Physiotherapie Artikel
Physiotherapie im Sport - Teil 2: Von Akupunktur bis Wärmetherapie
Von Andreas Hadel
Die Temperatur vereinzelter Körperregionen oder sogar des gesamten Körpers zu erhöhen oder abzusenken, hilft bei vielen Erkrankungen und Verletzungen wieder schnell auf die Beine zu kommen. Welche Behandlungsmethoden es außerdem noch ergibt, lesen Sie hier im zweiten Teil unseres Artikels über Physiotherapie im Sport.
Wärmetherapie
In der Wärmetherapie führt die lokale Wärmeanwendung zu einer dreifach erhöhten Wärme im betroffenen Gewebe. Dadurch wird über das vegetative Nervensystem eine muskelentspannende Wirkung erzielt. Es kommt zur Schmerzlinderung und zur Veränderung der Gewebeviskosität, sowie zu einer erhöhten Elastizität. Somit wird die Steifigkeit und die Anzahl von Muskelspasmen reduziert.
Dabei ist feuchte Wärme effektiver in ihrer Wirkung als trockene. Auch die Sauna ist ein Mittel der Wärmetherapie und hilft Infekten vorzubeugen. Ist allerdings ein Infekt bereits ausgebrochen, wirkt ein Saunagang kontraproduktiv!
Bewegungsbäder
Diese werden häufig eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit zu verbessern. Aqua-Jogging ist nur ein Beispiel für die Anwendung in der Sport-Rehabilitation. Klarer Vorteil gegenüber der Krankengymnastik ist, das hier die Gelenke sehr viel früher an Belastungen gewöhnt werden können. Die Bewegung im Wasser führt im übrigen zu einer besseren Versorgung des Gelenkknorpels.
Lichttherapie
Mittels Höhensonne, Rotlicht oder Ultraviolettfototherapie werden chemische Prozesse im Körper ausgelöst, die den Heilungsprozess beschleunigen sollen. Beispielsweise wird UV-Licht eine bakterienabtötende Wirkung nachgesagt und Sonnenlicht körpereigene Schmerzblocker freisetzen. Heutzutage findet die Lichttherapie sehr häufig Anwendung, doch gerade beim Einsatz von UV-Licht sollten Melanom-Risiko und Nutzen gründlich abgewogen werden.
Elektrotherapie
Diese Therapieform beruht auf einer Veränderung der Ionenkonzentration des menschlichen Körpers. Die wichtigsten Anwendungen und Wirkungsweisen werden folgend kurz erläutert:
Gleichströme verbessern die Reaktions- und Funktionsfähigkeit der motorischen Nervenfasern. Zudem wird die Durchblutung gefördert und Schmerz gelindert. Des Weiteren hat diese Therapie eine antientzündliche Wirkung.
Niederfrequenzströme (< 1000 Hz) werden genutzt, um die Atrophie denervierter quergestreifter Muskulatur während der Nervenregenerationsphase zu verhindern.
Ultrareizstrom nach Träbert wirkt schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und antientzündlich. Es wird meist bei Schmerzen hypotoner Muskulatur und Athrosen eingesetzt.
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Sportmassagen sind ein wichtiger Bestandteil der Physiotherapie |
Massagen
Bereits die alten Griechen nutzten Massagen für ihre Sportler. Mittels Massagen kann der Muskeltonus reguliert und die Muskeldurchblutung verbessert werden. Außerdem wirkt die Anwendung positiv bei Störungen im Bereich von Muskeln, Sehnen und Bändern.
In der klassischen Massage werden bestimmte Griffe, wie Streichung, Knetung, Zirkelung, Hautreizgriffe, Erschütterung und Vibration genutzt. Bekannte Unterformen der Massage sind Reflexzonenmassage und manuelle Lymphdrainage.
Für den verletzten Sportler ist die manuelle Lymphdrainage von besonderer Bedeutung. Hierbei werden Lymphknoten und -bahnen des gesamten Körpers zunächst aktiviert und dann erfolgt mit sanft kreisenden Druck eine Entstauung. Mit dieser Massage-Form können Lymphödeme nach Verletzungen, Blutergüssen und Muskelverletzungen behandelt werden.
Die Lymphdrainage darf jedoch nicht bei akuten Entzündungen, akuten Thrombosen, Tuberkulosen sowie bösartigen Erkrankungen eingesetzt werden. Zudem sollte sie stets von geschulten Personen ausgeführt werden.
Krankengymnastik
Die Krankengymnastik ist fester Bestandteil der Behandlung von verletzten Sportlern. Hierbei steht vor allem im Vordergrund, dass der Athlet so schnell wie möglich seine alte Leistungsfähigkeit wieder erreicht. Die wichtigsten Formen der Krankengymnastik sind:
Passive Bewegungstherapie
Ziel ist es, den vollen Bewegungsumfang eines Gelenks wieder herzustellen oder zu bewahren. Dabei werden die Bewegungen vorrangig vom Therapeuten durchgeführt.
Aktive Bewegungstherapie
Diese Therapieform zielt auf die Verbesserung der Kraft, Ausdauer und Koordination des Athleten. Dafür werden unterschiedliche Übungen zur Ökonomisierung der Muskelarbeit, Muskeldurchblutung und -beweglichkeit genutzt.
Bewegungstherapie im Bad
Sie ermöglicht die Therapie nahezu ohne Belastung der Gelenke.
Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage
Sie wird häufig bei Funktionsstörungen des Nervensystems angewandt. Übungen zur Schulung komplexer Bewegungsabläufe, Förderung oder Hemmung von Reflexen sind Gegenstand dieser Therapieform.
Stemmführung nach Brunkow
Durch eine Stemmaktivität wird eine dynamische Stabilisation der Muskeln erreicht. Mit Dorsalextensionen kommt es aufgrund der antagonistischen Muskelkraft zu dieser dynamischen Stabilisation.
Schlingentisch
Die Therapie mittels Schlingentisch wird zur Schmerzlinderung, Entlastung, Dehnlagerung, Mobilisation und Stabilisation genutzt. Dabei wird der gesamte Patient oder nur betroffene Körperteile mittels Schlingentisch in eine Art schwerelose Aufhängung gebracht.
Akupunktur
Diese Therapie beruht auf der traditionellen chinesischen Medizin. Mittels Akupunkturnadeln werden charakteristische Punkte entlang der 12 Meridianen stimuliert oder gebremst. Ziel dieser Therapieform ist es, das Gleichgewicht der energetischen Kräfte der Organe und Organsysteme wiederherzustellen. In der westlichen Schulmedizin wird die Akupunktur vorwiegend eingesetzt, um Verkrampfungen der Muskulatur zu lockern. Generelles Anwendungsgebiete der Akupunktur sind schmerzhafte und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates.
Bekannte Unterformen sind Elektroakupunktur, Laserakupunktur, Injektionsakupunktur, Akupunkturmassage (Akupressur) und Shiatsu.
Physiotherapie im Sport - Teil 1: Wichtige Maßnahmen bei Sportverletzungen