11. August 2010
Chirurgische Kliniken können selbstständige Kliniken sein oder auch zu einem großen Krankenhauskomplex gehören. Hier werden sowohl Erwachsene als auch Kinder mit Krankheiten und Verletzungen behandelt, die in der Regel operativ oder durch einen chirurgischen Eingriff versorgt werden müssen.
In einer chirurgischen Klinik werden Patienten mit verschiedenen Arten von Knochenbrüchen, mit einem Schädel-Hirn-Trauma, mit Schnittverletzungen, mit akuten Bauchschmerzen oder mit ausgekugelten Gelenken (z.B. an der Schulter) behandelt. Auch Bänderrisse, Beinverkrümmungen wie X- oder O-Beine, Zehenfehlstellungen, Arthrose, ein diabetischer Fuß, angeborene oder erworbene Fußfehlstellungen, Sehnenverletzungen, Frakturen im Zusammenhang mit einer Osteoporose und Beinlängendifferenzen werden in einer chirurgischen Klinik operativ versorgt. Es werden jedoch nicht nur orthopädische Erkrankungen behandelt, die operiert werden müssen sondern auch Operationen an Organen durchgeführt. Auch ein Nabel- oder Leistenbruch, Hämorrhoiden und Fisteln werden in der Chirurgie operativ behandelt.
Je nach Art der Beschwerden erfolgen unterschiedliche Untersuchungen in einer chirurgischen Klinik. Die Diagnostik der dort arbeitenden Ärzte hängt auch davon ab, ob der Patient bereits ambulant untersucht wurde bzw. ob er von einer anderen Klinik oder einer anderen Abteilung mit einer bereits feststehenden Diagnose in die chirurgische Klinik eingeliefert wird.
Liegt kein Notfall vor, so bespricht der behandelnde Arzt in Ruhe mit dem Patienten dessen Beschwerden und ggfs. welche Therapien bisher durchgeführt wurden. Auch Grunderkrankungen, Operationen und Medikamenteneinnahmen notiert sich der Arzt. Anschließend untersucht er den Patienten und bewegt dazu z.B. das Gelenk, hebt die Extremität an, lässt den Patienten barfuß einige Schritte laufen usw. Meist wird anschließend eine Röntgenaufnahme angefertigt. Hier kann dann z.B. ein Knochenbruch diagnostiziert werden. Während der Diagnostik kann auch eine Computertomografie oder Magnetresonanztomografie notwendig werden. Häufig wird auch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt.
In einer chirurgischen Klinik werden überwiegend Patienten mit Krankheiten behandelt, die operativ behandelt werden müssen. Dabei müssen heutzutage diese Operationen nicht mehr zwangsläufig mit dem Skalpell durchgeführt werden. Die chirurgischen Kliniken bieten auch viele Eingriffe "minimalinvasiv" an.
Besonders größere Platzwunden müssen häufig genäht oder geklammert werden. Dazu wird die Wunde zuerst desinfiziert und der Patient erhält in der Regel eine örtliche Betäubung. Mit einem speziellen Faden oder Klammern wird die Wunde dann in der chirurgischen Klinik verschlossen und die Naht mit einem sterilen Verband abgedeckt. Je nach Art der Fäden lösen sich diese selbstständig auf und werden vom Körper abgebaut oder sie müssen nach einigen Tagen wieder entfernt werden. Auch der Tetanusschutz wird in diesem Fall vom behandelnden Arzt überprüft und ggfs. aufgefrischt.
Ist ein Gelenk ausgerenkt, so kann es in einer chirurgischen Klinik wieder eingerenkt werden. Dies geschieht meist ohne einen operativen Eingriff, es sei denn, Nerven könnten verletzt werden. Nach dem Einrenken wird dem Patienten ein Stützverband angelegt und das Gelenk auf diese Weise ruhiggestellt.
Auch eine Gelenkspiegelung, die so genannte Arthroskopie, wird in der chirurgischen Klinik durchgeführt. Zum einen erfolgt die Arthroskopie aus diagnostischen Gründen, zum anderen können während dieser Untersuchung auch Behandlungen durchgeführt werden. Die Arthroskopie gehört zu den minimalinvasiven Behandlungsmethoden, da sie ohne einen großen Hautschnitt auskommt. Der Patient erhält für die Untersuchung eine örtliche Betäubung oder auch eine Vollnarkose. Der behandelnde Arzt setzt einen kleinen Schnitt in dem Bereich, in dem sich das zu untersuchende Gelenk befindet. Durch diese Öffnung wird dann das Arthroskop eingeführt. Über einen Bildschirm kann der Arzt dann z.B. Knorpel und Bänder erkennen. Bei Patienten, die z.B. unter einer Arthrose leiden, kann im Rahmen der Arthroskopie auch eine Gelenkspülung durchgeführt werden, indem Flüssigkeit in das Gelenk geleitet wird und z.B. Knorpelsplitter weggeschwemmt werden können. Teilweise wird die Gelenkspülung auch durchgeführt, um das Gelenk besser darstellen und untersuchen zu können.
