Merkmale und Beispiele der drei großen literarischen Gattungen

Die Literatur lässt sich in drei große Gruppen einteilen. Dazu gehören die Epik, die Lyrik und die Dramatik. Ergänzend zu diesen literarischen Großgattungen wird häufig noch die Sachliteratur als moderne, vierte Gruppe genannt. Die Einordnung von literarischen Werken bringt diese mit bestimmten Merkmalen in Verbindung und ebenso gibt es diverse Unterformen. Informieren Sie sich hier über die drei großen literarischen Gattungen - die Epik, die Lyrik und die Dramatik - sowie deren Merkmale und beispielhafte Werke.

Epik, Lyrik, Dramatik - wir geben einen Überlick über die Großgattungen der Literatur: Entwicklung, Merkmale und Formen

Unter den literarischen Gattungen versteht man die Einordnung von literarischen Werken in die drei Hauptgattungen Epik, Lyrik und Dramatik bzw. das Drama. Seinen Ursprung hat das dreiteilige Gattungssystem in der Poetik des griechischen Philosophen Aristoteles (384-322 v. Chr.), der einen Unterschied machte zwischen nicht dramatischen und dramatischen Texten.

Die noch heute gültige Dreiteilung der Literatur geht auf Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) zurück. In modernen Modellen wird zusätzlich die Sachliteratur als vierte Gruppe neben Epik, Lyrik und Dramatik genannt.

Die drei Gattungen der Literatur

Die drei literarischen Gattungen lassen sich ihrerseits in unterschiedliche Gruppen einteilen. So gehören zum Beispiel zur Epik verschiedene Typen wie

  • das Epos,
  • die Anekdote
  • die Kurzgeschichte
  • die Erzählung
  • das Märchen
  • die Legende
  • die Sage
  • die Fabel
  • die Parabel
  • der Schwank
  • die Novelle und schließlich
  • der Roman.
Die Epik als beliebteste Gattung der Unterhaltungsliteratur
Die Epik als beliebteste Gattung der Unterhaltungsliteratur

Zur Lyrik gezählt werden sämtliche Texte in Versform. Dabei kann es sich um

Texte in Versform bedeuten Lyrik
Texte in Versform bedeuten Lyrik
  • eine Ballade
  • ein Lied
  • ein Prosagedicht
  • ein Lautgedicht
  • eine Elegie
  • eine Hymne
  • eine Ode oder
  • ein Sonett

handeln.

Das Drama unterteilt man in

Sachliteratur als moderne, vierte Gruppe

Die Sachliteratur ist der Gegensatz der Belletristik und befasst sich mit Werken, die der Darstellung eines bestimmten Gegenstands befassen. Der Übergang zur Fachliteratur kann als fließend beschrieben werden; die Sachliteratur bezieht sich jedoch auch auf populärwissenschaftliche Texte.

Die Sachliteratur umfasst:

  • Sachbücher
  • Reiseliteratur
  • Tagebücher
  • Nachschlagewerke
  • Online-Sach-Publikationen
  • Zeitschriften

Auch die Publikation auf elektronischem Weg, wie über CD-ROM oder DVD kann man dazu zählen.

Nachschlagewerke als Sachliteratur
Nachschlagewerke als Sachliteratur

Im Folgenden gehen wir etwas näher auf die drei Großgattungen der Literatur ein.

Die Epik

Zu den drei Gattungen der Literatur zählt die Epik. Man nennt sie auch erzählende Literatur.

Der Begriff "Epik" entstammt dem Griechischen. Übersetzt bedeutet er "Erzählung", "Geschichte" oder "Rede". Zu den bekanntesten epischen Formen zählen Romane, Novellen und Kurzgeschichten.

Die Epik stellt ein Genre der Poesie dar. Nicht selten kommt es zu Überschneidungen mit der Dichtung. Typisch für epische Werke ist, dass sie in Prosaform oder Versform geschrieben werden.

In der heutigen Zeit findet man die Epik vorwiegend in

Epik nennt man die erzählende Literatur
Epik nennt man die erzählende Literatur

Entwicklung und Merkmale der Epik

Bis ins 17. Jahrhundert diente der Begriff Epik für die epische Kunst. Im 18. Jahrhundert nahm die Differenzierung innerhalb der Epik immer mehr zu. Darüber hinaus entwickelte sich die Prosa.

Seither werden unter der Epik sämtliche Genres der erzählenden Literatur verstanden. So weist die Epik grundsätzliche Merkmale auf, mit denen sie sich von der Lyrik und dem Drama unterscheidet.

