Hilfe bei Depression

Behandlungsmöglicheiten von Antidepressiva bis Psychotherapie

Ausgebranntes Streichholz
In unserem Themenspecial zur Depression bieten wir Ihnen Tipps zur Suche nach einem passenden Therapeuten und einen Überblick über die Wirkungsweise unterschiedlicher Antidepressiva

Die Depression hat sich in den letzten Jahren von einem häufig verschwiegenen Problem zu einer Volkskrankheit entwickelt. Prominente wie Brigitte Bardot und Robbie Williams haben sich bereits zu der Erkrankung bekannt und rückten das Thema mehr und mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch was ist zu tun, wenn man selbst mit negativen Gedanken, Gefühlen der Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit zu tun hat? Hier erfahren Sie, wie Sie einen idealen Therapeuten finden und was bei der Einnahme verschiedener Antidepressiva zu bedenken ist.

Für viele Menschen, die ihre Niedergeschlagenheit jahrelang mit sich selbst ausgemacht haben, kann dies nur eine kleine Erleichterung sein. Das deutsche Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass landesweit rund vier Millionen Menschen an einer Depression erkrankt sind, wobei die Dunkelziffer noch deutlich höher liegen könnte.

Bei Frauen wird die Erkrankung ungefähr doppelt so häufig diagnostiziert wie bei Männern. Jedoch ist auch bekannt, dass Männer aufgrund ihrer sozialen Rolle dazu tendieren, ihre Probleme mit sich selbst auszumachen und sich seltener ärztliche Hilfe suchen. Deutlich mehr Männer sterben an einem depressionsbedingten Suizid.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass jeder Mensch im Laufe seines Lebens von einer oder mehreren depressiven Episoden betroffen sein kann. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich durch eine genetische Disposition, kann aber auch durch schwere Lebenskrisen und selbst ohne einen äußerlich offensichtlichen Grund ausgelöst werden. Oft korrelieren mehrere Faktoren. Wichtig ist, dass Betroffene sich nicht aus Scham, Zweifeln und Antriebslosigkeit zurückziehen, sondern Hilfe suchen und auch zulassen.

Ärztliche Hilfe und Psychotherapie

Therapeut im Gespräch mit einer Patientin

Wann und warum eine Therapie sinnvoll ist

Bei Verdacht auf eine Depression sollte der erste Weg zum Hausarzt führen. Dieser kann zunächst mögliche körperliche Ursachen überprüfen, wie beispielsweise einen Eisenmangel oder eine Schilddrüsenunterfunktion. Oft können Symptome wie chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit schon eingedämmt werden, wenn physische Mangelzustände behoben werden.

Manifestiert sich jedoch der Verdacht, dass es Ihnen aus psychischen Gründen schlecht geht und Sie sich nicht zu helfen wissen, so kann es sinnvoll sein, eine Psychotherapie anzutreten. Viele Menschen scheuen diesen Schritt, da es für sie einem Eingeständnis von Schwäche und der eigenen Hilflosigkeit gleichkommt.

Sehen Sie es so: Es zeugt von Mut und Ehrlichkeit, um Hilfe zu bitten. Ein Psychotherapeut wird sich Ihnen nicht aufdrängen und Ihnen keine "Gehirnwäsche" verpassen - er wird Ihnen zuhören und Denkanstöße liefern, die Ihnen helfen können. Je früher Sie Ihr Problem angehen, umso besser kann Ihnen geholfen werden; damit tun Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihrer Familie und Freunden einen Gefallen, die mitleiden, wenn es Ihnen nicht gut geht.

Krankheitsbild und Diagnose einer Depression

Krankheitsbild und Diagnose einer Depression

Klassische Symptome einer Depression und wie der Arzt oder Psychologe eine Diagnose stellt.

Auf Therapeutensuche

Nachdem Ihr Entschluss gefallen ist, beginnt oftmals der noch schwierigere Teil - die meisten Therapeuten haben volle Wartelisten und wenig Kapazitäten für neue Patienten. So schwer es auch fallen mag - jetzt ist Ihr Einsatz gefragt! Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn Sie nicht sofort fündig werden.

