Borreliose und FSME durch Zecken - kleine Vampire mit großem Risikopotenzial

Zeckenstiche können gefährliche Infektionen verursachen

Der gemeine Holzbock ist hinterlistig und lauert im Gestrüpp, auf Grashalmen oder im Laub. Zecken warten, bis ein geeigneter Wirt des Weges kommt und klammern sich dann an Waden, Kniekehlen und am Hals fest. Die kleinen Vampire sind nicht nur lästig, sondern bergen ein hohes Risikopotential für schwere Infektionen.

Zecke auf Ast eines Strauches

Große Zeckenaktivität von März bis Oktober

Zecken warten nicht auf Bäumen und fallen auf Mensch und Tier herunter, die Quälgeister bevorzugen einen Platz auf Gräsern, im Unterholz oder auf Farnen. Hat die Zecke eine gut durchblutete Hautpartie entdeckt, sticht sie zu und beginnt mit dem Blutsaugen.

Eine besonders hohe Zeckenaktivität herrscht von März bis Oktober. Allerdings weist das Robert-Koch-Institut darauf hin, dass nicht unbedingt die Jahreszeiten ausschlaggebend sind, sondern vielmehr die Temperaturen: Ist es im November sehr mild, sind auch die Spinnentiere noch unterwegs. Zecken lieben feuchte Wärme und werden bei Temperaturen um die sieben Grad agil. Ab Ende November halten die achtbeinigen Vampire Winterschlaf.

Im Zuge des Klimawandels weiten sich die Zeckenzeiten immer weiter aus. Zu den Risikogebieten gehören vor allem

  • Bayern,
  • Südhessen,
  • der Süden von Thüringen,
  • Baden-Württemberg und
  • der Vogtlandkreis in Sachsen.

Besonders gefährlich ist die durch Zeckenstiche übertragbare Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine Hirnhautentzündung, die im Extremfall zum Tod führen kann sowie die Infektionskrankheit Borreliose.

Wanderröte als sicheres Anzeichen für Borreliose

Jährlich werden in Deutschland tausende neue Fälle von Borreliose gemeldet. Die Infektionskrankheit wird durch Zeckenstiche verursacht. Als Symptome gelten

Ein sicheres Anzeichen für Borreliose ist die typische Wanderröte. Allerdings treten die Rötungen nur bei rund 50 Prozent der Betroffenen auf. Die Wanderröte kann sich an über hundert Körperstellen zeigen, auch da, wo keine Zecke gesessen hat. Nach einem sommerlichen Ausflug ins Grüne sollte deshalb jeder seinen Körper nach Rötungen absuchen.

Der Erreger

Borrelien befinden sich im Verdauungstrakt der Spinnentiere. Die Inkubationszeit nach einem Zeckenbiss kann Tage, Wochen und Monate bis hin zu einigen Jahren dauern. Gegen den Borroliose-Erreger gibt es bisher keinen Impfstoff, eine Infektion kann jedoch im Frühstadium erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.

Es kommt darauf an, die Zecke schnellstens zu entfernen, allerdings keinesfalls mit Nagellackentferner, Alkohol, Klebstoff oder Ölen. Denn kommt die Zecke mit derartigen Mitteln in Kontakt, gerät sie in Panik und sondert den Darminhalt in die Einstichstelle ab, wodurch die Infektionsgefahr erheblich steigt.

Beschränkte Behandlungsmöglichkeiten bei Frühsommer-Meningoenzephalitis

Zecken übertragen neben Borrelien auch die gefährlichen FSME-Erreger, die eine Hirnhautentzündung auslösen können. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist vor allem in Süddeutschland, Österreich und Osteuropa verbreitet.

Für die Behandlung stehen nur beschränkte Möglichkeiten zur Verfügung. Die Symptome wie

lassen sich zwar bekämpfen, allerdings ist die Infektion nur schwer in den Griff zu bekommen. FSME-Erreger können zudem schwere Krankheitszeichen auslösen wie Bewusstseinseintrübungen, Lähmungen und Sprachstörungen. Bei schweren Verläufen kann es zu bleibenden Gesundheitsschäden kommen, auch Todesfälle werden verzeichnet.

FSME-Impfung

Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es jedoch einen Impfstoff. FSME-Impfungen sind für Bewohner von Risikogebieten, Urlauber, die in diese Regionen reisen und gefährdete Personen wie Förster empfehlenswert. Besonders häufig infizieren sich Wanderer, Radfahrer und Hobby-Gärtner.

Schutz vor dem Zeckenstich

Einen effektiven Schutz vor dem Stich des gemeinen Holzbocks gibt es nicht, doch jeder kann gezielt vorbeugen, wenn er einige Dinge beachtet:

  • Aufenthalte im Unterholz und in hochgewachsenem Gras vermeiden
  • Zusätzliche Socken über der Hose ziehen, damit sich Zecken nicht an die Wade krallen können
  • Auf heller Kleidung lassen sich die Blutsauger schneller erkennen und sofort entfernen
  • Lange Ärmel und Hosenbeine sowie geschlossene Kleidungsstücke tragen
  • Vorbeugend Insektenschutzmittel auftragen – ein wirksamer Schutz ist allerdings nicht gegeben
  • Nach einem Aufenthalt im Freien Körper und Kleidung inspizieren – vor allem warme Hautpartien wie Kniekehlen absuchen

Sofortmaßnahmen - Zecken korrekt entfernen

Wer einen Zeckenstich entdeckt, sollte Ruhe bewahren. Auf keinen Fall darf hektisch an der Zecke gedreht und gezogen werden. Auch Nagelscheren und gewöhnliche Pinzetten eignen sich nicht zur Zeckenentfernung.

Spezielle Zeckenzangen, Zeckenkarten und Zeckenpinzetten sind mit gebogenen Endstücken versehen, mit denen man den Kopf der Zecke unterfahren und den Zeckenleib aufrichten kann. Die Zecke wird dann unter stetigem, aber sanftem Ziehen aus der Haut entfernt. Ruckartiges Reißen birgt die Gefahr, dass der Zeckenkopf in der Haut stecken bleibt. Oft krallt sich das Spinnentier hartnäckig fest, doch mit wiederholtem Zug lässt sich die Zecke langsam nach oben bewegen.

Ein Hautdesinfektionsmittel schützt vor Keimen, die später in die Wunde eindringen können. Ist die Rötung nach zwei Tagen nicht weg, steckt der Zeckenkopf fest, zeigt sich die Stichstelle größer als eineinhalb Zentimeter oder treten Schwellungen und Schmerzen auf, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: relaxed tick - Zecke hängt ab... © Michael Tieck - www.fotolia.de

Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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