Ein typisches Kennzeichen epischer Werke ist die Erzählperspektive. Das heißt, dass die Handlung aus der Sicht eines Erzählers oder einer dritten Person erläutert wird. Zumeist ist das Geschehene bereits vergangen; der Umgang mit der Zeit kann aber auch ungebunden sein.

Typisch für epische Werke ist außerdem, dass sie gesellschaftliche Zustände und individuelle Erlebnisse beschreiben. Als sich ab dem 18. Jahrhundert allmählich der Wandel von der feudalen Gesellschaft zur bürgerlichen Gesellschaft vollzog, hatte dies auch einen grundlegenden Wandel der Epik zur Folge.

So ging man in Europa von der Vers-Epik zur Prosa-Epik über. Dies führte zur Bildung von neuen Erzählformen wie zum Beispiel dem Roman. Während der industriellen Revolution, die eine immer größere Verbreitung von literarischen Werken ermöglichte, entstanden weitere Formen wie die Kurzgeschichte, die Novelle oder die Glosse.

Formen der Epik

Die Epik lässt sich in mehrere Formen einteilen. So unterscheidet man zwischen

  • Großformen
  • Kurzformen
  • Kürzestformen
  • didaktischen Formen und
  • volkstümlichen Formen.

Zu den Großformen der Epik zählen das Epos, die Saga, die Autobiographie und der Roman. Letzterer kann wiederum in Kriminalroman, Abenteuerroman, Bildungsroman und Entwicklungsroman eingeteilt werden.

Als Kurzformen der Epik gelten die Novelle, die Erzählung, die Kurzgeschichte, die Anekdote, die Romanze, der Schwank, das Essay sowie die Verserzählung.

Unter Kürzestformen versteht man zum Beispiel Sprichwörter oder Aphorismen. Bei didaktischen Formen handelt es sich um Parabeln, Fabeln und Legenden. Volkstümliche Formen sind Volksballaden, Märchen und Sagen.

Die Lyrik

Unter der Lyrik versteht man Dichtungen in Versform. So bezeichnet man lyrische Werke auch als Gedichte.

Der Begriff "Lyrik" hat seinen Ursprung im alten Griechenland und bedeutet soviel wie "Dichtung zum Spiel der Lyra". Ab dem 18. Jahrhundert verwendete man die Bezeichnung Lyrik als Gattungsbezeichnung der Literatur.

Seit dem 19. Jahrhundert dient sie häufig auch als Begriff für Poesie und Gedichte. Ein typisches Merkmal der Lyrik sind poetische Texte, die die Gedanken und Gefühle eines lyrischen Subjekts wiedergeben.

Außerdem verfügt die Lyrik über eine starke rhetorische Strukturierung und enthält viele Metaphern. Mitunter ist sie auch gereimt und hat eine Verbindung zur Musik. So war es im alten Griechenland üblich, Vorträge oder Gedichte mit einer Lyra (Leier) musikalisch zu begleiten.

Entwicklung der Lyrik

Die Lyrik zählt zu den ältesten Formen der Literatur. So kam sie bereits im alten China sowie bei den Persern und Babyloniern zur Anwendung.

Das heutige Verständnis von Lyrik hat seinen Ursprung allerdings im alten Griechenland. Dort galt die Lyrik als Liedgut, das von einer Lyra begleitet wurde. Ein Beispiel dafür sind die Chorgesänge im Rahmen von antiken Dramen.

In der Lyrik des Mittelalters standen die Spruchdichtung und der Minnesang im Vordergrund. Als berühmter Vertreter der mittelalterlichen Lyrik gilt Walther von der Vogelweide (um 1170-1230), von dem 150 Sangsprüche und 90 Minnelieder überliefert sind.

Die mittelalterliche Lyrik wurde in der Regel gesungen. Erst später brachte man die Lieder zu Papier.

Zu den bedeutendsten Dichtern des europäischen Mittelalters gehörte der Italiener Dante Aligheri (1265-1321), der mit seiner Göttlichen Komödie die italienische Sprache zu einer Literatursprache aufsteigen ließ. In der Renaissance zählte Michelangelo (1475-1564) zu den wichtigsten italienischen Lyrikern.

Im Laufe der Zeit gewann die Lyrik immer mehr an Bedeutung. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehören

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)
  • Friedrich Hölderlin (1770-1843)
  • Edgar Allan Poe (1809-1849)
  • Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)
  • Rainer Maria Rilke (1875-1926) und
  • Bertold Brecht (1898-1956).

Trotz tiefgreifender Veränderungen ist die Lyrik auch in der heutigen Zeit noch immer von Bedeutung, was vor allem für die arabische Literatur gilt. Darüber hinaus ist die Entwicklung von neuen Lyrikformen zu verzeichnen, wie beispielsweise in der Jugendkultur oder im Internet.

