Asthma durch Babyschwimmen - wie gefährlich ist Chlor wirklich?

Baby im Pool - Babyschwimmen

Chlorwasser kann das Asthmarisiko indirekt erhöhen - Eltern müssen trotzdem nicht zwingend aufs Babyschwimmen verzichten

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  • von Paradisi-Redaktion

Babyschwimmen macht Spaß und fördert die gesundheitliche Entwicklung. Im Wasser und in der Schwimmbadluft lauern aber auch Gefahren: Abbauprodukte vom Chlor können das Asthmarisiko erhöhen. Warum aber auch Babys deshalb nicht auf den Schwimmbadbesuch verzichten müssen, lesen Sie hier.

Erhöht Babyschwimmen die Asthmagefahr? Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) warnt vor Panikmache. Bewegungsspiele im Wasser seien für Babys gesund. Ganz abwegig ist der Verdacht aber nicht. Mehrere Studien belegen, dass Nebenprodukte von Chlor das Lungenepithel schädigen können. Besonders gefährdet sind Kinder mit einer allergischen Disposition.

Asthma durch Chlor?

Auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Asthma und Chlor hatte erstmals eine Studie aus dem Jahr 2003 hingewiesen. Sie gingen davon aus, dass die Gefahr einer Asthmaerkrankung steigt, wenn das Bronchialepithel durch das Einatmen von chlorhaltiger Luft geschädigt wird. Messbar ist dies an der Zahl der sogenannten Clara-Zell-Proteine im Blut. Sie sind ein wichtiger Teil der Immunabwehr in den Lungen, dämpfen Entzündungsreaktionen und vermindern so das Risiko einer bleibenden Gewebeschädigung.

Als möglicher Verursacher von Gewebeschäden gilt das Desinfektionsnebenprodukt Trichloramin. Mehrere Untersuchungen bestätigten einen Zusammenhang zwischen Trichloraminen und Asthmaerkrankungen - es bleibt allerdings weiter unklar, ab welcher Chlorkonzentration das Schwimmen für Babys kritisch werden kann. Es ist auch noch kaum untersucht, welchen Effekt weitere Desinfektionsnebenprodukte auf das Bronchialepithel haben. Die Forschungsergebnisse legen allerdings nahe, dass der Schwimmbadbesuch vor dem zweiten Lebensjahr ein Absinken der Clara-Zell-Proteine begünstigt.

Wie entstehen die gefährlichen Chloramine?

Chlor ist für die Desinfektion von Schwimmbädern unerlässlich. Gemäß DIN 19643 muss das kühle Nass im Becken die gleiche Qualität haben wie Trinkwasser. Bei rund 300 Millionen Badegästen pro Jahr setzen die öffentlichen Bäder deshalb auf Chlor, um das Wasser aufzubereiten und zu desinfizieren. Bakterien werden so zuverlässig abgetötet - im Kontakt mit Urin, Schweiß und Kosmetika bildet Chlor allerdings das gefährliche Nebenprodukt Trichloramin. Diese gehen in die Luft über und strömen Besuchern hier als typischer Chlorgeruch in die Nase. Und auch in die Lunge.

Bei guter Belüftung oder im Freibad ist die Konzentration von Trichloramin gering. Gerade dort wo viele Menschen im Wasser sind, entstehen aber auch viele Abbauprodukte. Durch moderne Technik lassen sich diese reduzieren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt einen Richtwert von 0,50 mg Trichloramin pro Kubikmeter Luft (mg/m3). Messungen des Umweltbundesamtes in deutschen Hallenbädern lagen zu 90 Prozent unter 0,34mg/m3. In den meisten Bädern ist Schwimmen also auch für Babys ungefährlich.

Allerdings: in Einzelfällen war die Hallenluft mit bis zu 18,8mg/m3 belastet. Betroffen waren vor allem kleine Bäder, die in ihrer Wasseraufbereitung keine Ozonstufe und Aktivkohlefilter einsetzen. Beide Komponenten sind aber wichtig, um die Asthmagefahr zu senken.

Kein uneingeschränktes Badevergnügen: Schwimmbäder sind Tummelplätze für Bakterien

Hand im klaren Wasser
clear water © Franz Pfluegl - www.fotolia.de

Bei hohen Temperaturen suchen viele Menschen Abkühlung in Schwimmbädern - ohne zu ahnen, wie viele Bakterien und andere Mikroorganismen sich im Wasser tummeln.

