Inkontinenz - Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Entstehung einer Harninkontinenz und Stuhlinkontinenz und wie man sie erkennen und behandeln kann

Inkontinenz äußert sich durch unwillkürlichen Abgang von Harn oder Stuhl. Die Diagnostik erfolgt beim Hausarzt oder auch beim Internisten, dem Gynäkologen bzw. Urologen. Es gibt verschiedene Ursachen, die zu einer Inkontinenz führen können. Wie die Krankheiten verlaufen, ist unterschiedlich und hängt auch vom Alter der Patienten ab.

Krankheitsbild

Zur Inkontinenz gehören sowohl die Harn- als auch die Stuhlinkontinenz.

Stuhlinkontinenz

In der Medizin wird Stuhlinkontinenz auch als anale Inkontinenz, anorektale Inkontinenz oder Darminkontinenz bezeichnet. Prinzipiell kann diese Erkrankung in jedem Alter auftreten, besonders betroffen sind jedoch ältere Menschen.

In Deutschland leiden rund ein bis drei Prozent der Bevölkerung unter Stuhlinkontinenz. Bei Frauen kommt die Erkrankung vier- bis fünfmal so häufig vor wie bei Männern.

Schweregrade und Formen

Unterteilt wird die anale Inkontinenz in drei unterschiedliche Schweregrade.

  • Bei Grad 1 handelt es sich um eine leichte Form, bei der lediglich ein unkontrollierter Abgang von Winden stattfindet.
  • Grad 2 wird als mittlere Form eingestuft. Dabei kommt es zum Abgang von dünnflüssigem Stuhl.
  • Schwerste Form ist Grad 3, bei dem die Betroffenen unter dem unfreiwilligen Abgang von geformtem Stuhl leiden.

Je nach Ursache werden mehrere Formen von Stuhlinkontinenz unterschieden:

  • Bei der Stuhlinkontinenz durch rektale Koprostase oder Verstopfung verweilt der Stuhl so lange im Dickdarm, dass es zu Kotsteinen kommen kann, die eine spontante Entleerung des Darms nicht mehr möglich machen.
  • zur Inkontinenz durch Störung der rektalen Speicherfunktion kommt es z.B. nach Operationen sowie aufgrund von chronischen Darmerkrankungen.
  • Die sensorische Stuhlinkontinenz beschreibt eine Form, bei der die Schleimhaut des Analkanals in ihrer sensiblen Wahrnehmung gestört ist.
  • Bei der muskulären Stuhlinkontinenz handelt es sich um eine Schädigung des Schließmuskelapparates. Ein Dammriss infolge einer Geburt stellt die häufigste Ursache dar.
  • Die neurogene Stuhlinkontinenz liegt vor, wenn die Funktionsstörung aufgrund von spinalen oder zerebralen Ursachen erfolgt, wie z.B. durch Multiple Sklerose oder degenerative Erkrankungen.

Harninkontinenz

Spricht man von Harninkontinenz, ist damit gemeint, dass die Betroffenen den Abgang ihres Urins nicht kontrollieren können. In den meisten Fällen wird Harninkontinenz im Laufe des Lebens erworben. Sie kann aber auch angeboren sein. Bei Frauen tritt die Erkrankung doppelt so häufig auf wie bei Männern.

Die Mengen an Urin, die bei einer Harninkontinenz verloren gehen, können sowohl sehr gering als auch sehr groß sein. Bislang weiß man nicht genau, wie viele Menschen unter Harninkontinenz leiden, da viele der Betroffenen aus Scham darauf verzichten, einen Arzt zu konsultieren.

Die Zunahme der Blasenschwäche steigt mit der Höhe des Lebensalters. Harninkontinenz tritt jedoch nicht ausschließlich bei Senioren auf, auch junge Menschen können von dieser Erkrankung betroffen sein.

