Schleudertrauma - Ursachen, Symptome und Behandlung

3-D-Grafik des Kopfes mit rot hervorgehobener Wirbelsäule, Kopf nach hinten gebeugt, senkrecht und nach vorne

Die Entstehung eines Schleudertraumas und wie man es erkennen und behandeln kann

Als Schleudertrauma wird eine Verletzung der Weichteile im Halswirbelsäulen-Bereich bezeichnet. Diese Verletzung wird zumeist durch eine unvermittelte Beugung oder Überstreckung verursacht.

Definition

Verletzung von Weichteilen rund um die Halswirbelsäule
Verletzung von Weichteilen rund um die Halswirbelsäule

Bei einem Schleudertrauma kommt es zur Verletzung von Weichteilen, die sich rund um die Halswirbelsäule (HWS) befinden. Fachleute bezeichnen das Schleudertrauma auch als:

  • HWS-Zerrung
  • HWS-Distorsion
  • Beschleunigungstrauma
  • Peitschenhiebverletzung
  • Peitschenschlagsyndrom

Es wird in 5 verschiedene Schweregrade eingeteilt. Bei dem Schweregrad Null handelt es sich um keine Verletzung und keine nachvollziehbaren Beschwerden. Wohingegen der Schweregrad Vier die schwerste Form ist und Querschnittslähmungen aufgrund von Wirbelbrüchen oder massiven Wirbelverschiebungen beinhaltet.

Durch das Trauma kommt es zu einer schmerzvollen Steilhaltung der Halswirbelsäule sowie zu Verspannungen der Hals- und Nackenmuskulatur. Außerdem kann es zur Einrissen oder Zerrungen der Halswirbel kommen. In seltenen Fällen entstehen auch Einblutungen oder Verletzungen der Bandscheiben.

Ursachen

Die Hauptursache für das Entstehen eines Schleudertraumas bilden Autounfälle. Kommt es zu einem Auffahrunfall von vorn oder von hinten, wird der Kopf plötzlich nach vorne oder hinten geschleudert, wodurch eine gewaltsame Überstreckung oder Beugung der Halswirbelsäule entsteht.

Aber auch bestimmte Sportarten weisen das Risiko auf, sich ein Schleudertrauma zuzuziehen. Dazu gehören:

Ebenso können Unfälle beim Autoskooter- oder Achterbahnfahren ein Schleudertrauma nach sich ziehen.

Verlauf

Der Verlauf eines Schleudertraumas kann von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Häufig ist die Psyche für den Heilungsverlauf von großer Bedeutung, was eine psychologische Unterstützung erfordert.

Generell gehen die Schmerzen nach einigen Tagen oder Wochen wieder zurück. Im Durchschnitt beträgt der Heilungsverlauf etwa einen Monat, was aber auch von der Frühzeitigkeit der Behandlung abhängt. In einigen Einzelfällen können die Folgen eines Schleudertraumas jedoch noch jahrelang anhalten.

Schleudertrauma – Entstehung, Ausprägungsformen und Behandlung

Blaue 3-D-Grafik des Rückens/Nackens mit Schmerzen im Nacken, Wirbel rot hervorgehoben und eingekreist
Neck painful - cervica spine skeleton x-ray, 3D illustration. © yodiyim - www.fotolia.de

Von einem Schleudertrauma spricht man bei Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich, häufig auch verbunden mit Schwindel und Gangunsicherheit. Ursache ist eine Beschleunigung und anschließende Überstreckung des Kopfes, was meist bei einem Autounfall, genauer gesagt einem Auffahrunfall passiert.

Experten sprechen auch von gedehnten Weichteilstrukturen und unterschiedliche Muskeln betreffen, je nachdem, in welche Richtung der Betroffene zum Zeitpunkt des Aufpralls den Kopf gedreht hat. Die entstandene Zerrung sorgt für Schmerzen und einem „steifen Hals“.