Hier einige Tipps zur Therapeutensuche:

  • Wenn Sie Patient bei einer gesetzlichen Krankenkasse sind, rufen Sie ruhig dort an - hier bekommen Sie eine Liste mit Psychotherapeuten in Ihrer Umgebung. Für manche Regionen bietet die Kassenärztliche Vereinigung auch einen Dienst an, bei dem Ihnen direkt Adressen von Therapeuten mit freien Stellen an die Hand gegeben werden. Durchforsten Sie zusätzlich die Gelben Seiten und das Netz nach Adressen in Ihrer Nähe.
  • Geben Sie nicht auf, wenn Sie nicht auf Anhieb fündig werden. Gerade viele selbstständige Psychotherapeuten, die alleine eine Praxis führen, haben keine Sprechstundenhilfe und so werden sie den einen oder anderen Anrufbeantworter zu hören bekommen. Sprechen Sie ruhig auf das Band und bitten Sie um Rückruf.
  • Manchmal finden Sie auf der Bandansage oder der Website der Praxis auch einen Hinweis darauf, wann Sie den Therapeuten telefonisch am besten erreichen können. Gute Zeiten sind in der Regel Dienstag und Donnerstag am Vormittag, immer kurz vor der vollen Stunde. Die meisten Therapiesitzungen dauern 45 bis 50 Minuten - nutzen Sie das kurze Zeitfenster, bevor der nächste Termin beginnt.
Auf der Suche nach dem perfekten Psychotherapeuten

Auf der Suche nach dem perfekten Psychotherapeuten

Der Besuch bei einem Therapeuten kann viele Gründe haben und ist kein Zeichen von Schwäche oder Verrücktheit. Trauen Sie sich! Folgende Schritte sollten Sie dabei beachten.

Der richtige Psychotherapeut für Sie

Die in Deutschland gängigsten Therapieformen, welche auch von der Krankenkasse unterstützt werden, sind einerseits die Verhaltenstherapie und andererseits die tiefenpsychologische Herangehensweise. Beide Therapieformen können helfen, Depressionen zu lindern.

Meistens finden Sie bei der Recherche sehr schnell einen Hinweis darauf, mit welcher Herangehensweise ein Therapeut arbeitet. Ansonsten fragen Sie einfach nach. Die Schwerpunkte liegen etwas unterschiedlich:

  • Ein Verhaltenstherapeut wird sich primär um Ihre Symptomatik kümmern: Er wird mit Ihnen erarbeiten, welche Denk- und Verhaltensweisen für Sie ungünstig sind und wie Sie diese ändern können. Dazu gibt es oft konkrete Übungen als "Hausaufgaben".
  • Ein tiefenpsychologisch arbeitender Therapeut wird sich eher auf die Hintergründe Ihres Problems konzentrieren, Ihre Familienkonstellation in der Kindheit hinterfragen und Traumata aus der Vergangenheit aufarbeiten.

Egal, für welche Therapieform Sie sich entscheiden - letztlich sollten Sie sich bei Ihrem Therapeuten wohlfühlen. Lassen Sie sich nicht davon abschrecken, wenn Ihr Therapeut in Alter und/oder Geschlecht nicht Ihren Vorstellungen entspricht: Gerade dies kann erfrischend neue Sichtweisen eröffnen. Haben Sie auch etwas Geduld, wenn es Ihnen anfangs schwer fällt, sich zu öffnen.

Sollten Sie jedoch das Gefühl haben, dass Sie konstant aneinander vorbeireden oder Sie mit Ihrem Therapeuten partout nicht warm werden, so sehen Sie sich ruhig nach einem anderen Psychologen um. In der Regel haben Sie bis zu fünf Probesitzungen bei jedem Psychotherapeuten.

Wenn Sie sich jedoch sicher sind, dass Ihr Therapeut der Richtige ist, macht es Sinn, sich frühzeitig zur Genehmigung einer Therapie an die Krankenkasse zu wenden. Dies bringt oft eine gewisse Bearbeitungszeit mit sich, wodurch eine längere Pause zwischen den Sitzungen entstehen kann.

Phasen und Formen der Psychotherapie bei Depressionen

Phasen und Formen der Psychotherapie bei Depressionen

Eine der gängigsten Therapieformen bei einer schweren Depression ist die Psychotherapie. Welche Form der Psychotherapie angewandt wird, entscheidet der Spezialist im Einzelfall.

Die Verhaltenstherapie zur Veränderung von Verhaltensweisen

Die Verhaltenstherapie zur Veränderung von Verhaltensweisen

Psychische Probleme können auf falsches Denken und ungünstiges Verhalten zurück geführt werden.

