Scheidenpilz - Ursachen, Symptome und Behandlung

In der Regel trifft eine Vaginalmykose geschlechtsreife Frauen und die meisten bekommen diese Pilzinfektion mindestens einmal im Leben. Andere dagegen werden alle paar Wochen oder Monate mit dem unangenehmen Jucken und Brennen in und an der Scheide behelligt. Prävention und auch Heilung lassen sich allerdings mit einigen Tipps und Maßnahmen sehr gut erreichen und sorgen für Ruhe im Intimbereich.

Von Viola Reinhardt
Klassifikation nach ICD-10: B37.3
ICD-10 ist ein weltweit verwendetes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Der sogenannte ICD-Code ist zum Beispiel auf einem ärztlichen Attest zu finden.

Krankheitsbild

Unter Scheidenpilz - auch vaginale Pilzinfektion, vaginale Mykose oder Vaginalpilz genannt - versteht man eine Pilzinfektion der weiblichen Scheide. In den meisten Fällen handelt es sich bei einem Scheidenpilz um den Hefepilz Candida albicans. Zu den Faktoren, die eine Pilzinfektion auslösen können, zählen mitunter ein geschwächtes Abwehrsystem und Stress.

Ob eine Vaginalmykose entsteht, ist in erster Linie vom Scheidenmilieu abhängig. Milchsäurebakterien halten den pH-Wert im sauren Bereich und verhindern, dass sich Pilze ungehindert ausbreiten können. Gerät das Milieu der Scheidenschleimhaut durch verschiedene Ursachen aus der Balance, haben die Hefepilze freie Bahn und breiten sich in kurzer Zeit massiv aus.

Das Scheidenmilieu ist von einem stabilen Abwehrsystem und der jeweiligen Hormonsituation abhängig. Mädchen vor der Geschlechtsreife leiden selten unter einer Scheideninfektion, die durch Hefepilze verursacht wird.

Das Infektionsrisiko steigt mit zunehmender sexueller Aktivität. Der Scheidenpilz gehört nicht zu den durch Geschlechtsverkehr übertragbaren Krankheiten, dennoch ist dieser Übertragungsweg prinzipiell möglich.

Scheideninfektion während der Schwangerschaft

Vor allem bei schwangeren Frauen ist die Gefahr einer Pilzinfektion recht hoch, da der Glukosegehalt der Vaginaschleimhäute durch die Schwangerschaftshormone verändert wird. Auf diese Weise erhält der Pilz ausgezeichnete Wachstumsbedingungen. Scheidenpilzinfektionen gelten im Unterschied zu Infektionen mit Bakterien jedoch als relativ harmlos, wenngleich die Beschwerden für die betroffenen Frauen überaus lästig sind.

Kommt es während des Geburtszeitraums zu einer Scheidenpilzinfektion, ist die Möglichkeit hoch, dass das Baby von dem Pilz befallen wird. Häufig bricht einige Wochen nach der Schwangerschaft bei dem Kind eine Pilzinfektion im Mund oder an den Genitalien aus.

Mithilfe von Antimykotika ist die Erkrankung jedoch problemlos behandelbar. Weder für die (werdende) Mutter noch für ihr Kind stellt eine Pilzinfektion also ein besonders hohes Risiko dar. Ärzte raten dennoch dazu, sich auch ohne vorhandene Symptome ab der 34. Schwangerschaftswoche regelmäßig auf eine Mykose untersuchen zu lassen, um eine Aufsattelung von Bakterieninfektionen auf den Scheidenpilz zu vermeiden.

Ursachen

Im Inneren der Scheide herrscht ein saures Klima, das durch Milchsäurebakterien hervorgerufen wird und damit Bakterien und Co. keine Angriffsfläche bietet, sofern keine Schwankungen im Milieu entstehen, für die es wiederum eine Vielzahl an auslösenden Faktoren gibt. Nimmt das saure Verhältnis in der Scheide ab, wird dadurch ein Nährboden für Bakterien und Pilze geschaffen.