Folgen

Bei vielen Patienten führt Inkontinenz zu seelischen Problemen. So kommt es häufig aus Scham zu einem Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben, da die Erkrankten Angst davor haben, das an öffentlichen Plätzen wie Restaurants, Kinos oder Theatern ihr Uringeruch wahrgenommen wird. Auch Kontakte zu Freunden oder Angehörigen werden zunehmend vermieden, was schließlich immer mehr zu Isolation führt.

Stressinkontinenz

Die häufigste Inkontinenzform ist die so genannte Stressinkontinenz. Dabei kommt es zum unfreiwilligen Abgang von Urin, wenn der Betroffene körperlichen Belastungen wie zum Beispiel Husten, Niesen, Pressen, Lachen, Aufstehen oder Hinsetzen ausgesetzt ist. Ursächlich ist ein Missverhältnis zwischen dem Blasenschließmuskel und dem Bauchinnendruck.

Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz bezeichnet man auch als Reizblase oder Urge-Inkontinenz. Bei dieser Form, die am zweithäufigsten auftritt, leiden die Betroffenen ständig unter Harndrang. Meist geht der Urin ab, bevor die Toilette erreicht werden kann.

Grund für diese Blasenschwäche ist eine Überaktivität des Detrusormuskels, der für das Wasserlassen verantwortlich ist. Diese Überaktivität kann durch Blasensteine oder Blasenentzündungen, aber auch durch psychischen Stress hervorgerufen werden.

Überlaufinkontinenz

Bei einer Überlaufinkontinenz kann der Urin nicht vollständig abgelassen werden, da entweder eine Verstopfung der Harnblase vorliegt oder der Blasenschließmuskel zu aktiv ist. Dadurch staut sich der Urin solange im Harnleiter, bis es gewissermaßen zum Überlaufen der Blase kommt, was unwillkürliches Harnträufeln zur Folge hat. Bei Männern kommt es häufig durch eine Vergrößerung der Prostata zu einer Überlaufinkontinenz.

Ursachen

Stuhlinkontinenz

Zu einer analen Inkontinenz kann es aus den verschiedensten Gründen kommen. Dabei treffen in der Regel mehrere Faktoren zusammen, die zur Entstehung der Inkontinenz führen. Dazu gehören unter anderem Störungen bei der Impulsverarbeitung wie

Ebenso kann eine Unterbrechung der Pulsüberleitung wie eine Querschnittslähmung Inkontinenz zur Folge haben. Weitere Ursachen sind sensorische Störungen wie

sowie muskuläre Störungen wie

Mitunter wird eine Stuhlinkontinenz auch durch die Einnahme von bestimmten Arzneimitteln wie hoch dosierten Abführmitteln oder Psychopharmaka ausgelöst. In seltenen Fällen können zudem psychische Störungen wie ein Rückfall in die Verhaltensweisen eines Kleinkindes Grund für den unfreiwilligen Stuhlabgang sein.

Harninkontinenz

Auch eine Harninkontinenz kann als Stressinkontinenz die Folge von mehreren Geburten oder schweren Entbindungen sowie die Folge eines schlaffen Beckenbodens sein. Eine Dranginkontinenz kann die Folge eines Schlaganfalles oder von Krebserkrankungen im Bereich des Gehirns oder der Blase sein.

Querschnittsgelähmte Patienten leiden meist unter einer Reflexinkontinenz. Durch die Verletzung wurden die Nerven durchtrennt, so dass der Patient keine Kontrolle mehr über die Schließmuskel von Blase und Darm hat.

Patienten mit einer Überlaufinkontinenz haben häufig Tumore im Bereich der Prostata oder Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes mellitus.

Beide Inkontinenzformen, sowohl die Harn- als auch die Stuhlinkontinenz, können Männer und Frauen jeden Alters betreffen.

Verlauf

Wie die beiden Inkontinenzerkrankungen verlaufen, kann nicht allgemein gesagt werden. Häufig hilft eine Beckenbodengymnastik, um die Symptome in den Griff zu bekommen. In einigen Fällen muss auch eine Operation erfolgen.