Medikamentöse Therapie - Antidepressiva

Niedergeschlagene Frau

Was Sie vor der Einnahme bedenken sollten

Antidepressiva sind die mit Abstand am häufigsten verschriebenen Psychopharmaka in Deutschland. Das bedeutet allerdings nicht, dass leichtfertig damit umgegangen werden sollte. Wenn Sie sich dauerhaft niedergeschlagen und deprimiert fühlen, kann es passieren, dass Ihr Hausarzt Ihnen ein häufig genutztes Präparat verschreibt. Besser ist es allerdings, Sie wenden sich an einen Fachmann - den Psychiater.

Im Gegensatz zu ausgebildeten Psychologen sind Psychiater Fachärzte, die Medikamente verschreiben dürfen. Bei einem Besuch wird er zunächst eine Anamnese erstellen, Sie also genau nach Ihren Symptomen und Ihrer Krankengeschichte befragen, um das passende Präparat für Sie zu ermitteln. Dabei ist auch wichtig, ob Sie bestimmte körperliche Vorerkrankungen haben, andere Medikamente einnehmen oder weitere psychiatrisch relevanten Symptome wie Ängste, Zwänge oder Schlafstörungen zeigen.

Bedenken Sie, dass die alleinige Einnahme von Psychopharmaka Ihre Probleme keinesfalls in Luft auflösen wird. Diverse Studien konnten ermitteln, dass es am erfolgversprechendsten ist, wenn die Gabe eines Antidepressivums parallel zu einer fundierten Psychotherapie erfolgt.

Einnahme und Wirkung

Die meisten modernen Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI oder SNRI werden morgens eingenommen, da sie ansonsten zu Schlafstörungen führen können. Andere Präparate aus der Gruppe der trizyklischen Antidepressiva wirken dagegen schlaffördernd - sie werden abends eingenommen und sorgen neben der verbesserten Stimmung für einen ruhigen Schlaf. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt darüber aufklären, wie und wann Ihre Medikamente einzunehmen sind.

Fast immer werden Psychopharmaka langsam ein- und wieder ausgeschlichen. Zumeist müssen Sie die Einnahme mit einer geringen Dosis beginnen und dann in wöchentlichen Abständen langsam steigern, bis die angestrebte Dosis erreicht ist. Ihr neuronales System braucht Zeit, um sich an die neuen Stoffe zu gewöhnen, sonst kann es leicht zu unangenehmen Nebenwirkungen kommen.

Haben Sie Geduld, wenn Sie zu Anfang keine Veränderung oder gar nur störende Nebenwirkungen verspüren. Die Nebenwirkungen treten oft schneller auf als der stimmungsaufhellende Effekt, sind jedoch zumeist auch nach ca. einer Woche wieder verschwunden. Bis Sie sich wirklich wohler und ausgeglichener fühlen können je nach Präparat vier, sechs oder acht Wochen vergehen. Wenn Sie nach zwei bis drei Monaten keinerlei Änderung verspüren, ist es Zeit, das mit dem Arzt zu besprechen, um eventuell das Präparat zu wechseln oder abzusetzen.

Machen Sie jedoch niemals den Fehler, das Medikament von einem Tag auf den anderen wieder abzusetzen! Dies kann gravierende körperliche und psychische Auswirkungen haben. Antidepressiva sind zwar nicht suchtauslösend, doch der Körper gewöhnt sich an die veränderte Konzentration der Neurotransmitter. Antidepressiva müssen schrittweise in der Dosis reduziert werden.

Anwendung, Einsatz und Wirkung von Antidepressiva

Anwendung, Einsatz und Wirkung von Antidepressiva

Bei starken Depressionen können chemische Antidepressiva den Zustand des Patienten bessern.

Antidepressiva-Formen

Hier ein Überblick über die Formen von Antidepressiva, die heute gebräuchlich sind:

Trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva

Trizyklische Antidepressiva (TZA) gehören zu den ersten pharmazeutisch entwickelten Präparaten gegen Depressionen und werden bereits seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. Ihren Namen bekamen die TZA aufgrund ihres typischen chemischen Aufbaus aus drei anellierten Ringen. Tetrazyklische Antidepressiva dagegen sind mit einem Vier-Ring-System aufgebaut und haben einen sehr ähnlichen Wirkmechanismus.

