Anwendungsgebiete, Wirkungsweise und Ablauf einer Fastenkur

Mineralwasser wird aus Flasche in Glas geschüttet, Limettenscheibe an Glasrand

Bei einer Fastenkur sollte man auf eine begrenzte Dauer achten, um mögliche gesundheitliche Probleme zu vermeiden

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  • von Paradisi-Redaktion

Unter einer Fastenkur versteht man eine Fastenzeit von mehreren Wochen. Dabei kann der Verzicht auf Nahrung auch aus seelischen oder religiösen Gründen erfolgen.

Beim Fasten unterscheidet man zwischen Fasten aus religiösen Motiven sowie Fastenkuren wie das Heilfasten, bei denen das Entschlacken des Organismus sowie die Abnahme von Gewicht im Vordergrund stehen. Ziel ist dabei die Regeneration des Körpers.

Wissenswertes

Fasten bedeutet vor allem Verzicht auf Nahrung. Erhält der Körper ein oder zwei Tage lang keine Nahrung mehr, kommt es zum Umschalten in den Hungerstoffwechsel. Das bedeutet, dass der Organismus weniger Energie verbraucht. Weitere Folgen sind:

Da das Fasten eine starke physische Belastung nach sich zieht, wird es nur gesunden Menschen empfohlen.

Setzt man die Fastenzeit fort, lösen sich die Reserven an Fett und Eiweiß langsam auf. Dabei kommt es zur Bildung von Ketokörpern wie Aceton. Bemerkbar macht sich dieser Vorgang durch unangenehmen Körpergeruch und Mundgeruch.

Hält das Fasten länger an, werden vom Körper Endorphine ausgeschüttet. Auf diese Weise versucht er, die Hungerprozedur erträglicher zu machen.

Im Durchschnitt werden bei einer Fastenkur jeden Tag rund 400 Gramm an Gewicht eingebüßt. Dabei handelt es sich vor allem um Muskelsubstanz und Eiweiß. Dauert die Fastenkur nur kurze Zeit, lässt sich dieser Verlust rasch wieder ausgleichen. Bei einer Fastenzeit von mehreren Wochen kann jedoch sogar der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden.

Medizinische Anwendungsgebiete von Fastenkuren

Neben dem Abbau von Übergewicht gibt es auch einige Krankheitsbilder, die sich nach Meinung von Fastenbefürwortern mit einer Fastenkur positiv beeinflussen lassen. Dazu gehören u.a.:

Öfter mal zur Darmspülung: Fastenkur verbessert die Darmflora

Forscher stellten Zunahme der guten Darmbakterien nach Fastenkur fest

Grafik männlicher Körper mit Dickdarm und Dünndarm
transparenter körper mit dickdarm und dünndarm © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Moderne Fastenkuren samt Darmspülungen, um den Körper zu entschlacken, sind umstritten: Manche Menschen schwören auf ihre gesundheitlichen Effekte, andere halten sie für Humbug und setzen auf die normalen Selbstreinigungskräfte des Körpers.

Eine neue Studie der Universität Wien will nun herausgefunden haben, dass eine Fastenkur tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Darmflora des Menschen hat. Für ihre Studie schickten die Ernährungswissenschaftler 50 Probanden in ein spezielles Fastenzentrum, in dem sie eine Woche lang fasten sollten und zugleich mehrfach eine Darmspülung mit warmen Wasser erhielten um alte Verschlackungen zu lösen.

Selbstgekochtes oder Fastenkuren zur Erholung für den Darm

Anschließend erhielten die Teilnehmer noch drei Monate lang Probiotika. Während des gesamten Zeitraum entnahmen die Wissenschaftler Proben um die Entwicklung der Darmflora zu beobachten. Dabei verzeichneten sie eine Zunahme von "guten" Darmbakterien, wie dem Buttersäureproduzenten Faecalibacterium prausnitzii und anderen Bakteriengruppen.

Die Forscher beklagten in diesem Zusammenhang die ungesunde Kombination aus

die in den letzten Jahren zu immer mehr Darmproblemen und Lebensmittelintoleranzen geführt haben. Schon mit dem Genuss gesunder und frisch selbst gekochter Lebensmittel könnten die Menschen ihrem Darm viel Gutes tun. Dann brauche es wohl auch keine Fastenkuren zur Erholung.

Gegenanzeigen

Zahlreiche Ärzte sprechen sich gegen Fastenkuren aus. So sollten nur Menschen kurze Zeit fasten, die gesund sind. Von einer längeren Fastenkur ohne ärztliche Aufsicht wird dagegen dringend abgeraten.

Nicht sinnvoll sind Fastenkuren für:

Abführen mit Glaubersalz kann wichtige Körpersalze ausschwemmen

Wer eine Verstopfung mit dem alten Hausmittel Glauber- oder Bittersalz angehen will oder damit eine Fastenkur beginnen möchte, soll Vorsicht walten lassen: „Gesunde Menschen können die Salze ein- bis zweimal anwenden, doch dann sollte Schluss sein“, mahnt Dr. Hans Rudolf Diefenbach, Vorsitzender des hessischen Apothekerverbandes, in der „Apotheken Umschau“.

