Scheidenentzündung - Ursachen, Symptome und Behandlung

Eine Scheidenentzündung äußert sich durch eine abgesonderte Flüssigkeit aus der Scheide. Die Diagnose stellt meist der Gynäkologe. Es gibt verschiedene Faktoren, die zu einer Scheidenentzündung führen können. Wird eine Scheidenentzündung ärztlich behandelt, heilt sie in der Regel folgenlos aus.

Von Claudia Haut
Klassifikation nach ICD-10: N76
ICD-10 ist ein weltweit verwendetes Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen. Der sogenannte ICD-Code ist zum Beispiel auf einem ärztlichen Attest zu finden.

Krankheitsbild

Eine Scheidenentzündung bezeichnet man auch als Vaginitis oder Kolpitis. Man unterscheidet mehrere Formen.

  • Primäre Kolpitis: eine größere Menge an Keimen gelangt in die Scheide und stört das dortige Keimgleichgewicht; es kommt zu einer Schleimhautentzündung
  • Dysbiose: einzelne Keime gelangen in die Scheide; es liegen keine infektiösen Symptome vor, eine Infektion ist jedoch möglich
  • Sekundäre Kolpitis: es liegt ein gestörtes Scheidenmilieu vor, auf dessen Basis es zu einer Infektion kommt
  • Nichtentzündliche Scheideninfektionen: Verschiedene Virusinfektionen
  • Atrophische Kolpitis (Kolpitis senilis): eine Sonderform der sekundären Kolpitis; die Östrogenproduktion fällt weg, sodass die Erreger-Abwehr vermindert wird

Ursachen

Eine Scheidenentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Ist die Scheide gesund, können keine Keime in sie eindringen, da das vorherrschende saure Milieu in der Scheide dies verhindert.

Ist das Scheidenmilieu jedoch gestört, können die Keime ungehindert in das Innere der Frau eindringen. In der Scheide können sich dann verschiedenste Erreger wie

einnisten.

Infektionsmöglichkeiten

Gründe für eine Veränderung des Scheidenmilieus sind zum Beispiel

Die Keime können durch Geschlechtsverkehr oder das gemeinsame Benutzen von Unterwäsche oder Handtüchern in die Scheide gelangen. Auch beim Schwimmen in unsauberen Schwimmbädern können Keime in die Scheide gelangen. Mechanische Einflüsse wie durch das Benutzen von Tampons oder die Verhütung durch ein Diaphragma gelten ebenso als Auslöser.

Verlauf

Wird eine Scheidenentzündung rechtzeitig von einem Gynäkologen behandelt, heilt sie folgenlos aus. Wird sie jedoch nicht oder zu spät behandelt, kann dies zu Folgeerkrankungen wie einer Eileiter- oder Gebärmutterentzündung führen.

Ist eine schwangere Frau an einer Scheidenentzündung erkrankt, erfolgt die Geburt meist nicht vaginal, sondern per Kaiserschnitt. Bei einer normalen Geburt ist das Risiko hoch, dass das Baby mit den Keimen in der Scheide in Berührung kommt und Schaden dadurch nimmt.

Symptome

Frauen mit einer Scheidenentzündung haben Ausfluss aus der Scheide. Dieser kann dünn- oder dickflüssig sein. Auch Eiter oder Blut können beigemengt sein.

Oftmals riecht die ausgesonderte Flüssigkeit unangenehm. Oft kommt zum Ausfluss ein Juckreiz oder Brennen im Bereich der Scheide hinzu.

In den meisten Fällen ist die Erkrankung für die Frau äußerst unangenehm. Je nachdem, um welchen Erreger es sich handelt, kann es auch zu

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Beschwerden beim Wasserlassen oder
  • der Bildung von Bläschen

kommen.

Diagnose

Die Diagnose Scheidenentzündung, der Mediziner nennt sie auch Vaginitis, stellt der Gynäkologe im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung. Der Frauenarzt kann die Scheidenentzündung bereits auf den ersten Blick erkennen, da die Scheidenschleimhaut rot und geschwollen ist.

Um herauszufinden, welche Erreger die Scheidenentzündung verursacht haben, macht der Gynäkologe einen Abstrich der Scheidenschleimhaut. Meist wird auch ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen.

Die Proben werden im Labor histologisch untersucht. Da oft andere Erkrankungen einer Scheidenentzündung zugrunde liegen können, folgt anschließend eine ausführliche gynäkologische Untersuchung.

Behandlung

Zu Beginn der Behandlung hat der Gynäkologe einen Abstrich aus der Scheide entnommen, der im Labor auf Erreger untersucht wurde. Nach diesem Ergebnis richtet sich die Therapie.

Werden in dem Abstrich zum Beispiel Pilze nachgewiesen und die Scheidenentzündung somit durch Pilze verursacht, verordnet der Frauenarzt ein Pilzmittel (Antimykotikum). Wurde die Scheidenentzündung durch Bakterien verursacht, hilft ein Antibiotikum.

Darreichungsformen

Die Medikamente werden entweder

  • gespritzt
  • als Tablette eingenommen
  • als Creme auf die Scheide gerieben oder
  • als Vaginaltablette oder Zäpfchen in die Scheide eingeführt.

Meist erhält der Partner ebenfalls eine Salbe, die er während der Behandlung mitbenutzen muss. Da die Erkrankung ansteckend ist, kann sich auch der Sexualpartner mit dem Erreger angesteckt haben.

Wurden die Keime aus der Scheide erfolgreich entfernt, muss das normale Scheidenmilieu wieder aufgebaut werden. Dazu gibt es spezielle Scheidentabletten, die regelmäßig über mehrere Wochen in die Scheide eingeführt werden. Die Patientin muss so lange auf Geschlechtsverkehr verzichten, bis die Erkrankung ausgeheilt ist, da der Sexualpartner sonst ebenfalls (erneut) angesteckt werden kann.

Vorbeugung

Um einer Scheidenentzündung vorzubeugen, sollten während des Geschlechtsverkehrs zwischen unbekannten Sexualpartnern unbedingt Kondome verwendet werden. Die Frau sollte zur Reinigung der Scheide keine aggressiven parfümierten Produkte verwenden. Auch Scheidenspülungen sind überflüssig.

Um zu verhindern, dass Keime aus dem Stuhlgang in die Scheide gelangen, sollte sich die Frau immer von vorne nach hinten säubern. So werden Keime von der Scheide ferngehalten.

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