Physiotherapie im Sport - Wichtige Maßnahmen bei Sportverletzungen

Junger Physiotherapeut in blauem Poloshirt winkelt das Bein einer liegenden Patientin in grauer Sportbekleidung an

Merkmale und Anwendungsgebiete unterschiedlicher Behandlungsformen der Physiotherapie im Sport

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  • von Paradisi-Redaktion

Verstauchungen, Zerrungen oder sogar Muskelfaserrisse tauchen selbst bei sehr umsichtiger Trainingsweise hin und wieder auf - und dabei ist es egal, ob Sie ambitionierter Wettkampfathlet oder ein fitnessbegeisteter Freizeitsportler sind. Um möglichst schnell wieder die Laufschuhe anziehen oder den Tennisschläger in die Hand nehmen zu können, verordnen Sportärzte bereits bei mittleren Verletzungen oder entzündlichen Überlastungsreaktionen eine sogenannte Physiotherapie. Was dabei wann gemacht wird, lesen Sie in den folgenden Zeilen.

Anwendungsgebiete der Physiotherapie

Die Physiotherapie findet immer dann Anwendung, wenn Störungen in der physiologischen Funktion vorliegen. Das sind zum Beispiel:

Zur Besserung oder Heilung werden physikalische und natürliche Mittel verwendet. Um die physiologische Funktion wieder anzuregen, benutzt man:

  1. Reiz-Reaktions-Therapien
  2. Regulations-Adaptations-Mechanismen

Im folgenden erhalten Sie eine Übersicht der wichtigsten Maßnahmen in der Physiotherapie, die auch bei den meisten kraftsportbedingten Verletzungen zum Einsatz kommen.

Hydrotherapie

Hierbei handelt es sich um eine Reiztherapie mit Wasser. Die Reize werden durch unterschiedliche Temperaturen und Anwendungsformen (Voll- und Teilbäder) des Wassers genutzt.

Für Kraftsportler ist es von Interesse, dass die Hydrotherapie

kann. Deshalb sollte man sie aber erst 24 Stunden nach der akuten Verletzung anwenden.

Thermotherapie

Bei der Thermotherapie wird in drei Untergruppen unterschieden:

  1. Kältetherapie
  2. Eisanwendung
  3. Wärmetherapie

Während Kälte hauptsächlich bei akutem Schmerz benutzt wird, finden Wärme meist bei chronischen Schmerzen Anwendung.

Kältetherapie

Die Kältetherapie wird bei Verletzungen am häufigsten eingesetzt und erreicht eine lokale Verminderung der Durchblutung und des Stoffwechsels. So wird die Ausschüttung schmerzerzeugender Mediatorstoffe verringert sowie die lokale Entzündungsreaktion gemindert.

Des Weiteren mildert die lokale Kälteanwendung reflektorische Muskelverspannungen. Bei der Kältetherapie nutzt man:

  • Coldpacks
  • Eisbeutel
  • Eiskompressen
  • Eiswasser

Kältesprays werden heute aufgrund ihrer Oberflächenwirkung und der erhöhten Erfrierungsgefahr nicht mehr benutzt.

Eistherapie

Die Eistherapie, auch Kryptotherapie, Eismassage oder Eislollytherapie genannt, findet vor allem in der Nachbehandlung von Sportverletzungen ihre Anwendung und wird in Form einer Eisabreibung praktiziert.

Das heißt, der Körper wird lokal mit Eis "eingerieben", wodurch eine reaktive Hyperämie im Gewebe bewirkt wird. Dabei kommt es zuerst zur Kontraktion der Gefäße, die sich dann wieder reflektorisch erweitern.

Der Hautkontakt mit dem Eis ist nur sehr kurz, so dass es zu einem ständigen Wechsel zwischen Verengung und Erweiterung kommt. Das Abreiben wird mit einem Eis am Stiel im Intervall (30 Sekunden abreiben, 3 Sekunden Pause) für 15-20 Minuten durchgeführt.

Sinn dieser Therapie ist die Beschleunigung des Heilungsprozesses, da notwendige Stoffe schneller zum Entzündungsherd gelangen bzw. Abfallprodukte schneller abtransportiert werden.

Diese Therapie sollte frühestens 24-48 Stunden nach der akuten Verletzung angewandt werden und ist nur mit Eis (keine Coldpacks etc.) möglich. Im Gegensatz zur Kälteanwendung, die man im Erste-Hilfe-Fall durchführt, wird hier das Eis direkt und ohne Unterlage auf das betroffene Körperteil gelegt.

Wärmetherapie

In der Wärmetherapie führt die lokale Wärmeanwendung zu einer dreifach erhöhten Wärme im betroffenen Gewebe. Dadurch wird über das vegetative Nervensystem eine muskelentspannende Wirkung erzielt.

Es kommt zur

  • Schmerzlinderung
  • Veränderung der Gewebeviskosität, sowie
  • zu einer erhöhten Elastizität.

Somit wird die Steifigkeit und die Anzahl von Muskelspasmen reduziert.

Sauna

Dabei ist feuchte Wärme effektiver in ihrer Wirkung als trockene. Auch die Sauna ist ein Mittel der Wärmetherapie und hilft Infekten, vorzubeugen. Ist allerdings ein Infekt bereits ausgebrochen, wirkt ein Saunagang kontraproduktiv

Bewegungsbäder

Diese werden häufig eingesetzt, um

  • Schmerzen zu lindern und
  • die Beweglichkeit zu verbessern.

Aqua-Jogging ist nur ein Beispiel für die Anwendung in der Sport-Rehabilitation.

Klarer Vorteil gegenüber der Krankengymnastik ist, das hier die Gelenke sehr viel früher an Belastungen gewöhnt werden können. Zusätzlich führt die Bewegung im Wasser zu einer besseren Versorgung des Gelenkknorpels.

