Angeborene und erworbene Blindheit - Ursachen, Symptome und Behandlung einer Erblindung

Unter einer Blindheit versteht man die schwerste Form der Sehbehinderung, bei der Betroffenen die visuelle Wahrnehmung gänzlich fehlt oder sie nur in sehr kleinem Ausmaß vorhanden ist. In den meisten Fällen kommt es erst im Laufe des Lebens durch Krankheiten oder Augenverletzungen zu Blindheit. Manchmal kann sie aber auch bereits angeboren sein. Ein Mensch gilt als blind, wenn er die Sehschärfe maximal zwei Prozent der normalen Sehkraft beträgt. Informieren Sie sich über Ursachen, Symptome und Behandlung der Blindheit.

Die Entstehung einer Erblindung und wie man sie erkennen kann

Krankheitsbild

Blindheit wird in der Medizin auch als Amaurosis oder Amaurose bezeichnet. In Deutschland sind etwa 164.000 Menschen blind. Darüber hinaus leiden rund eine Million Menschen unter hochgradigen Sehbehinderungen.

In der Bundesrepublik Deutschland werden nach den Bestimmungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft nicht nur Personen, die vollkommen erblindet sind, als blind eingestuft, sondern auch Menschen, deren Sehschärfe auf dem besseren Auge bei höchstens zwei Prozent der Norm liegt. Beträgt die Sehschärfe zwei bis fünf Prozent, spricht man von einer hochgradigen Sehbehinderung.

Meistens kommt es erst im Laufe des Lebens zu Blindheit. So ist die Hälfte aller Blinden in Deutschland über 80 Jahre alt. In manchen Fällen ist die Blindheit jedoch bereits angeboren.

In Deutschland werden Jahr für Jahr schätzungsweise 160 Kinder blind geboren. Etwa vier- bis sechsmal so hoch ist die Anzahl der Kinder, die hochgradig sehbehindert zur Welt kommen.

Oftmals treten bei einer angeborenen Blindheit auch weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. In diesem Fall werden die Behinderungen durch hirnorganische Schädigungen hervorgerufen.

Sehbehinderung oder Blindheit? - eine Abgrenzung

Der Verlust der Sehkraft

Das Sehen ist wohl einer der wichtigsten menschlichen Sinne. Gerade in einer so visuell ausgerichteten Welt wie der unseren ist es enorm wichtig.

Doch in Deutschland gibt es schätzungsweise eine Million Menschen mit einer Sehbehinderung. Und mehr als 160.000 Menschen haben ihre Sehkraft (fast) vollständig verloren und sind somit blind.

Ursachen und Ausprägungen

Der Verlust der Sehkraft kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Bei einigen Menschen handelt es sich um eine angeborene Blindheit. Bei den meisten Menschen stellt sich der Verlust des Augenlichts jedoch plötzlich oder schleichend ein.

Zu einem plötzlichen Verlust des Augenlichts kann es zum Beispiel durch einen Unfall kommen. Der schleichende Verlust der Sehkraft ist hingegen häufig einer Erkrankung geschuldet.

Dabei muss sich noch nicht einmal um eine Augenerkrankung handeln. Denn auch Grunderkrankungen wie Diabetes können zu einem langsamen Verlust der Sehkraft führen.

Darüber hinaus gehört das allmählich schwindende Augenlicht zu den ganz normalen Alterserscheinungen. So ist zum Beispiel die Weitsichtigkeit eine Sehschwäche, die gehäuft im Alter auftritt ("Altersweitsichtigkeit").

Bei dieser Sehschwäche wird das Lesen der Zeitung ohne Brille zunehmend schwerer. Doch mit dieser ganz normalen altersbedingten Sehschwäche ist man von einer Sehbehinderung noch weit entfernt. Auch muss die im Alter nachlassende Sehkraft längst nicht in einer Blindheit enden.

Fehlsichtigkeit und Sehbehinderung

Um als blind oder sehbehindert zu gelten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden.

Fehlsichtigkeit

Bei allen Werten, die oberhalb der definierten Grenzen liegen, spricht man von einer Fehlsichtigkeit. Sieht man sich auf den Straßen einmal ein wenig um, dann begegnet man unzähligen Menschen mit einer Brille.