Meist entsteht die Infektion durch den Pilz Candida albicans. Dieser Hefepilz verursacht in der Folge nicht nur die Scheideninfektion mit den bekannten Symptomen, sondern ist auch ansteckend.

Letzteres ist zum Beispiel ein Aspekt, den viele Paare vergessen und in der Folge zu einer ständigen Neuansteckung führt, weil nur einer der Partner die Pilzinfektion behandelt. Es gibt jedoch noch viele andere Pilze, die einen Scheidenpilz verursachen können.

Candida albicans lebt

Der Hefepilz fügt Menschen normalerweise keinen Schaden zu. Doch wenn in der Scheidenflora ein Ungleichgewicht von Pilzen und Bakterien entsteht, kann es zu einer Ausbreitung von Candida-Erregern kommen, mit der Folge einer Pilzinfektion.

Gesunde Frauen mit einem intakten Abwehrsystem erkranken normalerweise nicht an einem Scheidenpilz. Gesunde Frauen haben ein saures Scheidenmilieu, so dass sich Krankheitskeime nicht einnisten können.

Erkrankungen

Es gibt jedoch einige Ursachen bzw. Erkrankungen, bei denen sich das Scheidenmilieu verändert und auf diese Weise die Pilze in die Scheide eindringen können. Wenn das Abwehrsystem durch eine längere Erkrankung geschwächt ist, ist die Frau auch anfälliger für einen Scheidenpilz. Auch die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus kann eine Ursache für die Entstehung eines Pilzes in der Scheide sein.

Slipeinlagen, Tampons, enge Kleidung

Ebenfalls begünstigt werden Infektionen durch das Tragen luftundurchlässiger Slipeinlagen, Tampons, die gerade eine trockene Scheide reizen und das Klima weiter verschlechtern, sowie zu enge Tangas und Hosen. Dadurch entsteht nicht nur eine Reibung, sondern auch ein bestimmtes feucht-warmes Klima in und an der Scheide, das ebenfalls Pilzen freie Fahrt gibt.

Falsche Intimhygiene

Auch das gegenseitige Benutzen von Handtüchern innerhalb der Familie ist als Ursache für die Pilzinfektion möglich. Werden Handtücher oder Unterwäsche von mehreren Personen benutzt, ohne sie dazwischen zu waschen, stellt dies ebenfalls ein hohes Risiko für einen Scheidenpilz dar. Und hier sind wir auch gleich beim Thema Intimhygiene.

Viele Frauen sind der Meinung, wenn sie täglich Vaginalduschen durchführen und spezielle Intimlotions- und Reinigungsmittel verwenden, würden sie nicht nur für viel Reinheit sorgen, sondern auch aktiv gegen mögliche Pilze und Bakterien vorgehen. Leider ist aber genau das Gegenteil der Fall, denn das natürliche Milieu wird durch ein Zuviel an Pflege gestört und somit anfälliger.

Durch eine langanhaltende falsche Intimhygiene kann es auf Dauer zu chronischen Hautbeschwerden kommen, welche zu kleinen Rissen kommen. Diese führen dazu, dass verschiedene Erreger, wie eben auch Pilze, leichter dort eindringen können.

Hormonschwankungen

Sehr häufig tritt ein Scheidenpilz auch im Rahmen einer Schwangerschaft auf. Die Hormone ändern sich während der Schwangerschaft, so dass das Eindringen von Pilzen erleichtert wird. Gleiches gilt auch für

Ernährung

Als Auslöser der Vaginalmykose findet sich auch eine sehr zuckerreiche Ernährung, die zudem mit Weißmehlprodukten eine negative Wirkung auf das Milieu in der Scheide hat. Zucker bietet nämlich den Bakterien einen idealen Nährboden und ist sozusagen Futter für die Keime.