Merkmale der Lyrik

Im Unterschied zu dramatischen und epischen Werken sind lyrische Texte kürzer und weisen eine strengere Form auf. Darüber hinaus haben sie eine starke Ausdruckskraft, sind subjektiv und sprachlich prägnant.

Außerdem beziehen sie sich auf ein lyrisches Subjekt. Dabei kann es sich um ein lyrisches Ich, Wir oder Du handeln.

Häufig greift die Lyrik auf Ausdrucksmittel wie

  • Metaphern
  • rhetorische Figuren oder
  • Reime

zurück, wodurch es oftmals zu einer Abweichung von der üblichen Anordnung von Sätzen und Wörtern kommt. Von der Prosa sind lyrische Texte durch ihre äußere Form zu unterscheiden.

So setzen sie meist auf Verse und Strophenbau. Allerdings hat dieses Kriterium im Laufe der Zeit an Bedeutung verloren.

Genres und Unterarten

Bezüglich des Thema sowie des Inhalts lässt sich die Lyrik in weitere Genres bzw. Untergenres einteilen. Je nachdem, womit sie sich beschäftigt, kann es sich um

  • Kinderlyrik
  • Confessional Poetry
  • Dinggedicht
  • Liebeslyrik
  • politische Lyrik sowie
  • Naturlyrik

handeln. Zudem ist die Unsinnspoesie verbreitet, ebenso die Gelegenheitsdichtung. Zu den historisch lyrischen Genres zählen

  • Minnesang
  • Trobadordichtung
  • Meistersang
  • Sangspruchdichtung

Des Weiteren gibt es genreübergreifende Varianten wie Romanze oder Ballade, Liedtext oder Spoken Word.

Formen der Lyrik

Die Lyrik umfasst zahlreiche unterschiedliche Formen. So gehören

  • das Prosagedicht
  • das Lautgedicht
  • das Lied
  • die Ballade
  • die Elegie
  • die Hymne
  • die Ode
  • das Sonett (Klanggedicht) und
  • das japanische Haiku

zu ihr. Seit den 90er Jahren gilt auch die digitale Poesie, die im Internet und auf Computern gestaltet wird, als moderne Form der Lyrik.

Die Lyrik enthält normalerweise viele Methaphern
Die Lyrik enthält normalerweise viele Methaphern

Die Dramatik

Eine weitere Gattung der Literatur stellt das Drama dar. Dabei handelt es sich um Texte mit verteilten Rollen.

Gemeinsam mit der Epik und der Lyrik gehört die Dramatik, auch Drama genannt, zu den drei Gattungen der Literatur. Der Begriff Drama stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Handlung". Dabei schreitet die Handlung allein durch die Dialoge voran.

Formen

Als typische Formen des Dramas gelten

  • die Tragödie
  • die Komödie
  • die Tragikomödie und
  • das Schauspiel.

Mitunter fallen unter den Begriff Drama auch

Beim Drama handelt es sich um Texte mit verteilten Rollen
Beim Drama handelt es sich um Texte mit verteilten Rollen

Merkmale des Dramas

Als Hauptmerkmal des Dramas gilt das Darstellen der Handlung mithilfe von Dialogen. In der Antike unterschied sich die Dramatik damit von der erzählenden Epik.

In der Neuzeit besteht vor allem ein Unterschied zum Roman. So werden Dramen aus moderner Sicht für Theaterschauspieler geschrieben.

Oftmals enthalten sie nicht nur den Dialogtext, sondern auch Anweisungen für die Darsteller und den Regisseur. Ein weiteres typisches Merkmal des Dramas stellt die Einteilung der Handlung in

  • Akte
  • Szenen und
  • Auftritte

dar.

Lesedrama

Eine Form des Dramas ist das Buchdrama oder Lesedrama. So folgt es zwar gattungsspezifisch dem Drama, ist aber nicht für Theaterzuschauer, sondern für Leser gedacht und soll wie ein Roman gelesen werden.

Das hat den Vorzug, dass das Lesedrama unabhängig von der Bühnentechnik eines Theaters funktioniert. Dadurch ist es nicht nötig, die Anzahl der mitspielenden Personen oder die Dauer der Handlung zu begrenzen.

Mitunter werden Lesedramen jedoch auch später im Theater aufgeführt. Berühmte Beispiele dafür sind "Die Räuber" von Schiller und "Faust" von Goethe.

Quellen:

  • Der Brockhaus Literatur: Schriftsteller, Werke, Epochen, Sachbegriffe. 4000 Stichwörter, Brockhaus, Mannheim, 2006, ISBN 3765331333
  • Metzler Lexikon Literatur: Begriffe und Definitionen, Metzler, 2007, ISBN 9783476016126

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