Alkoholmissbrauch - Ursachen, Symptome, Behandlung und Vorbeugung

Die Ursachen für einen Alkoholmissbrauch sind vielfältig. Wie sich der Alkoholkonsum des Betroffenen in der Zukunft verhält, hängt von dessen Einsicht und Behandlungsbereitschaft ab. Ein Alkoholmissbrauch äußert sich durch verschiedene psychische und körperliche Beschwerden. Die Diagnose kann letztlich jeder Betroffene selbst stellen, wenn er sich sein Alkoholproblem eingesteht. Lesen Sie alles Wissenswerte rund um den Alkoholmissbrauch.

Die Entstehung eines Alkoholmissbrauchs und wie man ihn behandeln und ihm vorbeugen kann

Alkohol wird in unserer Gesellschaft häufig als Genussmittel angesehen, doch die Risiken, die regelmäßiger Alkoholkonsum mit sich bringt, werden häufig übersehen. Gerade da Alkohol in unserer Gesellschaft sehr etabliert ist, fällt häufig der Alkoholmissbrauch nicht auf, oder zumindest erst sehr spät.

Alkohol gehört zu einem der legalen Rauschmittel neben Medikamenten, Essen und Zigaretten. Es ist wohl das am weitesten verbreitete Rauschmittel in Deutschland und kann in größeren Mengen sogar zum Zellgift werden.

Das Dramatische ist, dass das gemeinsame Trinken häufig schon ein Ritual ist und häufig derjenige ausgegrenzt wird, der zum Beispiel auf das Feierabendbier verzichtet. Auffällig ist, dass auch übermäßiger Alkoholkonsum häufig von Freunden, Kollegen und Familie gedeckt wird und so die Probleme, die durch Alkoholmissbrauch entstehen, häufig abgemildert werden.

Ursachen

Wie bzw. unter welchen Umständen es zum Alkoholmissbrauch kommt, ist völlig unterschiedlich und hängt oft auch vom Alter des Betroffenen ab. Jugendliche trinken oftmals andere alkoholische Getränke als Erwachsene.

Oft wird der Alkohol in einer Gemeinschaft auf Geburtstagsfeiern oder sonstigen Festen getrunken. Hier trinken viele Alkohol und keiner möchte derjenige sein, der nichts trinkt. Wie schnell der Alkohol seine Wirkung zeigt, hängt dabei entscheidend davon ab, ob ein Mann oder eine Frau trinkt und wie viel zuvor gegessen wurde.

Ursache eines Alkoholmissbrauches können auch

wie zum Beispiel Depressionen sein. Der Betroffene will seinen Frust im Alkohol ertränken.

Viele Betroffene des Alkoholmissbrauches sind auch erblich vorbelastet Häufig sind bereits Familienangehörige dem Alkohol verfallen. Zum einen kann es sich hier um genetische Gründe handeln, die zum Alkoholmissbrauch führen, zum anderen schaut sich der Betroffene vielleicht auch das Trinkverhalten des Verwandten ab.

Verlauf

Wie der Alkoholmissbrauch verläuft, ist individuell völlig verschieden. Handelt es sich um einen einmaligen Ausrutscher, hat dies meist keine schwerwiegenden Folgen für die Zukunft. Betrinkt sich der Betroffene jedoch regelmäßig, kann dies zu lebensgefährlichen Folgeerkrankungen führen.

Folgen

Der Alkoholmissbrauch ist der Grundstein für eine Alkoholabhängigkeit. Die Grenzen sind hierbei fließend. Bei der Alkoholabhängigkeit haben sich die Betroffenen meist nicht mehr soweit im Griff, dass sie ihren Alkoholkonsum kontrollieren können. Ihr Körper "braucht" eine bestimmte Menge Alkohol, um keine Entzugserscheinungen zu entwickeln.

Je nachdem, wie lange der Alkoholmissbrauch bereits anhält und wie regelmäßig der Betroffene trinkt, ist oft eine stationäre Behandlung notwendig. Handelt es sich nur um gelegentliche Alkoholmissbräuche, kann ein Betroffener mit starkem Willen oftmals ohne Hilfe vom Alkohol los kommen.

