Ödeme - Ursachen und Behandlung

Von Ödemen spricht man, wenn sich Wasser im Körper einlagert. Dies kann bei verschiedenen Erkrankungen geschehen.

Die Entstehung von Ödemen und wie man sie behandeln und lindern kann

Ursachen

In der Schwangerschaft leiden viele Frauen unter Wassereinlagerungen in den Beinen. Nach der Schwangerschaft verschwinden diese Ödeme jedoch wieder.

Auch durch falsche Ernährung kann ein Ödem entstehen. Einseitige Diäten mit einer sehr geringen Eiweißaufnahme können beispielsweise zu den Wassereinlagerungen führen.

Beispiel Lymphödem

Von einem Lymphödem spricht man, wenn es zu einer übermäßigen Ansammlung von Wasser im Gewebe kommt. Dabei tritt zu viel Lymphe (Gewebewasser) in den Interstitium (Zellzwischenraum) aus, die nicht abfließen kann. Durch die Stauung der Lymphe bildet sich eine Schwellung.

In den meisten Fällen entstehen Lymphödeme an Armen und Beinen. Sie können aber auch am ganzen Körper auftreten. Das Ansammeln des Gewebewassers führt dazu, dass der Abstand zwischen den Blutgefäßen und den Körperzellen immer größer wird, und die Zellen nicht mehr in genügendem Maße mit Nährstoffen versorgt werden.

Primäre und sekundäre Lymphödeme

In der Medizin unterscheidet man bei Lymphödemen zwischen primären und sekundären Ödemen.

Primäre Lymphödeme sind angeboren. So entwickelt sich jedes zehnte Ödem durch eine angeborene Fehlbildung des Lymphgefäßsystems. Häufig wird diese Veranlagung vererbt, sie kann aber auch eine Begleiterscheinung von anderen Erbkrankheiten sein oder ganz spontan auftreten. Besonders betroffen von primären Lymphödemen sind Frauen.

Wesentlich verbreiteter als primäre Lymphödeme sind sekundäre Lymphödeme, die erst im Laufe des Lebens erworben werden. Zu einem sekundären Ödem kommt es meist durch Erkrankungen oder ärztliche Behandlungen, die dazu führen, dass die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abfließt. Dabei kann es sich um

handeln.

Mögliche Symptome und die verschiedenen Stadien

Nicht immer lassen sich die ersten Anzeichen eines Lymphödems erkennen. Mögliche Hinweise auf ein Ödem können

  • Kribbeln
  • leichte Taubheit
  • Spannungs- und Druckgefühle oder
  • Hautverfärbungen an der betroffenen Körperstelle

sein. In der Medizin wird ein Lymphödem in vier unterschiedliche Stadien eingeteilt.

  • Im Stadium 0, das auch als Latenzstadium bezeichnet wird, lässt sich noch keine sichtbare Schwellung erkennen. Eine Störung der Lymphgefäße kann man nur durch eine spezielle Funktions-Lymphszintigraphie feststellen.

  • In Stadium I kommt es zu einer weichen Schwellung, bei der sich eine Delle bildet, wenn man auf sie drückt. Manchmal verschwindet die Delle wieder mit der Zeit. Gewebeveränderungen bilden sich in diesem Stadium noch nicht.

  • Um Stadium II handelt es sich, wenn die Delle an der betroffenen Körperstelle nur noch schwer eingedrückt werden kann. Außerdem entsteht um das Lymphödem herum überschüssiges Bindegewebe. Die Schwellung lässt sich nicht mehr zurückdrängen.

  • Im letzten Stadium, Stadium III, kommt es zu einer Vergrößerung des betroffenen Körperteils, dessen Form sich verändern kann. Des Weiteren fühlt sich die Haut hart an. In diesem Stadium besteht die Gefahr, dass es zu Hautentzündungen und tiefen Wunden kommt.

Erkrankungen

Eine Wassereinlagerung kann sich dann bilden, wenn das Herz des Patienten nicht mehr richtig arbeitet. Dies ist zum Beispiel bei einer Herzinsuffizienz der Fall. Die Wassereinlagerungen kommen hier überwiegend in den Beinen vor.

Patienten mit schweren Lebererkrankungen, wie zum Beispiel einer Leberzirrhose, leiden unter Wasser im Bauchbereich. Zu einer Leberzirrhose kann es durch jahrelangen und sehr hohen Alkoholkonsum kommen.

Arbeiten die Nieren nicht mehr richtig, so kann das Wasser aus dem Körper nicht mehr ausgeschieden werden und es kommt in der Folge zu Ödemen besonders im Gesicht. Dies ist zum Beispiel bei der Niereninsuffizienz der Fall.

Menschen, die hungern oder krankheitsbedingt (z.B. Patienten mit Magersucht) zu wenig Nahrung zu sich nehmen, können dadurch ebenfalls ein Ödem verursachen, wenn zu wenig Eiweiß aufgenommen wird.

Komplikationen

Werden die Wasseransammlungen im Körper durch eine Grunderkrankung verursacht, besteht die Gefahr, dass sie einen chronischen Verlauf nehmen. Dabei verhärten sich die Ödeme, was wiederum zu Schmerzen führt.

Erfolgt keine Therapie der Ödeme, kann es zur Bildung von offenen Stellen kommen. Dadurch steigt wiederum die Gefahr, dass Geschwüre oder Nekrosen entstehen, die aufgrund der verminderten Durchblutung nur schlecht heilen. Mitunter ist dann sogar ein operativer Eingriff nötig.

Wann zum Arzt?

In den meisten Fällen sind Ödeme harmlos und verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Als bedenklich gelten jedoch Wasseransammlungen im Bauch sowie in den Atemwegen. Wer darunter leidet, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen.

