Hydro- & Thermotherapie - Anwendungsgebiete, Geschichte und Durchführung

Als Hydrotherapie bezeichnet man Behandlungsmethoden, bei denen Wasser zur Anwendung kommt. Dazu gehören Bäder, Wickel, Waschungen und Güsse. Zu den bekannten Anwendungsformen zählt beispielsweise die Thermotherapie, bei der durch die Anwendung von Wärme oder Kälte diverse Krankheiten und Beschwerden behandelt werden können. Lesen Sie alles Wissenswerte über die Anwendungsgebiete, Varianten und Durchführung der Hydrotherapie.

Wissenswertes zur Kältetherapie und Wärmetherapie

Hydrotherapie - Ziel und Zweck

Ziel und Zweck der Hydrotherapie, die zu den klassischen Therapien der Naturheilkunde zählt, ist die Behandlung von Beschwerden und Krankheiten durch die methodische Anwendung von Wasser. Auch zur Vorbeugung kann die Hydrotherapie genutzt werden. Das Wasser wird dabei entweder

  • warm,
  • kalt,
  • wechselwirkend oder auch
  • in der Form von Dampf

angewandt.

Geschichte

Das Wort "Hydro" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "Wasser". Schon die alten Griechen glaubten an die Heilkraft des Wassers und nutzten es für medizinische Wasserbehandlungen.

Später erbauten die Römer öffentliche Bäder zur Erholung, die als Vorgänger der heutigen Kurorte angesehen werden können. Der römische Ehrenbürger Antonius Musa gilt als Vater der Hydrotherapie und soll mit ihr Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.) geheilt haben.

Im 15. Jahrhundert erlebte die Hydrotherapie einen Tiefpunkt, da man Wasser für die Übertragung von Infektionskrankheiten verantwortlich machte. Im 17. Jahrhundert wandte man sich jedoch den Wasserbehandlungen wieder zu und nutzte in zunehmendem Maße Kurorte an heißen Quellen oder Seebäder zur Erholung.

Im 19. Jahrhundert behandelte der Naturheiler Vincenz Prießnitz (1799-1851) erfolgreich seine eigenen Beschwerden mit Hilfe von kalten Kompressen und gründete daraufhin ein Therapiezentrum. Dort sollten die Patienten mit Schockmethoden abgehärtet werden.

Einen weiteren Schub erhielt die Hydrotherapie durch den bayerischen Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897). Seine Wasseranwendungen ergänzte er durch den Einsatz von Heilpflanzen.

Anwendungsgebiete der Hydrotherapie

Die Kneippschen Güsse zählen noch heute zu den typischen Hydrotherapie-Anwendungen.

Des Weiteren werden

angewandt. Dabei wird der Körper unterschiedlichen Temperaturen ausgesetzt, um auf diese Weise die Durchblutung oder die Entspannung zu fördern. Positive Effekte der Hydrotherapie sind:

  • eine Verbesserung der Abwehrkräfte
  • ein geringeres Infektionsrisiko
  • ein milderer Verlauf von Krankheiten

Zu den Anwendungsgebieten einer Hydrotherapie gehören:

Nicht zu verwechseln ist die Hydrotherapie mit der Colon Hydrotherapie. Es handelt sich hierbei um eine Variante der Darmspülung und nicht um eine äußerliche Anwendung - weitere Informationen erhalten Sie hier.

Kontraindikationen der Hydrotherapie

Da sich einige Hydrotherapie-Anwendungen auf die Atmung und das Herz-Kreislauf-System auswirken, sollten Menschen, die unter folgenden Krankheiten leiden, besser auf Kneippsche Güsse verzichten oder sich vorher mit einem Arzt beraten.

Bestehen die folgenden Beschwerden, ist es möglich, dass sich die Symptome verschlimmern:

Durchführung einer Hydrotherapie

Eine Hydrotherapie kann sowohl in Kur- und Wellnessbetrieben als auch zu Hause durchgeführt werden. Das Wasser wird dabei entweder kalt, warm oder in Form von Dampf eingesetzt.