Die Schweregrade des Schleudertraumas

Die meisten Traumata liegen zwischen Schweregrad null und zwei Beim Schleudertrauma kommt es zu winzigen Rissen in Gelenken, Bändern und Muskulatur. Die körperliche Reaktion darauf ist eine Entzündung, die mit Schmerzen einhergeht. Bis diese auftreten, kann es einige Stunden bis Tage dauern.

Man unterteilt das Schleudertrauma in mehrere Schweregrade. Die meisten Patienten liegen mit ihren Beschwerden – Nacken- und Kopfschmerzen, Schwindel, Bewegungseinschränkungen – zwischen Schweregrad null und zwei. Damit schwerwiegendere Verletzungen ausgeschlossen werden können, wird meist ein Röntgenbild der Wirbelsäule gemacht, häufig gefolgt von der Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT).

In einigen Fällen verschwinden die Schmerzen und Beschwerden der Patienten nicht mehr und das Trauma wird zur chronischen Belastung. Warum, konnte bislang nicht geklärt werden. Was man weiß, ist dass es nicht unbedingt die Schwere des Unfalls ausmacht, ob die Schmerzen chronisch werden und dass ein großer Teil mit dem Umgang des Patienten mit seiner Verletzung zusammenhängt.

Förderlich ist Experten zufolge außerdem das Tragen einer Halskrause, denn diese signalisiert dem Patienten, dass es sich um eine schwere Verletzung handelt. Nebenbei kommt es zu einer verzögerten Heilung, da die Betroffenen automatisch anfangen, jede Bewegung so gut es geht zu meiden.

Der wichtigste Behandlungsschritt ist die Aufklärung

Bei der Behandlung kommt es vielmehr darauf an, den Patienten darüber aufzuklären, dass er sich in den ersten Tagen etwas schonen soll, jedoch dann wieder damit beginnen muss, Kopf und Hals normal zu bewegen. Gegen die Schmerzen können entsprechende Medikamente helfen und auch leichte krankengymnastische Übungen sind unter Umständen hilfreich.

Symptome

Die häufigsten Symptome bei einem leichten Schleudertrauma sind:

Typisch für das Schleudertrauma ist auch, dass die Schmerzen erst einige Stunden nach einem Unfall oder Vorfall einsetzen. In einigen Fällen treten sie sogar erst ein bis zwei Tage später auf.

Auftreten und Formen der Schmerzen

Oftmals kommt es zu einer Zunahme der Schmerzen, obwohl sich dafür keine medizinischen Gründe finden lassen, was auch als Crescendo-Symptom bezeichnet wird. Bei einem leichten Schleudertrauma vergehen die Schmerzen nach einigen Tagen oder Wochen wieder.

In vielen Fällen sind die auftretenden Schmerzen eines Schleudertraumas auch psychosomatisch bedingt. In einem solchen Fall kommt es zu Auswirkungen der Psyche auf den Körper.

Chronifizierung der Schleudertrauma-Beschwerden beeinflussen Lebensqualität nicht

Junge Frau in türkisem Shirt fasst sich an den Hals
Grippe, Halsschmerzen, Krankheit © underdogstudios - www.fotolia.de

Nach einem Autounfall kommt es häufig zum Schleudertrauma, welches auch Peitschenschlag-Syndrom genannt wird. Dabei wird die Halswirbelsäule etwa durch das Auffahren eines Autos übermäßig gedehnt. Normalerweise machen sich die Beschwerden erst einige Stunden nach dem Unfall bemerkbar.

Dabei ist von Schmerzen und der Versteifung des Nackens die Rede, aber auch Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Lichtempfindlichkeit können dazu gehören.

Nach etwa vier Wochen legen sich die Symptome bei den meisten Menschen wieder, doch gibt es auch Fälle, in denen das Peitschenschlag-Syndrom zu einem chronischen Problem wird. Doch dies wirkt sich nicht nachhaltig auf die Lebensqualität des Betroffenen aus, wie auf dem Kongress der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT) vor kurzem diskutiert wurde.