Patienten mit einer Grunderkrankung wie zum Beispiel einer Querschnittslähmung müssen meist ihr Leben lang mit der Inkontinenz zurechtkommen. Regenerieren sich hingegen die Nerven wieder, kann auch der Schließmuskel wieder kontrolliert werden.

Symptome

Patienten mit einer Harninkontinenz leiden an einer Blasenschwäche, Patienten mit einer Stuhlinkontinenz an einer Schwäche des Darmes. Beide Inkontinenzformen können zusammen, jedoch auch getrennt voneinander auftreten.

Stuhlinkontinenz

Bei der Stuhlinkontinenz können die Patienten je nach Erkrankungssstadium die Stuhlausscheidung nur noch unzureichend kontrollieren. Man unterscheidet

  • Schweregrad 1 (leichte Inkontinenz)
  • Schweregrad 2 (mittlere Inkontinenz) und
  • Schweregrad 3 (schwere Inkontinenz)

Im ersten Stadium dieser Erkrankung tritt die Stuhlinkontinenz nur im Zusammenhang mit Durchfall oder bei körperlicher Belastung auf. In der Unterwäsche sind dann Schmierspuren des Stuhlgangs zu finden.

Im zweiten Stadium können die Patienten nicht mehr verhindern, dass Stuhl bei Darmgasen mit abgeht. Auch wenn der Stuhlgang dünner ist, kann dieser nicht mehr gehalten werden.

Im letzten Stadium der Stuhlinkontinenz haben die Patienten keinerlei Kontrolle mehr über die Stuhlausscheidung. Sie können den Stuhlgang nicht mehr zurückhalten.

Harninkontinenz

Harninkontinenz kommt weitaus häufiger vor. Man unterscheidet hier vier verschiedene Formen der Inkontinenz:

  • Stressinkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Dranginkontinenz sowie die
  • Reflexinkontinenz

Patienten mit einer Stressinkontinenz können in Situationen, in denen sie sich körperlich belasten oder auch beim Husten oder Niesen den Harnabgang nicht mehr steuern oder willentlich beeinflussen und zurückhalten.

Unter einer Überlaufinkontinenz versteht man die unvollständige Entleerung der Blase. Der restliche Harn, der nicht mehr ausgeschieden wird, geht dann unbewusst von selbst ab.

Patienten mit einer Dranginkontinenz können den Harnabgang ebenfalls nicht steuern, haben jedoch immer das starke Bedürfnis, auf die Toilette zu müssen. Meist schaffen es die Betroffenen jedoch nicht mehr zur Toilette.

Im Gegensatz zur Dranginkontinenz verspüren Patienten mit einer Reflexinkontinenz keinen Harndrang. Diese Form der Harninkontinenz kommt zum Beispiel bei querschnittsgelähmten Patienten vor.

Viele Patienten schämen sich aufgrund ihrer Inkontinenz und wenden sich erst recht spät an ihren Arzt.

Diagnose

Diagnose bei Stuhlinkontinenz

Facharzt für die Diagnostik einer Stuhlinkontinenz ist ein Internist mit der Zusatzbezeichnung "Proktologie".

Anamnese und körperliche Untersuchung

Der Arzt fragt den Patienten nach den genauen Beschwerden und in welchen Situationen der Stuhl abgeht. Dann führt er eine körperliche Untersuchung durch, in dem er beim seitlich liegenden Patienten den Enddarm mit dem Finger im Rahmen einer rektalen Untersuchung austastet. Hier kann der Arzt bereits Veränderungen am Enddarm ertasten, die die Ursache der Stuhlinkontinenz sein können.

Weitere Untersuchungen

Je nach Befund wird auch eine Enddarm- oder komplette Darmspiegelung durchgeführt. Für eine Enddarmspiegelung muss der Patient das Ende des Darmes lediglich mit einem Einlauf säubern, für eine komplette Darmspiegelung muss hingegen eine Flüssigkeit getrunken werden, die abführend wirkt und den kompletten Darm dadurch reinigt.