Der Grund: Die Wirkung des Salzes beruht darauf, viel Wasser im Darm zurückzuhalten und auszuscheiden. Damit verliert man aber auch größere Mengen Elektrolyte, die bei vielen Vorgängen im Körper unerlässlich sind, etwa bei der Funktion des Herzens. „Wer das vorhat, soll sich unbedingt vorher beraten und über die Risiken aufklären lassen“, sagt Diefenbach. Herzkranke sollten die Finger davon lassen.

Arten von Fastenkuren

Bei Fastenkuren wird zwischen unterschiedlichen Arten differenziert. Zu den bekanntesten Formen zählen das so genannte Heilfasten sowie Saftfasten und die Nulldiät.

Heilfasten

Ziel des Heilfastens ist es, den Organismus von schädlichen Schlacken zu befreien. Darüber hinaus sollen die Selbstheilungskräfte im Körper aktiviert werden.

Begründer des Heilfastens war der deutsche Mediziner Otto Buchinger (1878-1966). Nach seiner Ansicht sollen mit der Entschlackung des Körpers Krankheiten verhindert oder geheilt werden.

Aus medizinischer Sicht gilt die Theorie des Entschlackens als sinnlos, da sich im Körper weder Schlackenansammlungen noch Stoffwechselendprodukte befinden, die ein Fasten nötig machen. So werden Stoffe, die der Organismus nicht verwerten kann, rasch wieder ausgeschieden, was über die Nieren und den Darm erfolgt.

Das Heilfasten hat aber auch durchaus positive Aspekte. Zum Beispiel lassen sich mit ihm oft Rückenschmerzen oder Gelenkschmerzen lindern sowie zu hohe Blutzucker- und Cholesterinwerte absenken. Sogar das seelische Befinden kann mit dem Heilfasten verbessert werden.

Ein weiterer positiver Effekt ist der Verlust von Gewicht. Allerdings kommt es nach der Beendigung der Fastenkur wieder rasch zur Zunahme des Gewichts.

Negativ zu betrachten ist der hohe Verlust an Eiweiß. Außerdem werden schlechte Essgewohnheiten durch das Heilfasten nicht verändert. Aus diesem Grund sollte neben der Fastenkur auch eine Ernährungsschulung erfolgen.

Die Durchführung eines Heilfastens nach Buchinger findet in Spezialkliniken statt.

Die Dauer der Fastenkur beträgt 2 bis 4 Wochen. Therapeutisches Heilfasten kann aber auch stationär in Krankenhäusern durchgeführt werden. Dies ist zum Beispiel der Fall bei:

  • Herzkrankheiten
  • Hauterkrankungen
  • Gelenkerkrankungen
  • Durchblutungsstörungen
  • Morbus Crohn
  • einem Reizdarm
  • Allergien
  • chronischer Verstopfung

Richtig Fasten muss gelernt sein

Wer sich in Verzicht üben möchte, sollte auf fachkundigen Rat und seine Gesundheit hören

Junge Frau auf weißer Liege in Handtuch entspannt und hält Becher fest
Wellness & Spa 13 © fotoexodo - www.fotolia.de

Jedes Jahr entscheiden sich viele Menschen für eine Tage des Fastens und das nicht nur aus religiösen Gründen. Wer das Fasten richtig angeht, der reinigt damit nachweislich den Magen-Darm-Trakt von vielen Giftstoffen und lässt auch die Seele aufatmen. Dabei gibt es jedoch einiges zu beachten.

Verzicht üben

Beispielsweise sollte man ohne ärztliche Aufsicht nur fünf bis maximal zehn Tage fasten. Neben dem Verzicht auf

werden auch etliche andere Nahrungsmittel vorübergehend gestrichen. Wie weit man beim Fasten gehen darf, hängt auch von der gesundheitlichen Verfassung ab.

Gesundheitszustand beachten

Prinzipiell sollten nur Erwachsene streng fasten, da Kinder noch in der Entwicklung sind und dem Körper daher nicht die nötige Energie vorenthalten sollten. Sie können aber beispielsweise mit den Großen fasten, indem sie eine Woche auf Süßigkeiten verzichten.

Erwachsene dürfen dann nicht fasten, wenn chronische Krankheiten oder eine Schwangerschaft im Raum stehen. Prinzipiell ist es ratsam, den Fastenwunsch vorab mit dem Hausarzt zu besprechen. Dieser kann am besten einschätzen, was geht und was nicht.

Von Erfahrung profitieren

Wer zum ersten Mal fastet, kann sich einer Fastengruppe anschließen und so von der Erfahrung älterer Mitglieder profitieren. So bekommt man beispielsweise den Rat, bereits einige Tage vor dem eigentlichen Fasten schrittweise weniger zu essen.

Dadurch ist die Umstellung für den Körper nicht so drastisch. Ähnliches gilt nach dem Fasten: man sollte die Nahrungsmenge nur schrittweise erhöhen.