Besonders ärgerlich: Zumindest ein Teil der Verunreinigung ließe sich vermeiden, wenn alle Badegäste direkt vor dem Sprung ins Nass duschen würden. Stattdessen trägt jeder Schwimmer über Schweiß und Schmutz bis zu eine Milliarde Bakterien ins Wasser.

Beseitigung von Krankheitserreger durch Chlor

Dass es dennoch nicht zu Erkrankungen kommt, ist einzig dem Chlor zu verdanken, der dem Badewasser beigesetzt wird. Chlor ist bis heute das einzige Desinfektionsmittel, das die ins Wasser getragenen Bakterien, Viren und Parasiten effektiv bekämpfen kann. Normalerweise ist Chlor auch kaum zu riechen. Hängt starker Chlorgeruch in der Luft, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Wasseraufbereitungsanlage oder das Belüftungssystem nicht richtig funktionieren.

Ursache und Prävention gegen Infektionen im Schwimmbad

Experten betonen, dass typische Schwimmbadinfektionen wie Fußpilz jedoch nichts mit der Wasserqualität zu tun haben. Pilze oder Warzen werden stattdessen auf nassen Oberflächen übertragen, zum Beispiel beim Sitzen am Beckenrand oder in den Duschen. Schutz bietet hier zumindest teilweise das Tragen von Badelatschen und das Vermeiden nasser Sitzflächen.

Was sollten Eltern beachten?

Wer mit seinem Baby unbesorgt schwimmen gehen möchte, sollte also größere Bäder besuchen oder nachfragen, welche Elemente in der Aufbereitungsanlage eingesetzt werden, um Chloramine aus dem Wasser zu filtern. Gut geführte Bäder informieren ihre Gäste tagesaktuell über die Wasserqualität. Idealerweise wird das Wasser im Becken frisch eingelassen, bevor die Schwimmkurse für Babys beginnen.

Babys tragen Schwimmwindeln, ältere Kinder gehen vorher auf Toilette

Um die Konzentration an Chloraminen zu reduzieren, sollten ältere Kinder gezielt dazu angehalten werden, vor dem Baden noch einmal auf Toilette zu gehen. Für Kleinere benutzen sie am besten Schwimmwindeln. Diese sind zwar etwas teurer, dafür nehmen sie die Ausscheidungen des Babys besser auf als herkömmliche Windeln und hemmen so die Anreicherung von Chloraminen.

Säuglinge sind die empfindlichste Personengruppe im Schwimmbad. Kinder mit einer allergischen Prädisposition sollten bis zum zweiten Geburtstag auf dem Trockenen bleiben.

Für alle anderen gilt: Wenn Eltern die individuellen Vorteile und Risiken für ihr Baby abwägen und die dargestellten Möglichkeiten zum Gesundheitsschutz nutzen, steht dem Badevergnügen nichts entgegen.

Gefahr auch für Erwachsene?

Eine belgische Nachfolgestudie von 2015 unterstreicht die Gefahr durch Chloramine: 75 Prozent der untersuchten Leistungsschwimmer wiesen einen veränderten Spiegel des Clara-Zell-Proteins und Schäden am Bronchialepithel auf. Bei regelmäßigem Schwimmen im Hallenbad steigt also das Asthmarisiko. Wer bereits unter Atembeschwerden leidet oder Asthmafälle in der Familie hat, sollte deshalb auf regelmäßige Besuche im Hallenbad verzichten.

Um die Entstehung von Chloraminen zu hemmen, ist es außerdem wichtig, vor dem Baden gründlich zu duschen. Schweiß, Hautschuppen und Kosmetika kommen so gar nicht erst ins Wasser, wo sie eine gesundheitsschädliche Reaktion mit Chlor eingehen könnten.

Das Duschen vor dem Schwimmen verhindert die Ausbreitung von Keimen

Der Keim Kryptosporidium kommt vermehrt in Schwimmbädern vor und führt zu schweren Durchfällen

Rückseite einer Frau mit langen schwarzen Haaren unter der Dusche
Attraktive Frau wäscht ihre Haare in der Dusche © Lars Zahner - www.fotolia.de

Sommerzeit – Schwimmbadzeit. Leider ist das nicht nur für Kinder ein Vergnügen, sondern auch für Keime, die sich im Planschbecken gerne ausbreiten. Mit gründlichem Duschen samt Einseifen vor dem Wasserspaß kann man seinen Teil für größere Hygiene beisteuern. Darauf weist die Kinderärztin Monika Niehaus hin.

Körperhygiene vor dem Badespaß

Leider wäscht nur ein Viertel der Eltern seine Sprösslinge vor dem Schwimmen ab. Auf diese Weise können allerlei Bakterien, aber auch Schweiß, Urin oder andere auf der Haut verbliebenen Rückstände ins Badewasser gelangen. Dem Wasser zugefügtes Chlor allein, kann diese Substanzen alleine nicht unschädlich machen.

