Unterschiedliche Anwendungsgebiete und Durchführung der Bewegungstherapie

Physiotherapeutin mit Patient bei Behandlung

Die Bewegungstherapie zur Behandlung des Bewegungsapparates

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  • von Paradisi-Redaktion

Als Bewegungstherapie bezeichnet man die Ausführung von bestimmten Bewegungen zu medizinischen Zwecken. Dabei kommen verschiedene Methoden zur Anwendung. Auf diese Weise können Erkrankungen des Bewegungsapparates behandelt werden.

Ziel und Zweck einer Bewegungstherapie ist die gezielte physiotherapeutische Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates. Dabei werden spezielle, genau dosierte Bewegungen ausgeführt, die für die jeweilige Erkrankung geeignet sind. So werden beispielsweise die Muskeln trainiert oder die Haltung verbessert.

Inhalte

Früher wurde die Bewegungstherapie auch als Krankengymnastik bezeichnet. Heute gehören verschiedene Inhalte der Physiotherapie zur Behandlung. Vor einer Bewegungstherapie wird zumeist eine physiotherapeutische Untersuchung durchgeführt.

Mit Hilfe einer Bewegungsbehandlung soll die Lebensqualität des Patienten wieder gesteigert werden. Zu diesem Zweck sollen Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Durchblutung und Stoffwechsel verbessert sowie Schmerzen, die bei Bewegung oder Ruhe auftreten, reduziert werden, damit der Patient wieder selbstständig den Alltag bestimmen kann.

Die zahlreichen Bewegungsabläufe und Übungen werden dabei individuell auf den Patienten zugeschnitten. Die Bewegungstherapie passt sich stets der Belastbarkeit des Patienten an.

Anwendungsgebiete

Zur Anwendung kommt eine Bewegungstherapie bei sämtlichen Erkrankungen oder Schädigungen des Bewegungsapparates wie zum Beispiel:

Auch zur Behandlung von Schmerzen und zur Erhaltung oder Stärkung der Muskeln kommt die Bewegungstherapie zum Einsatz.

Nicht durchgeführt werden darf eine Bewegungstherapie jedoch bei:

Bewegung schützt vor Herzinfarkt und Schlaganfall

Älterer Mann nach vorn gekrümmt, hält sich Brust vor Schmerzen Herzinfarkt Herzattacke
mature businessman clutching his chest © Lisa F. Young - www.fotolia.de

Körperliche Aktivität reduziert die Risiken an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erkranken. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie an 265 Patienten, die einen Schlaganfall erlitten hatten.

Per Formular wurden sie gebeten Angaben über ihr Bewegungspensum vor der Erkrankung zu machen. Interessanterweise waren die Personen am stärksten von einem Schlaganfall betroffen, die sich nur wenig bewegt hatten. Lediglich einen leichten Schlaganfall erlitten die Patienten, welche sich zuvor viel und regelmäßig mit Bewegung fit hielten.

Auch Langzeitfolgen eines Schlaganfalls, wie etwa Behinderungen, lassen sich durch Sport und Bewegung im Alltag eingrenzen. Um Risiken möglichst aus dem Weg gehen zu können, sollte man sich deshalb mit körperlicher Aktivität schützen.

Bewegung kann chronische Schmerzen lindern

Nahaufnahme Frau legt Hand auf unteren Rücken, Rückenschmerzen
lower back pain © Laurin Rinder - www.fotolia.de

Wissenschaftler der Universität Perth in Australien und der Uniklinik Straßburg weisen darauf hin, dass eine aktivierende Physiotherapie Schmerzpatienten mehr Kontrolle über ihr Leben vermitteln kann. Die Therapie umfasst Ausdauertraining, regelmäßige Betätigung und individuell für den Patienten zusammengestellte Übungen.

Studien belegen, dass die dadurch ermöglichten Erfolgserlebnisse, im Idealfall, zu einer Zurückbildung der krankhaften Veränderung im zentralen Nervensystem führen können. Gleichzeitig verringern die Übungen auch Schonhaltungen und verbessern die allgemeine körperliche Verfassung.

Auch wenig Sport steigert das Wohlbefinden

Junges Paar beim Joggen am Strand
Young couple jogging on beach © Yuri Arcurs - www.fotolia.de

Einfach keine Zeit für Ausdauersport!

