Typische Boxverletzungen und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Mann mit gebrochener Nase und blutunterlaufenden Augen

Häufig kommt es beim Boxen zu aufgeplatzten Augenbrauen, ausgekugelter Schulter, Leberhaken, Mittelhandbruch und Nasenbeinbruch

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  • von Paradisi-Redaktion

Verletzungen beim Boxen sind weit verbreitet, fast schon normal; immerhin begegnet man dem Gegner mit teils harten Schlägen, wenn auch im Boxhandschuh. Besonders häufig kommt es zu Platzwunden im Gesichtbereich, doch auch schwerere Blessuren sind nicht selten. Informieren Sie sich über typische Boxverletzungen sowie Erste-Hilfe-Maßnahmen zur Behandlung.

Beim Boxen wird ein Kampf zwischen zwei Personen mit den Fäusten ausgetragen. Trotz verschiedener Schutzmaßnahmen kommt es dabei immer wieder zu Verletzungen.

Besonders gefährlich: der Knock out

Zu den Sportarten, die die Gesundheit fördern, zählt Boxen sicherlich nicht. So warnen Ärzte verschiedener Fachrichtungen vor gesundheitlichen Schäden durch den Kampfsport. Als besonders bedenklich sehen sie den so genannten K.O. (Knock out) an, der der Wirkung eines akuten Schädel-Hirn-Traumas mit Bewusstlosigkeit entspricht.

Bei einem Knock out kommt es durch die Faustschläge neben

auch zu

  • funktionellen Verletzungen des Gehirns.

Pro Jahr versterben durchschnittlich zehn Boxer durch schwere Verletzungen. Rund 10–20 Prozent aller Profiboxer kämpfen später mit neuropsychiatrischen Folgeerkrankungen. Dabei leiden die Betroffenen unter Beschwerden wie

Aber auch psychische Probleme wie

sind keine Seltenheit.

Medizinische Studie: Boxer bräuchten mehr Schutzmaßnahmen um Hirnschäden zu verhindern

Schwerwiegende Langzeitfolgen durch Boxkämpfe aufgrund von mangelndem Schutz

Grafik eines Röntgenbilds des menschlichen Schädels mit hervorgehobenem Gehirn auf schwarzem Hintergrund
Skeleton X-Ray - Brain 1 © Jeffrey Collingwood - www.fotolia.de

Mit welcher Kraft die Schläge im Boxsport auf den menschlichen Körper einwirken, kann man häufig nur in der Zeitlupe sehen. Doch während die Zuschauer nach dem Spektakel unbehelligt nach Hause gehen, müssen die Profis mit den Langzeitschäden ihres Sports leben - und die sind oft beträchtlich.

Sie reichen von nachweislich verlangsamten Denkprozessen über Hörstörungen, Tinnitus, chronischen Kopfschmerzen bis hin zum Tod. Rund zehn solcher Fälle kommen jährlich vor.

Die Langzeitfolgen vergangener Kämpfe

Wissenschaftler verschiedener Fachbereiche haben jetzt alles vorliegende Material der vergangenen Dekade ausgewertet, das sich mit den Folgen von aktivem Boxen auseinandersetzt. Die Langzeitschäden sind oft sehr schwerwiegend.

Zehn bis zwanzig Prozent aller professionellen Boxer müssen langfristig mit beispielsweise kognitiven Störungen rechnen. Lähmungserscheinungen und Demenz können dann ebenso verstärkt auftreten wie zitternde Glieder, Aggressionsprobleme und Depressionen.

Amateursportler sind weniger gefährdet, weil sie sich besser schützen dürfen. Es müsse auch im Profisport mehr Schutzmaßnahmen geben, fordern die beteiligten Forscher deswegen. Auch ein generelles Boxverbot sei im Prinzip sehr zu wünschen.

Profiboxer leiden oftmals an Sprachproblemen und Gedächtnisverlust

Lehrmodell menschliches Gehirn auf weißem Hintergrund
Menschliches Lehrmodell eines Gehirns © Teamarbeit - www.fotolia.de

Forscher fanden heraus, dass Hirnschädigungen nach einem Boxkampf messbar sind. Etwa ein Drittel aller Profiboxer leiden nach dem Ende ihrer Boxkarriere unter Sprachproblemen und Gedächtnisverlust. Ein besonderes Risiko stellen die vielen Runden dar, wobei es auch vermehrt zu Kopftreffern kommt.

Bei den Amateurboxern ist dieses Risiko geringer, da einmal der Kampf über weniger Runden geht und auch ein Kopfschutz getragen wird. Die Forscher konnten aufgrund des Hirnwassers die Hirnschäden messen, so sollten die Boxer dann auch nicht wieder zu früh in den Ring steigen dürfen.

Im letzten Jahrhundert sind jährlich etwa 10 Prozent der Profiboxer durch Verletzungen beim Kampf, meistens durch einen Ko-Schlag, gestorben.

