3. Januar 2008
Von Annette Folge
Wenn von Kreuzfahrten die Rede ist, denkt fast jeder spontan an Luxusurlaub für Betuchte und schwimmende Hotels der Superlative. Fast im gleichen Moment wird dabei ab an das größte und spektakulärste Schiff die "Queen Elisabeth II" gedacht.

Die Faszination für solche Luxusliner wird nicht zuletzt durch gleichnamige Fernsehserien wirksam unterstützt. Die Vorstellungen sind dabei sehr unterschiedlich. Für einige ist ein solcher Urlaub der Traum schlecht hin, für andere stehen die Zielgebiete und das Angebot an Bord an erster Stelle. Die Entfernung und die Reisedauer sind ebenfalls Kriterien für die Reiseentscheidung. Nicht zuletzt spielt der Standard und das Serviceangebot der Schiffe eine Rolle.
Hier bestehen beträchtliche Unterschiede in Klasse und Preis. Zum einen sind Alter und Bauart bzw. Ausstattung ausschlaggebend zum anderen sind es die Entfernungen und Regionen, wobei vereinfacht die Regel gilt. je weiter und länger umso größer und teurer. Auch die Struktur der Gäste variiert, d.h. je kürzer umso jünger und je weiter umso älter oder anders gesagt je älter umso teurer.
Bei dieser Reiseform überwiegen sog. "all inclusive" Angebote, die je nach Zielgruppe zusammengestellt werden.
Unterschiede bestehen auch in der Reiseart. Das Spektrum reicht von Erholungsreisen über themenbezogene und für Studierende geeignete Kreuzfahrten (östliches Mittelmeer und die Nilstrecke von Kairo bis Assuan) bis hin zur Expeditionskreuzfahrten (Antarktis, Alaska, Indonesien). Hinsichtlich der Länge und Dauer reicht die Spanne von Minikreuzfahrten (z.B. Travemünde–Helsinki) bis hin zu "Rund-um-die-Welt-Kreuzfahrten" (Europa, Afrika, Asien, Pazifik, Amerika) mit drei monatiger Dauer.
Die Tatsache, dass sich immer mehr Reisende für diese Urlaubsform entscheiden hat mehrere Gründe: Es ist möglich in relativ kurzer Zeit viele weit auseinander gelegene Orte und Länder zu besuchen. Das Schiff ist nicht nur Verkehrsmittel sondern sichert auch die Unterbringung mit einem gegebenen Komfort. Hinzu kommt ein reiches Angebot von Bewirtung und Unterhaltung bis hin zu Wellness und Sportmöglichkeiten. Das ganze wird umrahmt durch einen Service, der es erlaubt sich nur auf Erholung und Unterhaltung zu konzentrieren.
Die Auswahl der Zielgebiete bzw. Routen ist abhängig von den Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Gegebenheiten vor Ort aber auch von den Bademöglichkeiten und dem Klima. Auf diese Weise ist das Reisen zu jeder Saison, also ganzjährig möglich.
Ein wichtiger Aspekt ist auch, dass Länder besucht werden können, die über keine oder nur eine begrenzte touristische Struktur verfügen. Selbst bestehende politische Unsicherheiten sind kein Hindernis weil die Gäste bei ihren Landausflügen immer nur ausgewählte Schauplätze besuchen, die im vorab speziell für dieses Publikum erschlossen wurden. Damit ist die Palette touristischer Leistungen fast gänzlich abgedeckt und deshalb eine sehr lukrative Angelegenheit für die Veranstalter und Schiffseigner. Bei diesem Kapital und Serviceaufwand ist klar, dass nur wenige Anbieter auf diesem Markt befinden. Man kann durchaus davon sprechen, dass hier ein neuer touristischer Wirtschaftssekto entstanden ist, der sich schon deshalb weiterentwickeln wird, weil noch nicht alle interessanten Regionen auf der Welt erschlossen sind und die Größe der Schiffe zunimmt.
Leidtragende dieser Entwicklung sind die Zielregionen, die immer weniger an der touristischen Wertschöpfung beteiligt werden. Das betrifft vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer, die zur Hauptsache vom Tourismus leben und dadurch unmittelbar in ihrer Existenz bedroht werden.
Auch aus Sicht des Umweltschutzes ist der Betrieb solcher Riesenschiffe sehr bedenklich. Man muss sich dazu einmal die Dimensionen eines größeren Kreuzfahrtschiffes vor Augen führen. Zählt man zum Beispiel rund 600 Personen Personal mit rund 2000 Gästen an Bord zusammen dann übertrifft das allemal das Aufkommen eines einzelnen Hotels. Man kann sich ausmalen wie hoch der Energie- und Wasserbedarf eines solchen Schiffes ist. Entsprechend hoch ist das Abfallaufkommen von dem man sich fragt wo das auf See verbleibt.
Der weitere Ausbau des Kreuzfahrttourismus ist angesichts der steigenden Nachfrage nicht aufzuhalten. Einige Regionen sind bislang noch kaum erschlossen. Es fehlen noch Ziele in Afrika, Fernost und in Australien. Es bleibt zu hoffen, dass soziale und ökologische Grenzen dabei nicht überschritten werden.
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