12. März 2010
Wenn ein Kind unruhig ist, sich nicht auf die Hausaufgaben konzertrieren mag, beim Abendbrot nicht still sitzt und generell macht was es will, liegt die Diagnose AD(H)S oft nah. Doch was ist überhaupt auffällig, was ganz normal?
Laut einer Studie im Auftrag einer Krankenversicherung schätzen rund sieben Prozent aller Eltern ihr Kind als betroffen ein - betroffen von AD(H)S, dem Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom. Das würde bedeuten, dass in jeder Schulklasse von 28 Kindern zwei pathologische Zappelphilipps sitzen.
Experten dagegen gehen davon aus, dass die Zahl der tatsächlich Erkrankten deutlich niedriger ist. Die Schätzungen liegen zwischen zwei und sechs Prozent der Kinder, wobei signifikant mehr Jungen betroffen sind. Eltern sollten sich nicht von vorschnellen Diagnosen von Bekannten und Erziehern verunsichern lassen, denn ein gewisses Maß an anstrengender Aufgedrehtheit und Unkonzentriertheit ist bei Kindern schlicht normal und wird am besten mit Geduld und Konsequenz in der Erziehung therapiert.
In besagter Umfrage fiel auf, dass vor allem junge Eltern und solche mit geringem Einkommen ihre Kinder häufig als hyperaktiv einschätzten. Bei Familien in Großstädten waren die Zahlen höher als bei solchen auf dem Land.
Um AD(H)S sicher zu diagnostizieren, sind umfangreiche Untersuchungen nötig. Die Eltern sollten das Gespräch mit Erziehern oder Lehren suchen und sich am besten an einen kompetenten Kinderarzt oder Kinderpsychologen wenden. In jedem Fall sollten verschiedenste mögliche Auslöser und Behandlungsmethoden abgeklopft werden, bevor es zum Einsatz von Medikamenten wie Methylphenidat - besser bekannt als Ritalin - kommt.
Die Ursachen zur Entstehung von AD(H)S sind dabei vielfältig. Es gibt sowohl eine genetische Disposition für das Syndrom, als auch viele psychosoziale Einflussdakroren. Dazu gehören Wechsel in den familiären Strukturen, aber auch erhöhter Medienkonsum und Bewegungsmangel.
So hat jedes dritte Kind weniger als 90 Minuten Bewegung am Tag - und unter "Bewegung" fallen auch schon der Schulweg oder spielen in der Wohnung. Dafür sieht über ein Drittel mehr als eine Stunde täglich fern, rund 80 Prozent nutzen täglich Computer oder Spielkonsole. Das führt oft zu einer Kombination aus Reizüberflutung und Bewegungsmangel, die das Kind überfordert und AD(H)S-Symptome fördert.
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