21. April 2009
Von Viola Reinhardt
Es gibt Tage als Frau die man am liebsten aus dem Kalender streichen würde. Alles ist einem zuviel, alles nervt und am meisten man sich selber. Andere verstehen das nicht, besonders auch der eigene Partner und werfen einem Launighaftigkeit vor. Nein, mit den Launen hat das nichts zutun, aber mit dem Körper und den Hormonen.
Vier bis vierzehn Tage vor den Tagen, sprich der Menstruation, geht es los. Eine leichte Nervosität macht sich breit, wegen jeder Kleinigkeit ist man auf Hundertachtzig, die Brüste spannen und man weiß nicht ob man nun lieber heulen soll oder einfach nur davonlaufen. Leider würde letzteres vielleicht den Familienmitgliedern oder auch den Kollegen ruhige Tage bescheren, aber man selber ist in sich gefangen. Und fast gnadenlos den Vorgängen im eigenen Körper ausgesetzt.
Prämenstruelles Syndrom heißen die Tage vor den Tagen und belasten besonders Frauen ab dem alter von etwa 30 Jahren. Rund ein Viertel der betroffenen Frauen geben ernste Symptome an und weitere etwa 8% sogar schwere Anzeichen und Beschwerden. Diese besonders schwere Form wird im medizinischen Prämenstruelles dysphorisches Syndrom, kurz PMDS, genannt und führt zu erheblichen Störungen im eigenen Umfeld.
Die Liste der möglichen Symptome ist ewig lang und zeigt sich selten nur mit einem Symptom, sondern vielmehr in einer Kombination aus vielen: Kopf- und Rückenschmerzen, Müdigkeit, Nervosität, Wasseransammlungen, Schmerzen und Schwellungen in den Brüsten, Ohnmacht, Schwindel, Magen-Darmbeschwerden, Krämpfe im (Unter-) Bauch, Völlegefühl, Hautveränderungen und, und, und. Diese sind nur die körperlichen Anzeichen eines PMS, denn mit den seelischen steht es nicht besser.
Hyperaktivität oder Desinteresse, Depressionen, Reizbarkeit, Angstzustände, Aggressivität, Heißhungerattacken oder auch eine Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen sind die häufigsten Beschwerden an den Tagen vor den Tagen. Und Frau ist machtlos. Die Familie, sprich der Partner, auch, denn keiner kann nur annähernd nachempfinden was in der Frau vorgeht. Wie auch, denn oft weiß die betroffene Frau selber nicht was mit ihr los ist. Fauler Zauber? Ein Fluch? Nein, körperliche Vorgänge, die sich etwa darin zeigen dass etwa in der Mitte des Zyklus mehr Gestagen und weniger Östrogene produziert werden. Interessanterweise bleiben die Symptome eines Prämenstruellen Syndroms aus, wenn zum Beispiel durch Medikamenteneinnahme oder auch Operationen die Regelblutung ausbleibt.
Doch selbst die Wissenschaft kann keine eindeutigen Ursachen in Bezug des PMS erbringen und so bleibt Frau fast nur entweder auszuhalten oder mit einigen kleinen Maßnahmen die Tage vor den Tagen etwas leichter und friedlicher zu gestalten.
Bewegung tut gut. Ob man stramme Spaziergänge in die Natur unternimmt oder sich beim Aerobic oder einer anderen Sportart austobt ist fast nebensächlich, Hauptsache ist man bewegt sich. Dadurch wird nicht nur die Aggressivität abgebaut, sondern auch das überschüssige Wasser im Gewebe, dass die Beine und Brüste schmerzhaft anschwellen lässt. Nettes Plus: Die sozialen Beziehungen müssen weniger leiden. Hinsichtlich der Ernährung sollte man einmal ausprobieren auf Salz weitestgehend zu verzichten, ebenso auf Koffein, Schokolade oder Alkohol. Entspannungsmethoden können ebenfalls eine Hilfe sein, sowie die Unterstützung mit chemischen oder pflanzlichen Medikamenten. Erstere sind beispielsweise die Pille, Hormonbehandlungen, Schmerzmittel, Vitamin E und/oder B6 oder auch Wasserausschwemmende Arzneien. Im pflanzlichen Bereich wirken Mönchspfeffer, Johanniskraut, Nachtkerzenöl, Baldrian oder auch Traubensilberkerze, wobei man erwähnen muss, dass die Wirkung mitunter erst nach drei Wochen einsetzen kann. Körperschonender sind sie auf jeden Fall. Wenn die Beschwerden überhand nehmen, dann kann auch eine Psychotherapie hilfreich sein, denn manchmal zeigt sich das Syndrom besonders dann stark, wenn "unerledigte Probleme" auf der Frau lasten.
Wie auch immer, das Prämenstruelle Syndrom ist lästig, aber keine richtige Krankheit. Warum der weibliche Körper so reagiert steht nach wie vor in den wissenschaftlichen Sternen, aber bei allem gibt es auch einen Trost: Mit dem Eintritt der Menopause, also den Wechseljahren, verschwinden auch die Symptome wie fast von Geisterhand und lassen im Leben der Frau und der Familie dauerhaft Frieden einkehren und nicht nur alle vierzehn Tage.
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