Gefährliche Keime im Wasser

Besonders der Keim "Kryptosporidium", der zu Durchfall führt, findet sich trotz Badebekleidung oder Schwimmwindel häufig im Wasser. Niehaus erklärt, dass nur Filter- und Reinigungsanlagen, die auch mit UV-Bestrahlung oder mehreren Methoden gleichzeitig das Wasser säubern, dieses Bakterium zuverlässig vernichten. Kinder, die an Durchfall erkrankt sind, dürfen darum auf keinen Fall zum Schwimmen gehen.

Den Eltern kleinerer Kinder empfiehlt die Ärztin, regelmäßig zur Toilette zu gehen. Damit können kleinere Unglücke verhindert werden. Die Kinder selbst ignorieren vor lauter Spaß leicht, dass die Blase drückt.

Da Kinder in der Regel auch viel länger im Wasser sind, kommen Infektionen häufiger vor. Daher sollte jeder im Sinne der Allgemeinheit auf die eigene Sauberkeit achten und dadurch auch andere schützen.

Pipi-Alarm: Studie ermittelt Urinmenge in öffentlichen Schwimmbädern

Poolpinkler sorgen dafür, dass in einem Becken literweise Urin mitschwimmt

Nahaufnahme Liegestühle, im Hintergrund Menschen am Strand
Am Sandstrand © Christian Stoll - www.fotolia.de

Wer gerne im Freibad schwimmt oder einen Tag im Erlebnisbad verbringt, der kennt den Geruch nach Chlor und den unschönen Gedanken: "Ob andere Gäste wohl ins Wasser urinieren?"

Wer Hygiene für sich selbst wichtig findet, geht aus dem Becken und sucht die Toiletten auf, wenn die Blase sich meldet. Doch tatsächlich gibt es viele "Poolpinkler" und das nicht nur im Kinderbecken.

Drei Eimer Urin in einem Schwimmbecken

Kanadische Forscher haben sich über insgesamt drei Wochen die Wasserqualität in 31 verschiedenen Bädern und Whirlpools angesehen. Die Badeeinrichtungen lagen in zwei Städten des Landes und galten als gepflegt und gut besucht. Insgesamt analysierten die Forscher 250 Wasserproben und das Ergebnis trübt sprichwörtlich den Badespaß.

Auf 830.000 Liter reines Schwimmwasser kommen 75 Liter Urin. Um sich das besser vorstellen zu können: In einen Pool mit 25 Metern Länge und sieben Bahnen werden drei klassische 25-Liter-Putzeimer mit Urin geschüttet. In kleinen Whirlpools kam man auf 30 Liter Urin.

Eklig und gesundheitsgefährdend

Neben der Tatsache, dass allein der Gedanke für die meisten Badbesucher sehr eklig sein dürfte, kommt auch ein Gesundheitsaspekt hinzu. Urin an sich ist zwar steril und damit völlig ungefährlich, doch sobald er den Körper verlässt, kommt er mit der Umgebung in Berührung. Das sind zum einen Bakterien und andere Mikroorganismen und zum anderen chemische Stoffe im Badewasser. Diese Vermischung kann durchaus zum Gesundheitsrisiko werden.

Poolpinkler erkennen

Wie erkennt man, dass im Bad viele Gäste ins Becken uriniert haben? Ein sicheres Zeichen ist die Nase, denn je intensiver das Schwimmbecken und seine Umgebung nach Chlor riechen, desto mehr Menschen haben vermutlich direkt ins Becken gepinkelt. Tatsächlich ist Chlor an sich nämlich völlig geruchsneutral. Erst beim Kontakt mit Harnstoff und verschiedenen Bakterien kommt es zu dem klassischen Geruch. Macht die Badeanstalt an sich also einen gepflegten Eindruck, kommt der Chlorgeruch vermutlich von "Poolpinklern".

Um das Urinieren im Badewasser zu vermeiden, muss man die "Täter" entlarven. Durch peinliches Auffliegen dürften viele künftig aus dem Wasser gehen, wenn die Blase ruft. Eine Möglichkeit gibt es bereits: Zinkionen. Sie können dem Wasser zugesetzt werden und verfärben sich sofort leuchtend grün, wenn sie mit Urin in Kontakt kommen. Vielleicht nutzen nach der Studie bald mehr Badbetreiber diese Möglichkeit.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: schwimmen21 © fotorena.de - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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