Während kaltes Wasser belebend und entzündungshemmend wirkt, hat heißes Wasser eine entspannende Wirkung und fördert die Durchblutung von Muskeln und Haut. Zu den Anwendungen der Hydrotherapie gehören:

Kneippsche Güsse oder Flachgüsse

Unter Kneippschen Güssen oder Flachgüssen versteht man den Einsatz eines Wasserstrahls, der mit geringem Druck auf bestimmte Körperstellen wie

oder auch den ganzen Körper zielt.

  1. Dabei sollte zuerst mit den Füßen und den Armen begonnen werden.
  2. Danach zielt man mit dem Wasserstrahl auf die Körpermitte oder den Kopf.

Druckstrahlgüsse oder Blitzgüsse

Dabei wird der Wasserstrahl auf mittleren oder starken Druck, der bis zu drei Bar betragen kann, eingestellt. Danach wird er wie bei den Kneippschen Güssen auf den Körper gerichtet.

Kneippsche Güsse mit dem Kaltwasser-Schlauch
Kneippsche Güsse mit dem Kaltwasser-Schlauch

Wassertreten

Beim Wassertreten läuft der Patient durch ein Becken, das mit kaltem, kniehohem Wasser gefüllt ist.

Wassertreten für das Immunsystem
Wassertreten für das Immunsystem

Bäder

Vollbäder und Teilbäder in allen Variationen
Vollbäder und Teilbäder in allen Variationen

Bäder können am ganzen Körper, aber auch nur an bestimmten Körperteilen durchgeführt werden. Dabei werden z.B. nur Arme und Beine mit warmem oder kaltem Wasser behandelt. Bei so genannten Bürstenbädern kommen Bürsten zur Massage zum Einsatz.

Eine weitere Variante ist das Stangerbad, bei dem galvanischer Strom zur Durchblutungsförderung und Schmerzlinderung durch das Wasser geleitet wird.

Bewegungsbad

Bei einem Bewegungsbad werden gymnastische Übungen oder Unterwassermassagen durchgeführt. Zur Anwendung kommt es vor allem bei Knochenbrüchen und Erkrankungen der Wirbelsäule.

Dampfbäder

Dabei kommt heißer Wasserdampf, der auch mit Kräutern versetzt werden kann, zur Anwendung. Typische Beispiele für Dampfbäder sind die Sauna und das Türkische Bad.

Dampfbad, Sauna oder Türkisches Bad
Dampfbad, Sauna oder Türkisches Bad

Abreibungen

Bei einer Abreibung wird ein feuchtes Tuch auf den Körperteil, der behandelt werden soll, gelegt und dann mit der Hand abgerieben. Auf diese Weise wird die lokale Durchblutung angeregt.

Packungen und Wickel

Hier wird ein feuchtes Innentuch, das mit einem trockenen Innen- und Außentuch abgedeckt wird, auf bestimmte Körperstellen gelegt.

Auch die Thermotherapie lässt sich teils als Bestandteil der Hydrotherapie anwenden...

Thermotherapie

Als Thermotherapie bezeichnet man in der Medizin die Anwendung von Wärme oder Kälte zur Behandlung von Krankheiten und Beschwerden. Dabei wird zwischen Wärme- und Kältetherapie unterschieden.

Ziel und Zweck

Ziel und Zweck der Thermotherapie ist die Behandlung von Krankheiten, Verletzungen und Beschwerden durch die Anwendung von Wärme oder Kälte. Dabei wird zwischen Wärme- und Kälteanwendungen differenziert, die sich für unterschiedliche Behandlungen eignen.

So kommt eine Wärmetherapie zur Behandlung von Schmerzen und nichtentzündlichen Krankheiten zur Anwendung. Dafür werden unterschiedliche Ansätze verfolgt, etwa:

  • eine Behandlung mit Rotlicht
  • eine Behandlung mit Heißluft
  • die Anwendung von Körperpackungen
  • die Anwendung von Naturmoor
  • Wickel oder heißen Rollen

Kälteanwendungen führt man zur Behandlung von akuten Schmerzen, Entzündungen, Insektenstichen oder Verletzungen aus. Dazu gehören unter anderem:

  • Bäder
  • kalte Umschläge
  • Eispackungen

Auf den Patienten hat die Wärmetherapie meist eine angenehm entspannende und zugleich belebende Wirkung. So werden durch die Wärme die Muskeln entspannt und der Stoffwechsel stimuliert.