So kam bei einer Studie heraus, dass die Beschwerden bei denjenigen, die diese auch noch zwei Jahre nach dem Unfall spürten, nur sehr mild ausfielen und sie in ihrem täglichen Leben eigentlich kaum beeinträchtigen.

Schwerwiegende Folgen

Bei schwereren Fällen eines Schleudertraumas kommt es zu Beschwerden zwischen den Schulterblättern oder am Mundboden. Auch Schluckstörungen oder ein kribbelndes Gefühl in den Armen sind keine Seltenheit.

Aber auch weitere Symptome sind möglich, wie:

Für den Fall, dass verzögerte Symptome wie Erbrechen, Gedächtnisschwund oder Bewusstlosigkeit auftreten, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

Rückenverletzungen - besteht eine Verletzung am Rückenmark, sofort den Notarzt rufen

Frontansicht Notarzt Auto
ambulance (notarzt) © Alexander Ivanov - www.fotolia.de

Nach einem schweren Sturz, oder einem Autounfall kann es passieren, dass der Rücken verletzt ist. Je nach Art des Unfalls kann dabei auch das Rückenmark betroffen sein. Besteht bei einem Menschen der Verdacht auf eine solche Verletzung, ist es wichtig ohne Zögern sofort einen Notarzt zu benachrichtigen.

Die Nervenzellen im Rückenmark funktionieren nämlich wie die im Gehirn. Werden sie durch Verletzungen von der Sauerstoffzufuhr, oder dem Nährstoffzufuhr getrennt, so sterben sie nach einiger Zeit ab und sind unwiederbringlich verloren. Jede Sekunde ist daher entscheidend, versichern Spezialisten.

Der Patient muss dann unverzüglich in ein Traumazentrum gebracht werden. Die dortigen Mediziner sind auf solche schweren Fälle spezialisiert und können mit modernster Diagnostik sofort die Verletzungen bestimmen und die richtige Diagnose einleiten. In Deutschland finden sich 24 Traumazentren, die direkt auf Rückenmarksverletzungen spezialisiert sind.

Neben der Erstversorgung starten die Patienten hier auch direkt mit Reha-Maßnahmen, um ihre Beweglichkeit bestmöglich zurück zu erlangen.

Diagnose

Um ein Schleudertrauma diagnostizieren zu können, führt der behandelnde Arzt eine ausführliche Befragung des Patienten über den Hergang des Unfalls oder Vorfalls, die zu seinen Beschwerden geführt haben, durch. Weitere Hinweise erhält der Arzt durch die Beschreibung der Symptome und durch eine körperliche Untersuchung.

Um mögliche knöcherne Schäden an der Halswirbelsäule festzustellen, werden Röntgenaufnahmen angefertigt. Wenn ein Verdacht auf weitere Weichteilverletzungen vorliegt, werden auch Magnetresonanztomographien (MRT) und Computertomographien (CT) zur Abklärung durchgeführt.

Auch denkbare Verletzungen der Wirbelsäule, des Schädels oder des Gehirns werden abgeklärt. Um mögliche Nervenschädigungen feststellen zu können, kommt es zur Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) oder zur Anwendung eines EMG (Elektromyogramm).

Behandlung

Die Behandlung eines Schleudertraumas hängt vor allem von der Schwere der dabei erlittenen Verletzungen ab. In den meisten Fällen genügt bereits eine medikamentöse Behandlung der Schmerzen oder die Durchführung einer krankengymnastischen Therapie.

Halskrawatten hingegen gelten bei einem Schleudertrauma nicht als sinnvoll, da die Halsmuskeln dadurch leicht an Kraft verlieren, was zu einer schlechteren Stabilisierung der Wirbelsäule führt. Das Schleudertrauma kann durch eine Halskrawatte sogar verschlimmert werden.

