Ursprung, Varianten, Risiken: Unterschiedliche Piercingformen an verschiedenen Körperbereichen

Nahaufnahme schreiender Frauenmund mit Zungenpiercing

Nicht nur das Piercen von Ohren und Nase ist in Mode - Ringe, Stäbe und Stecker erobern den gesamten Körper

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  • von Paradisi-Redaktion

Piercing ist eine Form der Körpermodifikation, bei der unterschiedlich geformte Schmuckstücke an den verschiedensten Körperteilen angebracht werden. Hierfür wird die Haut durchbohrt oder durchstochen, dieser Vorgang wird Piercing genannt. Piercings haben in einigen Kulturen eine lange traditionelle Geschichte - uns dienen sie heute als Körperschmuck.

Zweck eines Piercings ist die Verzierung von verschiedenen Körperstellen mit einem speziellen Schmuckstück. Dazu wird die betreffende Körperstelle mit einer Hohlnadel oder einer speziellen Druckpistole durchbohrt.

Ursprung

Der Begriff Piercing stammt aus dem Englischen und bedeutet soviel wie Durchstechen oder Durchbohren. Piercing gehört zu den beliebtesten Methoden, um den Körper zu schmücken. Diese Form der Körpermodifikation kann auf eine lange Tradition zurückblicken und wurde bereits vor tausenden von Jahren von unterschiedlichen Naturvölkern praktiziert.

Dabei diente ein Piercing jedoch nicht nur ästhetischen Zwecken, sondern wurde auch aus rituellen Gründen durchgeführt, um den Reifeprozess oder die Stammeszugehörigkeit zu symbolisieren. Auch spirituelle Gründe spielten eine wichtige Rolle.

In der Neuzeit fand das Piercing auch in der westlichen Kultur zunehmende Verbreitung. Zahlreiche Prominente, die sich mit einem Piercing schmückten, sorgten für weitere Akzeptanz.

Hinweis: Allerdings haben Piercings in manchen Berufsbereichen wie z.B. Banken und Versicherungen nach wie vor einen schlechten Ruf und werden dort nicht gern gesehen.

Vom Ohrring zum Ohrpiercing

Das Ohrpiercing ist sehr weit verbreitet. Schon sehr kleinen Mädchen werden heute Ohrlöcher gestochen. Mit Ohrringen im Ohrläppchen geben sich Fans von Piercings nicht mehr zufrieden, es gibt unzählige Stellen in der Ohrmuschel, wo Piercingschmuck angebracht werden kann. Während das Ohrläppchen schnell verheilt, können Piercings im Knorpelgewebe (wie Helix, Rook oder Tragus) sehr schmerzhaft sein und eine lange Heilungszeit haben.

Punchen

Einige Piercer gehen dazu über, die Methode des "Punchens" anzubieten. Hierbei wird das Piercing nicht mit einem peripheren Venenkatheter gestochen, sondern ausgestanzt. Ähnlich eines Lochers wird das Knorpelgewebe aus dem Stichkanal entfernt, der unangenehme Druckschmerz fällt somit weg und das Piercing verheilt deutlich schneller.

Das Dermal Punch wird an den Ohrknorpeln und manchmal an der Nase angewandt.

Beliebte und ausgefallene Piercings

Nicht nur das Piercen von Ohren und Nase ist in Mode. Immer beliebter werden Piercings im und um den Mund herum. Bei den Frauen liegen das Madonna-Piercing sowie das Lippenbändchen-Piercing vorne, aber auch das Brustwarzenpiercing gehört zu den momentan nachgefragten Piercings. Neben den üblichen Stellen, an denen Piercings gestochen werden, gibt es auch sehr ausgefallene Piercings (wie Mandible oder Wangenpiercing) rund um den Kopf und am ganzen Körper (Korsett).

Zunahme bei Tattoos und Piercing

Portrait einer lächelnden Frau mit Labret-Piercing und Lockensträhne
Smile © olly - www.fotolia.de

In den letzten zwei Jahren ist die Anzahl der Menschen, die ein Tattoo oder Piercing haben, gestiegen, wie die Marplan-Meinungsforschung ermittelte.

Dabei stieg der Prozentsatz der Tätowierungen von 9,5 auf 11,1 Prozent, bei den Piercings war eine Zunahme von 1,2 Prozent auf 6,7 Prozent zu verzeichnen.

1501 Piercings - neuer Weltrekord

Gesichtsportrait junge Frau mit mehreren Piercings und blauen Dreads
Girl with blue dreads © Olga Ekaterincheva - www.fotolia.de

Man muss schon sehr auf Schmerz stehen, wenn man sich im Tätowierstudio piercen lässt. Vor allem in einem bestimmten. Es trägt den Namen "Pain for Sale", was so viel bedeutet wie "zu verkaufender Schmerz". Ed Burns aus dem US-Bundesstaat Wyoming gehört wohl zu diesen Menschen. In mehr als vier Stunden ließ er sich 1501 Piercings stechen. Ein Großteil der Metallverschönerungen landeten in Rücken und Armen. Damit ist er neuer Weltrekordhalter, kein Mensch auf der Welt hat sich seine Haut öfter Durchstechen lassen als Burns.