Weitere Risikofaktoren für die Entstehung einer Vaginalmykose:

Verlauf

Wird der Scheidenpilz behandelt, besteht fast eine 100%ige Heilungschance. Jedoch muss unbedingt die Ursache für die Entstehung des Pilzes behoben werden (ausgenommen natürlich die Schwangerschaft oder die Wechseljahre), da dieser sonst erneut auftreten kann.

Unbehandelt kann Candida albicans Ekzeme in Form von juckenden Pünktchen oder Hautabschälungen verursachen. Frauen, die diese Symptome bemerken, sollten sich beim Gynäkologen untersuchen lassen, der abklärt, ob eine Candidose vorliegt.

Candida-Septikämie als mögliche Komplikation

Eine sehr gefährliche Komplikation, die jedoch nur äußerst selten auftritt, ist eine Candida-Septikämie (Blutvergiftung mit Candida albicans). Zu dieser kommt es meist bei Operationen, Katheterbehandlungen oder Beatmungen, bei denen der Pilz vom Mund in die Lunge gelangt. Besonders hoch ist die Gefahr einer Candida-Septikämie bei Frühgeborenen, die eine Pflege in einem Inkubator benötigen.

Symptome

Patientinnen mit einem Scheidenpilz verspüren äußerst starken Juckreiz und meist auch ein Brennen im Bereich der Scheide. Auch die Schamlippen können davon betroffen sein.

Diese Geschlechtsorgane sind dick geschwollen und rot. Zusätzlich bemerkt die Frau Ausfluss aus der Scheide, der meist eine weißliche Färbung hat.

Der Ausfluss ist nicht glatt, sondern bröckelig wie beispielsweise körniger Frischkäse. Einige Frauen verspüren auch Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs oder beim Urinieren.

Diagnose

Der Frauenarzt befragt die Patientin nach ihren genauen Beschwerden und führt eine gynäkologische Untersuchung durch. Während dieser Untersuchung kann der Gynäkologe die Rötung und Schwellung sowie den Ausfluss erkennen. Von der Scheidenschleimhaut wird ein Abstrich entnommen, um im Labor den genauen Erreger diagnostizieren zu können.

Es gibt auch einen Selbsttest auf dem Markt, mit dem man den Erreger, meistens den Hefepilz Candida albicans, diagnostizieren kann. Dieser Test ist in jeder Apotheke erhältlich und schafft schnell Klarheit, ob es sich bei den Beschwerden tatsächlich um den Scheidenpilz handelt.

Doch nicht immer ist eine Selbstbehandlung zu empfehlen, denn in einigen Fällen handelt es sich nicht stets um die gleiche Infektion, wenn die dafür typischen Symptome auftreten. Antimykotika, die Frauen in der Apotheke kaufen, sind also nicht unbedingt die beste Wahl; manchmal sollte man seinen Frauenarzt um Rat bitten und sich untersuchen lassen.

Besonders wenn die Selbstbehandlung die Beschwerden nicht lindert und eine Infektion öfters auftritt, sollte man dies bei seinem Gynäkologen abklären lassen. Auch Schwangere, die von den Beschwerden betroffen sind, wird eine gründliche Untersuchung empfohlen.

Behandlung

Zur Behandlung werden spezielle Pilzmedikamente, so genannte Antimykotika, eingesetzt. Meist wird das Medikament direkt auf bzw. in der Scheide angewendet.

Es gibt beispielsweise Kombinationspräparate aus Vaginaltabletten und einer Salbe. Die Salbe wird auf die juckenden und schmerzenden Stellen gerieben, die Vaginaltablette in die Scheide eingeführt. Nach wenigen Tagen sind die Beschwerden meist abgeklungen.

Oftmals wird auch der Sexualpartner mitbehandelt, da dieser sich an der Pilzinfektion angesteckt haben könnte. Er verwendet eine Salbe zum Eincremen des Penis.

