Sprachverständnisses, kann es Wörter oder Sätze nicht begreifen und reagiert zum Beispiel dementsprechend unangemessen auf einen Auftrag.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Art der Entwicklungsstörung. Mögliche Maßnahmen und Behandlungsschritte sind:

  • Mundmotorik
  • Artikulationsübungen
  • Training der auditiven Wahrnehmung
  • Reimerkennung und -bildung
  • Aufbau des Grammatikerwerbs
  • Anleitung und Beratung der Eltern und Angehörigen

Nicht lange warten - Sprachstörungen sollten im Kleinkindalter abgeklärt werden

Kleines Mädchen auf Arme gestützt, vor ihr die Buchstaben ABC
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Manche Kinder fangen eben etwas später mit dem Sprechen an - solche Aussagen hören viele Eltern und trösten sich damit. Logopäden halten von Aussagen dieser Art aber überhaupt nichts.

Gerade diese abwartende Haltung hat dazu geführt, dass circa 25 Prozent aller Kinder im Vorschulalter eine oder gar mehrere Sprachstörungen haben. Jedes vierte Kind kann also seine Muttersprache nicht altersgerecht sprechen. Viele haben Defizite bei der Sprachverständnis, andere sprechen nur in Schlagwörtern und nicht in ganzen Sätzen. Bei wieder anderen ist der Wortschatz völlig unterentwickelt, oder sie vertauschen Laute und Silben.

Doch nur gut acht Prozent all dieser Kinder leiden an einer wirklichen Sprachstörung. Bei den übrigen 17 Prozent haben die Kinder das korrekte Sprechen schlicht von zuhause nicht gelernt. Die Eltern selbst sprechen falsch oder machen sich nicht die Mühe, ihre Kinder bei wiederkehrenden Fehlern auf diese hinzuweisen. In Familien, in denen im Alltag immer wieder Stress herrscht, ist es normal, nur in Schlagwörtern zu kommunizieren.

Das kann jedoch bei Kindern, die gerade die Sprache erlernen, zu Problemen führen, die gar nicht hätten sein müssen. So verfestigen sich Fehler, die mit fortschreitendem Alter immer schlechter abgelegt werden können.

Ob ein Kind zu den acht Prozent gehört und eine wahre Sprachstörung hat, können Logopäden heute so früh wie nie zuvor ermitteln. Ab einem Alter von zwei Jahren ist es für Eltern möglich, gemeinsam mit ihrem Kind einen Fragebogen auszufüllen und so klären zu lassen, ob eine Störung vorliegt, oder es sich nur um eine Spätentwicklung aufgrund schlechter Umstände handelt. Dementsprechend kann die angemessene Therapie begonnen werden.

Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten

Bestimmte Entwicklungsstörungen machen sich beim Erreichen des Schulalters bemerkbar. Dabei kann es sich beispielsweise um die Lese- und Rechtschreibstörung oder auch Legasthenie handeln.

Betroffene haben Schwierigkeiten, die gesprochene Sprache in die geschriebene Sprache umzusetzen, und umgekehrt. Als mögliche Ursachen gelten

  • Probleme bei der auditiven und visuellen Wahrnehmungsverarbeitung
  • Schwierigkeiten bei der Sprachverarbeitung
  • Schwierigkeiten bei der phonologischen Bewusstheit sowie
  • genetische Faktoren.

Bei der Isolierten Rechtschreibstörung bestehen Defizite in der korrekten Wortschreibung sowie im Buchstabieren; eine Leseschwäche muss dabei nicht unbedingt vorhanden sein. Bei der Rechenstörung liegen Verständnisprobleme im Bereich der Zahlen vor. Eine Aussage über die Intelligenz beim Betroffenen kann hierdurch nicht gemacht werden.

Psychische Entwicklungsstörungen

Im psychischen Bereich kann es zu einer Vielzahl an Entwicklungsstörungen kommen; diese beeinflussen meist auch andere Bereiche der Kinderentwicklung. Möglich sind beispielsweise:

Ebenso vielfältig können auch die zugrunde liegenden Faktoren ausfallen. Möglich sind etwa genetische Faktoren, abweichende Hirnfunktionen oder körperliche Erkrankungen. Auch die Art der Erziehung oder die Familienzusammensetzung spielen eine Rolle; Vernachlässigung sowie belastende Erlebnisse sind ebenfalls von Bedeutung.