Der frühere Rekordhalter hat 304 Piercings weniger aufzuweisen. Aber Ed Burns steht eigentlich nicht auf diesen Körperkult und will den Körperschmuck nicht dauerhaft behalten. Ihm ging es nur darum, Rekordhalter zu sein. Deshalb hat er unmittelbar, nachdem der Rekord erfasst wurde, fast alle, genauergesagt 1500 der Piercings, wieder entfernen lassen. Lediglich ein Metallstab wird weiterhin seinen Nacken zieren.

Risiken beim Piercing

Mit jedem Piercing wird die Haut verletzt, an einigen Stellen heilt sie schnell wieder ab, es kann aber auch zu Wundheilungsstörungen und bakteriellen Wundinfektionen kommen. Sehr selten, aber denkbar sind auch virale Infektionen wie

Bei einigen Piercings besteht die Gefahr der Nervenschädigung und bei Genitalpiercings kommt es häufig zu Harnröhreninfektionen, die schnellstmöglich behandelt werden müssen. Bei Brustwarzenpiercings kann es zu einer Infektion der Brustdrüsen kommen, was das spätere Stillen beeinträchtigen kann.

Bei Zungenpiercings besteht die Gefahr des Anschwellens der Zunge, auf Dauer können Zähne und Zahnfleisch vom Schmuck beschädigt werden.

Gesundheitsgefahren durch Piercings

Ringe, Stäbe und Stecker eroberten die westliche Welt in den Neunzigerjahren. Ein Piercing kann grundsätzlich eine Gesundheitsgefahr darstellen, wenn die Hygienestandards nicht eingehalten werden.

  • Besonders anfällig ist der Mundbereich. Zungenpiercings können die Zähne schädigen und zu Verletzungen der Nerven führen. Die Folgen sind Risse und Brüche auf den Zahnoberflächen, häufig ist auch das Zahnfleisch betroffen.

  • Zungenpiercings bergen hohe Risiken, denn sie verursachen im schlimmsten Fall Lähmungen der Nervenbahnen.

  • Werden Nasenpiercings, Lippenpiercings oder Intimpiercings nicht mit 100 Prozent sterilen Instrumenten eingesetzt, dringen Keime durch die gestochenen Löcher in die Haut ein und können im Körper Entzündungen auslösen.

  • Auch die Auswahl des Materials spielt ein große Rolle. Vor allem Nickel gilt als Allergieauslöser. Bei Hautkontakt leiden Nickelallergiker unter Pusteln, Juckreiz, Rötungen und Bläschen.

    Hochwertige Edelmetalllegierungen sind hautfreundlicher, können aber ebenfalls Allergien auslösen, da verschiedene Substanzen beigemischt werden, die nicht immer bekannt sind.

Piercing birgt Gefahren von Entzündungen

Gesichtsportrait junge Frau mit Labret Piercing und pinken Dreads
emo © Andrey Kiselev - www.fotolia.de

Viele junge Menschen finden es chic und sexy, ein Tattoo oder auch Piercings. Aber wie Experten für Plastische Chirurgie berichten, zurzeit findet in Rostock eine Tagung statt, treten dabei oftmals gefährliche Entzündungen auf, besonders, wenn es sich um Piercings im Gesicht handelt.

Hier liegen beim Zungen-Piercing die größten Gefahren, denn bei 25 Prozent der Träger/innen treten Entzündungen auf, die sogar zu Erstickungsanfällen führen können. Auch sind schon Todesfälle registriert worden, nachdem die Infektionen sich bis in das Gehirn ausgebreitet hatten.

In Deutschland haben etwa 41 Prozent der Frauen und 27 Prozent der Männer im Alter zwischen 14 bis 24 Jahren ein Piercing oder auch Tattoo, wobei viele über die möglichen Gefahren nicht oder nur unzureichend aufgeklärt wurden.

Achtung Erfrierung! Bei Kälte besonders auf Piercings achten

Lachende Frau mit Fellmütze, grafischer Schnee Hintergrund
sexy winter girl wearing white fur. blue frozen background © T.Tulic - www.fotolia.de

Momentan schafft es das Thermometer nicht, über die Null-Grad-Grenze zu kriechen. Deutschlandweit ist eine Kältewelle unterwegs, die uns frieren lässt. Doch wir müssen nicht nur auf Erkältungen achten, sondern auch auf metallenen Körperschmuck.

Es wird gewarnt, dass Metall-Piercings bei Minus-Temperaturen zu Erfrierungen oder dunklen Verfärbungen führen können. Besonders der Augenbereich, die Nase und der Bauchnabel sind scheinbar davon betroffen. Darum sollte man die gepiercten Körperpartien entweder ganz besonders vor Kälte schützen, oder präventiv die Piercings herausnehmen.

Zahnausfall wegen Piercing

Nahaufnahme schreiender Frauenmund mit Zungenpiercing
Offener Mund mit Piercing durch Zunge schreiend © unpict - www.fotolia.de

Zahnärzte aus Amerika wollen in einer Studie herausgefunden haben, dass Piercings im Mundbereisch zu Zahnfleischschwund führen können.

Ausserdem drohen laut der Ärzte Infektionen, Nervenschäden und abgebrochene Zähne. Im schlimmsten Falle können dadurch Zähne ausfallen.

Grundinformationen zum Piercing

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Offener Mund mit Piercing durch Zunge schreiend © unpict - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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