Ein Arztbesuch ist außerdem notwendig, wenn das Ödem nicht wieder verschwindet oder der Patient unter weiteren Beschwerden wie

leidet.

Diagnose

Geht das Ödem nicht von selbst wieder zurück, muss die betroffene Person einen Arzt aufsuchen. Dieser verschafft sich zunächst wichtige Informationen.

Anamnese

Begonnen wird eine Untersuchung von Ödemen mit der Befragung des Patienten. Dabei erkundigt sich der Arzt danach,

  • seit wann dieser unter den Wasseransammlungen leidet
  • ob er Schmerzen hat
  • ob Allergien oder Vorerkrankungen bestehen und
  • welche Arzneimittel eingenommen werden.

Körperliche Untersuchung

Nach der Befragung erfolgt eine körperliche Untersuchung. Dabei achtet der Arzt besonders auf Veränderungen an den Venen, die die Ursache eines Ödems sein können. Dazu gehören zum Beispiel Krampfadern. In der Regel ist das Ödem leicht zu erkennen.

Die mögliche Ursache der Wasseransammlungen lässt sich häufig auf deren Standort zurückführen. Beispielsweise deuten Ödeme in den Beinen auf Erkrankungen der Venen oder ein Herzproblem hin, während Bauchwassersucht zumeist durch einen Leberschaden hervorgerufen wird.

Darüber hinaus finden auch Untersuchungen von Blut und Urin statt. Auf diese Weise werden die Eiweißwerte und die Elektrolytwerte kontrolliert.

Weitere Verfahren

Je nachdem, welche Ursachen der Arzt für die Wassereinlagerungen annimmt, können weitere Untersuchungen erfolgen. Dazu gehören

Behandlung

Ödeme werden auf verschiedene Art und Weise behandelt. Wichtig ist es, die Ursache herauszufinden. So kann beispielsweise eine Lymphdrainage helfen, wenn das Ödem durch gestaute Lymphflüssigkeit entstanden ist. Zudem kann der Arzt verschiedene Medikamente verordnen, um die Ödeme zu lindern oder zu heilen.

Auch die Naturheilkunde bietet etliche Präparate zur Behandlung von Ödemen an. Diese sollten jedoch nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. Häufig enthalten die Medikamente den Wirkstoff der Brennnessel.

Patienten, die aufgrund des Ödems unter starker Atemnot leiden, müssen mit dem Oberkörper hochgelagert werden und erhalten Sauerstoff. Die Behandlung erfolgt auf der Intensivstation eines Krankenhauses.

Auch eine Dialyse (Blutwäsche) kann notwendig werden, wenn die Ursache des Ödems in einer verminderten Nierenleistung liegt. Hat sich Wasser im Bauchraum gesammelt, so muss dieses punktiert (abgelassen) werden. Der Patient merkt dann bereits nach kurzer Zeit eine Erleichterung.

Selbsttherapie

Gegen Wasseransammlungen im Körper kann man auch selbst vorgehen. Dazu gehört zum Beispiel die verstärkte Zufuhr von Flüssigkeit. Bei Flüssigkeitsmangel speichert der Körper jeden Wassertropfen in sich.

Trinkt der Patient dagegen viel, ist der Organismus imstande, mehr Flüssigkeit und gleichzeitig auch Salze auszuscheiden. Das Ausscheiden der Salze sorgt dafür, dass weniger Wasser im Körper gespeichert werden kann.

Darüber hinaus ist es wichtig, sich salzarm zu ernähren. Eine weitere Maßnahme ist die Zufuhr des wichtigen Mineralstoffs Kalium, der ein Gegengewicht zu Natrium bildet. Kaliumreiche Lebensmittel sind

Hausmittel

Zu den bewährten Hausmitteln gegen Ödeme gehört das Trinken von Entwässerungstees, die zudem reichlich Kalium enthalten. Dazu zählen vor allem grüner Tee und Brennnesseltee. Eine entwässernde Wirkung haben zudem Lebensmittel wie

Ebenfalls hilfreich ist die Förderung der Durchblutung. Zu diesem Zweck sollten regelmäßige Wechselduschen erfolgen, die sich positiv auf die Abnahme der Ödembildung auswirken.

Wer unter Ödemen in den Beinen leidet, ist gut beraten, diese am Abend mindestens 60 Minuten lang hochzulegen. Auf diese Weise kann das angelagerte Wasser aus den Gliedmaßen in Richtung Herz fließen. Von dort aus gelangt es in den Kreislauf und schließlich über die Nieren aus dem Körper.

Gegen Wassereinlagerungen in den Beinen hat sich auch das Anlegen von speziellen Stützstrümpfen bewährt. Um zu verhindern, dass Wasser in die Beine gerät, wird empfohlen, die Stützstrümpfe schon kurz vor dem Aufstehen anzuziehen.

Ebenfalls wichtig ist reichlich Bewegung. So lässt sich dadurch ebenfalls verhindern, dass es zu Wassereinlagerungen in den Beinen kommt. Es empfiehlt sich, wenigstens dreimal in der Woche mit dem Fahrrad zu fahren, zu joggen oder zu walken.

Vorbeugung

Als Vorbeugung zur Verhinderung von Ödemen werden simple Maßnahmen empfohlen. Dazu gehören

Wichtige Vitamine und Mineralstoffe erhält man durch den Verzehr von Zitrusfrüchten, Kiwis, Ananas und Mangos. Für Entwässerung sorgen unter anderem Salat, Petersilie, Erdbeeren und Spargel.

Darüber hinaus sollte man sich

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