Bei der Enddarmspiegelung (Proktoskopie) liegt der Patienten auf einer Liege, während der Arzt das starre, etwa dreißig Zentimeter lange Proktoskop einführt. Hier kann der Arzt zum Beispiel innere Hämorrhoiden oder Veränderungen am Enddarm erkennen.

Bei einer kompletten Darmspiegelung, der Koloskopie, erhält der Patient vor der Untersuchung meist eine leichte Beruhigungsspritze. Der Arzt führt dann das lange Endoskop in den After des Patienten ein und schiebt es durch den Darm hindurch.

Im Rahmen dieser Untersuchung kann der Arzt auch Gewebeproben entnehmen Dazu wird eine dünne Zange über das Endoskop eingeführt. Die Probe wird dann anschließend im Labor unter dem Mikroskop untersucht.

Zusätzlich zu diesen Untersuchungen kann der Arzt weitere Untersuchungen im Rahmen seiner Diagnostik durchführen. Dazu zählen zum Beispiel eine bestimmte Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel vom Enddarm oder auch eine Ultraschalluntersuchung

Auch der Druck im Bereich des Schließmuskels kann gemessen werden. Der Facharzt führt dazu ein Messgerät in den Enddarm des Patienten ein und kann auf diese Weise ein Messergebnis erzeugen. Um zu ermitteln, ob eventuell Nervenschäden die Inkontinenz hervorrufen, wird eine Elektro-Myographie (EMG) durchgeführt.

Diagnose bei Harninkontinenz

Anamnese und körperliche Untersuchung

Patienten mit einer Harninkontinenz werden vom Arzt ebenfalls nach den genauen Beschwerden befragt, sowie in welcher Situation der Harn abgeht. Teilweise ist ein Tagebuch für den Arzt hilfreich, in dem der Patient notiert, wann und unter welchen Umständen Harn abgegangen ist und um welche Mengen es sich handelte.

Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung. Bei Männern wird diese vom Hausarzt oder einem Urologen durchgeführt, bei Frauen zusätzlich auch von einem Gynäkologen.

Weitere Untersuchungen

Bei Männern wird der Enddarm im Rahmen einer rektalen Untersuchung mit dem Finger ausgetastet, bei Frauen werden die Geschlechtsorgane von ihrem Frauenarzt untersucht. Auch eine Urinuntersuchung wird durchgeführt.

Meist erfolgt auch eine Blutabnahme. Im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung kann der Arzt die Blase untersuchen und auch die Restharnmenge bestimmen.

Der Patient wird im Rahmen dieser Untersuchung dazu aufgefordert, die Blase zu entleeren. Anschließend macht der Arzt einen Ultraschall und kann dadurch messen, wie viel Harn sich noch in der Blase befindet. In einigen Fällen erfolgt auch noch eine Blasenspiegelung bei einem Urologen.

Therapie

Sowohl bei der Harn- als auch bei der Stuhlinkontinenz empfiehlt sich ein umfangreiches Beckenbodentraining. Nach der Entbindung erlernen die jungen Mütter diese im Rückbildungskurs bei der betreuenden Hebamme. Man kann diese Übungen jedoch auch bei einem Physiotherapeuten erlernen.

Das Beckenbodentraining stärkt die Muskulatur und schult die Wahrnehmung. Spezielle Trainingshilfen mit Biofeedback und ablesbaren Indikatoren werden wie ein Tampon eingeführt und zeigen an, in welcher Stärke die Kontraktionen erfolgen.