In den Körperregionen, in denen die Aufwärmung erfolgt, kommt es zu einem verstärkten Transport von Sauerstoff und einer erhöhten Aufnahme von Nährstoffen. Außerdem werden Abbauprodukte vermehrt abgegeben. Ferner wirkt sich die Wärme positiv auf die Immunabwehr des Körpers aus.

Funktionsprinzip

Bei der Zufuhr von Wärme weiten sich die Blutgefäße, sodass es zu einer besseren Durchblutung kommt. Dadurch können sich die Muskeln entspannen und es kommt zu einer Entlastung der Nervenbahnen.

Die positiven Wärmereize werden von den temperaturempfindlichen Nervenenden an das Schmerzzentrum weitergeleitet. Zudem wird das Schmerzempfinden durch chemische Prozesse zusätzlich reduziert. Die Wärmezufuhr reguliert außerdem die Produktion von Stresshormonen und regt den Zellstoffwechsel an.

Bei der Anwendung von Kälte hingegen ziehen sich die Blutgefäße zusammen und die Muskeln spannen sich an. Nachdem der Kältereiz aufgehört hat, kommt es wieder zur Entspannung der Muskulatur und zu einem vorübergehendem warmen Gefühl. Zudem tritt die Linderung von Schmerzen ein, weil die kälteempfindlichen Nerven ihre Informationen an das Gehirn schneller weiterleiten als die schmerzleitenden Nervenbahnen.

Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete einer Wärmetherapie sind vor allem:

Zu den Gegenanzeigen gehören:

Die Anwendungsgebiete einer Kältetherapie sind vor allem:

Sie wird angewandt:

  • nach Verletzungen, um die betroffene Stelle zum Abschwellen zu bringen
  • um eine Entzündung zu bekämpfen oder
  • um die Schmerzen zu lindern.

Die Thermotherapie ist wissenschaftlich anerkannt und die Kosten für eine entsprechende Behandlung werden von den Krankenkassen übernommen.

Durchführung einer Thermotherapie

Für die Durchführung einer Thermotherapie gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Im Rahmen der Wärmetherapie stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung, die je nach Erkrankung innerhalb eines Therapieplans zusammengestellt und angewendet werden.

sind noch die am meisten angewendeten Methoden der Thermotherapie. Daneben finden sich

  • Infrarotbehandlungen, die durch Einstrahlung von Rotlicht das Gewebe erwärmen
  • Dampfbäder
  • die Sauna
  • Überwärmungsbäder
  • der Ultraschall- und
  • die Hochfrequenztherapie.

Beide Formen der Thermotherapie arbeiten hierbei mit energetischen Feldern bzw. mit Kontaktschall, der auf das Gewebe trifft und dieses dadurch zur Erwärmung bringt. Überwärmungsbäder initiieren eine Art Fieber und lassen damit mögliche Entzündungsherde zum Abklingen bringen. Heubäder, vielfach als reiner Wellnessspaß betrachtet, haben einen ähnlichen Effekt, verbinden allerdings noch zusätzlich den feinen Duft des Heus zu einer gesteigerten Entspannung.

Wärmetherapie

So können bei einer Wärmetherapie heiße Bäder genommen werden, da auf diese Weise dem Körper mehr Wärme zugeführt wird als er selbst erzeugen kann. Dadurch kommt es zu einem Anstieg der Körpertemperatur und einer Anregung des Immunsystems.

Durch die Temperaturänderung wird der Körper zudem angeregt, Krankheitserreger abzutöten. Häufig werden für eine Wärmetherapie auch mineralische und organische Substanzen wie Erde, Moor und Lehm angewandt, die man als Körperpackungen oder Wickeln einsetzt.

Dabei werden diese Packungen für etwa 45 Minuten auf die zu behandelnden Stellen aufgelegt. Zur Verstärkung der Wirkung sollte nach der Behandlung eine halbe Stunde lang, warm zugedeckt, geruht werden.

