Sportwissenschaft Artikel
Von Läufern und Früchten und Schwimmern und Keksen
Von Andreas Hadel
Dass körperliche Aktivitäten ab einem bestimmten Intensitätsniveau einen direkten Einfluss auf unser Hungerempfinden und unseren Appetit haben, haben Sie wahrscheinlich bereits bei sich feststellen können. Wissenschaftler haben nun erkannt, dass die ausgeübte Sportart sogar den Appetit für bestimmte Lebensmittel erhöhen kann.
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Joggen weckt Lust auf frisches Obst |
Dr. David Stensel, einer der bekanntesten Sportwissenschaftler der USA, konnte in seinen jüngsten Untersuchungen zeigen, dass intensive Laufeinheiten das Hungergefühl langanhaltend unterdrücken. Die Sportler haben selbst noch Stunden nach der Trainingseinheit keinen Appetit und tendieren eher dazu, Früchte und Obst einer vollwertigen Mahlzeit den Vorzug zu geben. Der Grund lässt damit erklären, dass bei langen oder harten Läufen die Ausschüttung des Hormons Ghrelin unterdrückt wird. Und Ghrelin hat die Funktion, den Appetit anzuregen. Wer sich also immer wieder Hungerattacken gegenübersieht und deshalb schon mehrmals eine Diät erfolglos abbrechen musste, kann in Läuferschuhen die geeignete Waffe finden.
Interessanterweise konnte diese Beobachtung nicht bei allen Ausdauersportarten gemacht werden. Wer zum Beispiel sein Gewicht halten will und Angst hat, durch den niedrigen Appetit, der durch das Laufen erzeugt werden kann, zu wenig essen zu können, sollte sich zu Badehose und Schwimmbrille greifen. Denn Schwimmen führt laut Stensels Beobachtungen zu einem verstärkten Hunger auf fetthaltige Speisen wie Kekse oder Schokolade. Krafttraining regt hingegen offenbar den Appetit auf Kartoffeln und Pasta an.
Augenscheinlich reagiert unser Körper auf sportliche Belastungen nicht nur mit Anpassungen von Muskelzellen und effizienteren Stoffwechselprozessen, sondern neigt auch dazu, einen Appetit für jene Nährstoffe zu generieren, die er nach der jeweiligen Sportart spezifisch braucht. Dadurch erhöht sich natürlich seine Chance, sich schneller auf die geforderten Leistungen einzustellen. Beim Laufen kann unser Organismus besser arbeiten, wenn er weniger wiegt. Daher wird der Appetit insgesamt gezügelt und ein Verlangen auf wasserhaltige Früchte erzeugt, die den Wasserhaushalt wieder ausgleichen und dadurch die Körpertemperatur wieder normalisieren ohne anzusetzen.
Genauso angepasst reagiert unser Körper laut Dr. Stensel offenbar auf das Schwimmen. Je kälter das Wasser ist, in dem Sie schwimmen, um so stärker werden Sie einen Heißhunger auf fettreiche Dinge haben, die Sie schnell in eine wärmende Fettschicht hüllen.
Dr. Stensel will seine Erkenntnisse im Detail in Kürze in einem Buch veröffentlichen.