Bei schweren Herzerkrankungen wird in der chirurgischen Klinik ein Bypass gesetzt oder ein Herz eines Organspenders implantiert. Statt eines Spenderherzens bzw. für die Zeit, bis dieses zur Verfügung steht, werden in der Herzchirurgie einer chirurgischen Klinik auch Kunstherzen implantiert. Dieses künstliche Herz unterstützt das kranke Herz bzw. eine Herzkammer(z.B. bei einer Herzmuskelschwäche) bei seiner Arbeit. Nur durch diese Maschine können die Patienten dann weiter am Leben gehalten werden. Aus diesem Grund müssen die Patienten ihr "Kunstherz" immer bei sich in einem kleinen Koffer tragen.
Häufig werden in einer chirurgischen Klinik auch Hüft- und Knieendoprothesen bei Patienten implantiert, die ein neues Hüft- oder Kniegelenk benötigen.
Viele Operationen können heutzutage laparoskopisch durchgeführt werden. Der Arzt setzt dazu nur einen kleinen Schnitt, durch den die zur Operation notwendigen Instrumente eingeführt werden. Für den Patienten ergeben sich dadurch kürzere Genesungszeiten und kleinere Narben. Nicht immer kann jedoch ein laparoskopischer Eingriff durchgeführt werden. Häufig muss eine Operation daher auch noch auf herkömmliche Weise mit örtlicher Betäubung oder Vollnarkose und einem großen Hautschnitt erfolgen.
In vielen chirurgischen Kliniken werden auch Schönheitsoperationen durchgeführt. Diese Eingriffe haben keinen medizinischen Nutzen sondern werden aus kosmetischen Gründen von den Patienten gewünscht. So werden dann z.B. Fettabsaugungen, die Implantation von Brustimplantaten, Hautstraffungen oder das Aufspritzen von Falten angeboten.
In chirurgischen Kliniken sind viele verschiedene Berufsgruppen beschäftigt. So arbeiten dort z.B. Chirurgen, Unfallchirurgen, Viszeralchirurgen, Plastische Chirurgen, Gefäßchirurgen, Anästhesisten, Urologen, Orthopäden, Psychotherapeuten und Radiologen. Einige chirurgische Kliniken vergeben auch Belegbetten an so genannte Belegärzte. Dies sind niedergelassene Ärzte mit einer eigenen Praxis, die ihre Patienten bei einem stationären Aufenthalt selbst betreuen und ggfs. auch operieren. In einer chirurgischen Klinik sind auch viele nichtärztliche Mitarbeiter tätig. Neben Gesundheits- und Krankenpflegern (früher Krankenschwester bzw. Krankenpfleger), Kinderkrankenschwestern, Operationsschwestern und Physiotherapeuten gehören auch medizinischen Fachangestellte und das Reinigungspersonal zu den angestellten Mitarbeitern.
Große chirurgische Kliniken bieten auch Fortbildungen für Ärzte z.B. zu den Themen Fingergelenksprothese, Handgelenksprothese, Polytrauma oder endokrine Chirurgie an.
Die meisten chirurgischen Kliniken sind in mehrere Abteilungen aufgeteilt. So gibt es zum einen die Notaufnahme, in der alle Patienten zuerst behandelt werden, die mit dem Rettungswagen, einem Rettungshubschrauber oder von Angehörigen in die Klinik gebracht werden. Dort erfolgt eine Notfallversorgung und ggfs. die Einleitung einer weiteren Behandlung auf einer Station der chirurgischen Klinik. Für schwerstkranke Patienten haben die chirurgischen Kliniken eine Intensivstation mit Beatmungsgeräten.
Neben der Notaufnahme und der Intensivstation gibt es meist eine Unfallchirurgie, eine Allgemein-, Viszeral- und Endokrine Chirurgie, eine Koloproktologie, die Gefäßchirurgie, die Plastische, Ästhetische und Handchirurgie, die Herzchirurgie und diverse weitere Abteilungen.
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