Inkontinenz Artikel

Stuhlinkontinenz - Unfreiwilliger Stuhlabgang

Bei einer Stuhlinkontinenz handelt es sich um den unfreiwilligen Abgang von Stuhl. Das heißt, dass die Betroffenen nicht in der Lage sind, den Zeitpunkt des Stuhlabgangs selbst zu bestimmen.

In der Medizin wird Stuhlinkontinenz auch als anale Inkontinenz, anorektale Inkontinenz oder Darminkontinenz bezeichnet. Prinzipiell kann diese Erkrankung in jedem Alter auftreten, besonders betroffen sind jedoch ältere Menschen. In Deutschland leiden rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung unter Stuhlinkontinenz. Bei Frauen kommt die Erkrankung vier- bis fünfmal so häufig vor wie bei Männern.

Zu einer analen Inkontinenz kann es aus den verschiedensten Gründen kommen. Dabei treffen in der Regel mehrere Faktoren zusammen, die zur Entstehung der Inkontinenz führen. Dazu gehören u.a. Störungen bei der Impulsverarbeitung wie ein Schlaganfall, ein Gehirntumor, Multiple Sklerose oder Morbus Alzheimer. Ebenso kann eine Unterbrechung der Pulsüberleitung wie eine Querschnittslähmung Inkontinenz zur Folge haben. Weitere Ursachen sind sensorische Störungen wie Diarrhoe (Durchfall), Hämorrhoiden, eine Entzündung des Dickdarms (Colitis) oder ein Rektumprolaps sowie muskuläre Störungen wie ein Dammriss bei einer Frau während der Geburt, eine Beckenbodensenkung aufgrund von altersbedingter Bindegewebsschwäche oder Operationen an der Gebärmutter, Fistelspaltung, Überdehnung durch Verstopfung (Obstipation), Tumore, Tumoroperationen, infiltrierende Abszesse und angeborene Fehlbildungen. Mitunter wird eine Stuhlinkontinenz auch durch die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln wie hoch dosierten Abführmitteln oder Psychopharmaka ausgelöst. In seltenen Fällen können zudem psychische Störungen wie ein Rückfall in die Verhaltensweisen eines Kleinkindes Grund für den unfreiwilligen Stuhlabgang sein.

Unterteilt wird die anale Inkontinenz in drei unterschiedliche Schweregrade. Bei Grad 1 handelt es sich um eine leichte Form, bei der lediglich ein unkontrollierter Abgang von Winden stattfindet. Grad 2 wird als mittlere Form eingestuft. Dabei kommt es zum Abgang von dünnflüssigem Stuhl. Schwerste Form ist Grad 3, bei dem die Betroffenen unter dem unfreiwilligen Abgang von geformtem Stuhl leiden.

Für die Diagnose der Stuhlinkontinenz ist eine ausführliche Befragung des Patienten durch den behandelnden Arzt erforderlich. Dabei muss vor allem das Stuhlverhalten des Betroffenen berücksichtigt werden. Eine infrage kommende Schwäche des Schließmuskels lässt sich durch Abtasten feststellen. Weitere Untersuchungsmöglichkeiten sind eine Rektoskopie oder Ultraschalluntersuchungen (Sonographie). Um zu ermitteln, ob eventuell Nervenschäden die Inkontinenz hervorrufen, wird eine Elektro-Myographie (EMG) durchgeführt. Hilfreich können auch eine Defäkographie (Röntgenuntersuchung des Stuhlgangs) oder eine Computertomographie (CT) sein.

In den meisten Fällen lässt sich eine Stuhlinkontinenz wirksam behandeln. Grundlage jeder Therapie ist eine spezielle Gymnastik des Beckenbodens. In manchen Fällen kann es nötig sein, den Schließmuskel vorher mit einer Stimulationsbehandlung zu stärken. Im Falle von zu flüssigem Stuhl ist der Einsatz von Medikamenten hilfreich. Falls erforderlich, kann der unkontrollierte Stuhlabgang durch spezielle Tampons für den Analkanal verhindert werden. In schweren Fällen muss meist eine Operation durchgeführt werden, bei der man entweder den Beckenboden strafft oder einen künstlichen Schließmuskel einsetzt. Zu den modernen Behandlungsmethoden gehört die so genannte sakrale Nervenstimulation, die im Prinzip der Anwendung eines Herzschrittmachers ähnelt und auch bei einer Harninkontinenz zum Einsatz kommt. Mithilfe eines eingepflanzten Schrittmacheraggregats und speziellen Elektroden stimuliert man die Nervenendstrecke zum Schließmuskel, wodurch wieder ein ausreichender Muskeltonus ermöglicht wird. Vor allem bei neurologisch bedingter Stuhlinkontinenz wird dieses Verfahren erfolgreich angewendet.

Formen von Inkontinenz

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