Betroffene, die noch nicht abhängig vom Alkohol sind, können allein durch ihre Einsicht auf den Alkohol verzichten und haben dann auch keine Entzugserscheinungen.

Symptome

Unter Alkoholmissbrauch versteht man den regelmäßigen Konsum von Alkohol in viel zu großen Mengen. Der dauerhafte Alkoholkonsum hat verschiedene Beschwerden und Erkrankungen zur Folge. Unterschied zum Alkoholismus ist, dass die Betroffenen nicht zwingend abhängig vom Alkohol sind.

Die Symptome eines Alkoholmissbrauches sind vielfältig. Betroffene können orientierungslos sein und die Reaktionsfähigkeit ist deutlich eingeschränkt; es kann zu Sehstörungen kommen.

Die Sprache klingt verwaschen und die Motorik ist eingeschränkt. Auch das Gehen fällt schwer.

Die Betroffenen verändern sich in ihrer Persönlichkeit und werden

  • aggressiv
  • depressiv
  • besonders gut gelaunt oder
  • weinen und
  • verlieren teilweise völlig ihre Hemmungen.

Am nächsten Tag können sich die Betroffenen oftmals nicht mehr an ihre Alkoholexzesse erinnern. Jedoch verspüren sie

was im Volksmund als "Kater" bezeichnet wird. Weitere Nebenwirkungen von Alkoholmissbrauch sind

Risiken

Dauerhafter Alkoholmissbrauch führt zum Alkoholismus. Betroffene verspüren bei dauerhaftem Alkoholmissbrauch

Nicht selten werden Personen mit hohem Alkoholmissbrauch und einem entsprechend hohen Alkoholspiegel im Blut in ein Krankenhaus eingeliefert, da sie sich in ein Koma getrunken haben. Ärztliche Behandlung ist hier zwingend notwendig.

Wer über längere Zeit immer wieder übermäßig Alkohol konsumiert, riskiert Dauerschäden wie

Trinkt der Betroffene extrem viel, kann dies auch tödlich enden.

Diagnose

Der Arzt befragt den Patienten nach seinen Trinkgewohnheiten und welche alkoholischen Getränke der Betroffene zu sich nimmt. Es folgt eine körperliche Untersuchung.

Der Arzt kann hier bereits einige Folgeerkrankungen eines dauerhaften Alkoholmissbrauches feststellen. Meist ist bereits die Leber vergrößert. Auch andere Erkrankungen wie eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, eine Entzündung der Magenschleimhaut usw. können festgestellt werden.

Anschließend erfolgt eine Blutabnahme. Hier werden besonders die Leberwerte untersucht.

Zusätzlich wird ein weiterer Wert im Blut bestimmt, der den Alkoholpegel der letzten Woche wiedergeben kann. Je nachdem, was die körperliche Untersuchung ergeben hat, sind gegebenenfalls weitere Untersuchungen wie zum Beispiel eine Röntgenaufnahme notwendig.

Behandlung

Eindeutige Anzeichen für Alkoholismus sollten ernst genommen werden bedarf dringend ärztlicher Hilfe. Alkoholismus liegt vor, wenn Personen ohne Alkohol nicht auskommen. Auch wer täglich nur geringe Mengen benötigt, aber keinen Tag ohne seine gewohnte Dosis Alkohol auskommt, ist Alkoholabhängig.

Hat ein Jugendlicher zum ersten Mal zu viel Alkohol konsumiert und möchte künftig keinen Alkohol oder nur noch in Maßen trinken, braucht er in der Regel dazu keine ärztliche Hilfe, da er vom Alkohol noch nicht abhängig ist. Langfristiger Alkoholmissbrauch führt zur Abhängigkeit und muss ärztlich behandelt werden.