Mit diesem Argument begründen viele Berufstätige ihren Verzicht auf jegliche sportliche Betätigung. Experten empfehlen vier bis fünf Mal pro Woche Sport zu treiben, doch für Workaholics mit eingeschränktem Freizeitpensum ist dies meist zeitlich einfach nicht zu realisieren.

Wissenschaftler der Deutschen Herzstiftung in Frankfurt empfehlen daher, zumindest ein- bis zwei Mal die Woche Joggen, Schwimmen oder Fahrradfahren zu gehen. Denn Sport treiben steigert das eigene Wohlbefinden und hilft, vorhandenen Bluthochdruck zu senken.

Bei Rückenschmerzen hilft statt Schmerzmittel und Massagen mehr Bewegung

Nackter Rücken mit roter Zielscheibe (Rückenschmerzen) vor grünem, unscharfen Hintergrund
Schmerzen im Rücken Zielscheibe © underdogstudios - www.fotolia.de

Im Auftrag des Apothekenmagazin die "Apotheken Umschau" wurde eine Umfrage durchgeführt zum Thema "Was tun bei Rückenschmerzen". In Deutschland setzen dabei die meisten der Befragten auf Massagen und Medikamente gegen die Schmerzen. Aber Experten sind dagegen der Meinung, dass in diesen Fällen mehr Bewegung besser helfen kann. Von den Befragten, die im letzten Jahr unter Rückenschmerzen litten, haben knapp 45 Prozent versucht durch Wärmebehandlungen die Schmerzen zu lindern. Mit Hilfe von Massagen wollten mehr als ein Drittel die Schmerzen wieder loswerden und 31 Prozent gingen zum Arzt und nahmen die verschriebenen Schmerzmedikamente ein. Schmerzmittel aus der Apotheke holten sich 21 Prozent der Befragten.

Doch sollte man versuchen, auch wenn Schmerzmittel und Massagen, sowie Bettruhe für die Patienten aber nur für kurze Zeit hilfreich sind, die Rückenschmerzen letztendlich durch Bewegungen zu bekämpfen. So gibt es bestimmte Wirbelsäulengymnastik, Rückenschulen und auch Ausdauertraining, die alle die Rückenmuskulatur stärken und somit Schmerzen verhindern.

Vorbeugung gegen Brüche im Alter durch Bewegung

Im Winter ist die Gefahr eines Sturzes hoch, doch regelmäßiges Training hilft Senioren

Beine in Jeans, Winterschuhe im Schnee
SCHUH IM SCHNEE © lamaka - www.fotolia.de

Ältere Menschen sollten sich viel bewegen, denn dadurch können sie sich gegen Brüche beim Stürzen schützen. Dies ist besonders jetzt bei den winterlichen Verhältnissen wichtig, denn durch Schnee und Eis verlieren viele Senioren schnell den Halt und verletzen sich dann, wobei oft auch ein Knochenbruch die Folge ist. Aber viele ältere Menschen haben auch Angst vor dem Fallen, was zusätzlich das Risiko erhöht.

Bei den jungen Menschen führt ein Sturz auf schneebedecktem Boden oder auch auf Eis meistens nur zu ein paar blauen Flecken, doch bei den Senioren kommt es oftmals zum Bruch am Oberschenkel oder der Hüfte.

Pro Jahr fallen von den über 65-Jährigen ein Drittel wenigstens einmal, meistens im Haushalt oder eben jetzt in dieser Jahreszeit. Wie Frau Susanne Schulz, eine Physiotherapeutin im Zentralverband der Physiotherapeuten und Krankengymnasten (ZVK), berichtet, führt weniger Bewegung automatisch zu einer Schwächung der körperlichen Fitness und somit erhöht sich dann auch das Risiko eines Sturzes und als Folge der Bruch der Knochen.

Die richtigen Vorsorgemaßnahmen für Senioren

Deshalb sollte man sich möglichst viel bewegen, so sind zweimal in der Woche für eine halbe Stunde ein Training für die Muskeln und auch für das Gleichgewicht sinnvoll. Zudem gibt es die Möglichkeit an Kursen teilzunehmen, die von Physiotherapeuten durchgeführt werden, wo die vorbeugende Maßnahmen erlernt werden. Auch ein Tai-Chi-Kurs fördert das Gefühl für das Gleichgewicht und die nötige Reaktionsfähigkeit.

Im Winter sollte man auch auf das richtige Schuhwerk achten, so beispielsweise eine entsprechende Sohle, die das Rutschen verhindert. Schützen können sich die Senioren auch mit sogenannten Hüftprotektoren, also Polster die den Sturz mildern. Ein Rollator oder auch ein einfacher Stock sorgen weiter für ein besseres Gleichgewicht.

