21. Februar 2006
Von Chianty
"Schrecklich dünne Mädchen, die fast nichts essen und sich immer viel zu dick fühlen", so oder so ähnlich lautet bei vielen Menschen die Definition einer Magersucht. Und was sagen Menschen, die sich direkt oder indirekt etwas besser auskennen?
Eine Magersucht beginnt nicht damit, ganz dünn zu sein. Eine Magersucht beginnt erst einmal im Kopf. Einige Betroffene sind tatsächlich zunächst dick oder einfach dicker als andere, vergleichbare Personen, halt pummelig. Andere sind objektiv gesehen überhaupt nicht dick, vielleicht sogar schlank.
Ihnen allen gemein ist, daß sie abnehmen wollen. Einige beginnen ganz klein: sie essen nur noch zu den Mahlzeiten, sparen das Abendbrot aus oder essen ab 14 Uhr einfach nichts mehr. Wieder andere ersetzen zunächst Süßes mit Obst, lassen die Soßen weg. Die Abnahme, die oft zu Anfang recht schnell vonstatten geht, gibt das Gefühl, Erfolg zu haben. Positive Rückmeldungen des Umfeldes tun gut, sporen zum Weitermachen an.
Und dann? Dann wird die Banane durch einen Apfel ersetzt, der Apfel schließlich weggelassen. Der Milchkaffe wird zum Kaffee mit Milch, die normale Vollmilch durch fettarme Milch ersetzt. Dann wird die Milch weggelassen. Der Zucker wird durch Süßstoff ersetzt, der Cappuccino durch Kaffee, der Kakao mit Wasser angerührt. Von der Salatbeilage wird viel gegessen, das Hauptgericht reduziert, später weggelassen und die Salatportion wird kleiner.
Nicht alle, aber doch viele Magersüchtige haben bulimische Phasen. Sie haben nichts mit Kontrollverlust oder Disziplinlosigkeit zu tun. Es handelt sich im Grunde um eine normale Reaktion des Körpers. Er verlangt nach dem, was ihm so lange vorenthalten wurde. Das schlechte Gewissen kann - muss aber nicht - das selbstinduzierte Erbrechen zur Folge haben.
Eine weitere Hungerphase, Abführmittelmissbrauch oder exessiver Sport können ebenfalls als "Möglichkeit, die Kalorien wettzumachen" genutzt werden. Abführmittelmissbrauch ist in allen Sparten der Essstörungen vertreten. Entgegen der Hoffnung der Konsumenten führt ein Abführmittel nicht zur wirklichen Gewichtsabnahme, sondern lediglich zum Wasserverlust. Die Nährwerte nimmt der Körper auf, noch bevor das Abführmittel wirkt. Es wirkt erst im Darm, die Nahrung wird schon in Mund und Magen verarbeitet. Abführmittel geben nur das trügerische Gefühl, alles schnell loszuwerden und somit wieder "leer" zu sein.
Daß Magersüchtige nichts essen stimmt nicht, dann würden sie nicht lange leben. Sie reduzieren ihre Nahrung einfach nur sehr stark. Viele trinken große Mengen, bevorzugt Tee oder Wasser. Diese entwässern zum einen und hemmen zum anderen das Hungergefühl. Auch Flüssigkeiten füllen den Magen.
Vorweg, es ist tatsächlich so, dass man irgendwann den Bezug zur Realität verliert, was die eigene Figur angeht! Betroffene sehen sich nicht dünner. Sie sehen vielleicht die rausstehenden Knochen, aber sie sehen auch all das, was über den Knochen sitzt, was dazwischen zu erkennen ist. Sie sehen sich zu dick. Irgendwann wird jedem klar, daß er objektiv gesehen nicht dick sein kann. Gründsätzlich wissen sie es. Umso schlimmer ist es, es selbst nicht einschätzen zu können. Wenn nun jemand kommt und sagt "du bist zu dünn", dann kann das nachdenklich machen. Es kann aber auch ein weiterer Ansporn sein "Mein Weg führt zum Erfolg".
Wenn diese Person nun 5 kg zunimmt und immer noch "zu dünn" sein soll, so fragt sie sich, wie ernst es jemand meint, ob es nur aus Rücksicht gesagt wird. Daran zu glauben fällt schwer, wenn man sich alles andere als dünn fühlt und sieht. Die allgemeinen Maße gelten für Magersüchtige nicht. Der Vergleich des Gewichtes mit anderen macht nur unsicher. Sie zweifeln daran, wie aussagekräftig diese Angaben sind. Als Nichtbetroffener ist das schwer vorzustellen... Diese sogenannten "Körperschemastörungen" betreffen nicht nur Untergewichtige. Auch normalgewichtige Essgestörte können sie aufweisen. Zum Beispiel durch einen jahrelangen Wechsel aus bulimischen und anorektischen Phasen. Irgendwann ist das Gefühl für sich selbst nicht mehr da.