Zusätzlich gibt es während der Behandlung einige Maßnahmen, die die Frau beachten muss:

  • Die Unterwäsche sollte aus luftdurchlässiger Baumwolle sein und
  • ein- bis zweimal täglich gewechselt und dann in der Waschmaschine ausgekocht werden.
  • Nach dem Duschen ist es sehr wichtig, sich gründlich abzutrocknen, um neuen Keimen keine Chance mehr zu geben.

Bekommt eine Frau häufig einen Scheidenpilz, ist oft auch die Ernährung schuld. Zuckerreiche Ernährung mit vielen Süßigkeiten kann die Entstehung eines Pilzes begünstigen.

Nach Abschluss der Behandlung sollte das natürliche Scheidenmilieu wieder aufgebaut werden, um künftig das Eindringen von Keimen zu verhindern. Dazu gibt es spezielle Scheidenkapseln, die regelmäßig über einen Zeitraum von mehreren Wochen in die Scheide eingeführt werden und so das normale Scheidenmilieu wieder herstellen.

Vorbeugung

Um einem Scheidenpilz vorzubeugen, kann jede Frau einiges tun.

In Sachen Intimpflege

Weniger ist gerade bei der Vermeidung von Pilzinfektionen im Intimbereich wieder einmal mehr. So genügt es, wenn man sich ein bis zwei Mal am Tag mit lauwarmem Wasser wäscht und allenfalls eine ph-neutrale Waschlotion verwendet.

Auch Intimsprays bewirken nicht viel in Sachen Reinheit, weshalb man am besten auf derartige Produkte verzichtet. Nach dem Stuhlgang sollte sich die Frau von vorne nach hinten säubern, so dass keine Keime aus dem Stuhlgang in die Scheide gelangen können.

Tipps für den Schwimmbadbesuch

Besucht man Schwimmbäder, Saunen und ähnliche Einrichtungen in denen sich viele Menschen in der Verbindung mit Wasser und Feuchtigkeit befinden, sollte man sich stets nur auf einem mitgebrachten Handtuch setzen. Nasse Bikinis oder Badeanzüge sollte man zudem gleich nach dem Verlassen des Wassers wechseln, denn auch hier entstehen sehr leicht Pilze im Genitalbereich. Während der Schwangerschaft ist es besser, auf den Besuch von Whirlpools in öffentlichen Bädern zu verzichten, denn durch das geringe Wasservolumen und die warmen Temperaturen kann der Scheidenpilz leicht übertragen werden.

Kleidungswahl

Eng anliegende Kleidung ist ebenfalls nicht empfehlenswert. Unterwäsche sollte aus Baumwolle und nicht aus synthetischen Materialien bestehen.

Immunabwehr

Eine ausgewogene Ernährung stärkt die Immunabwehr. Ein gesundes Abwehrsystem schützt wiederum vor Pilzinfektionen. Leiden Frauen besonders oft unter einer Vaginalmykose, kann die vorbeugende Einnahme von Medikamenten mit Milchsäurebakterien sinnvoll sein.

Sexualität richtig genießen

Zu guter Letzt noch ein Wort in Sachen Partnerschaft und Sexualität. Generell sollte man bei den ersten sexuellen Aktivitäten mit einem neuen Partner Kondome verwenden.

Zudem, und das gilt auch in einer bestehenden langen Partnerschaft, sollte gerade der Mann für Hygiene sorgen. Hat man als Frau eine Pilzinfektion, dann sollte sich auch der Partner stets mitbehandeln lassen, um eine dauerhafte gegenseitige Ansteckung ausschließen zu können.

  • Reinhard Strametz Grundwissen Medizin: für Nichtmediziner in Studium und Praxis, UTB GmbH, 2017, ISBN 3825248860
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  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Peter Avelini, Martin Hoffmann, Christine Grützner Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
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  • Gerd Herold Innere Medizin 2020, Herold, 2019, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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