Auch wenn ein Alkoholmissbrauch in einem Koma endet, muss eine Einweisung in ein Krankenhaus erfolgen. Der Patient wird dann oftmals auf der Intensivstation überwacht und ununterbrochen ärztlich behandelt.

Behandlung einer Alkoholabhängigkeit

Besteht bereits eine Abhängigkeit vom Alkohol, erfolgt im ersten Schritt während der stationären Behandlung eine Entgiftung. Der Patient erhält während der Behandlung im Krankenhaus keinen Alkohol mehr, so dass sein Körper entgiftet wird. Da hier meist Entzugssymptome bestehen, erhält der Patient zusätzlich Medikamente.

Im Anschluss an diese Akutbehandlung erfolgt eine mehrwöchige oder mehrmonatige Entwöhnungsbehandlung in einer speziellen Suchtklinik. Hier wird der Patient von Ärzten und Therapeuten betreut und lernt, langfristig vom Alkohol loszukommen und nicht mehr rückfällig zu werden.

Um von einer Alkoholsucht los zu kommen, ist es wichtig, neben dem körperlichen Entzug zusätzlich psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Psychologische Betreuung sollte nicht nur für den Abhängigen genutzt, sondern zusätzlich auch von Angehörigen in Anspruch genommen werden, um die Kraft zu finden, den Entzug zu unterstützen.

Wichtig für eine erfolgreiche Therapie ist es, die Ursachen zu ergründen, denn wer Rauschmittel nutzt, hat meist Defizite im eigenen Erleben. Gerade die Alkoholsucht ist schwer in den Griff zu bekommen, da schon kleine Mengen Alkohol zu einem Rückfall führen können.

Viele Alkoholabhängige sind nicht fähig, ihre Alkoholsucht zu erkennen und so sollten Freunde und Angehörige klar ihre Vermutung äußern. Wer Angehöriger eines alkoholkranken Menschen ist, der sollte sich an einen Arzt wenden um sich Hilfe zu holen, denn Ärzte haben Erfahrung beim Umgang mit alkoholkranken Menschen.

Wichtig ist es, die Alkoholsucht nicht zu decken und auch nicht herunterzuspielen. Wer einen alkoholabhängigen Menschen unterstützen möchte, der muss versuchen diesen aufzurütteln und ihm klar zu machen, welche Probleme durch den Alkoholmissbrauch vorhanden sind.

Vorbeugung

Eltern sollten ihren Kindern von Anfang an einen gewissenhaften Umgang mit der Droge Alkohol beibringen. Sind die Eltern ihren Kindern ein gutes Vorbild, überträgt sich dies meist auch auf die Kinder. Betrinken sich hingegen auch die Eltern regelmäßig, werden die Kinder dies in der Regel in späteren Jahren auch tun.

Wird Alkohol nur hin und wieder und auch dann nur in Maßen getrunken, ist nichts dagegen einzuwenden. Man sollte sich jedoch vom gesellschaftlichen Trinken oder "Komasaufen" distanzieren und den anderen beweisen, dass man selbst keinen Alkohol benötigt, um gut gelaunt zu sein.

Erschreckend ist, dass vor allem immer mehr Kinder regelmäßig zu hohen Mengen an Alkohol greifen...

Komasaufen betrifft immer mehr Kinder, trotz weitreichender Folgen des Kampftrinkens

Am Ende des Jahres sind Silvesterpartys, Weihnachtsfeten und Vollrauschpartys angesagt und die Kliniken rüsten sich in diesen Tagen auf einen neuen Schwung an komatös eingelieferte Jugendliche und Kinder. Ja, tatsächlich Kinder, denn selbst Sieben- oder Achtjährige trinken schon Bier, Wein und Wodka bis zum Umfallen und offenbaren gerade in dieser Jahreszeit den desolaten Zustand in unserem Land.

Eine aktuelle Studie kennt zu diesem erschreckenden Thema die neuesten Zahlen: Durchschnittlich 60 und mehr Kinder werden täglich ins Krankenhaus eingeliefert, weil sie sich dem Komasaufen hingegeben haben. Tendenz steigend. Mussten im Jahr 2000 "nur" 9500 Kinder und Jugendliche aufgrund eines exzessiven Alkoholtrinkens stationär behandelt werden, stieg diese Zahl bereits im Jahr 2007 auf 23.200 an.