Sie alle tragen diese Sehhilfe, weil sie unter einer Fehlsichtigkeit leiden. Entweder fällt es ihnen schwer, Dinge in der Ferne klar und deutlich zu erkennen (Kurzsichtigkeit) oder sie können die Dinge unmittelbar vor ihren Augen (Weitsichtigkeit) nicht mehr deutlich erkennen.

In vielen Fällen lässt sich so eine Fehlsichtigkeit mit einer Brille oder mit Kontaktlinsen vollständig beheben. Die Betroffenen haben also durch das Tragen ihrer Sehhilfe (Brille, Kontaktlinsen) wieder ihre volle Sehkraft. Für sie gibt es im Alltag also keine Einschränkungen.

Sehbehinderung

Doch es gibt auch Menschen, die trotz des Tragens einer Sehhilfe nur noch über einen Bruchteil ihrer Sehkraft verfügen. In diesem Fall spricht man dann von einer Sehbehinderung.

Allerdings kann man auch hier nicht pauschal urteilen, denn auch eine Sehbehinderung kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Und so wird die Definition Sehbehinderung auch in zwei Kategorien unterteilt.

Von einer Sehbehinderung spricht man, wenn der Betroffene auf seinem "guten Auge" trotz Sehhilfe nicht mehr als 30 Prozent der eigentlichen Sehkraft zur Verfügung hat. Darüber hinaus ist von einer Sehbehinderung die Rede, wenn verschiedene Störungen im Auge (zum Beispiel des Farb- oder Lichtsinns oder der Augenbewegungen) vorliegen. Entscheidend dafür, ob es sich per Definition um eine Sehbehinderung handelt, ist die Ausprägung der Störung.

Hochgradige Sehbehinderung

Neben der Definition für eine Sehbehinderung gibt es auch eine Definition für eine hochgradige Sehbehinderung. Von einer hochgradigen Sehbehinderung spricht man, wenn der Betroffene nur noch über eine Sehkraft von fünf bis zwei Prozent verfügt. Da diese geringe verbliebene Sehkraft per Definition fast einer Blindheit gleicht, können hochgradig Sehbehinderte vor allem im Berufsleben auch als blind gelten.

Blindheit

Die meisten Menschen sind der Meinung, dass ein blinder Mensch wirklich gar nichts mehr sieht. Viele nehmen an, dass ein Blinder nicht den geringsten Lichtstrahl wahrnimmt.

Selbst Mediziner definieren Blindheit oft auf diese Weise. In der Praxis gibt es jedoch auch für Blindheit eine exakte Definition.

Nach der gilt ein Mensch dann als blind, wenn die Sehschärfe auf maximal zwei Prozent der normalen Sehkraft herabgesetzt ist. Ein Mensch kann also durchaus als blind gelten, wenn er noch über einen kleinen Rest seiner Sehkraft (meist kann nur noch hell und dunkel unterschieden werden) verfügt. Darüber hinaus gilt natürlich als blind, wer sein Augenlicht vollständig verloren hat.

Diese Definition von Blindheit findet sowohl in der Augenheilkunde als auch im Sozialrecht Anwendung. Eine vorliegende Blindheit wird als Schwerbehinderung anerkannt. Die Blindheit wird mit dem Zeichen "Bl" im Schwerbehindertenausweis eingetragen.

Ursachen

Verursacht wird eine angeborene Blindheit oder hochgradige Sehbehinderung zumeist durch Fehlbildungen am optischen System. So ist beispielsweise die Netzhaut im Auge nicht ausgebildet.

Aber auch erbliche Erkrankungen der Netzhaut wie Retinopathia pigmentosa können dazu führen, dass ein Kind blind geboren wird oder später allmählich erblindet.

Besonders häufig wird eine frühe Blindheit durch die lebersche kongenitale Amaurose hervorgerufen. Dabei handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der es zu einem beidseitigen Schwund des Sehnervs kommt.