Ablauf einer Bewegungstherapie

Vorbereitungen

Vor jeder Bewegungstherapie sollte neben einer ärztlichen auch eine physiotherapeutische Untersuchung durchgeführt werden, die unter anderem

  • die Beweglichkeit,
  • die Kraft,
  • die Koordination und
  • die Kondition

ermittelt, so dass für jeden Patienten der Therapieplan aufgestellt werden kann, der ihn individuell am besten fördert.

Durchführung einer Bewegungstherapie

  • In der Regel beginnt eine Bewegungstherapie mit der körperlichen Entlastung und Schmerzbehandlung der betroffenen Person.

  • Anschließend erfolgt ein langsamer, behutsamer Kräfteaufbau. Dabei werden:

Schlingentisch

Zu den Methoden einer Bewegungstherapie gehört auch der Schlingentisch. Dabei werden der Körper oder bestimmte Körperteile des Patienten in Baumwollschlingen und Seilzüge gehängt, wodurch unter Aufhebung der Schwerkraft wieder Bewegungen ausgeführt werden können, die sonst nicht oder nur unter Schmerzen möglich wären. Auf diese Weise lassen sich zahlreiche Erkrankungen des Bewegungsapparates behandeln.

Daneben kommen im Rahmen einer Bewegungstherapie auch Bewegungsübungen mit Bällen oder anderen Hilfsmitteln zur Anwendung.

Weitere Bestandteile einer Bewegungstherapie sind:

  • die manuelle Therapie
  • die Atemtherapie
  • die medizinische Krankengymnastik

Bei neuromuskulären Erkrankungen oder Lähmungserscheinungen werden zudem motorbetriebene und softwaregesteuerte Bewegungstherapiegeräte eingesetzt, die sich auch zu Hause anwenden lassen.

Risiken und Nebenwirkungen bestehen bei einer Bewegungstherapie in der Regel nicht, sofern der Patient nicht überbelastet wird.

Krankengymnastik bei Babys? Die Vojta-Therapie ist extrem umstritten

Eltern sollten sich gut informieren bevor sie ihr Kind der Prozedur unterziehen

Baby liegt auf dem Bauch und wird am Rücken massiert
Mother massaging baby © Monkey Business - www.fotolia.de

Die Vojta-Therapie ist ein Konzept der Krankengymnastik. Die Patienten werden hier in vorgeschriebene Körperhaltungen gebracht, die den Körper helfen sollen, gesunde Haltung und gesunde Bewegung zu erlernen.

Wie sinnvoll diese Therapie ist, steht aber gar nicht fest. Aussagekräftige Studien zur Vojta-Therapie gibt es offenbar gar nicht. Dennoch verschreiben besonders Kinderärzte immer wieder diese Maßnahme und unwissende Eltern bringen ihre Kinder zur Therapie.

Der psychische Stress für Babys durch die Therapie darf nicht unterschätzt werden

Besonders bei Babys ist diese spezielle Therapieform sehr umstritten. Obwohl die Krankenkassen die Vojta-Therapie bezahlen, sollten Eltern sich gut informieren, ob sie Babys diese Therapie antun möchten. Die Prozedur kann sehr unangenehm werden, da die Kleinen in Haltungen gezwungen werden und sich dann nicht mehr bewegen dürfen.

Das zwanghafte Verharren in einer Position hat schon viele Babys während der Therapiestunden zum Schreien gebracht. Die Frage ist, ob dieses Leiden wirklich nötig ist, wenn die Methode noch nicht einmal als wirkungsvoll bewiesen ist. Der psychische Stress für die jungen Menschen darf nicht unterschätzt werden, wie Bindungsforscher zu bedenken geben. Das Verhalten der Babys kann nachhaltig gestört werden, da sie nicht nachvollziehen können, warum Mama oder Papa sie nicht aus der unangenehmen Lage befreit.

Ablauf

Zu Beginn erfolgt die Therapie meist passiv, das heißt der Therapeut führt die Bewegungen aus. Im Laufe der Therapie wandelt sich dies jedoch immer mehr in Richtung Aktivität und Selbstverantwortung. Neben der eigentlichen körperlichen Therapie, umfasst die Bewegungstherapie auch eine Beratung der Angehörigen bezüglich des Umgangs mit den körperlichen Einschränkungen des Patienten.