Um wieder die Kontrolle über die Muskulatur zu erlangen, unterstützen Kräftigungsübungen. Physiotherapeuten helfen bei den ersten Schritten, um ein Gefühl für Spannung und Anspannung zu entwickeln. Gute Methoden, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken:

  • ein eingerolltes Handtuch auf einen Stuhl legen, daraufsetzen, beim Ausatmen den Damm anheben und beim Einatmen wieder absetzen
  • mindestens sechs Mal Vagina, After und Harnröhre mit Muskelkraft öffnen und schließen
  • eine Brücke machen, beim Ausatmen die Vagina schließen und die Rückenwirbel im unteren Bereich anheben, beim Einatmen die Spannung lösen
  • die Kieferzone zehn Mal mit Daumen und Zeigefinger in Richtung der Mundwinkel massieren, denn eine entspannte Kiefermuskulatur bewirkt auch eine Entspannung der Beckenbodenmuskulatur

Für beide Inkontinenzformen gibt es diverse Hilfsmittel in den Sanitätshäusern zu kaufen wie zum Beispiel

  • Einlagen für die Unterwäsche
  • Unterlagen für die Matratze oder
  • spezielle Unterwäsche

Stuhlinkontinenz

Im Falle von zu flüssigem Stuhl ist der Einsatz von Medikamenten hilfreich. Falls erforderlich, kann der unkontrollierte Stuhlabgang durch spezielle Tampons für den Analkanal verhindert werden.

Operationsmethoden

Um den Schließmuskel des Afters wiederherzustellen, gibt es verschiedene Operationsmethoden.

Analplastik

Im Rahmen einer Analplastik deckt man einen Gewebe- und Schleimhautdefekt mithilfe von Hautanteilen ab, die über Nerven verfügen. Auf diese Weise ist der Patient in der Lage wieder einen Stuhlgang zu verspüren.

Vor der Durchführung einer Analplastik erhält der Patient entweder eine Leitungsanästhesie, bei der Betäubungsmittel in die Umgebung von bestimmten Nervensträngen injiziert werden, oder eine Vollnarkose. Um den Afterschließmuskel zu rekonstruieren, nimmt man eine Eröffnung der Haut und der Schleimhaut vor.

Danach vernäht man überlagernd die Ränder des Schließmuskeldefekts. Für den Fall, dass der Schließmuskel dünner als üblich ist, näht ihn der behandelnde Chirurg ebenfalls zusammen.

In den meisten Fällen kann die Stuhlinkontinenz durch eine Analplastik wirksam behandelt werden. Es lässt sich jedoch nicht immer ausschließen, dass erneut ein ungewollter Abgang von Stuhl auftritt.

Künstlicher Schließmuskel

Bestehen größere Schäden am Schließmuskel, setzt man einen künstlichen Afterschließmuskel ein. Dabei legt man einen Ring aus Kunststoff, der eine Flüssigkeit enthält, um den After herum.

Der Inhalt dieser Manschette lässt sich mithilfe eines Systems steuern, wodurch der Druck für den Stuhlgang reduziert wird. Zu diesem Zweck wird ein Druckknopf am Hodensack oder an den Schamlippen angebracht.

Sphinkterrepair

Bei einem vorliegenden Defekt des Schließmuskels ist es mithilfe der Sphinkterrepair-Methode möglich, diesen zu vernähen. Oftmals kommt das Verfahren bei einem Riss des Muskels nach Geburten zur Anwendung.

Silikon-Injektion

Auch die Injektion von Silikon zwischen äußeren und inneren Schließmuskel stellt eine mögliche Therapie dar, die bei einer leichtgradigen Schädigung zur Anwendung kommt. Das Muskelvolumen wird erhöht und es kommt zu einer verbesserten Funktion.

Schrittmachersystem

Liegen bestimmte Nervenschäden vor, kann mitunter ein Schrittmacher sinnvoll sein, der die Spiralnerven im Kreuzbein stimuliert. Dabei testet man zunächst, ob der Schließmuskel bei der Stimulierung eines bestimmten Nervs mithilfe von Elektroden über mehr Kraft verfügt.

Ist dies der Fall, können die Elektroden im Bereich der Nerven eingesetzt werden. Verbunden werden die Elektroden mit einem Schrittmachergerät, das sich leicht am Gürtel befestigen lässt. Später kann der Schrittmacher auch in das Gesäß oder die Unterhautschicht des Bauches eingenäht werden.