Nach kurzer Schonzeit können die alltäglichen Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Zur Behandlung von Schwindelgefühlen und Übelkeit kann eine manuelle Chiropraktik von Nutzen sein. Gegen dauerhafte Verspannungen sind regelmäßige Massagen, Wärmeanwendungen oder Akupunktur hilfreich.

Bei längeren Beschwerden setzt man meist auf eine Mischung aus:

Schleudertrauma behandeln: 3-monatige Therapie bringt nicht mehr als eine einstündige Beratung

Frau in grüner Strickjacke sitzt mit Schleudertrauma zu Hause, fasst sich an die Halskrause und liest einen Zettel
Woman Reading Letter After Receiving Neck Injury © highwaystarz - www.fotolia.de

Bei einem Schleudertrauma kommt es zu einer Verletzung der Halswirbelsäule. Oft ist der Betroffene in einem Verkehrsunfall gewesen und muss nun den verletzten Bereich schonen.

Chronisches Schleudertrauma

Wie er das am besten machen kann, lernt er im Gespräch mit dem Arzt oder einem Physiotherapeuten. Heilen die Schmerzen und Bewegungseinschränkungen nach drei Monaten nicht ab, spricht man von einem chronischen Schleudertrauma. Hier spielen auch Fehlhaltungen des Kopfes aus Angst und die innere Einstellung des Patienten in das Krankheitsbild hinein.

Um das chronische Schleudertrauma zu beenden, setzten manche Ärzte auf eine Intensivtherapie. Dabei wird der Patient für zwölf Wochen zum Physiotherapeuten geschickt und erhält darüber hinaus eine Verhaltenstherapie. So sollen Ängste abgebaut werden und die Halswirbelsäule durch Massagen und Bewegungsübungen geheilt.

Nutzen von Beratung als auch individuelles Intensivprogramm sind gleich

Doch eine aktuelle Studie zeigt, dass dieser enorme Aufwand nicht viel mehr bringt, als eine einstündige Beratung der chronischen Schmerzpatienten. 172 Menschen mit chronischem Schleudertrauma erhielten entweder ein individuell auf sie zugeschnittenes Intensivprogramm, oder die Beratungsstunde samt einem kleinen Selbsthilferatgeber für Zuhause.

Keine wesentliche Besserung in allen getesteten Bereichen

Nach 14 Wochen wurden alle Patienten untersucht und dabei stellten die Mediziner überrascht fest, dass das individuelle Intensivprogramm nicht viel mehr gebracht hatte, als die allgemeine Beratung. Auch nach sechs Monaten und einem Jahr ging es den Patienten in beiden Gruppen vergleichbar. Dies traf auf alle befragten Bereiche zu: Beweglichkeit, Schmerzempfinden, erlebte Einschränkungen im Alltag und allgemeine Lebensqualität. In beiden Gruppen kam es jeweils zu einer langsamen aber messbaren Verbesserung der Beschwerden.

Die komplette Erholung lässt jedoch bei allen auf sich warten und ist auch nach einem Jahr noch nicht in Sicht. Da auch das Intensivprogramm demnach eine beschränkte Wirkung hat, ist der wahre Nutzen nun fraglich.

Ein Schleudertrauma heilt auch ohne intensive Therapie

Viele Menschen, die ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule erleiden, klagen über große Schmerzen, teilweise auch noch Jahre nach dem Unfall.

Die Folgen eines Schleudertraumas lassen sich mit einer intensiven Beratung in der Notaufnahme und einer Physiotherapie allerdings kaum lindern, so lautet das Fazit einer englischen Studie mit dem Namen MINT ("Managing Injuries of the Neck Trial"). Patienten mit einem Schleudertrauma können der Studie zufolge mit Schmerzmitteln ausgestattet ohne weiteres aus der Notfallambulanz entlassen werden.