Das Ziel aller Behandlungen ist es jedoch die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten so weit wie möglich wieder herzustellen. Durch die verschiedenen Therapien werden unter anderem

  • gestörte Gelenkfunktionen wieder hergestellt,
  • die Muskulatur gekräftigt,
  • das Muskelgleichgewicht wieder hergestellt,
  • die Durchblutung gefördert und
  • das Gewebe entstaut.

Motorische Fähigkeiten sowie Kraft und Ausdauer werden gefördert. Zudem wird dem Patienten während der Therapie das Gefühl vermittelt selbst etwas tun zu können.

Finanzielle Aspekte

Bewegungstherapien nach Erkrankung, Operation oder Krankheit werden in der Regel ärztlich verordnet. Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. Allerdings muss der Patient einen Eigenanteil bezahlen. Auch Präventivkurse werden häufig bezuschusst.

Kosten für Präventionskurse im Urlaub können von der Krankenkasse erstattet werden

Die Nachfrage für gesundheitsförderne Kurse im Urlaub ist sehr groß - viele Krankenkassen machen mit

Holzstempel mit Schriftzug "Krankenkasse"
Stempel Krankenkasse © bilderbox - www.fotolia.de

Immer mehr Krankenkassen erstatten die Kosten für gesundheitsfördernde Kurse während des Urlaubs. Von der Nachfrage sind sie überwältigt, berichtet die Apotheken Umschau. Urlauber können zum Beispiel an Bewegungsschulungen teilnehmen, an einer Ernährungsberatung oder an einem Anti-Stress-Training.

Viele Krankenkassen bieten gesundheitsfördernde Kurse an

Durchschnittlich 150 Euro zahlen die Kassen dann zum Urlaubsbudget hinzu. Die Techniker-Krankenkasse hat den Präventionsurlaub erst seit April 2006 im Programm, aber schon rund 4000-mal genehmigt. Auch die Deutsche Angestellten-Krankenkasse, die Gmünder Ersatzkasse und verschiedene Betriebskrankenkassen bieten diese Leistung an.

AOK ist nicht überzeugt

Zögerlich sind die AOKen. Begründung: Wohnortnahe Kurse böten eine größere Gewähr, dass das Gelernte auch in das tägliche Leben integriert werde. In welchem Umfang dies hier wie dort geschieht, ist aber kaum nachzuweisen.

Die zahlungswilligen Kassen verweisen auf andere messbare Erfolge: So nutzen im Urlaub 40 Prozent der Männer, die in vielen Abendkursen gerade einmal zehn Prozent der Teilnehmer stellen, die Angebote, und bestimmte Berufstätige, denen im Alltag die Zeit fehlt, werden durch Präventionsreisen eher angesprochen als durch einen festen, wöchentlichen Termin.

Thermalwasser plus Tai Ji: Krankenkasse übernimmt Kombi-Kur gegen Gelenk- und Rückenprobleme

Edeles Schwimmbecken, wie Lagune, mit Massageliege und kleiner Brücke im Schwimmbad, blaues Wasser, steinfarbene Wände
pool and sauna © Skogas - www.fotolia.de

Tai Ji ist eine in China sehr weit verbreitete Bewegungstherapie, die die Gelenke beweglich halten soll. In dem Kurort Bad Füssing in Niederbayern wird diese Jahrtausende alte Methode mit Elementen der modernen Thermalbad-Therapie kombiniert. Immer mehr Patienten machen davon Gebrauch.

"Kombinationsbehandlungen mit chinesischer Medizin verbunden mit der Wirkung des besonderen Bad Füssinger Heilwassers bringt nach unseren Erfahrungen in 90 Prozent der Fälle spürbare Besserung bei Gelenk- und Rückenproblemen", so Dr. Weizhong Sun, Chefarzt in Bad Füssing. Mittlerweile übernehmen die Krankenkassen die Therapie bei bestimmten chronischen Rücken- und Knieschmerzen. Auch Allergien, Heuschnupfen und Asthma soll mit der Kombi-Therapie deutlich gelindert werden können.

Grundinformationen zur Bewegungstherapie

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Physiotherapie © Walter Luger - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: irbelsäulenbehandlung © Adam Gregor - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Physical therapist diagnosing patient © Photographee.eu - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Patient at the physiotherapy © Kzenon - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: physiotherapeut behandelt eine patientin mit nackenschmerzen © contrastwerkstatt - www.fotolia.de

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Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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