Hauptursache für eine erworbene Erblindung sind Erkrankungen und Schädigungen der Netzhaut wie die altersbedingte Makuladegeneration. So werden rund 50 Prozent aller erworbenen hochgradigen Sehbehinderungen in Deutschland durch die Makuladegeneration hervorgerufen.

Weitere häufige Ursachen sind das Glaukom, bei dem der Sehnerv geschädigt wird, mit einem Anteil von 18 Prozent, sowie die diabetische Retinopathie, die durch die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) hervorgerufen wird, mit einem Anteil von 17 Prozent. Ferner können auch ein Katarakt (Grauer Star), bei dem es zur Trübung der Linse kommt, oder Trübungen der Hornhaut, für die Augenverletzungen, Herpes simplex oder Hornhautgeschwüre ursächlich sind, zur Erblindung führen.

Eine erworbene Blindheit muss nicht immer an beiden Augen auftreten, sie kann sich auch auf ein Auge beschränken. Als eine mögliche Ursache kommt zum Beispiel ein Gefäßverschluss infrage. Dabei wird ein zentrales Blutgefäß der Netzhaut oder ein Gefäß, welches den Sehnerv versorgt, beeinträchtigt.

Das Sehvermögen eines Auges kann sich jedoch auch durch Blutungen im Glaskörper oder unter der Netzhaut verschlechtern. Ebenso führt mitunter eine Netzhautablösung zur plötzlichen Erblindung.

Plötzliche Erblindung an beiden Augen

Eher selten tritt eine plötzliche Erblindung an beiden Augen gleichzeitig auf. Mögliche Ursachen für eine rasch einsetzende Blindheit können

sein. Im Gegensatz zu den Industrieländern, kommt es in Entwicklungsländern auch durch Infektionskrankheiten wie ein Trachom oder Bilharziose zu einer erworbenen Blindheit.

Verlauf

Ob sich eine Erblindung wieder völlig zurückbildet oder nicht, hängt von der ursächlichen Erkrankung ab. Meist kann der Verlust der Sehkraft jedoch nicht mehr rückgängig gemacht werden, so dass die Patienten ihr restliches Leben blind sind.

Je nachdem, ob ein Auge oder alle beide betroffen sind, muss der Patient lernen, in einer dunklen oder zumindest veränderten Welt zurechtzukommen. Häufig kann der erlernte Beruf nicht mehr ausgeübt werden, so dass eine Umschulung notwendig wird.

Erblindet der Patient komplett, kann auch die Anschaffung eines Blindenhundes notwendig werden. Diese speziell ausgebildeten Hunde helfen dem Blinden sicher durch seinen Alltag.

Die Betroffenen müssen oftmals die Blindenschrift lernen, um noch ein Buch lesen zu können. Für Blinde gibt es auch spezielle Computerprogramme, so dass zum Beispiel Internetseiten vorgelesen werden.

Besonders wenn beide Augen von der Erblindung betroffen sind, dauert es in der Regel lange Zeit, bis der Betroffene mit seiner Behinderung zurechtkommt und sich auch in seinem Alltag wieder selbstständig zurechtfindet. Die Selbstständigkeit ist das oberste Ziel in der weiteren Behandlung.

Symptome

Eine Erblindung kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Es können sowohl ein als auch beide Augen betroffen sein.

Die Erblindung kann langsam und schleichend voranschreiten, so dass die Betroffenen mit der Zeit immer schlechter sehen. Die Sehstörung kann jedoch auch ganz plötzlich kommen, als wäre das Licht ausgeschaltet worden. Besteht eine vollkommene Blindheit, können die Betroffenen auf diesem Auge nichts mehr sehen.

Bei einer angeborenen Blindheit zeigen sich bestimmte Symptome, die mit der Erblindung zusammenhängen. Bei der leberschen kongenitalen Amaurose liegen die Augen weit in der Augenhöhle. In vielen Fällen kommt es zu unregelmäßigen suchenden Bewegungen der Augen.

Typisch für eine angeborene Blindheit sind auch Verhaltensauffälligkeiten des Kindes wie Schielen oder Bohren und Drücken der Augen mit den Fingern.