Tabletten

Diese Gruppe von Psychopharmaka hat den Vorteil, dass sie meist sehr gut anschlagen und die Stimmung aufhellen. Sie wirken relativ unspezifisch, indem sie die Wiederaufnahme verschiedener Transmitter in die Nervenzellen hemmen. Somit bleiben Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin länger im synaptischen Spalt und gleichen einen Mangelzustand aus. Somit können auch Angstzustände gemildert und der Schlaf gefördert werden.

Dennoch werden TZA heutzutage oft nicht mehr direkt bei Verdacht auf eine Depression verschrieben und kommen eher bei schweren Formen zum Einsatz. Ihr Nachteil gegenüber den neueren SSRI- und SNRI-Präparaten ist, dass sie relativ häufig unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen, zum Beispiel Kopfschmerzen, Gewichtszunahme, Schwindel, Sehstörungen, Ödeme oder vermehrtes Schwitzen.

Trizyklische Antidepressiva

Die Wirkstoffe der in Deutschland zugelassenen Trizyklischen Antidepressiva sind:

  • Amitriptylin
  • Clomipramin
  • Desipramin
  • Doxepin
  • Dosulepin
  • Imipramin
  • Nortriptylin
  • Trimipramin
Tetrazyklische Antidepressiva
  • Maprotilin
  • Mianserin
  • Mirtazapin

Die einzelnen Wirkstoffe kommen in verschiedenen Präparaten zum Einsatz und unterscheiden sich trotz ähnlichem Ansatz zum Teil deutlich in ihrer Wirkweise. Während Desipramin beispielsweise den Antrieb steigert, die Einnahme dafür aber mit Unruhe und Nervosität einhergehen kann, wirkt Doxepin eher sedierend. Lassen Sie sich vor der Einnahme möglichst genau von einem Psychiater beraten.

SSRI und SSNRI

Eines der wichtigsten Hormone zur Regulation unserer Stimmung ist Serotonin. Es sorgt für ein Gefühl der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Ist im Gehirn viel Serotonin vorhanden, reduziert sich automatisch die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Diesen Mechanismus machen sich Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) zunutze.

Blaue Kapseln

Vereinfacht gesagt sorgen sie dafür, dass im synaptischen Spalt zwischen den Nervenzellen im Gehirn mehr Serotonin zur Verfügung steht, welches öfter an den Rezeptoren für die Botenstoffe andocken kann. Das hilft nicht nur Depressiven, sondern auch Menschen mit Angst- und Zwangsstörungen.

SSRI gehören inzwischen zu den am häufigsten verschriebenen Antidepressiva, da sie gezielter wirken als tri- und tetrazyklische Präparate und somit auch weniger Nebenwirkungen verursachen. Auch das Risiko einer Abhängigkeit ist verschwindend gering.

Dennoch greifen auch SSRI in den Hirnstoffwechsel ein und können gerade zu Anfang der Einnahmezeit unerwünschte physische und psychische Wirkungen zeigen, zum Beispiel Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen oder Appetitlosigkeit. Bei Männern wie Frauen kann auch die Libido in Mitleidenschaft gezogen werden. Ebenso sollte das Absetzen stets unter ärztlicher Aufsicht und in langsamen Schritten vonstattengehen; sonst kann es zu einem SSRI-Absetzsyndrom kommen. Kreislaufbeschwerden, Sehstörungen und schwer depressive Symptome können die Folge sein.

In Deutschland sind folgende Wirkstoffe zugelassen:

  1. Citalopram
  2. Dapoxetin
  3. Escitalopram
  4. Fluoxetin
  5. Fluvoxamin
  6. Paroxetin
  7. Sertralin
  8. Trazodon

Eine ähnliche Wirkstoffgruppe sind Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSNRI). Sie haben zusätzlich eine Wirkung auf Noradrenalin, einen Botenstoff, der antriebssteigernd wird. Zwei Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen: Venlafaxin hat nur in höheren Dosierungen Einfluss auf das Noradrenalin nimmt, sowie Duloxetin, das zwar auch in vielen schwierigen Fällen als wirksam gilt, jedoch auch recht starke Nebenwirkungen und Absetzerscheinungen mit sich bringt.

Anwendungsgebiete, Dosierung und Nebenwirkungen von Citalopram

Anwendungsgebiete, Dosierung und Nebenwirkungen von Citalopram

Citalopram hat eine stimmungsaufhellende Wirkung und hat im Gegensatz zu anderen Antidepressiva harmlosere Nebenwirkungen.