Kältetherapie

Im Rahmen einer Kältetherapie wendet man kalte Güsse, Wechselduschen oder Wechselbäder an. Die Temperaturen liegen dabei zwischen 12 und 15 Grad Celsius. Bei Schwellungen oder Blutergüssen nach Verletzungen können für einige Minuten Eispackungen oder Gelkompressen auf die verletzte Stelle aufgelegt werden.

Dabei sollte man stets ein Tuch zwischen die Haut und die Eispackung legen, damit es nicht zu Erfrierungen kommt. Nach einer kurzen Pause, in der sich die Haut wieder aufwärmen kann, wird die Anwendung etwa vier oder fünfmal wiederholt.

Eine weitere Form der Kältetherapie ist das Barfußlaufen auf Tau oder Schnee, um auf diese Weise das Immunsystem zu stärken.

Ganzkörper-Kältetherapie

Ein weiteres Gebiet der Kältetherapie ist die Ganzkörper-Kältetherapie, bei der man den gesamten Körper mit Kälte behandelt. Dabei kann es sich zum Beispiel um eine Kältekammer handeln, in der man den Patienten für kurze Zeit Temperaturen von bis zu -110 Grad Celsius aussetzt, um Vorgänge im Stoffwechsel zu beeinflussen.

Zur Anwendung kommt die Ganzkörper-Kältetherapie bei:

Kyrotherapie

Zu den lokalen Kälteverfahren zählt die Kyrotherapie bzw. Kyrochirurgie. Bei diesen Verfahren werden Gefriertechniken angewandt, mit denen man pathologisch verändertes Gewebe zerstört.

Zu den Einsatzgebieten gehört die Behandlung von:

Thermotherapie zu Hause anwenden

Einige Therapieformen der Thermotherapie lassen sich übrigens auch in den eigenen vier Wänden anwenden und werden oftmals schon unbewusst durchgeführt. Hierzu zählen etwa

  • heiße oder warme Vollbäder und
  • das Fußbad sowie
  • Eis- oder Körperpackungen oder auch
  • die Wärmflasche, die auf die schmerzenden Stellen gelegt wird.

Ebenfalls sehr gute Linderungen seiner Beschwerden kann man in einer Sauna oder einem Dampfbad erzielen, da die dort herrschende Wärme sich mehr als positiv auf die Muskeln und die Gelenke auswirkt. In ihrer Anwendung ist die Thermotherapie sehr vielfältig, und manchmal kann es schwer fallen, die passende Methode auszuwählen. Hier empfiehlt es sich an den behandelnden Arzt oder Heilpraktiker zu wenden, der mit einem gemeinsam einen Therapieplan erstellen wird, um möglichst rasch eine Verbesserung des Krankheitsbildes zu erreichen.

Mögliche Risiken und Nebenwirkungen

Nebenwirkung einer Thermotherapie kann die Überlastung des Kreislaufs durch die Anwendung von zuviel Wärme sein. Nach sportlichen Aktivitäten oder nach einem umfangreichem Essen sollte besser keine Wärmetherapie ausgeführt werden.

Weitere Gegenanzeigen einer Wärmetherapie sind:

Gegenanzeigen einer Kältetherapie sind:

Kosten

Für den Fall, dass eine Hydrotherapie medizinisch notwendig ist, werden die Kosten dafür von den Krankenkassen übernommen. Eine Kneipp-Kur zur Erholungszwecken muss hingegen aus eigener Tasche bezahlt werden. Viele Wasseranwendungen sind aber so simpel, dass sie auch zu Hause durchgeführt werden können.

Quellen:

  • Sylvia Winnewisser: Gesund mit Wasser. Mit Hydro-Therapie zu mehr Wohlbefinden. Wasser-Anwendungen für Beschwerden von A bis Z, humboldt / Schluetersche, 2009, ISBN 3869103019
  • Otto Gillert und Walther Rulffs: Hydrotherapie und Balneotherapie, Pflaum Verlag, 1992, ISBN 3790505862
  • Wolfram Geiszler und Ricarda Geiszler: Wassertherapie - Die sanfte Kraft des Wassers: Wege zu Wohlbefinden und Entspannung, Brandes & Apsel, 2004, ISBN 3860997912

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