Ergotherapie - Anwendung, Ablauf und Behandlung

Frau mit rotem Polishirt und schwarzer kurzer Hose auf rotem Hocker, die Beine zur Seite, Hände am Knie und an der Hüfte

Die Durchführung der Ergotherapie zur Förderung von physischen und psychischen Fähigkeiten

Als Ergotherapie bezeichnet man verschiedene Arbeits- und Beschäftigungstherapien. Auf diese Weise sollen eingeschränkte physische oder psychische Fähigkeiten gefördert und wiederhergestellt werden.

Ziel und Zweck

Der Sinn einer Ergotherapie ist, bestimmte Tätigkeiten eines Patienten, die handwerklicher, künstlerischer oder praktischer Natur sein können, zu trainieren. Ebenso wird der Umgang mit anderen Menschen geübt.

Auf diese Weise soll der Patient wieder so selbstständig wie möglich im Beruf oder im Alltag werden.

Anwendungsgebiete

Die Art der Therapie hängt dabei von den Fähigkeiten, der Motivation und den entstandenen Defiziten ab. Behandelt werden vor allem Menschen mit:

Multiple Sklerose

Ein häufiges Anwendungsgebiet ist Multiple Sklerose (MS). Bei dieser Krankheit leiden zahlreiche Patienten unter

wodurch auch die Motivation in Mitleidenschaft gezogen wird. Mit Hilfe einer Ergotherapie soll MS-Patienten eine möglichst lange Unabhängigkeit ermöglicht werden, damit sie ihren Alltag ohne fremde Hilfe bewältigen können.

Therapieformen

Eine Ergotherapie ist sowohl physischer als auch psychischer Natur, es sollen also Körper und Geist trainiert werden. Die Ergotherapie kann

erfolgen, was auch von der jeweiligen Einschränkung und Belastbarkeit des Patienten abhängt. Die Behandlungen werden

angeboten. Die Therapie kann auch als Heilverfahren ärztlich verordnet werden.

Ziel der Ergotherapie

Ziel der Ergotherapie ist dabei die Wiederherstellung oder Verbesserung von verloren gegangenen Fähigkeiten wie:

Therapiemaßnahmen

Zu der Therapie gehören:

  • Stimulationen der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen
  • Training der Greiffunktionen der Hände
  • Verbesserungen der Orientierungs- und Konzentrationsfähigkeiten
Anzug wird angezogen
Herstellung der Koordination des Patienten in alltäglichen Dingen

Auch ganz alltägliche Dinge wie Essen, Anziehen oder Waschen werden geübt.

Dabei versuchen die Therapeuten auch den Patienten dazu zu bringen, dass er falsche oder kraftraubene Bewegungen oder Körperhaltungen unterlässt. Stattdessen werden Bewegungen geübt, die weniger Kraftaufwand erfordern.

Alternativ kann der Patient auch lernen mit seinen Handicaps umzugehen und entsprechende Bewegungen üben.

Übungen

Die Art der Übungen hängt auch von den Bedürfnissen des Patienten im Alltag ab. Durch das Arbeiten mit

  • Therapieknete
  • Steckspielen oder
  • Salzteig

werden Fingerspitzengefühl und Feinmotorik gefördert. Für die Verbesserung der Handbewegungen malt der Patient Kreise oder bestimmte Muster auf.

Um das Gedächtnis und die Konzentration zu verbessern, werden

  • Denksportaufgaben oder
  • konzentrationsförderne taktische Spiele

durchgeführt.

Ergotherapie in der Neurologie

Bei Anwendung der Ergotherapie in der Neurologie werden in erster Linie Krankheiten des zentralen Nervensystems (ZNS) behandelt, denn vor allem neurologische Erkrankungen erweisen sich oftmals als sehr komplex und langwierig. Beispiele sind:

Ergotherapie in der Orthopädie oder Traumatologie

In diesem medizinischen Bereich kommt eine Ergotherapie zur Anwendung bei:

Ziel ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit und die Kräftigung der Muskulatur des Patienten. Außerdem lernt der Patient sich möglichst schmerzlos und schonend zu bewegen. Auch der Umgang mit Hilfsmitteln wie

  • Haushaltshilfen
  • Handschienen oder
  • Prothesen

wird geübt.

