22. Oktober 2009
Als Hydrotherapie bezeichnet man Behandlungsmethoden, bei denen Wasser zur Anwendung kommt. Dazu gehören Bäder, Wickel, Waschungen und Güsse.
Ziel und Zweck der Hydrotherapie, die zu den klassischen Therapien der Naturheilkunde zählt, ist die Behandlung von Beschwerden und Krankheiten durch die methodische Anwendung von Wasser. Auch zur Vorbeugung kann die Hydrotherapie genutzt werden. Das Wasser wird dabei entweder warm, kalt, wechselwirkend oder auch in der Form von Dampf angewandt.
Das Wort Hydro stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wasser. Schon die alten Griechen glaubten an die Heilkraft des Wassers und nutzten es für medizinische Wasserbehandlungen. Später erbauten die Römer öffentliche Bäder zur Erholung, die als Vorgänger der heutigen Kurorte angesehen werden können. Der römische Ehrenbürger Antonius Musa gilt als Vater der Hydrotherapie und soll mit ihr Kaiser Augustus (63 v. Chr. – 14 n. Chr.) geheilt haben. Im 15. Jahrhundert erlebte die Hydrotherapie einen Tiefpunkt, da man Wasser für die Übertragung von Infektionskrankheiten verantwortlich machte. Im 17. Jahrhundert wandte man sich jedoch den Wasserbehandlungen wieder zu und nutzte in zunehmendem Maße Kurorte an heißen Quellen oder Seebäder zur Erholung. Im 19. Jahrhundert behandelte der Naturheiler Vincenz Prießnitz (1799-1851) erfolgreich seine eigenen Beschwerden mit Hilfe von kalten Kompressen und gründete daraufhin ein Therapiezentrum. Dort sollten die Patienten mit Schockmethoden abgehärtet werden. Einen weiteren Schub erhielt die Hydrotherapie durch den bayerischen Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897). Seine Wasseranwendungen ergänzte er durch den Einsatz von Heilpflanzen. Die Kneippschen Güsse zählen noch heute zu den typischen Hydrotherapie-Anwendungen.
Des Weiteren werden Bäder, Dampfbäder und Wickel angewandt. Dabei wird der Körper unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt, um auf diese Weise die Durchblutung oder die Entspannung zu fördern. Positive Effekte der Hydrotherapie sind eine Verbesserung der Abwehrkräfte, ein geringeres Infektionsrisiko sowie ein milderer Verlauf von Krankheiten.
Zu den Anwendungsgebieten einer Hydrotherapie gehören Gelenkschmerzen, Muskelbeschwerden, neurologische Beschwerden, Durchblutungsstörungen, Krampfadern, Atemwegsprobleme, Arthritis sowie die Stärkung von Kreislauf und Immunsystem.
Für den Fall, dass eine Hydrotherapie medizinisch notwendig ist, werden die Kosten dafür von den Krankenkassen übernommen. Eine Kneipp-Kur zur Erholungszwecken muss hingegen aus eigener Tasche bezahlt werden. Viele Wasseranwendungen sind aber so simpel, dass sie auch zu Hause durchgeführt werden können.
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