27. Oktober 2008
Von Andreas Hadel
Bodybuilding ist der zentrale Ausgangspunkt der modernen Fitness-Bewegung und bildet die Grundlage der heute akzeptierten Trainingsmethoden. Leider hat nicht nur das fundierte Wissen des Bodybuildingsports in den Fitness-Studios ein zu Hause gefunden, sondern auch die typischen Muskelmythen. paradisi.de sorgt für Aufklärung.
Eine groteske Annahme, wenn man sich die extremen Ausmaße der heutigen Athleten und die sozio-historische Entwicklung dieser Sportart vor Augen führt. Im Profi-Bodybuilding gibt es keinerlei Doping-Kontrollen, was dem Medikamentenabhängigkeit und -missbrauch alle Türen offen hält. Aber auch viele optische Merkmale wie Pubertätsakne bei erwachsenen Athleten, extremes Wachstum von Kiefer, Nase, Fingern und Füssen sowie verweiblichte Brustdrüsen bei Männern sind nur wenige von vielen offensichtlichen Merkmalen, die als sicheres Anzeichen für Doping betrachtet werden können. Da viele Profi-Bodybuilder ihre Muskeln zudem mit Öl und Kontrastmittel eine anatomisch unnatürliche Form verleihen, ist ein Dopingtest eigentlich gar nicht mehr für die Überführung notwendig. Wie dem auch sei, der Gebrauch von Steroiden, Insulin und weiteren Pharmaka ist im Profi-Bodybuilding weitestgehend akzeptiert. Wenn auch natürlich nur hinter vorgehaltenen Händen. Für den normalsterblichen Athleten bedeutet das, dass man sich die Profis nicht als Ziel vor Augen führen sollte. Setzen Sie sich nicht selbst mit unrealistischen Erwartungen unter Druck.
Eine komplett falsche Vorstellung, die immer wieder angehende Fitness-Sportler abschreckt. Sicherlich können Sie schnellere und größere Erfolge erwarten, wenn Sie dreimal oder sogar noch öfter pro Woche trainieren, anstelle nur an zwei Tagen in die Hanteln zu schwingen. Dennoch sind Fortschritte selbst mit nur einer Trainingseinheit pro Woche deutlich festzustellen. Mit ein oder zwei wöchentlichen Traininsprogrammen werden Sie sicher nicht Brad Pitt beeindrucken können, aber zumindest ihren Hausarzt. Wie Studien gezeigt haben, sind die positiven Effekte auf unsere Gesundheit selbst bei minimalem Training signifikant. Und falls Ihr Arzt mit Brad Pitt Ähnlichkeit hat, gibt es doch keinen Grund, die Flinte ins Korn zu werfen, nur weil Zeit für mehr Training fehlt.
Ein weit verbreiteter Irrtum, der von vielen Kollegen der schreibenden Fitness-Zunft gern an die weibliche Leserschaft vermittelt wird. Wenn vom Straffen der Muskulatur die Rede ist, meint man eigentlich das Straffen der Haut bzw. simple Fettreduktion. Und Fett kann in erster Linie nur mit einer Diät abgebaut werden. Wer mit hohen Wiederholungszahlen trainiert, muss zudem meistens mit einem Gewicht arbeiten, das zu leicht ist, um Muskelwachstum anzuregen. Gerade das ist aber ein wichtiger Faktor, wenn die Haut an den Oberarmen nicht mehr schwabbeln soll. Absolvieren Sie maximal 10-15 Wiederholungen und Sie sind auf dem richtigen Weg, einen austrainierten Look zu bekommen.
Obwohl die meisten Fette in der durchschnittlichen Kost gesundheitsschädlich und alles andere als diätverträglich sind, würde der totale Verzicht auf jegliche Fettlieferanten ihre Diätziele hart torpedieren. Fett, besonders die gesunden mehrfach ungesättigten Lipidsäuren, sind von essentieller Bedeutung für unsere körpereigene Hormonbildung. Wenn Sie weniger als 10% ihrer Kalorien aus Fett beziehen, gerät die Produktion von Testosteron und Wachstumshormonen ins Stocken. Gerade diese Hormone sind aber wichtig, damit wir während unserer Diät auch wirklich unsere Fettreserven verbrauchen und nicht Muskelmasse verlieren. Verringern Sie lieber ihre Kalorienaufnahmen indem Sie Fette und Kohlenhydrate gleichermaßen reduzieren, anstatt Fett als einzigen Makronährstoff zu verdammen.
Sofern Sie nicht auf Steroide zugreifen, ist hartes Bodybuilding-Training nur schwer länger als 30-40 Minuten durchzustehen. Wenn Sie es auf Dauer dennoch versuchen, riskieren Sie in das sogenannte Übertraining abzurutschen und berauben damit Ihren Muskeln jene Energie, die sie zur Regeneration benötigen. Visieren Sie pro Trainingseinheit 20-30 Minuten eine schwere Gangart an. Wenn Sie dann noch Zeit und Energie haben, können Sie das verbleibende Training mit leichteren Übungen bedenkenlos auffüllen.
