26. November 2008
(dgk) Etwa 500 Männer hielten für die Untersuchung der Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf den Kopf hin. Bei der Studie stießen die Forscher auf eine neue, zweite Genvariante, die bei kahlköpfigen Männern deutlich häufiger vorkommt als bei Kontrollpersonen. Und sie stellten fest: Mutter und auch Vater können eine Glatze vererben. Die Studie erklärt nämlich erstmals, warum Söhne von Glatzköpfen ebenfalls häufig an Haarausfall leiden. Die Ergebnisse erschienen in der Oktoberausgabe der britischen Zeitschrift "Nature Genetics".

Am Haarausfall sind häufig die Gene schuld
Untersucht wurde das Genmaterial, mehr als 500.000 Informationsschnipsel, von 296 Männern, bei denen bereits vor ihrem 40. Lebensjahr starker Haarausfall eingesetzt hatte. Es wurde verglichen mit den Proben von 347 nicht betroffenen Freiwilligen. An zwei Stellen stimmte die Erbinformation bei kahlköpfigen Männern auffällig häufig überein – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die dort liegenden Gene etwas mit dem vorzeitigen Haarverlust zu tun haben. "In einer dieser auffälligen Regionen liegt das Gen für den Androgen-Rezeptor", erklärt Dr. Axel Hillmer vom Bonner Forschungszentrum Life & Brain. "Wir wussten bereits aus einer vorherigen Studie, dass der Rezeptor beim Haarverlust eine Rolle spielt. Die andere Stelle ist aber neu." Interessant sind die Befunde auch für die Vererbungswege: So liegt das zuvor einzige bekannte Risikogen für den Androgenrezeptor auf dem X-Chromosom. Es wird also von der Mutter vererbt – daher schlagen Männer in puncto Haarausfall oft nach ihrem Großvater mütterlicherseits. Das neu entdeckte Gen liegt dagegen auf Chromosom 20 und kann sowohl von der Mutter als auch vom Vater vererbt werden. "Dadurch lassen sich Ähnlichkeiten zwischen Vater und Sohn erklären", erklärt Professor Dr. Markus Nöthen (Institut für Humangenetik und Life & Brain-Zentrum der Universität Bonn).
Parallel zu der deutschen hat eine zweite Forschungsgruppe dasselbe Gen und seine mögliche Funktion für Haarausfall beschrieben: Ein britisch-kanadisches Team kam zum gleichen Schluss. Danach haben Männer, die beide tragen – die bereits bekannte und die neue Genvariante –, ein siebenfach erhöhtes Risiko dafür, dass sich ihr Haupthaar früh lichtet.
Damit gibt es nun zwei Erbgut-Regionen, die zweifelsfrei mit dem vorzeitigen Haarverlust in Verbindung gebracht werden können. Die deutschen Forscher versuchen jetzt herauszufinden, welche Funktion das neu entdeckte Gen beim Haarwachstum übernimmt. Erst dann werde man wissen, ob sich hierdurch neue Möglichkeiten für die Therapie des männlichen Haarausfalls ergeben. Die Wissenschaftler vermuten, dass für den vorzeitigen Haarverlust noch weitere Gene verantwortlich sind. Für die Fortsetzung ihrer Studie suchen sie nach weiteren Probanden: Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall sowie als Vergleichspersonen Männer über 60 Jahre mit vollem Haar. Alle Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung. Nähere Informationen sind bei PD Dr. Roland Kruse, Dr. Sandra Hanneken oder Dr. Sibylle Eigelshoven, Universitäts-Hautklinik Düsseldorf, Telefon 0211 / 8116360 oder E-Mail Roland.Kruse(à)med.uni-duesseldorf.de erhältlich.
Kontakt:
Prof. Dr. Markus M. Nöthen, Institut für Humangenetik, Universität Bonn
Telefon: 0228 / 287 - 22347, E-Mail: markus.noethen(à)uni-bonn.de
Quellen:
Hillmer, A.M., Brockschmidt, F.F. et al.: Susceptibility variants for male-pattern baldness on chromosome 20p11. Nature Genetics (12.10.2008)
Pressemitteilung der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn: Neues wichtiges Haarausfall-Gen entdeckt. 12.10.2008, http://idw-online.de/
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