Broken-Heart-Syndrom – Pseudo-Infarkt durch emotionalen Stress

Mädchen mit langen, dunklen Haaren, den Kopf seitlich in die Hand gelehnt, schaut traurig nach unten

Bei einem gebrochenen Herzen zeigen sich Symptome wie bei einem klassischen Herzinfarkt

Das Broken-Heart-Syndrom verdeutlicht, wie stark sich seelischer Schmerz auf den Körper auswirkt. Bei einer Trennung vom Partner oder bei Arbeitsplatzverlust entsteht enormer Stress, der die Abwehrkräfte schwächt und die Krankheitsanfälligkeit erhöht. Doch was ist das Broken-Heart-Syndrom genau und wie lässt es sich therapieren?

Spontane Funktionsstörung des Herzens

Auf den ersten Blick scheint es sich beim Broken-Heart-Syndrom um einen echten Herzinfarkt zu handeln. Doch Betroffene erleiden einen Pseudo-Infarkt aufgrund einer spontanen Funktionsstörung des Herzens, ausgelöst durch emotionale Erregung.

Im medizinischen Fachjargon wird die Gebrochenes-Herz-Krankheit auch als Stress-Kardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Syndrom (Tintenfischfalle) bezeichnet, denn es kommt zu einer Verformung des Herzens, die einer Tintenfischform ähnelt. Tako-Tsubo ist der Begriff für die Fangkörbe, mit denen ein Oktopus eingefangen wird.

Ein weiterer gebräuchlicher Begriff ist die Stresskardiomyopatie. Bei nahezu allen Patienten entsteht das Phänomen, wenn sie einer außerordentlichen seelischen Belastung ausgesetzt sind, beispielsweise durch

Auch ein Streit mit Freunden oder Verwandten kann dazu führen, dass Betroffene nun Tag und Nacht unter Dauerstress. stehen. Es ist nicht nur die Psyche, die dabei leidet, sondern tatsächlich auch der Körper.

Das "gebrochene Herz" führt dazu, dass ständig Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet werden. Das verengt mit der Zeit die Gefäße des Herzens und das kann unter Umständen lebensgefährlich werden.

Der Herzmuskel muss härter arbeiten und kann dennoch nur mit weniger Kraft das Blut durch die zu engen Gefäße bringen. Das Syndrom kann jedoch bei einem großen Schock auftreten - auch bei positiven Nachrichten wie beispielsweise einem Lottogewinn.

Welche Anzeichen deuten auf das Broken-Heart-Syndrom hin?

Die Symptome wie

sind mit denen eines Herzinfarkts vergleichbar. Ärzte haben herausgefunden, dass sich durch die seelische Überbelastung echte Rhythmusstörungen etablieren können. Diese zeigen die gleichen Muster, wie sie bei Menschen nach einem Herzinfarkt auftreten. Betroffene werden bei geringer Anstrengung kurzatmig und erleben ein drückendes Gefühl in der Brust.

Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts
Die Symptome ähneln denen eines Herzinfarkts

In den ersten Stunden erhöht sich außerdem das Risiko für Komplikationen, die mit einer Häufigkeit von 20 bis 45 Prozent auftreten. Mediziner können die Stress-Kardiomyopathie nur anhand einer Herzkatheteruntersuchung oder mittels Magnetresonanztomografie (MRT) diagnostizieren.

In der Akutphase stufen Ärzte das Broken-Heart-Syndrom zunächst als koronare Herzerkrankung ein und wenden bei einer Notfallbehandlung die gleichen Maßnahmen an. Bei den meisten Menschen ist die Herzmuskelfunktion nach einigen Wochen wieder vollständig hergestellt, da es, anders als beim normalen Infarkt, nicht zu einem Verschluss der Herzkranzgefäße kommt.

Das Broken-Heart-Syndrom führt nicht zu den klassischen Narben wie der Herzinfarkt, sondern zu einer langsamen Verformung der linken Herzkammer. Selten kann das zum Tode führen. Die Gefahr wird mit 3,2 Prozent als weitgehend gering eingeschätzt.

Allerdings ist das Broken-Heart-Syndrom noch nicht genau erforscht. Man weiß neben den Symptomen lediglich, dass es nahezu ungefährlich ist und die Sterbensrate gering ist.

Schwedische Forscher beobachteten, dass Menschen, die an Stresskardiomyopatie litten, physisch sichtbare Risse im Herzen bekamen. Wie sie weiterleben konnten, obwohl Teile des Herzens nicht funktionieren, konnten die Ärzte jedoch auch nicht sagen – sie vermuten, dass die noch funktionierenden Teile des Herzens die Arbeit übernehmen.

Bei Frauen besteht höheres Risiko eines "Broken-Heart-Syndroms"

Frauen sind von diesem seelischen Leiden mit konkreten körperlichen Auswirkungen deutlich häufiger betroffen als die Männer. Außerdem bilden die 50- bis 80-Jährigen die größte Risikogruppe. Mediziner gehen davon aus, dass sie den emotionalen Stress bei Trauer schwerer verarbeiten können.

Dies führen die Mediziner auf die Wechseljahre der Frau zurück. Dabei verändert sich der Hormonhaushalt noch einmal drastisch und macht sie wahrscheinlich anfälliger.

Frauen leiden bis zu neun Mal öfter am "Gebrochenen-Herz-Syndrom" als Männer, dies hat eine aktuelle Studie herausgefunden. Der klassische Fall ist dabei die Ehefrau, die ihren Mann verloren hat, so der Leiter der Studie an der Universität von Pennsylvania. Zehn Prozent erleiden das Syndrom auch noch ein zweites Mal in ihrem Leben und zudem kam bei der Studie heraus, dass es häufiger im Sommer als im Winter auftritt.