Chronisches Hirntrauma durch Boxen oder Kopfbälle bei Amateursportlern nicht belegbar

Grafische Darstellung menschliches Gehirn
menschliches gehirn © Sebastian Kaulitzki - www.fotolia.de

Viele Menschen glauben, dass regelmäßige Kopfstöße, wie sie beispielsweise beim Boxen oder beim Fußballspiel durch Kopfbälle üblich sind, zu einer dauerhaften Schädigung des Gehirns führen können. Wie die Forscher Christopher Randolph und Stella Karantzoulis nun berichten, kann das Risiko für ein solches chronisches Hirntrauma nur schwer eingeschätzt werden.

Profiboxer nachweislich betroffen

Betroffen sind vor allem Profiboxer, die täglich Schläge auf den Kopf abbekommen. Bei ihnen ist das Risiko, eine chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE) zu erleiden, tatsächlich erhöht. Bei Breitensportlern, die Fußball spielen oder American Football, sind die Risiken dagegen weniger eindeutig. Bei Footballspielern wurde CTE beispielsweise häufig erst bei einer Autopsie festgestellt. Die Betroffenen hatten schon vor ihrem Tod Auffälligkeiten gezeigt, doch dies ließe keinen Rückschluss auf Sportler im Allgemeinen zu, so die Forscher.

Bei der chronisch traumatischen Enzephalopathie - auch als "Boxer-Syndrom" bekannt - kommt es zu Ablagerungen von Tauprotein im Gehirn, wodurch wiederum die Motorik und die kognitiven Fähigkeiten geschädigt werden. Bekannte Opfer dieser Krankheit snd u.a. die Profiboxer Jack Dempsey und Joe Louis.

Weniger Verletzungen beim Amateurboxen

Wesentlich geringer ist das Gesundheitsrisiko bei Amateurboxern, da bei ihnen einheitliche Schutzmaßnahmen gelten. So tragen Amateure Handschuhe, die stärker gepolstert sind, sowie einen Kopfschutz.

Außerdem ist die Dauer der Runden kürzer und es werden regelmäßig medizinische Untersuchungen durchgeführt. Bei Profi-Boxern verzichtet man dagegen weitgehend auf diese Sicherheitsmaßnahmen.

Zu den typischen Boxverletzungen, die für Profi-Boxer beinahe alltäglich sind, gehöreny

Kommt es zu einer Verletzung, sind rasche Erste-Hilfe-Maßnahmen wichtig.

Amateurboxer sind verletzungsfreier
Amateurboxer sind verletzungsfreier

Aufgeplatzte Augenbrauen

Durch die Faustschläge, die beim Boxen ausgeführt werden, besteht das Risiko, dass es zu einem Riss an der Augenbraue kommt. Obwohl es sich dabei eher um eine Bagatellverletzung handelt, kann eine Platzwunde am Auge sogar den Abbruch des Kampfes zur Folge haben.

Ursache und Auswirkung

Platzwunden am Kopf oder im Gesicht bezeichnet man im Boxen als Cut (Schnitt), da diese Verletzung einer Schnittverletzung durchaus ähnlich sieht.

Zu einem Cut an den Augenbrauen kann es durch mehrere Schläge hintereinander auf dieselbe Stelle kommen. Manchmal entsteht eine Platzwunde aber auch durch einen regelwidrigen Kopfstoß des Gegners.

Da die Augenbrauenpartie nur wenig Fleisch unter der Haut aufweist und zudem eine straffe Hautspannung an der Oberfläche besteht, ist sie für Cuts besonders anfällig. In manchen Fällen ist die Blutung bei einem Cut so stark ausgeprägt, dass der verletzte Boxer nicht mehr in der Lage ist, etwas zu sehen.

Außerdem besteht die Gefahr, dass sich das Oberlid des Auges während der Heilung der Wunde verzieht, was sogar zur Erblindung führen kann. Aus diesem Grund ist fachgerechte und rasche Erste Hilfe erforderlich.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Zuständig für Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Profi-Boxen ist der so genannte Cutman, der sich in der Ecke des Boxers neben dem Trainer und einem Physiotherapeuten positioniert. Der Cutman kümmert sich speziell um die Versorgung von Verletzungen wie Platzwunden, Nasenbluten und Schwellungen.

Um die Blutung zu stoppen und den Cut zu schließen, kann der Cutman verschiedene Maßnahmen ergreifen. Dazu gehören

  • die Reinigung der Wunde mit Wattestäbchen und einem in Wasser getränkten Schwamm sowie
  • ihre Kühlung mithilfe eines Eisbeutels oder eines Spezialeisens, das man Enswell nennt.
  • Außerdem wirkt man dem weiteren Aufplatzen der Augenbrauenwunde durch eine kühlende Salbe entgegen, die Adrenalin enthält.
  • Aber auch Vaseline, Thrombine und Avitene können auf den Cut aufgetragen werden.
  • Nach Beendigung des Kampfes versorgt man die Wunde durch einen Salbenverband, durch prfessionelles Nähen oder Klammern, was letztlich von ihrem Ausmaß abhängt.

In der Regel ist ein Cut nach etwa 10 Tagen wieder verheilt.

Ausgekugelte Schulter

Boxverletzungen können sowohl leicht als auch schwer sein. Besonders unangenehm ist eine ausgekugelte Schulter.

