15. November 2008
Von Annette Folge
Bali gehört mittlerweile nicht mehr zu jenen entlegenen Zielgebieten, die nur von besonders abenteuerlustigen Individualtouristen auf eigene Faust bereist werden, sondern sind aufgrund des Ausbaues von Charterfluglinien und dem Aufbau touristischer Infrastruktur vor Ort einem breiten Reisepublikum offen. Entsprechend hoch sind die Besucherzahlen und zwar mit steigender Tendenz.

Die Touristen lassen sich in erster Linie an den so traumhaften Sandstränden nieder, obgleich das Hinterland eine weit aus schönere und abwechslungsreichere Landschaft zu bieten hat. Hier findet man tropische Wälder, Reisterrassen und Obstplantagen aller Art. Dort ist der Tourismus noch fern geblieben und die Verhältnisse entsprechend ruhiger und erholsamer als in den übervölkerten Strandregionen mit den unästhetischen Hotelanlagen, die sich als stillose Zweckbauten im Gegensatz zu den zahlreichen kunstvollen Tempelbauten als wahre Fremdkörper in Erscheinung treten.
Die tiefe Religiösität der Bevölkerung, die eine Mischung von Hinduismus und Buddhismus darstellt, durchdringt alle Lebensbereiche und ist überall präsent. In einem herben Kontrast zu dieser Kultur stehen die touristischen Amüsiermeilen entlang der Strandpromenaden. Zahlreiche Bars, Restaurants und Diskotheken sorgen für lockeres Geld und ausgelassenes Treiben, während auf der anderen Seite der Straße armselige Holzbaracken der Inselbewohner stehen. Der Tourismus steht in einem deutlichen Kontrast zu den wirklichen Lebensbedingungen auf der Insel.
Man hat es mit einem Land zu tun, dass sich durch tief verwurzelte Traditionen auszeichnet und eine ausgeprägte kulturelle Identität besitzt, die sich von der westlichen Zivilisation fundamental unterscheidet.
Betrachtet man in diesem Zusammenhang die oft verwendete Bezeichnung der Insel als "Land des Lächelns", dann muss man wissen, dass Lächeln in diesem Kulturkreis zum allgemeinen Verhalten gehört und weniger Ausdruck von natürlicher Lebensfreude ist. Natürlich werden die Touristen gastfreundlich empfangen. Die katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen des verübten Terroranschlages auf touristische Einrichtungen zeigen die Abhängigkeit der Insel vom Tourismus.
Wenig im allgemeinen Bewusstsein ist auch die Tatsache, dass Bali kein Tourismusland wie etwa Thailand ist, sondern lediglich eine kleine Insel von 5600 km² und deshalb bei den gegebenen Besucherzahlen auf natürliche Aufnahmegrenzen stößt. Will man auch weiterhin die so paradiesische Natur und Kultur der Insel bewahren, so sollte man die großen Reiseunternehmen als die eigentlichen Gewinner des Tourismus zu mehr Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Ressourcen auffordern.
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