4. April 2009
Von Viola Reinhardt
Wer kannte vor 20 Jahren die Diagnose ADHS? In der heutigen Zeit wird sie immer öfter gestellt, so dass der Eindruck entstehen könnte, dass jedes Kind, das ein wenig chaotisch oder unkonzentriert agiert, ernsthaft krank ist. Ganz so einfach ist es nicht und diese Pauschalisierungen werden den Betroffenen auch nicht gerecht. Denn Kinder – und auch Erwachsene – mit ADHS leiden unter ihrer Krankheit. Eine gute Therapiekombination kann die Symptomatik entscheidend verbessern.
Kinder mit Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) sind auf den ersten Blick laut, chaotisch, turbulent, faul und unkonzentriert. Dabei leiden die Betroffenen erheblich unter ihren Konzentrationsschwierigkeiten und ihrer Hyperaktivität, wissen sie doch, dass sie anders sind. Selbst, wenn ein ADHS-Kind etwas schaffen will, wird es ihm nicht ohne weiteres möglich sein.
Die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte beschreibt ADHS als "Störungsbild mit der Kombination von Aufmerksamkeitsschwäche, überschießender Impulsivität und oft extremer Unruhe (Hyperaktivität)". Nicht immer treten alle Symptome gleichzeitig auf und sie können von Kind zu Kind verschieden stark ausgeprägt sein. ADHS-Kinder stören den Unterricht, arbeiten ohne System und sind extrem schnell ablenkbar. Als Folge sind sie zumeist in den Schulen nicht unbedingt die Lieblingsschüler unter den Lehrern und spüren das natürlich mal mehr, mal weniger intensiv. Der Ruf nach den Eltern wird dann recht schnell laut, die im Übrigen von Unbeteiligten und Unwissenden oft zu hören bekommen, sie sollen ihr Kind endlich konsequent erziehen.
Bevor Eltern in ihrer Verzweiflung falsch reagieren, sollten sie mit einem Zappelphilipp zum Kinderarzt gehen. Dieser kann eine exakte Diagnose stellen und nach dieser eine Behandlungsempfehlung geben. ADHS wächst sich nicht aus, bleibt sie unbehandelt, kann das fatale Folgen haben. Vom Schulabbruch bis zur Kriminalität über Unfälle und Drogenmissbrauch, spätere Depressionen oder Angststörungen reicht das Spektrum der möglichen Folgen, die mit dem Syndrom in Verbindung gebracht werden.
Die Behandlung von ADHS-Kindern wird von Eltern, Lehrern und Erziehern ebenso geprägt wie von Kinderärzten und Kinder- und Jugendpsychiatern. Je nach Schweregrad sind medizinische, pädagogische, psychotherapeutische oder psychologische Maßnahmen angebracht. Die Therapie sollte daher genau an jedes Kind angepasst sein, eine immer wirksame Therapie gibt es nicht. Nicht in jedem Fall sind Medikamente jedoch zwingend notwendig. Da die Krankheit nicht heilbar, dafür aber permanent behandlungsbedürftig ist, muss die Therapie auch äußere Faktoren wie die örtliche Verfügbarkeit der Ärzte berücksichtigen.
Doch nicht nur das Kind muss behandelt werden, auch die Eltern müssen im Umgang mit ihrem Zappelphilipp geschult werden. Ebenso sollten Lehrer und Betreuer Bescheid wissen. Wichtig ist in jedem Fall für das Kind und die Eltern die Hilfe zur Selbsthilfe, also Hinweise, wie mit ADHS umzugehen ist, statt nur und ausschließlich die hand nach Ritalin auszustrecken und das Kind ruhig zustellen. Denn eines ist sicher: Kinder mit ADSH sind noch weniger in Stande ruhige und angepasste kleine Erwachsene zu sein als es eh bereits von gesunden Kindern erwartet und auch verlangt wird.
Als Lehrer war ich ein Greenhorn, als Zappler war Peter bereits Meister. Ich habe den Meister in ihm geachtet und herausgefordert. Mich intere...
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