Im ersten Teil der Studie wurden Patienten mit einem Schleudertrauma in der Ambulanz entweder ausgiebig beraten, oder von den guten Heilungschancen überzeugt und zu einem schnellen Übergang ins normale Alltagsgeschehen ermuntert. Die Art der Behandlung machte dabei laut der Studie keinen Unterschied, wie schnell sich die Patienten erholten.

Auch die Verschreibung einer umfassenden Physiotherapie erzielte über einen längeren Zeitraum hinweg praktisch keine Wirkung, wie der zweite Teil der Studie deutlich machte. Demnach stehen die Kosten einer Beratung und Phyisiotherapie laut den Medizinern in keiner Relation zu den erwünschten Ergebnissen.

Schleudertrauma mit Langzeitfolgen: Individuelle Therapien helfen kaum gegen chronische Schmerzen

Junge Frau in türkisem Shirt fasst sich an den Hals
Grippe, Halsschmerzen, Krankheit © underdogstudios - www.fotolia.de

Bei einem Schleudertrauma wird die Halswirbelsäule (kurz HWS) verletzt, da der Körper eine ungesunde Beschleunigung erfahren hat. Oft sind Unfälle mit dem Auto schuld an diesen Verletzungen, allerdings können auch ungünstige Stürze dazu führen. Dabei werden durch die heftige Bewegung die Muskeln, die Sehnen und die Bänder im Bereich der HWS verletzt.

Da gerade die Wirbelsäule derartige Verletzungen schlecht verarbeiten kann, ist nach dem Unfall eine Therapie nötig. Allerdings sind diese Behandlungen nicht in jedem Fall mit Erfolg gekrönt. Es gibt Patienten, die trotz Reha ein sogenanntes "chronisches Schleudertrauma-Syndrom" entwickeln. Ihnen bleiben Kopfschmerzen, Schwindel und Unwohlsein erhalten.

Mediziner versuchen bereit seit längerer Zeit mit maßgeschneiderten Therapien dagegen anzugehen. Statt jedem nur die normale Physiotherapie und Beratungsgespräche anzubieten, wird die Betreuung genau auf die Beschwerden abgestimmt. Gangunsicherheiten müssen beispielsweise anders therapiert werden als Verspannungskopfschmerzen.

Doch offenbar können auch individuelle Behandlungen recht häufig versagen. Zu diesem Schluss kommt zumindest eine aktuelle Erhebung. Bis zu 60 Prozent der Patienten entwickeln aus dem Schleudertrauma heraus chronische Beschwerden und das unabhängig davon, ab die Standardtherapie oder ein individuelles Konzept zum Einsatz kam. In einer aktuellen Studie wurden dabei 101 Betroffene versorgt, wobei nur 52 die übliche Therapie bekamen. Die anderen 49 Patienten wurden je nach Symptomen behandelt.

Dennoch erging es allen Probanden nach sechs Monaten recht ähnlich. Bei allen Teilnehmern waren die akuten Schmerzen deutlich besser geworden. Es hatten sich aber chronische Probleme gebildet und zwar bei 64 Prozent derer in der Standard-Gruppe und bei 49 Prozent jener aus der Individual-Gruppe. Man wartete weitere sechs Monate und nach einem Jahr betrug das Verhältnis schließlich 56 Prozent zu 45 Prozent. Statistisch gesehen sind dieser Unterschiede zu gering, um eine medizinische Empfehlung der individuellen Therapien zu geben, so die Forscher.

Viele Mediziner bezweifeln nach einem Schleudertrauma schwere Beschwerden

Schleudertrauma - Sichere Diagnose oft nur durch teure Magnetresonanztomografie möglich

Grauhaariger Arzt in Arztpraxis zeigt Patientin Modell einer Wirbelsäule
a chiropractor showing a patient a model of spine © tomas del amo - www.fotolia.de

Etwa die Hälfte der Patienten, die bei einem Unfall ihre Halswirbelsäule verrenkt haben, übertreiben ihre Beschwerden massiv. Das zumindest behauptet der Gutachter Professor Andreas Stevens, Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Tübingen.