Gebrochenes-Herz-Syndrom: Sterberisiko bleibt langfristig erhöht

Das Takotsubo-Syndrom führt zu einer akuten Störung im Herzmuskel mit Symptomen wie bei einem Herzinfarkt

Junge Frau hält Hände vor Gesicht, Trauer, Einsamkeit
Trauer © Berchtesgaden - www.fotolia.de

Wer einen lieben Menschen verliert, oder einen vergleichbaren emotionalen Schock erlebt, dem bricht umgangssprachlich das Herz. Die Medizinwelt hat inzwischen herausgefunden, dass an dem Sprichwort mehr dran ist, als man lange Zeit dachte, denn der Herzmuskel kann unter einem seelischen Trauma tatsächlich leiden. Man spricht dann in der Fachwelt vom Takotsubo-Syndrom.

Namensgebung und Krankheitsbild

Benannt ist das Syndrom nach den Tintenfischfallen in Japan, die vom Aufbau dem Aussehen der verkrampften linken Herzkammer gleichen. In Deutschland ebenfalls üblich ist der Name Stress-Kardiomyopathie, oder eben Gebrochenes-Herz-Syndrom.

Die Betroffenen erleben eine akute Störung im Herzmuskel mit Symptomen wie bei einem Herzinfarkt. Global gesehen sind Frauen deutlich häufiger betroffen als Männer; außer in Japan, hier ist es aus bisher unklaren Ursachen eher eine Männerkrankheit.

Folgestörungen und Sterberisiko

Die genaue Analyse eines Takotsubo-Registers mit 1.750 Patienten hat nun gezeigt, dass die akuten Störungen ihren Schatten auch in die Zukunft der Betroffenen werfen. Demnach bleibt selbst nach dem Ereignis das Sterberisiko erhöht. Die Rate beträgt dabei 5,6 Prozent pro Patientenjahr. Auch die Gefahr für weitere Herzprobleme steigt.

Laut Studie liegt sie für kardiale Folgestörungen bei 9,9 Prozent pro Patientenjahr. Man konnte allerdings beobachten, dass das individuelle Risiko sinkt, wenn der Betroffene innerhalb des ersten Jahres nach dem akuten Takotsubo-Syndrom von seinem Arzt AT1-Antagonisten oder ACE-Hemmer verschrieben bekommt.

Auslöser für das Takotsubo-Syndrom

Interessant ist außerdem die Beobachtung der Mediziner, dass das Gebrochenes-Herz-Syndrom zwar tatsächlich durch emotionale Ausbrüche (Trauer um Verstorbene etc.) ausgelöst werden kann, es aber durchaus auch Fälle gibt, in denen eine körperliche Vorerkrankung die Ursache ist. Das Syndrom tritt dann vor allen Dingen nach einer Operation oder scheren Infekten auf.

Welche Therapie wird bei einem gebrochenen Herzen angewendet?

Da die Komplikationsquote bei der Gebrochenes-Herz-Krankheit sehr hoch ist, werden die meisten Patienten zunächst intensivmedizinisch behandelt, denn es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Dopamin, wie es beispielsweise bei Liebeskummer der Fall ist. Bei vielen Patienten mit dem Tako-Tsubo-Syndrom waren deutlich höhere Werte an Stresshormonen messbar als bei Infarktpatienten.

Die Behandlung des Broken-Heart-Syndroms erfolgt zunächst, indem Mediziner die Hormonzufuhr drosseln. Je nach Blutfluss in den Gefäßen kann auch der Einsatz von Alpha- oder Betablockern sinnvoll sein.

Treten zusätzlich Herzrhythmusstörungen oder andere Komplikationen auf, werden Patienten in der Regel einige Tage stationär behandelt, um den Krankheitsverlauf zu beobachten. Die Stress-Kardiomyopathie ist in der Akutphase ein medizinischer Notfall. Wer sich mit dem Leiden in Therapie begibt, kann zudem mittels Psychotherapie das Trauma verarbeiten.

Kann man sich vor dem Broken-Heart-Syndrom schützen?

Da die Herzkranzgefäße bei der Stress-Kardiomyopathie fast immer intakt sind, haben Patienten kein höheres Infarkt-Risiko als gewöhnlich, dennoch sollten Betroffene das Rauchen einstellen und regelmäßig Blutdruck sowie Cholesterinwerte kontrollieren lassen. Eine Vorbeugung ist praktisch nicht möglich, denn einschneidende Lebensereignisse treten häufig überraschend ein und lassen sich nicht vorhersehen.

Wichtig ist, sich umgehend in medizinische Behandlung zu begeben, sollten Symptome wie Luftnot oder Schmerzen in der Brust auftreten. Denn auch bei einem gebrochenen Herzen durch emotionalen Stress beschleunigt eine frühzeitige Behandlung den Heilungsprozess. Im Allgemeinen ist es immer sinnvoll, Stresssituationen soweit wie möglich zu vermeiden und den Umgang mit Stress zu trainieren, zum Beispiel mit

Enspannung mittels Meditation, Yoga oder Achtsamkeitsübungen

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Quellenangaben

  • DEUTSCHES GRÜNES KREUZ e.V.
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Autor:

Paradisi-Redaktion - Artikel vom (zuletzt überarbeitet am )

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