Diagnose

Die Diagnostik erfolgt bei einem Augenarzt. Der Augenarzt führt eine umfassende augenärztliche Untersuchung durch und achtet dabei auf die Sehschärfe beider Augen im Verhältnis zueinander und ob die Pupillen im Auge noch reagieren. Der Augenhintergrund sowie das Gesichtsfeld werden untersucht.

Je nachdem, was der Augenarzt als ursächliche Erkrankung der Erblindung vermutet, lässt er auch eine Magnetresonanz- oder Computertomografieaufnahme anfertigen. Hier kann ein Arzt feststellen, ob Veränderungen im Gehirn die Ursache der Erblindung sind. Oftmals erfolgt dann auch eine Überweisung zum Neurologen, damit auch hier zugrunde liegende Erkrankungen abgeklärt werden können.

Behandlung

Eine spezielle Behandlung der Erblindung ist nicht möglich. Meist kann die Sehkraft nicht mehr wiederhergestellt werden. In diesem Fall ist es wichtig, den Patienten umfassend zu informieren, inwieweit sich sein Leben nun ändern wird und welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um den Alltag zu erleichtern.

Die Patienten erhalten einen Blindenstock sowie eine spezielle Armbinde, die die Blindheit für alle anderen Menschen ersichtlich macht. Lediglich wenn der Grund der Erblindung ein Blutgerinnsel ist, kann eine Behandlung erfolgen. Das Gerinnsel wird entfernt oder aufgelöst, so dass die Sehkraft meist wieder hergestellt werden kann.

Bei bestimmten erblich bedingten Augenkrankheiten wie Retinopathia pigmentosa ist es möglich, durch eine dauerhafte Behandlung mit Vitamin A das Voranschreiten der Erblindung zu verzögern, sofern noch genügend Sehleistung besteht. Wird die Blindheit durch einen Gefäßverschluss ausgelöst, versucht man das Sehvermögen durch eine Lysetherapie oder Förderung der Durchblutung zu verbessern.

Beeinträchtigung im Alltag: Schulungen sind wichtig

Durch eine angeborene Blindheit kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag. Da es in den meisten Fällen keine therapeutischen Möglichkeiten gibt, sind Schulungsmaßnahmen von größter Bedeutung. Diese dienen dazu, den blinden Kindern ein Leben in Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu ermöglichen.

Überaus wichtig bei blind geborenen oder sehbehinderten Kindern ist die Frühförderung, die in speziellen Kindergärten oder Sonderschulen stattfindet. Dabei wird versucht Eigenständigkeit, intellektuelle Entwicklung sowie Chancen im Beruf sicherzustellen.

Hilfsmittel für Blinde

Zur Bewältigung des Alltags benötigen sehbehinderte oder blinde Menschen eigentlich ständig die Hilfe der Menschen in ihrem unmittelbaren Umfeld. Ein selbstbestimmtes Leben ist für sie kaum noch möglich. Allerdings gibt es für Sehbehinderte und Blinde ein paar Hilfsmittel, die ihnen ein Stück der Selbstbestimmtheit wieder zurückgeben.

Die Blindenschrift

Bei der Blindenschrift handelt es sich um eine Schrift, die mit dem Tastsinn der Finger "gelesen" wird. Es gibt verschiedene Schriftsysteme für Blinde.

Braille-Schrift

Besonders gebräuchlich ist dabei jedoch die Braille-Schrift. Dieses Schriftsystem wurde vom Franzosen Louise Braille im Jahr 1825 entwickelt.

Das Besondere an der nach Braille benannten Schrift für Blinde ist, dass Braille selbst blind war. Somit wusste er genau, worauf es bei der Entwicklung der Blindenschrift zu achten galt.

Bei der Braille-Schrift handelt es sich um fühlbare Punkte, die reliefartig aus einem Material herausragen. Die Anordnung der Punkte kann von den Blinden gelesen werden. Den meisten Menschen ist die Punktschrift wohl am ehesten von den Medikamentenschachteln bekannt.

Doch inzwischen ist die Punktschrift auch an vielen öffentlichen Plätzen anzutreffen. Treppengeländer, Fahrpläne, Fahrstühle oder Schilder mit Punktschrift helfen den Blinden und Sehbehinderten bei der Orientierung. Auf diese Weise können sie sich auch ohne fremde Hilfe im Alltag bewegen.

