18. August 2008
(dgk) Die positive Wirkung von grünem Tee ist Wissenschaftlern schon lange bekannt – auch dass er wahrscheinlich beispielsweise vor der Alzheimer-Krankheit schützen kann. Nun haben deutsche Forscher die bislang vermutete Erklärung dafür erhärtet und in Laborversuchen gezeigt, dass die Schutzwirkung der im grünen Tee enthaltenen Substanz EGCG (Epigallocatechin-3-gallat) zu verdanken ist.

Foto: Stephan Ausmus (USDA)
Sie verhindert offenbar jenen Prozess, der Alzheimer oder auch Parkinson verursacht: EGCG bewirkt, dass statt der für die Krankheiten typischen giftigen Eiweißablagerungen (sogenannte Plaquebildungen) lediglich ungiftige und damit für die Nervenzellen harmlose kugelige Eiweißhaufen entstehen.
EGCG bildet den Hauptbestandteil des grünen Tees. In 100 Gramm grünem Tee sind 9 bis 13 Gramm EGCG enthalten. Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin entdeckten in ihren Versuchen nun, dass EGCG in einer frühen Phase direkt an sogenannte ungefaltete Eiweiße bindet und damit verhindert, dass sich Fehlfaltungen bilden. Solche Proteinfehlfaltungen führen in einem mehrstufigen Prozess letztlich zu gefährlichen Eiweißablagerungen, die für die Nervenzellen giftig sind und sie absterben lassen. So gelten Proteinfehlfaltungen als Auslöser von Parkinson, der Alzheimer-Krankheit und auch von Chorea Huntington. Zwar bildeten sich auch mit EGCG Proteinablagerungen, wie sie bei Alzheimer und Parkinson vorkommen, diese sind jedoch nach Angaben der Forscher offenbar harmlos, wie Tests ergeben hätten.
Die Berliner Wissenschaftler gehen davon aus, dass EGCG und ähnliche Substanzen für die künftige Entwicklung von Medikamenten gut geeignet sind, um sowohl gegen degenerative Nervenerkrankungen als auch weitere Krankheiten, bei denen sich Eiweißablagerungen bilden (wie Alzheimer oder Parkinson), eingesetzt zu werden.
Bereits in der Vergangenheit gaben mehrere wissenschaftliche Studien Hinweise auf die schützende Wirkung von grünem Tee und seiner Substanz EGCG. Seine vielen positiven Eigenschaften sind vermutlich auf seinen hohen Anteil an Antioxidantien zurückzuführen. Diese Stoffe sind in der Lage, sogenannte freie Radikale (kurzlebige, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen) "einzufangen", die im Körper gesundheitlichen Schaden anrichten können. Ein solcher effektiver "Radikalfänger" ist das im grünen Tee enthaltene EGCG.
Quellen:
Max-Delbrück-Centrum: Substanz EGCG in grünem Tee verhindert tödliche Plaquebildung bei Parkinson und Alzheimer (PM Nr. 26, 30. Mai 2008), www.mdc-berlin.de/
Nature Structural & Molecular Biology 15, 558 - 566 (2008), doi:10.1038/nsmb.1437: EGCG redirects amyloidogenic polypeptides into unstructured, off-pathway oligomers, www.nature.com/
Dr. Petra Plößer, Wie grüner Tee das Tumorzellwachstum hemmt, Teatime ist gesund!, 30.04. 2004, www.thieme.de/
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