Dynamische Graziloplastik

Eine weitere Operationsmethode ist die dynamische Graziloplastik, bei der der Schließmuskel mit Muskelgewebe aus dem Oberschenkel rekonstruiert wird. Dabei wird später ebenfalls ein Schrittmachersystem eingesetzt. Der Muskel wird auch bei dieser Methode unter Spannung gesetzt, damit er den After dauerhaft verschließen kann. Die sehr anspruchsvolle Operation richtet sich an die Patienten, bei denen andere chirurgische Therapien keinen Erfolg gebracht haben.

Sakralnervenstimulation

Als moderne Therapiemethode, die immer häufiger zur Anwendung kommt, gilt die Sakralnervenstimulation, die sich bereits bei der Behandlung von Harninkontinenz bewährt hat.

Durchführung der Sakralnervenstimulation

Bei der Sakralnervenstimulation handelt es sich um ein Verfahren, bei dem elektrische Impulse zur Anwendung kommen.

In den Vereinigten Staaten von Amerika und Großbritannien hat sich die Sakralnervenstimulation bereits zur Behandlung von Stuhlinkontinenz durchgesetzt, da sie bei 75-80 Prozent aller Patienten erfolgreich verläuft. In Deutschland steckt die Methode bislang noch in den Kinderschuhen und wird nur von wenigen Kliniken angeboten.

Die Sakralnervenstimulation ähnelt der Anwendung eines Herzschrittmachers. Dabei setzt man dem Patienten ein kleines elektronisches Gerät ein, das mit leichten Elektroimpulsen die Sakralnerven im Bereich des Beckenbodens stimuliert.

Zu finden sind die Sakralnerven im Kreuzbeinbereich, direkt über dem Steißbein. Diese Nerven spielen sowohl bei der Stuhlinkontinenz als auch bei der Harninkontinenz eine bedeutende Rolle.

Durch das Aussenden von elektrischen Impulsen kommt es zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur, wovon auch die Schließmuskelfunktion profitiert.

Die Testphase

Bevor man den Schrittmacher implantiert, führt man zunächst eine dreiwöchige Testphase durch, um die Effizienz des Gerätes zu überprüfen. Dazu werden dem Patienten Elektroden an den Sakralnerven angelegt. Auf diese Weise lässt sich ermitteln, durch welchen Nerv eine optimale Kontraktion der Muskulatur ausgelöst wird.

Für das Liefern der Elektroimpulse ist zunächst ein äußerer Impulsgeber zuständig. Während der Testphase führt der Patient zudem ein Tagebuch über seine Beschwerden. Tritt durch die Impulse tatsächlich eine Besserung der Inkontinenz ein, implantiert man den Impulsgenerator dauerhaft in der Gesäßmuskelregion.

Bevor eine Sakralnervenstimulation durchgeführt werden kann, ist es erforderlich, Krebserkrankungen oder andere Krankheiten, die für Stuhlinkontinenz verantwortlich sein könnten, auszuschließen. In den meisten Fällen ist die Sakralnervenstimulation erfolgversprechender als direkte Reparaturmaßnahmen am Schließmuskel.

Harninkontinenz

Eine Harninkontinenz kann oftmals auch medikamentös durch Hormone behandelt werden. Auch ein Toilettentraining ist hilfreich, in dem die Patienten gezielt auf die Toilette gehen.

Zu den eingesetzten Medikamenten gehören beispielsweise

  • bei Dranginkontinenz Anticholinergika zur Krampflösung und zum Nachlassen des starken Harndrangs
  • bei Überlaufinkontinenz Alpharezeptorblocker zur Lockerung des Blasenverschlusses und Senkung des Auslasswiderstands
  • bei Reflexinkontinenz Parasympatholytika zur Hemmung der spontanen Aktivität der Harnblasenmuskulatur und Entspannung der Blase

Bei einer leichten Dranginkontinenz können

hilfreich sein.