Die Buchinger-Methode

Die klassische Form des Fastens ist eine Methode nach Dr. Buchinger. Hierbei wird mittels Einläufen der Darm gereinigt und dann für zehn Tage auf feste Nahrung verzichtet. Die wichtigste Nahrungsquelle ist tägliche Gemüsebrühe.

Viele Ärzte empfehlen, diese Methode in einer Kurklinik zu absolvieren. Dadurch ist man immer unter ärztlicher Aufsicht.

Fasten nach den Feiertagen - Vorsicht ist wichtig

Weihnachten 2011 liegt hinter uns und der erste Gang auf die Waage 2012 ist für viele etwas bitter. Über die Festtage haben sich einige Kilos angesammelt, die man eigentlich schnell wieder los werden würde. Viele entscheiden sich dann dafür, zu fasten, damit man nicht nur abnimmt, sondern der Körper auch entgiftet wird. Dies ist ein guter Vorsatz, doch in jedem Fall sollte Vorsicht angebracht sein.

Vor allen Dingen wer zum ersten Mal fastet, sollte sich dringend vorher informieren, damit er dem Körper nicht etwa eher schadet als hilft. Das wichtigste Gebot: jeder mit Fastenwunsch sollte auf keinen Fall zu wenig trinken. Wasser sollte dem Körper täglich und auch in hohen Mengen zugeführt werden. Trinken Sie mindestens zwei Liter am Tag.

Im Übrigen sind noch lange nicht alle Ärzte davon überzeugt, dass Fasten wirklich gut ist. Sie bezweifeln, dass der radikale Nahrungsentzug dafür sorgt, dass Gifte aus den Körper geschwemmt werden. Nachgewiesen ist allerdings, dass das Fasten vermehrt Glückshormone ausschüttet und sich daher mehr Wohlbefinden einstellt.

Gut für die Abwehr - vermehrte Bildung von weißen Blutkörperchen durch Fastenkuren

Das Fasten wird seitens der Ernährungswissenschaftler oftmals stark kritisiert, da es bei unsachgemäßer und zu langer Anwendung zu ernsthaften Mängeln führen kann. Doch wie eine aktuelle Studie ergeben hat, können Fastenkuren der Gesundheit auch gut tun: durch eine dreitägige Kur wird das Immunsystem deutlich gestärkt, wie die Wissenschaftler der Universität in Südkalifornien herausgefunden haben.

Besonders Krebspatienten sowie sonstige Menschen, deren Abwehrkräfte geschwächt sind, könnten vom Heilfasten profitieren, da dadurch die Bildung der weißen Blutkörperchen, welche für die Abwehr von Erregern zuständig sind, angeregt wird. Patienten, die eine Chemotherapie machen, können durch die 72-stündige Fastenzeit zudem vor den giftigen Einwirkungen der Behandlung geschützt werden.

Saftfasten

Als Saftfasten wird eine Fastenkur bezeichnet, bei der sich der Fastende nur von Gemüsebrühe, Gemüsesaft, Obstsaft und Kräutertee ernährt. Beim Obstsaft darf es sich ausschließlich um frische Produkte handeln. Weiterhin nimmt der Fastende pro Tag 2 bis 3 Liter Wasser zu sich.

Ernährungsexperten lehnen das Saftfasten allerdings ab. So erhält der Körper bei längerer Durchführung nicht mehr ausreichend Eiweiß und andere wichtige Stoffe. Außerdem besteht das erhöhte Risiko von Mangelerscheinungen.

Der Gewichtsverlust durch das Saftfasten ist nur von kurzer Dauer. So kommt der Organismus auch nach Ende des Fastens mit weniger Nahrung aus, was letztlich zum Jo-Jo-Effekt führt.

Nulldiät

Unter einer Nulldiät versteht man einen völligen Verzicht auf Nahrung im Rahmen einer Fastenkur. Dabei nimmt der Fastende nur Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralstoffe sowie kalorienfreie Getränke zu sich.

Mit der Nulldiät lässt sich ein rascher Gewichtsverlust erzielen. Allerdings ist die Nulldiät auch mit Gefahren verbunden. Daher sollte sie nur stationär und unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.

In der heutigen Zeit werden Nulldiäten kaum noch vorgenommen. So rufen sie aufgrund des starken Eiweißverlustes eine übermäßige Belastung von Herz und Kreislauf hervor. Empfehlenswert ist diese Form der Fastenkur nur für Menschen, die unter starkem Übergewicht leiden, und wenn anschließend die Ernährung umgestellt wird.

Fazit

Zur Abnahme von Gewicht sind Fastenkuren nicht zu empfehlen. Während der Fastenzeit arbeitet der Körper auf Sparflamme.

Isst der Fastende nach Ende der Kur jedoch wieder normal, legt der Körper sofort Fettdepots an, um einer erneuten Hungerperiode vorzubeugen. Eine Folge davon ist der gefürchtete Jo-Jo-Effekt, der häufig dafür sorgt, dass der Fastende später sogar noch mehr Übergewicht aufweist als zuvor.

Grundinformationen und Hinweise zu Fastenkuren

  • Anwendungsgebiete, Wirkungsweise und Ablauf einer Fastenkur

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Wasser einschenken © Torsten Schon - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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