Lichttherapie

Mittels

werden chemische Prozesse im Körper ausgelöst, die den Heilungsprozess beschleunigen sollen. Beispielsweise wird UV-Licht eine bakterienabtötende Wirkung nachgesagt und Sonnenlicht soll körpereigene Schmerzblocker freisetzen können.

Heutzutage findet die Lichttherapie sehr häufig Anwendung, doch gerade beim Einsatz von UV-Licht sollten Melanom-Risiko und Nutzen gründlich abgewogen werden.

Elektrotherapie

Die Elektrotherapie beruht auf einer Veränderung der Ionenkonzentration des menschlichen Körpers. Die wichtigsten Anwendungen und Wirkungsweisen werden folgend kurz erläutert:

  • Gleichströme verbessern die Reaktions- und Funktionsfähigkeit der motorischen Nervenfasern. Zudem wird die Durchblutung gefördert und Schmerz gelindert. Des Weiteren hat diese Therapie eine antientzündliche Wirkung.

  • Niederfrequenzströme (< 1000 Hz) werden genutzt, um die Atrophie denervierter quergestreifter Muskulatur während der Nervenregenerationsphase zu verhindern.

  • Ultrareizstrom nach Träbert wirkt schmerzlindernd, durchblutungsfördernd und antientzündlich. Es wird meist bei Schmerzen hypotoner Muskulatur und Athrosen eingesetzt.

Massagen

Sportmassagen sind ein wichtiger Bestandteil der Physiotherapie
Sportmassagen sind ein wichtiger Bestandteil der Physiotherapie

Bereits die alten Griechen nutzten Massagen für ihre Sportler. Mittels Massagen kann der Muskeltonus reguliert und die Muskeldurchblutung verbessert werden. Außerdem wirkt die Anwendung positiv bei Störungen im Bereich von Muskeln, Sehnen und Bändern.

In der klassischen Massage werden bestimmte Griffe genutzt, wie:

  • Streichung
  • Knetung
  • Zirkelung
  • Hautreizgriffe
  • Erschütterung
  • Vibration

Bekannte Unterformen der Massage sind Reflexzonenmassage und manuelle Lymphdrainage.

Lymphdrainage

Für den verletzten Sportler ist die manuelle Lymphdrainage von besonderer Bedeutung. Hierbei werden Lymphknoten und -bahnen des gesamten Körpers zunächst aktiviert und dann erfolgt mit sanft kreisenden Druck eine Entstauung.

Mit dieser Massage-Form können Lymphödeme nach Verletzungen, Blutergüssen und Muskelverletzungen behandelt werden.

Die Lymphdrainage darf jedoch nicht eingesetzt werden bei:

Zudem sollte sie stets von geschulten Personen ausgeführt werden.

Krankengymnastik

Ein Physiotherapeut kann durch diverse Maßnahmen bei einigen Sportverletzungen helfen
Ein Physiotherapeut kann durch diverse Maßnahmen bei einigen Sportverletzungen helfen

Die Krankengymnastik ist fester Bestandteil der Behandlung von verletzten Sportlern. Hierbei steht vor allem im Vordergrund, dass der Athlet so schnell wie möglich seine alte Leistungsfähigkeit wieder erreicht. Die wichtigsten Formen der Krankengymnastik sind:

Passive Bewegungstherapie

Ziel ist es, den vollen Bewegungsumfang eines Gelenks wieder herzustellen oder zu bewahren. Dabei werden die Bewegungen vorrangig vom Therapeuten durchgeführt.

Aktive Bewegungstherapie

Die aktive Bewegungstherapie zielt auf die Verbesserung der Kraft, Ausdauer und Koordination des Athleten. Dafür werden unterschiedliche Übungen zur Ökonomisierung der Muskelarbeit, Muskeldurchblutung und -beweglichkeit genutzt.

Bewegungstherapie im Bad

Sie ermöglicht die Therapie nahezu ohne Belastung der Gelenke.

Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage

Sie wird häufig bei Funktionsstörungen des Nervensystems angewandt. Übungen zur Schulung komplexer Bewegungsabläufe, Förderung oder Hemmung von Reflexen sind Gegenstand dieser Therapieform.

Stemmführung nach Brunkow

Durch eine Stemmaktivität wird eine dynamische Stabilisation der Muskeln erreicht. Mit Dorsalextensionen kommt es aufgrund der antagonistischen Muskelkraft zu dieser dynamischen Stabilisation.

Schlingentisch

Die Therapie mittels Schlingentisch wird zur

  • Schmerzlinderung
  • Entlastung
  • Dehnlagerung
  • Mobilisation und
  • Stabilisation

genutzt. Dabei wird der gesamte Patient oder nur betroffene Körperteile mittels Schlingentisch in eine Art schwerelose Aufhängung gebracht.

Akupunktur

Diese Therapie beruht auf der traditionellen chinesischen Medizin. Mittels Akupunkturnadeln werden charakteristische Punkte entlang der 12 Meridianen stimuliert oder gebremst.

Ziel dieser Therapieform ist es, das Gleichgewicht der energetischen Kräfte der Organe und Organsysteme wiederherzustellen. In der westlichen Schulmedizin wird die Akupunktur vorwiegend eingesetzt, um Verkrampfungen der Muskulatur zu lockern. Generelle Anwendungsgebiete der Akupunktur sind schmerzhafte und chronische Erkrankungen des Bewegungsapparates.

Bekannte Unterformen sind:

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: young woman being manipulated by physiotherapist © Atelier 211 - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Physiotherapeut behandelt Patient in Praxis © Kzenon - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: leg massage detail © doug Olson - www.fotolia.de

Autor:

Andreas Hadel - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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