Sanfte Therapie mit Elektrostimulation

Je nach Ausprägung der Blasenschwäche kommen verschiedene Therapiegeräte zum Einsatz. Die Elektrostimulation arbeitet mit Reizstrom über Elektroden und ist ein sanfte Methode zur Kräftigung der Beckenbodenmuskulatur. Moderne Geräte kommen auch ohne Elektroden aus.

Die Elektrostimulation wird besonders häufig zur Behandlung der Dranginkontinenz angewendet, wobei Einführelektroden über den unteren Rücken stimulierend auf die Sakralnerven einwirken. Elektrotherapiegeräte werden mittlerweile von den Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt. Der Arzt kann diese Geräte per Rezept verordnen.

Operation

Bleiben alle Behandlungsmaßnahmen erfolglos, kann eine TVT-Operation (Tension-free Vaginal Tape) die Harnblasenschwäche beseitigen, indem ein Kunststoffband vor der Harnröhre platziert wird. Dieses Band wirkt stärkend, gibt auch bei größeren Belastungen nicht gleich nach und regt die Produktion des Bindegewebes an.

TVT-Eingriffe reduzieren die Beschwerden bei 10 Prozent der Patientinnen deutlich, bei 90 Prozent der Betroffenen kann eine komplette Heilung erzielt werden. Diese Operationsmethode ist unkompliziert, dauert etwa 30 Minuten und kann bei lokaler Betäubung erfolgen.

TVT-Operationen werden ambulant oder stationär durchgeführt. Schon kurz nach dem Eingriff fühlen sich die Patientinnen wieder fit.

Tipps für den Alltag
Blasen-Tagebuch

Ein sogenanntes Blasen-Tagebuch kann Frauen bei der Überprüfung der Inkontinenzstärke und beim Entleerungsverhalten unterstützen. Dabei wird über mehrere Tage aufgeschrieben, wie hoch die Trinkmengen sind, und welche Art Getränke zu welcher Uhrzeit konsumiert werden.

Auch die Anzahl der Toilettengänge, die Urinmenge und die Häufigkeit des unfreiwilligen Harnabgangs lassen sich im Protokoll festhalten. Diese Dokumentationen sind wichtige Hinweise für den Arzt, um die richtige Behandlungsform zu wählen.

Ernährungsumstellung

Übergewicht belastet die Beckenbodenmuskulatur zusätzlich und begünstigt die Belastungsinkontinenz. Bei einer Ernährungsumstellung kann ein versierter Ernährungsberater ein Konzept zur nachhaltigen Gewichtsreduktion entwickeln und gleichzeitig sinnvolle Bewegungsprogramme empfehlen.

Locker sitzende Kleidung

Bei häufigem Harndrang ist auch ein entsprechendes Outfit hilfreich. Statt Gürtel und Knopfleisten sind Hosen mit einfachen Reißverschlüssen oder Röcke mit elastischem Gummizug empfehlenswert. Locker sitzende Kleidung ist sinvoller als einengende.

Wichtig: Die Trinkmenge sollte trotz Angst vor unkontrolliertem Urinabgang niemals reduziert werden, denn eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist für den gesamten Organismus unabdingbar. Bei einem Flüssigkeitsmangel drohen Kopfschmerzen, Schwindel und erhebliche Konzentrationsstörungen.

Vorbeugung

Frauen, die gerade entbunden haben, sollten konsequent ihr Beckenbodentraining betreiben, um nicht unter Inkontinenz zu leiden. Diese Übungen können von jedem erlernt werden und zu jeder Zeit angewendet werden.

Auch noch Jahre nach einer Entbindung helfen sie, den Beckenboden zu stärken. Entsprechende Übungen gibt es selbstverständlich auch für Männer.

Formen von Inkontinenz

  • Inkontinenz - Ursachen, Symptome und Behandlung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: toilet © loutocky - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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