Ursache und Auswirkung

Zu einer ausgekugelten Schulter (Schulterluxation) kommt es häufig, wenn ein Boxer auf den nach außen gedrehten und abgewinkelten Arm stürzt. Dies kann bei einem Niederschlag, bei dem der Betroffene versucht, sich nach hinten abzustützen, passieren. Infolge eines Stoßes verrutscht der Oberarmkopf in die Achselhöhle.

Eine solche Schulterverletzung ist derart schwerwiegend, dass der Kampf abgebrochen werden muss. Da bei einer Schulterluxation auch Sehnen und Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, ist rasche ärztliche Hilfe unbedingt erforderlich.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Als Erste-Hilfe-Maßnahme wird die ausgekugelte Schulter noch vor Ort wieder eingerenkt. Da dies sehr schmerzhaft ist, verabreicht man dem verletzten Boxer ein Kurzzeit-Narkosemittel. Eine Schulterluxation kann sehr langwierig sein, denn bei manchen Verletzten muss ein operativer Eingriff durchgeführt werden. Danach folgen die Rehabilitation sowie eine Boxpause von rund drei Monaten.

Keinesfalls darf bei einer ausgekugelten Schulter versucht werden, das Gelenk selbst wieder einzurenken, da dies schwerwiegende Verletzungen nach sich ziehen kann.

Leberhaken

Haken gehören zu den häufigsten Schlägen beim Boxen. Mit einem Leberhaken kann der Gegner in die Knie gezwungen werden.

Auswirkungen

Zu den Achillesfersen des Boxers gehört die Leber. Diese wird zwar größtenteils von den Rippen abgedeckt, ein kleiner Ausläufer, der sich rechts unter den Rippen befindet, ist jedoch ungeschützt.

Da die Leber ein überaus sensibler Bereich des Körpers ist, hat ein Leberhaken unangenehme Auswirkungen. So kommt es durch einen gezielten Schlag auf die Leber zu

  • einem Ziehen in den Eingeweiden und
  • heftigen Schmerzen.

Darüber hinaus

wodurch der getroffene Boxer solche Kreislaufprobleme bekommt, dass ihm schwarz vor den Augen wird und er nicht mehr weiterboxen kann. Zahlreiche Boxer werden durch einen Leberhaken also kampfunfähig.

Mehr als ein technisches K.O. ist jedoch durch einen Leberhaken nicht zu befürchten, da das Organ ziemlich widerstandsfähig ist. Wesentlich schlimmere Auswirkungen hat dagegen ein Schlag in die Nieren. Da dabei die Gefahr von Blutungen in der Nierenkapsel besteht, sind Nierenhaken auch verboten.

Mittelhandbruch

Obwohl man die Hände beim Boxen durch spezielle Handschuhe, die die Schläge abfedern, schützt, zählt die Mittelhandfraktur zu den häufigsten Boxverletzungen.

Da bei einem Boxkampf reichlich Stresshormone ausgeschüttet werden, bemerken viele Boxer diese Verletzung zunächst gar nicht. Ein Bruch des Mittelhandknochens gilt auch nicht als Grund für einen Kampfabbruch, sofern der Boxer nicht selbst aufgibt.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Ist der Boxkampf beendet, muss der Mittelhandbruch umgehend medizinisch versorgt werden. Die Behandlung hängt davon ab, ob ein geschlossener oder ein offener Bruch vorliegt.

  • Bei einer geschlossenen Mittelhandfraktur reicht in der Regel das Ruhigstellen mit einem Gipsverband aus.
  • Deutlich komplizierter ist dagegen die Behandlung bei einem offenen Bruch, bei dem Knochenteile die Haut durchbohrt haben. In solchen Fällen ist meist ein chirurgischer Eingriff erforderlich.

Nach einem Mittelhandknochenbruch muss der Boxer die betroffene Hand etwa zwei Monate schonen.

Nasenbeinbruch

Eine weitere Verletzung, die häufig beim Boxen auftritt, ist der Nasenbeinbruch. So reagiert die Nase besonders empfindlich auf Gewalteinwirkung.

Ursache und Erste-Hilfe-Maßnahmen

Eine Fraktur des Nasenbeins wird beim Boxen meist durch direkte Schläge auf die Nase verursacht. Dabei kommt es zum Bruch der knöchernen Nasenscheidewand. Die meisten Boxer bemerken diese Verletzung während des Kampfes jedoch nicht.

In der Kampfpause zwischen den Runden richtet man die Trümmer des Bruches, damit die Atmung frei bleibt, und stopft dem verletzten Boxer Wattetampons, die in Adrenalin getränkt werden, in die Nasenlöcher, um die Blutung zu stillen.

Da Frakturen des Nasenbeins für Boxer sozusagen alltäglich sind, lassen sie sich ihre Nase meist erst nach der Karriere von einem plastischen Chirurgen richten. Zu einem früheren Zeitpunkt würde es sich ohnehin nicht lohnen.

Grundinformationen und Hinweise zum Boxen

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: broken nose and black eyes post operation © macky_ch - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Woman fitness training © iofoto - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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