Auch eine Magersucht kann unheimlich viele Gründe haben, zumeist die selben wie eine Bulimie.
Die körperlichen Folgen können brüchige Nägel und stumpfe Haare sein, da irgendwann die nötigen Nährstoffe fehlen. Der Körper spart überall Energie, dadurch kommt es zu permanentem Frieren und auch zum Ausbleiben der Monatsblutung bei Frauen. Dadurch, dass dem Körper vorenthalten wird, was er benötigt, dadurch, dass mehr Energie gebraucht als zugeführt wird, beginnt der Körper die Energie gezielt zu verbrauchen und vermeidet unnötige Dinge. Im Extremfall kann es zur starken Abnahme der Muskelmasse kommen - wobei bedacht werden sollte, daß auch das Herz ein Muskel ist. Junge Mädchen können die gesamte Entwicklung des Körpers verlangsamen. Die Blutwerte werden schlechter. Kreislaufschwächen können folgen. Die Knochendichte kann abnehmen.
Ja, zunächst fühlt sich der Betroffene gut, freut sich über Abnahme und positive Kommentare. Später stellt sich zum Beispiel das Problem des gemeinsamen Ausgehens mit anderen. Wenn jemand nie etwas isst, fällt es auf. In dem Moment, wo der Betroffene bewusst versucht, andere "an der Nase herumzuführen" um somit dem Essen zu entgehen, wird deutlich, dass etwas nicht stimmt. Dass man anders ist als andere.
Dieses "Anderssein" verunsichert. An "schlechten" Tagen, an dem die betroffene Person (objektiv oder subjektiv) zu viel gegessen hat, quälen sie Schuldgefühle. Da igelt sie sich lieber ein, will niemanden sehen und nirgendwo hingehen. Eine einzige Mahlzeit kann das Gefühl von "dünn" zu "dick" beeinflussen. Wenn viel gegessen wurde, sehen Magersüchtige (wie auch Bulimikerinnen) sich im Spiegel gleich viel dicker, als direkt vor dem Essen. Der Umgang mit den Mitmenschen wird zu einem echten Problem mit vielen Lügen, mit Geheimnissen, mit Unehrlichkeit. Später kann es durchaus sein, dass die betroffene Person körperlich einfach nicht in der Lage ist, noch etwas zu unternehmen. Beginnt die Magersüchtige nun wieder richtig zu essen, so kommt es zunächst häufig zu einer schnellen Zunahme, diese kann die Symptome wieder verschlechtern, das Essen zum Feind werden lassen. Auch kann eine solche Erfahrung dazu führen, dass aus der Magersucht eine ausgewachsene Bulimie wird.
Ein/e Magersüchtige/r muss aber nicht zwangsläufig schlapp sein, er/sie kann auch unerwartet aufgeweckt wirken, viel leisten (sportlich, schulisch), einen starken "Ordnungsfimmel" haben, pingelig werden. Der Körper schüttet Endorphine aus, um den Hunger besser zu ertragen. Dieses Glücksgefühl verleitet weiterhin zum Hungern. Der knurrende Magen zeigt "Erfolge" an. Die Waage und der Spiegel sind die bestens Freunde - oder die größten Feinde.
Die Magersucht ist medizinisch klar definiert. Aber jeder einzelne hat seine persönliche Geschichte, seine persönliche Magersucht, seine persönlichen Merkmale. Keine ist wie eine andere.
Aber ab wann ist die Person denn nun magersüchtig? Wo hört die Diät auf und wo fängt die Magersucht an? Schwer zu sagen...
Medizinisch wird die Magersucht oft am Gewicht oder genauer am BMI festgemacht. Aber ist der Mensch erst dann magersüchtig, wenn er medizinisch zu dünn ist?
Keiner will Magersüchtig werden, nur wenn Du da reinrutscht ist es sehr schwer da wieder herauszukommen. Bescheuert bist Du, weil Du absolut k...
Ganz ehrlich? Es ist doch nicht schlecht, wenn solche Artikel den Eltern/ Freunden/... von Betroffenen in die Hände fallen, wenn solche Artike...
Ich bin 54j wiege 120kg,u,hab innerhalb von4wochen,15kg abgenommen,u.nehme jetzt 2kg pro woche ab,ichess aber normal.schön ist das ich abnehm,...
Solche Artikel sollten nicht öffentlich zugänglich sein, da sie einfach extrem triggernd wirken. Ganz genauso wie eine Pro Ana/Mia Seite. Gena...
Hallo, erstmal glaube ich das wenn man unbedingt magersüchtig werden will das man ehher aufmerksamkeit brauch, weil jeder einen anspricht alle...
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Der Ratgeber Der Kilokrampf von Sabine Herold zu der Erkrankung Magersucht.