MAO-Hemmer
Bunte Kapseln

Eher selten kommen Mono-Amino-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) zum Einsatz. Diese Medikamente hemmen die Enzyme MAO-A und MAO-B, deren Hauptaufgabe es ist, verschiedene Botenstoffe abzubauen. Sind die Enzyme inaktiv, stehen dem Gehirn mehr Noradrenalin und Serotonin zur Verfügung - das stabilisiert die Stimmung und hellt sie auf.

Zum Einsatz kommen folgende Wirkstoffe:

  1. Moclobemid
  2. Rasagilin
  3. Selegilin
  4. Tranylcypromin

Dabei sind Rasagilin und Selegilin für die Behandlung von Parkinson vorgesehen; als Antidepressiva werden Moclobemid und Tranylcypromin eingesetzt.

Tranylcypromin wird in besonders schweren Fällen (Major Depression) eingesetzt, wenn andere Antidepressiva keine entscheidende Wirkung zeigen konnten. Es wirkt stark antriebssteigernd und vertreibt die düstere Stimmung. Das Problem allerdings ist, dass MAO-A und MAO-B auch diverse andere Stoffe abbauen. Werden die Enzyme gehemmt, entsteht ein Überschuss im Körper, der zu schweren Nebenwirkungen wie einer massiven Blutdrucksteigerung führen kann.

Unter der Einnahme von Tranylcypromin muss daher eine Diät eingehalten werden, in der beispielsweise Rotwein und gereifter Käse verboten sind. Die Einnahme sollte regelmäßig mit einem Psychiater abgesprochen und Nebenwirkungen kontrolliert werden.

Moclobemid ist der etwas schonendere Wirkstoff, da er nur auf MAO-A wirkt und das Enzym lediglich deaktiviert, statt es zu zerstören. Bei Depressionen, die im Zusammenhang mit einer sozialen Phobie auftreten, können gute Wirkungen verzeichnet werden.

MAO-Hemmer dürfen keinesfalls parallel zu anderen Antidepressiva eingenommen werden. Es kann zu einem gefährlichen Serotonin-Syndrom kommen, wenn die Konzentration des Botenstoffs ungehemmt in die Höhe schießt.

Johanniskraut
Johanniskraut

Johanniskraut ist die "grüne Alternative" unter den Antidepressiva. Eingenommen wird in Tee- oder Tablettenform das Extrakt einer Pflanze, die in Deutschland schon lange ein Bestandteil der Heilpflanzentradition ist.

Johanniskraut hat weniger und andere Wechselwirkungen als chemische Antidepressiva. Es eignet sich gut für einen ersten Ansatz, eine leichte bis mittelgradige Depression in den Griff zu bekommen. In diversen Studien zeigte sich ein ähnlich guter Erfolg wie mit trizyklischen Antidepressiva. Bei schweren Depressionsverläufen konnte der Heilpflanze allerdings keine Wirkung nachgewiesen werden.

In niedrigen Dosierungen sind Johanniskraut-Präparate frei verkäuflich in Apotheken zu erhalten. Höhere Dosen sollten von einem Arzt verordnet werden. Denn auch Johanniskraut ist nicht vollkommen frei von Neben- und Wechselwirkungen: Sonnenbäder sollte man in der Einnahmezeit lieber meiden, da die Haut deutlich sensibler auf UV-Strahlung reagieren kann.

Für Frauen wichtig zu wissen ist, dass Johanniskraut auch die Wirksamkeit der Antibabypille beeinträchtigen kann. Die Wahrscheinlichkeit einer ungewollten Schwangerschaft zeigte sich in Studien zwar als gering, allerdings kann es zu Zwischenblutungen im Zyklus kommen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, verhütet während der Einnahme von Johanniskraut lieber zusätzlich.

Johanniskraut in der Heilkunde

Johanniskraut in der Heilkunde

Als zuverlässiges Schmerzmittel und Nervenmittel ist Johanniskraut aus der Homöopathie bekannt, aber auch Haut und Verdauungstrakt tut es gut.

Bildnachweise für dieses Special

  • Streichhölzer © Thomas Graf - www.fotolia.de
  • Psychologist © bilderbox - www.fotolia.de
  • Depression © Kzenon - www.fotolia.de
  • one pill stand out © ??? - www.fotolia.de
  • tabletten © emmi - www.fotolia.de
  • abstract medical pills and tablets background © B@rmaley - www.fotolia.de
  • Johanniskraut - St Johns wort 02 © Lianem - www.fotolia.de

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