Ergotherapie bei geistiger Behinderung

Bei einer geistigen Behinderung des Patienten ist vor Beginn der Therapie eine genaue Überprüfung der individuellen Lebensgestaltungsmöglichkeiten und Perspektiven erforderlich. Der Patient erhält durch die Ergotherapie bestimmte Erfahrungen, die er benötigt, sich aber nicht selbst aneignen kann.

Zu diesem Zweck werden unterschiedliche Behandlungen durchgeführt:

  • Wahrnehmungsbehandlungen
  • basale Stimulationen
  • physiotherapeutische Übungen
  • Behandlungen von gestörter eigener Körperwahrnehmung
  • Training der Arbeitsfähigkeit

Ergotherapie in der Altersheilkunde

In der Altersheilkunde (Geriatrie) dient eine Ergotherapie der Verbesserung von altersbedingt eingeschränkten psychischen, physischen und psychosozialen Fähigkeiten.

Dabei werden:

  • motorische Fähigkeiten und die Erhaltung der Grundmobilität gefördert
  • geistige Fähigkeiten wie Konzentration oder Gedächtnis trainiert
  • Kommunikation, Orientierung und Kontaktfähigkeit verbessert
  • Hilfestellungen bei seelischen Problemen gegeben

Ergotherapie bei psychischen Störungen

Hierbei werden Menschen mit psychischen Störungen oder Krankheiten behandelt, wie zum Beispiel:

Auch Suchterkrankungen jeglicher Art werden im Rahmen einer Ergotherapie behandelt. Dabei fördert und trainiert man vor allem:

  • Motivation
  • Ausdauer
  • Belastbarkeit
  • Selbstständigkeit
  • Flexibilität
  • situationsgerechtes Verhalten
  • Interaktionsfähigkeit
  • Realitätsbezogenheit
  • psychische Stabilität
  • eigenständige Lebensführung

Verloren gegangene Fähigkeiten sollen wiederhergestellt werden.

Ergotherapie in der Kinderheilkunde

Kind zeichnet auf Tafel
Soll eine gestörte Entwicklung des Kindes wieder ausgleichen und die Defizite verbessern

In der Kinderheilkunde (Pädiatrie) kommt eine Ergotherapie bei körperlichen oder geistigen Einschränkungen von Kindern und Jugendlichen zur Anwendung. Ziel ist die Verbesserung von gestörten Bereichen. Dabei werden:

  • Koordination und Bewegungsabläufe verbessert
  • Ausdauer, Konzentration und kognitive Fähigkeiten trainiert
  • die Sinneswahrnehmung verbessert
  • Neugier und Motivation gestärkt

Arbeitstherapie

Im Rahmen einer Arbeitstherapie wird der Wiedereinstieg in das Berufsleben geübt. Dies geschieht bei Patienten, die unter physischen, psychischen oder geistigen Einschränkungen leiden. Dabei werden:

  • Konzentrationsfähigkeit, Zeitstrukturierung und Ausdauer trainiert
  • Anpassungsfähigkeit, Kontaktfähigkeit und Durchsetzungsvermögen geübt
  • Entscheidungsfähigkeit und Selbstvertrauen gestärkt
  • physische Belastbarkeit, Geschicklichkeit und Feinmotorik verbessert
  • Schreiben, Rechnen und Organisationsfähigkeit trainiert

Risiken und Komplikationen

Risiken und Komplikationen sind bei der Ergotherapie nicht bekannt. Es kann aber in manchen Fällen zur Überforderung von einzelnen Patienten kommen.

Grundinformationen zur Ergotherapie

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Quellenangaben

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Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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