Und auch auf Informationen, die sich sehende Menschen aus der Zeitung holen, müssen Blinde und Sehbehinderte nicht verzichten. Denn es gibt inzwischen Computertastaturen mit angeschlossener Braille-Zeile. Damit können geschriebene Inhalte in Braille-Schrift abgebildet werden. Und auch das Schreiben von Texten oder E-Mails ist für Blinde so ganz einfach möglich.

Der Langstock

Sich als blinder oder sehbehinderter Mensch im Alltag fortzubewegen, ist denkbar schwierig. Überall lauern Hindernisse, die für den Sehenden kein Problem darstellen:

  • Bordsteinkanten
  • Schlaglöcher oder Stäbe
  • Steine und Kanten,

die im Weg sind, werden von den Sehenden einfach umgangen. Für einen Blinden ist das natürlich nicht möglich. Doch mit einem Langstock als Hilfsmittel können auch blinde und sehbehinderte Menschen wieder mobil werden.

Der Langstock ist das wichtigste Hilfsmittel für die Mobilität blinder Menschen. Er ist in seiner Länge der jeweiligen Körpergröße und Schrittlänge des Besitzers angepasst.

Am unteren Ende befindet sich eine drehbare Spitze. Mit ihrer Hilfe kann nun der gesamte Bereich der Schrittlänge auf eventuelle Hindernisse abgetastet werden.

Um die richtige Technik für das Gehen mit einem Langstock zu erlernen, können Schulungen besucht werden. Da mit dem Langstock lediglich die Hindernisse erkannt werden können, die sich im Schrittbereich befinden, verbleibt ein geringes Risiko für Verletzungen am Oberkörper oder am Kopf. Allerdings kommt es zu solchen Verletzungen in der Realität nur sehr selten.

Sprache

Wer auf das Sehen verzichten muss, ist auf seine anderen Sinne angewiesen. Und da das Hören bei blinden Menschen meist einwandfrei funktioniert, ist die Sprache für sie ein wichtiges Hilfsmittel, um sich im Alltag zurechtzufinden.

Deshalb gibt es auch zahlreiche alltägliche Dinge, die mit einer Sprachausgabe ausgestattet sind. Zu diesen Dingen zählen beispielsweise

Auch auf den Genuss eines guten Buches müssen blinde und schwer sehbehinderte Menschen nicht verzichten. Denn für sie gibt es so genannte Vorlesesprechgeräte. Diese Geräte wandeln geschriebene Inhalte in Sprache um, wenn man ein Buch oder eine Zeitschrift unter eine Kamera legt.

Weitere Hilfsmittel

Neben den "großen" Hilfsmitteln für Blinde gibt es auch zahlreiche kleine "Gimmicks", die Menschen mit Sehbehinderungen das alltägliche Leben erleichtern. So gibt es zum Beispiel auch Wandkalender in Braille-Schrift. Auch Taschenkalender, in den die wichtigsten Feiertage, Ferientermine, Wochentage, Mondphasen oder wichtige Service-Nummern in Punktschrift markiert sind, sind erhältlich.

Darüber hinaus helfen kleine Klebepunkte dabei, dass blinde oder sehbehinderte Menschen ihre Umgebung (zum Beispiel die Waschmaschine, Lichtschalter oder Fernbedienungen) kennzeichnen können. Auch diese kleinen Dinge können den Alltag für Blinde leichter machen.

Kunst der Echoortung: Wie Blinde hören lernen, um zu sehen

Echoortung wird nicht nur von bestimmten Tierarten wie Delfinen oder Fledermäusen zur besseren Orientierung verwendet, sondern auch von manchen blinden Menschen. So sind die Erblindeten mithilfe der Echoortung in der Lage,

Funktionsweise

Bei der menschlichen Echoortung wird von den Betroffenen mit der Zunge geschnalzt. Durch die Echos, die dabei entstehen, können sie einen Eindruck von der näheren Umgebung gewinnen. Dabei erkennen die blinden Menschen Form und Lage der Objekte sowie deren Bewegungen.

