21. Oktober 2009
Inkontinenz äußert sich durch unwillkürlichen Abgang von Harn oder Stuhl. Die Diagnostik erfolgt beim Hausarzt oder auch beim Internisten, dem Gynäkologen bzw. Urologen.
Zur Inkontinenz gehören sowohl die Harn- als auch die Stuhlinkontinenz. Patienten mit einer Harninkontinenz leiden an einer Blasenschwäche, Patienten mit einer Stuhlinkontinenz an einer Schwäche des Darmes.
Beide Inkontinenzformen können zusammen, jedoch auch getrennt voneinander auftreten.
Bei der Stuhlinkontinenz können die Patienten je nach Erkrankungssstadium die Stuhlausscheidung nur noch unzureichend kontrollieren.
Im ersten Stadium dieser Erkrankung tritt die Stuhlinkontinenz nur im Zusammenhang mit Durchfall oder bei körperlicher Belastung auf. In der Unterwäsche sind dann Schmierspuren des Stuhlgangs zu finden. Im zweiten Stadium können die Patienten nicht mehr verhindern, dass Stuhl bei Darmgasen mit abgeht. Auch wenn der Stuhlgang dünner ist, kann dieser nicht mehr gehalten werden. Im letzten Stadium der Stuhlinkontinenz haben die Patienten keinerlei Kontrolle mehr über die Stuhlausscheidung. Sie können den Stuhlgang nicht mehr zurückhalten.
Harninkontinenz kommt weitaus häufiger vor. Man unterscheidet hier vier verschiedene Formen der Inkontinenz: Die Stressinkontinenz, die Überlaufinkontinenz, die Dranginkontinenz sowie die Reflexinkontinenz. Patienten mit einer Stressinkontinenz können in Situationen, in denen sie sich körperlich belasten oder auch beim Husten oder Niesen den Harnabgang nicht mehr steuern oder willentlich beeinflussen und zurückhalten. Unter einer Überlaufinkontinenz versteht man die unvollständige Entleerung der Blase. Der restliche Harn, der nicht mehr ausgeschieden wird, geht dann unbewusst von selbst ab. Patienten mit einer Dranginkontinenz können den Harnabgang ebenfalls nicht steuern, haben jedoch immer das starke Bedürfnis, auf die Toilette zu müssen. Meist schaffen es die Betroffenen jedoch nicht mehr zur Toilette. Im Gegensatz zur Dranginkontinenz verspüren Patienten mit einer Reflexinkontinenz keinen Harndrang. Diese Form der Harninkontinenz kommt zum Beispiel bei querschnittsgelähmten Patienten vor.
Viele Patienten schämen sich aufgrund ihrer Inkontinenz und wenden sich erst recht spät an ihren Arzt.
Facharzt für die Diagnostik einer Stuhlinkontinenz ist ein Internist mit der Zusatzbezeichnung "Proktologie". Der Arzt fragt den Patienten nach den genauen Beschwerden und in welchen Situationen der Stuhl abgeht. Dann führt er eine körperliche Untersuchung durch, in dem er beim seitlich liegenden Patienten den Enddarm mit dem Finger im Rahmen einer rektalen Untersuchung austastet. Hier kann der Arzt bereits Veränderungen am Enddarm ertasten, die die Ursache der Stuhlinkontinenz sein können.
Je nach Befund wird auch eine Enddarm- oder komplette Darmspiegelung durchgeführt. Für eine Enddarmspiegelung muss der Patient das Ende des Darmes lediglich mit einem Einlauf säubern, für eine komplette Darmspiegelung muss hingegen eine Flüssigkeit getrunken werden, die abführend wirkt und den kompletten Darm dadurch reinigt. Bei der Enddarmspiegelung (Proktoskopie) liegt der Patienten auf einer Liege, während der Arzt das starre, etwa dreißig Zentimeter lange Proktoskop einführt. Hier kann der Arzt zum Beispiel innere Hämorrhoiden oder Veränderungen am Enddarm erkennen.
Bei einer kompletten Darmspiegelung, der Koloskopie, erhält der Patient vor der Untersuchung meist eine leichte Beruhigungsspritze. Der Arzt führt dann das lange Endoskop in den After des Patienten ein und schiebt es durch den Darm hindurch. Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch Gewebeproben entnehmen. Dazu wird eine dünne Zange über das Endoskop eingeführt. Die Probe wird dann anschließend im Labor unter dem Mikroskop untersucht.
Zusätzlich zu diesen Untersuchungen kann der Arzt weitere Untersuchungen im Rahmen seiner Diagnostik durchführen. Dazu zählen zum Beispiel eine bestimmte Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel vom Enddarm oder auch eine Ultraschalluntersuchung. Auch der Druck im Bereich des Schließmuskels kann gemessen werden. Der Facharzt führt dazu ein Messgerät in den Enddarm des Patienten ein und kann auf diese Weise ein Messergebnis erzeugen.
Patienten mit einer Harninkontinenz werden vom Arzt ebenfalls nach den genauen Beschwerden befragt, sowie in welcher Situation der Harn abgeht.
Teilweise ist ein Tagebuch für den Arzt hilfreich, in dem der Patient notiert, wann und unter welchen Umständen Harn abgegangen ist und um welche Mengen es sich handelte.
Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Bei Männern wird diese vom Hausarzt oder einem Urologen durchgeführt, bei Frauen zusätzlich auch von einem Gynäkologen. Bei Männern wird der Enddarm im Rahmen einer rektalen Untersuchung mit dem Finger ausgetastet, bei Frauen werden die Geschlechtsorgane von ihrem Frauenarzt untersucht.
Auch eine Urinuntersuchung wird durchgeführt. Meist erfolgt auch eine Blutabnahme.
Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Blase untersuchen und auch die Restharnmenge bestimmen. Der Patient wird im Rahmen dieser Untersuchung dazu aufgefordert, die Blase zu entleeren. Anschließend macht der Arzt einen Ultraschall und kann dadurch messen, wie viel Harn sich noch in der Blase befindet.
In einigen Fällen erfolgt auch noch eine Blasenspiegelung bei einem Urologen.
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Der Praxisratgeber Harninkontinenz von Klaus Höfner und Udo Jonas zu der Erkrankung Harninkontinenz.