Angststörungen bei Kindern gehören in die Kategorie der psychischen Entwicklungsstörungen
Angststörungen bei Kindern gehören in die Kategorie der psychischen Entwicklungsstörungen

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose von psychischen Entwicklungsstörungen im Kindesalter erweist sich als schwierig und ist daher sehr umfangreich. Zu den Zielen gehören:

  • der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung
  • eine diagnostische Einordnung in eine bestimmte Kategorie
  • die Erfassung der psychischen Auffälligkeiten
  • die Erkennung und Analyse des Umfelds des Patienten
  • die Erfassung von Therapiezielen

Die ausführliche Zusammenarbeit mit den Eltern ist besonders wichtig, um das Wohlergehen des Kindes möglichst schnell wieder gewährleisten zu können. Gleiches gilt für die Behandlung; zusätzlich werden auch Lehrpersonen mit einbezogen. Wichtig ist, den Kindern ein Gefühl der Sicherheit zu geben; vor allem ein geregelter Tagesablauf ist hierfür von Bedeutung.

Allem voran sollte sich jedes Kind von seinen Eltern geliebt und verstanden fühlen. Gleichzeitig braucht es - je nach Alter - auch Rückzugsmöglichkeiten. Eine Aufklärung durch den Therapeuten oder Kinderarzt ist ebenso wichtig; nur so können auch die Eltern und Angehörigen zur Genesung beitragen.

Tiefgreifende Entwicklungsstörungen

Tiefgreifende Entwicklungsstörungen zeichen sich durch eine Beeinträchtigung der sozialen Beziehungen und der Kommunikation aus. Gleichzeitig liegt ein eingeschränktes Aktivitätsprofil vor. Solche Störungen können angeboren sein oder im frühen Kindesalter erworben werden; vor dem dritten Lebensjahr kommt es zu den ersten Symptomen. Zu diesen zählen:

  • repetitive Körperbewegungen
  • weitere stereotype Verhaltensweisen
  • Probleme im Verstehen und in der Verwendung der Sprache
  • Probleme mit der Beziehung zu Mitmenschen
  • Probleme mit Veränderungen im Tagesablauf und in der Umgebung

Tiefgreifende Entwicklungsstörungen lassen sich einteilen in:

Entwicklungsstörungen bei Kindern nach einer Blutkrebs-Behandlung

Grafik Leukämie Zellen in pink auf schwarzem Hintergrund
leukemie © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Bei Kindern, die an Blutkrebs (Leukämie) erkrankt sind und auch erfolgreich behandelt werden konnten, kann es aber zu Entwicklungsstörungen kommen, die aber eine Folge der Therapie sein müssen, wie eine Studie zeigte.

Heute können die meisten Leukämien bei Kindern vollständig geheilt werden, aber es können Entwicklungsstörungen auftreten. Bei der Studie nahmen 61 betroffene Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 3,5 Jahren teil, wobei man feststellte, dass sie über einen geringeren Wortschatz verfügten und auch die geistigen Fähigkeiten und die Motorik waren langsamer als bei Gleichaltrigen gesunden Kindern.

Aber wie die Forscher weiter berichten, handelt es sich hierbei um keine echten Behinderungen, doch sollten die Eltern die langsamere Entwicklung ihrer Kinder in der Zukunft berücksichtigen.

Grundinformationen und Hinweise zur Entwicklungsstörung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Threatening fist © Bernad - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: preschoolers © Monika Adamczyk - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Boy showing a monolateral cleft lip repaired. © jorgecachoh - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Depressed little boy © bramgino - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Mother gently massage baby's legs © Igor Stepovik - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Baby playing with toy © Alena Ozerova - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: A doctor examining an cute newborn baby © Yuri Arcurs - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: baby surprisely looking at the plastic fish © Marin Conic - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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