5. November 2009
Wer als Kind unter einem Infekt mit Fieber litt, hat von seiner Mutter häufig kühlende Wadenwickel bekommen, um die Temperatur zu senken. Inzwischen ist dieses alte Hausmittel bereits ein wenig in Vergessenheit geraten. Dabei haben Wickel-Anwendungen noch viel mehr zu bieten, als ihnen häufig zugetraut wird.
Das Besondere bei Wickelanwendungen ist, dass sie gleich auf zweifache Weise ihre Wirkung entfalten: Nicht nur die Temperatur und die enthaltenen Wirkstoffe, sondern bereits die Zuwendung und der Prozess des Massierens und Wickelns haben nachgewiesen eine heilsame Wirkung. Allein die zwischenmenschliche Berührung regt die eigenen inneren Heilkräfte an.
Die Wirkungsweise im Einzelnen kann sehr verschieden sein. Es kann Wärme zugeführt oder entzogen werden. Manche Wickel funktionieren nur mit feuchten Tüchern, bei anderen sind zusätzliche Heilmittel wie Pflanzen oder ätherische Öle sinnvoll. Dabei wirken sich die Wickel nicht nur auf die Haut aus, sondern auch auf Organe und Stoffwechselprozesse.
Für nahezu alle Wickel sind als innere Schicht Geschirrtücher oder Stofftaschentücher, alternativ auch Baumwollwindeln geeignet. Als Außentuch ist ein Tuch aus weicher Schafswolle ideal.
Ein Leberwickel wirkt entgiftend, fördert Verdauung und Stoffwechselprozesse im Körper. Gerade nach einer üppigen Mahlzeit unterstützt er die Leber ideal in ihrer Arbeit. Der beliebteste Zusatz sind hier Schafgarbenblüten, die zuvor mit heißem Wasser aufgegossen werden und eine Weile "ziehen" müssen. Mit dem Sud sollte das Innentuch getränkt, dann gut ausgewrungen und in der Lebergegend - auf dem rechten Oberbauch - aufgelegt werden. Mit Tüchern abgedeckt sollte man so etwa eine halbe Stunde ruhen, während die wärmebedürftige Leber effektiv arbeiten kann. Leberwickel eignen sich neben der Behandlung von Verdauungsproblemen auch für Betroffene von Depressionen und Neurodermitis.
Um die Ausscheidung anzuregen oder Erkrankungen wie Blasenentzündungen zu kurieren, eignet sich ein Nierenwickel sehr gut. Hier werden fünf Esslöffel Schachtelhalmkraut für eine halbe Stunde mit einem Liter Wasser gekocht. Die innere Kompresse für die Nieren wird in dem Sud getränkt. Da hier Wärme besonders wichtig ist, ist zusätzlich eine flache Wärmflasche auf der Nierengegend sinnvoll. Nach zwanzig Minuten mit dem Wickel sollte dem Körper noch etwa eine halbe Stunde Nachruhe gegönnt werden. Gerade bei Blasenentzündungen sind aber auch Eukalyptusölwickel sehr hilfreich, die im Bereich der Blase aufgelegt werden.
Bei Stress und Erkältungen ist es wichtig, ruhig zu schlafen, den Kopf und die Atemwege frei zu bekommen. Ideal dafür eignet sich ein Lavendelölwickel, der um die Brust gelegt wird. Dafür ist ein längeres Innentuch nötig, das mit zehnprozentigem Lavendelöl beträufelt wird. Ein Wollschal oder Flanelltuch kann hier als Außentuch dienen, das auch über Nacht hält. Das ist auch ein besonders sanftes Hilfsmittel bei Kindern mit Husten oder Erwachsenen mit einem unruhigen Schlaf.
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