22. Juni 2009
Von Viola Reinhardt
Es kribbelt im Bauch, man kann kaum schlafen, geschweige essen und man spürt es genau, dass da ein Moment war, in dem wir uns plötzlich verliebt haben. Gerade lief man noch über die Straße, zufrieden und kaum etwas vermissend und schon im nächsten Augenblick ist alles anders. Ein Blick zu Blick, ein kleines Wort und schon hat Eros zugeschlagen.
Hier glauben viele an die Macht der Götter und dem großen Bruder Zufall. Aber was steckt dahinter, wenn wir uns verlieben? Romantische Zufälle gibt es nur in Romanen und Liebesfilmen, aber nur äußerst selten im realen Leben. Befragt man die Psychologen, Neurowissenschaftler und andere Wissenschaftler, dann wird der schwebende Zustand des Verliebtseins sehr schnell zu einer recht banalen Angelegenheit in der es keine glücklichen Zufälle gibt.
In Studien fanden die Experten heraus, dass wir uns dann in einen anderen Menschen verlieben, wenn die Sexualduftstoffe und Hormone harmonieren, sprich man den anderen gut riechen kann. Schuld sind hier in erster Linie bestimmte Moleküle, die in den Blutbahnen schwimmen und wie eine Art Schlüssel fungieren, die ihr passendes Schloss suchen und schlussendlich auch finden. Nicht gerade romantisch, aber die chemische Erklärung des Liebesbeginns.
Kann man hier als Mann oder Frau der Natur etwas nachhelfen, damit es dann tatsächlich so weit kommt, dass der andere ebenso verliebt ist wie man selbst? Eine berechtigte Frage, die allerdings von dem Eigenleben der Moleküle beantwortet wird. Ob ein schicker Anzug oder ein edles und sexy Kostüm, die Moleküle überlassen hier wirklich nichts dem Zufall, auch wenn es optisch natürlich besser ist nicht gerade im Gammellook umherzulaufen. Auch ein zum Typ passendes Parfum erleichtert die Kontaktaufnahme, allerdings kam bei einer Studie heraus, dass man einen anderen Menschen dann am besten "riechen" kann, wenn er einen ganz anderen Duft hat als man selbst. Unangenehme Ausdünstungen vertreiben jedoch einen potenziellen Partner ebenfalls, denn den Molekülen kann man nichts vormachen.
Trotz allem bleibt ein gewisser Zauber in der Luft, denn wie sonst lässt es sich erklären, dass man zum Beispiel über viele Meter hinweg einen Blickkontakt bekommt (und man also nicht riechen kann) und es wie ein Blitz einschlägt? Oder wie es in der heutigen Zeit ebenfalls oft vorkommt, dass sich zwei Menschen nur aufgrund eines Fotos und geschriebener Worte verlieben, wie es immer wieder im Internet und entsprechenden Plattformen geschieht? Mag es Zufall oder banale Chemie sein, unabhängig dessen ist es immer etwas besonderes, wenn zwei Menschen aufeinander treffen und spüren, dass Schmetterlinge sich im Bauch breit machen. Moleküle hin, Wissenschaft her, etwas an Mystik bleibt der Liebe immer anhaften.
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