Und die Experten gehen davon aus, dass diese Zahlen schnell übertroffen werden, zumal sie lediglich die offiziellen Komasauf-Fälle aufweisen. Die Dunkelziffer übertrifft wohl diese Zahlen um ein Vielfaches.

Schreckliche Normalität

Erschreckend bei diesem Thema ist es, dass Achtjährige mal eben nur so "Eierlikör" trinken sieben Jahre junge Kinder mit zwei Promille behandelt werden müssen und auch 13-jährige Mädchen mit einer Promillezahl von 3,4 durchaus eine Normalität in den Kliniken geworden sind.

Nur mal ein Bier trinken ist total out, denn nur wer ein oder zwei Flaschen Wodka kippen kann, gehört zu den coolen in der Clique. Eine Alkoholmenge, die selbst einen erwachsenen Mann glatt aus den Schuhen schlagen kann, für zahlreiche Jugendliche aber schon regelrecht das mehrmals wöchentliche getrunkene Pensum und mithin "normal" ist.

Folgeschäden

Dass solch ein exzessives Saufen weitreichende Folgen für die Kinder und Jugendliche haben kann, wird allerdings von den wenigsten Betroffenen erkannt.

  • Hirn- und Leberschäden
  • der weitere Griff zu anderen Drogen
  • Stürze aus dem Fenster und
  • ein eindeutiges Suchtverhalten

sind nur einige dieser Folgen, wenn die Kids sich zuschütten. Die Schule wird vernachlässigt, die Gedanken drehen sich nur noch um den "Stoff" und wer wann wo den Platz zum Saufen bieten kann. Gibt's keinen Platz in einer Wohnung, wird eben das Komasaufen im Bahnhof oder einem anderen öffentlichen Platz durchgeführt.

Tipps für Eltern

Eltern sind recht machtlos, wenn ihr Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat und nicht mehr unter ständiger Kontrolle steht. Allerdings: Gerade bei Kindern unter vierzehn Jahren sollten Eltern akut darauf achten, mit wem sich ihre Kinder abgeben und unbedingt sofort reagieren, wenn sie das erste Mal eine Alkoholfahne bei ihrem Kind bemerken.

Zuhause als Vorbild keinen exzessiven und ständigen Alkoholkonsum vor den Augen der Kinder zu praktizieren, unterstützt den Weg, damit Kinder das Saufen nicht als Normalzustand und harmlos betrachten. Stellt man zudem fest, dass das Kind ständig dem Alkohol hinterherjagt, dann sollte man nicht lange warten und eine Beratungsstelle aufsuchen, denn neben den gesundheitlichen Schäden folgen in der Regel auch soziale Defizite und der Weg in die Kriminalität.

Quellen:

  • Uwe Beise, Silke Heimes, Werner Schwarz: Gesundheits- und Krankheitslehre: Lehrbuch für die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflege, Springer Medizin Verlag, 2013, ISBN 9783642369834
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Martin Hoffmann, Christine Grützner: Medizinwissen von A-Z: Das Lexikon der 1000 wichtigsten Krankheiten und Untersuchungen, MVS Medizinverlage Stuttgart, 2008, ISBN 3830434545
  • Susanne Andreae, Peter Avelini, Melanie Berg, Ingo Blank, Ingo Blank: Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, Thieme, 2008, ISBN 9783131429629
  • Frank H. Netter: Netter's Innere Medizin, Thieme Verlagsgruppe, 2000, ISBN 3131239611
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2019, Herold, 2018, ISBN 398146608X
  • Gerd Herold: Innere Medizin 2020, Herold, 2020, ISBN 3981466098
  • Malte Ludwig: Repetitorium für die Facharztprüfung Innere Medizin: Mit Zugang zur Medizinwelt, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017, ISBN 3437233165

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