Überbetonung der Beschwerden können durch erfahrene Ärzte erkannt werden

„Mein Eindruck ist, dass das Simulieren, also das Erfinden von Symptomen, bei der Erstuntersuchung nicht stattfindet“, sagt aber Professor Matthias Keidel, Psychologe und Neurologe an der Klink für Neurologie am Bezirkskrankenhaus Bayreuth in der Apotheken Umschau.

Spätere Versuche einer Überbetonung hält er aber für durchaus möglich. Ein erfahrener Arzt könne dies jedoch erkennen. Etwa ob Mimik und Schmerzäußerungen mit dem Tastbefund übereinstimmen.

Mögliche Schleudertraumata sind kaum objektivierbar

Das Problem der Untersucher: Die möglichen Verletzungen der in der Fachsprache als HWS-Distorsion oder Schleudertrauma bezeichneten Unfallfolgen sind kaum objektivierbar. Autopsien verstorbener Patienten haben allerdings Verletzungen der Nackenwirbelsäule gezeigt, welche die Beschwerden durchaus erklären. Auch Untersuchungen per Magnetresonanztomografie konnten die Schmerzen schon erklären. Das teure Verfahren wird aber nur selten als gerechtfertigt angesehen.

So kommt es immer wieder zwischen Patienten und Versicherungen zu langen Auseinandersetzungen über Entschädigungs-Forderungen, in denen beide Seiten scheinbar schlüssige Gutachten vorlegen. Weil Simulieren offensichtlich möglich und die wissenschaftliche Einschätzung so umstritten ist, kämpfen die Versicherungen mit harten Bandagen. Manch ein tatsächlich Geschädigter wird dabei zu Unrecht zu den Verlierern gehören.

Keine Halskrause mehr nach Schleudertrauma

Junger Physiotherapeut behandelt eine junge Patientin mit Dutt wegen Nackenschmerzen
physiotherapeut behandelt eine patientin mit nackenschmerzen © contrastwerkstatt - www.fotolia.de

Ein Schleudertrauma kann entstehen, wenn der Kopf ruckartig und sehr heftig bewegt wird, etwa bei einem Auffahrunfall. Die Folgen können erst nach Tagen bemerkbar sein. Man hat dann leichte Kopfschmerzen, eine verspannte Nackenmuskulatur, Schwindelgefühle, Sehstörungen und einen unsicheren Gang.

Ohne Behandlung können diese Folgen chronisch werden, warnt Ute Repschläger, Vorsitzende des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten in Bochum. Man ist heute der Meinung, dass ein Ruhigstellen durch eine Halskrause eher schadet als wirkt. Daher verwendet man in der Regel kinesiologische Tapes, die wie Heftpflaster am Hals befestigt werden und durchblutungsfördernd und schmerzlindernd wirken. Außerdem versucht man mit Hilfe manueller Therapien, Wärme- und Kälteanwendungen, sowie muskelstabilisierenden Übungen, den Hals zu stärken, sagt Repschläger.

Vorbeugung

Spezielle Vorbeugemaßnamen gegen ein Schleudertrauma sind nicht möglich. Nur die Vermeidung von Unfällen im Straßenverkehr oder beim Sport schützen vor einem Schleudertrauma.

Im Auto kann die optimale Einstellung der Kopfstütze hilfreich sein. Ideal ist ein Abstand von zwei Zentimetern zwischen Kopf und Kopfstütze.

Grundinformationen zum Schleudertrauma

  • Schleudertrauma - Ursachen, Symptome und Behandlung

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Kategorien:

Quellenangaben

  • Bildnachweis: man x-ray with neck bones highlighted © adimas - www.fotolia.de
  • Bildnachweis: Arzt schaut Röntgenbild an © Kzenon - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

Weitere Artikel zum Thema