Im Tierreich ist die Echoortung bei Fledermäusen und bestimmten Walarten durchaus gebräuchlich. Das Prinzip der Echoortung bildet darüber hinaus die Grundlage für Sonar und Radar. Auch die Entwicklung dieser besonderen Fähigkeiten bei Menschen ist keine Neuigkeit.

Über Daniel Kish

In den USA analysierte der erblindete Daniel Kish bereits vor Jahren die Echoortungstechnik systematisch und machte sie in den Vereinigten Staaten populär. Kish gelang es, sich die Technik selbst beizubringen.

Durch das Klicken mit der Zunge und das Wahrnehmen der Echos, schaffte er es, Informationen zu seiner Umgebung zu erhalten. So ist eine trainierte Person in der Lage, die reflektierten Echos eines bestimmten Objekts zu interpretieren, wodurch sie dessen Dichte und Position bestimmen kann.

Als optimale Reichweite gilt dabei eine Entfernung von 50 bis 300 Metern. Die Echoortung ermöglicht den Blinden eine autonome Bewegung sowie das Umgehen von Hindernissen.

Seit Beginn der 90er Jahre trainierte Daniel Kish mehr als tausend andere blinde Menschen in der Anwendung der Echoortung. Damit diese spezielle Technik noch weiteren Erblindeten zugute kommen kann, riefen Kish und zwei seiner Schüler die gemeinnützige Organisation "World Access for the Blind" ins Leben.

Als deutsche Partnerorganisation von "World Access for the Blind" gilt "Anderes Sehen". Da die Klicksonar-Technik in Deutschland jedoch bislang nicht gelehrt wird, weil es noch keine qualifizierten Mobilitäts- und Orientierungstrainer gibt, hat es sich die deutsche Organisation zur Aufgabe gemacht, sie politisch durchzusetzen, damit sie auch hierzulande zur Standardmethode beim Schulen von blinden Kindern wird.

Ein Versuch, die ablaufenden Hirnprozesse zu verstehen

Wie die Hirnprozesse, die die Echoortung möglich machen, zustande kommen, ist wissenschaftlich bislang vollkommen unklar. Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, nahm man daher verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen vor. Zu diesem Zweck wurden Versuche mit je zwei blinden Probanden durchgeführt, die mit der Echoortung vertraut waren, sowie zwei sehenden Menschen, bei denen dies nicht der Fall war.

Gemessen wurde dabei mithilfe einer funktionellen Magnetresonanztomographie die Hirnaktivität aller beteiligten Personen. Durch die Untersuchung ergab sich eine wichtige Rolle des visuellen Kortex.

Dabei handelt es sich um einen Bereich der Großhirnrinde, bei dem eine Verbindung mit dem Sehen besteht. Zu einer gesteigerten Aktivität im Hörzentrum, dem auditiven Kortex, kam es dagegen nicht.

Voraussetzungen: vor allem regelmäßiges Training ist wichtig

Um die Kunst der Echoortung zu beherrschen, ist regelmäßiges Training erforderlich. Auch der richtige Zeitpunkt ist wichtig.

Je eher bei blinden Kleinkindern damit begonnen wird, die entsprechende Technik zu trainieren, desto besser können sie diese in ihre Fortbewegung integrieren. Erlernen lässt sich die Technik der Echoortung übrigens auch von sehenden Menschen.

Vorbeugung

Patienten mit Grunderkrankungen wie Diabetes mellitus oder Starerkrankungen sollten sich regelmäßig augenärztlich untersuchen lassen. Oftmals geht die Erblindung schleichend einher, so dass die Betroffenen dies selbst erst zu spät erkennen würden. Wird die Grunderkrankung konsequent behandelt, kann eine Erblindung meist verhindert werden.

Quellen:

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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Annelie Burk: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme Verlagsgruppe, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165
  • Stefan Gesenhues, Anne Gesenhues, Birgitta Weltermann: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin: Mit Zugang zur Medizinwelt (Klinikleitfaden), Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437224476
  • Reinhard Strametz: Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
  • Theresa Förg: BASICS Pädiatrie, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2019, ISBN 3437422197

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