Sit-Ups sind ohne Zweifel eine gute und fundamentale Übung. Das Hauptproblem hierbei ist jedoch, dass die meisten Athleten völlig gegensätzlich zu ihren üblichen Trainingsgewohnheiten handeln, wenn es zum Thema Bauchmuskeln kommt. Anstatt das künftige Sixpack mit intensiven Sätzen zu 10-15 Wiederholungen zu attackieren, machen sie 50 und mehr Rumpfbeugen. Und das nicht selten sogar täglich. Physiologisch betrachtet sind die Bauchmuskelfasern jedoch in keinster Weise anders gebaut als die Fasern ihrer Arme. Und würden Sie ihre Arme jeden Tag mit 50 Wiederholungen Curls malträtieren? Und wo wir gerade beim Thema Bauchmuskeln sind: Ein Sixpack aufzubauen, ist eine Sache. Es sichtbar zu machen, eine völlig andere. Ihre Bauchmuskeln werden Sie nur dann im Spiegel beobachten können, wenn ihr Körperfettanteil entsprechend niedrig ist. Und um das zu erreichen, kommen Sie trotz Sit-Ups nicht um eine Diät und Ausdauertraining herum.
Die Sportwissenschaft tappt noch immer im Dunkeln, ab welchem Zeitpunkt während des Trainings der Muskel ausreichend für eine Anpassungsreaktion stimuliert wurde. Man ist sich zudem noch nicht einmal sicher, ob man dazu überhaupt eine definitive Aussage treffen kann oder Muskelwachstum bei jeden Athleten unter anderen Voraussetzungen stattfindet. Eines weiß man jedoch mit Sicherheit, dass das Muskelbrennen wenig über den Muskelaufbau aussagt. Der brennende Schmerz, der während der letzten Wiederholungen eines Trainingssatzes eintritt, lässt sich hauptsächlich auf die Ansammlung von anaroben Stoffwechselnebenprodukten zurückführen, die nicht schnell genug abgebaut werden können. Ganz unbeteiligt am Muskelwachstum ist das Brennen aber wiederum auch nicht. Denn neueste Studien haben gezeigt, dass die Ansammlung von Laktat, welche letztendlich für den Muskelschmerz verantwortlich ist, zu einer größeren Ausschüttung von Wachstumshormonen führt.
Einer der Mythen, die grotesker nicht sein könnten und trotzdem erstaunlich oft als Ausrede gebraucht werden, um nicht zu massig zu werden, weil eines Tages im Alter die Muskeln zu Fettpaketen würden. Physiologischer Fakt ist jedoch, dass Muskelprotein nicht in Lipidsäuren umgewandelt werden kann. Dieser Mythos erwachte wahrscheinlich zum Leben, weil nicht gerade wenig ehemalige Spitzenbodybuilder und Gewichtheber nach ihrer aktiven Karriere in der Bauchgegend mächtig an Masse zulegten. Der wahre Grund für diese Beobachtung dürfte aber sein, dass die Ex-Champions ihre energiereiche Ernährungsweise auch nach ihrer Wettkampfzeit beibehalten haben. Wenn Sie wegen beruflichen Veränderungen oder weil ein neuer Erdenbürger in ihr Leben getreten ist, nicht mehr die Zeit wie gewohnt für ihr Training aufbringen können, müssen Sie nicht nur ihre Workout-Pläne den neuen Umständen anpassen, sondern auch ihre Ernährungsweise kritisch überprüfen.
Eines ist unbestreitbar: Wenn Sie ihre Muskeln hart gefordert haben, gieren sie nach Nährstoffen, um so schnell wie möglich die regenerativen und adaptativen Prozesse in Gang zu setzen. Bis in den 90er Jahren hat man noch geglaubt, dass Eisensportler nach den Workouts Unmengen an Nahrung zu sich führen müssten, um maximale Fortschritte erzielen zu können. Heute weiß man, dass Muskelsportler nach dem Training hauptsächlich schnell verfügbares Protein benötigen, um die katabolen Vorgänge in ihren Organismus zu drosseln und einfache Kohlenhydrate, um die Glykogenspeicher wieder aufzufüllen. Im Klartext bedeutet das einen Proteindrink aus Molkeeiweiß sowie Traubenzucker. Eine vollständige Mahlzeit ist in diesem Fall den Supplements nicht überlegen. Denn der Körper braucht zu viel Zeit, um eine "richtige Speise" zu verdauen, so dass Sie das sogenannte anabole Fenster nicht ausnutzen würden.
Wer viele Kilometer auf dem Laufband oder Fahrradergometer zurücklegt, verbraucht ohne Zweifel eine große Menge an Kalorien. Die Grundvorraussetzung, um sich von unliebsamen Fettpolstern zu befreien. Bei langen Ausdaueraktivitäten zieht unser Organismus jedoch leider nicht nur körpereigene Fette zur Energiegewinnung heran, sondern auch Muskelgewebe. Und gerade das wollen wir ja im Bodybuilding mühsam aufbauen. Der Schlüssel zum Fettabbau und gleichzeitigen Muskelerhalt führt über Intervalltraining. Mit schnellen Sprints, die sich mit kurzen Erholungsphasen abwechseln, können Sie in wenigen Minuten ihren Stoffwechsel so auf Touren bringen, dass er auch noch Stunden nach dem Training fleißig Lipide verbrennt. Wenn Sie die nötige Intensität beim Intervalltraining nicht aufbringen können oder aus gesundheitlichen Gründen, konventionelles Ausdauertraining absolvieren wollen, können Sie den drohenden Muskelabbau eindämmen, indem Sie vor und nach der Trainingseinheit Protein supplementieren.
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