Alleinerziehung - Das Leben der Kinder einer Einelternfamilie und Tipps für Alleinerziehende

Die Einelternfamilie, das heißt, wenn Mutter oder Vater allein erziehend sind, stellt für die Kinder eine besondere Lebensform dar. Sie sind nicht nur betroffen, sondern müssen die Situation in der Regel auch mittragen. Doch auch für die Alleinerziehenden ist es oftmals schwierig, alles unter einen Hut zu bekommen. Holen Sie sich Anregungen, um den Alltag trotz Alleinerziehung zu meistern und lesen Sie, welche Auswirkungen das Eineltern-Modell auf die kindliche Entwicklung haben kann.

Wir zeigen, wie man den Alltag trotz Alleinerziehung meistern kann und welche Auswirkungen das Eineltern-Modell auf die kindliche Entwicklung hat

Von einer Alleinerziehung ist die Rede, wenn ein Erwachsener ohne die Hilfe eines anderen erwachsenen Menschen mindestens ein Kind unter 18 Jahren großzieht. Dieser gilt dann als Alleinerziehender; zudem spricht man auch von Einelternfamilien.

Alleinerziehende können

  • ledig
  • dauernd getrennt lebend
  • geschieden oder
  • verwitet

sein. Sie stellen für ihr Kind die unmittelbare Bezugsperson dar; zum anderen Elternteil besteht in der Regel lediglich Kontakt in Form von Besuchen. In den industrialisierten Ländern ist die Anzahl der Alleinerziehenden in den letzten Jahrzehnten angestiegen.

Um die alleinige Erziehung bewältigen zu können, sind Ein-Eltern-Familien besonders auf die Hilfe von außen angewiesen. Wichtige Punkte sind

  • finanzielle Unterstützungen
  • Vereinbarkeit von Familie und Karriere
  • Qualifizierungs- und Beratungsangebote
  • flexible und verlässliche Kinderbetreuung
  • Arbeitsorganisation für mehr Flexibilität

Mehr als die Hälfte der Alleinerziehenden mit einem Kind unter drei Jahren muss mit unter 1.100 Euro monatlich auskommen - besonders die finanzielle Unterstützung ist daher von großer Bedeutung. Über diese und weitere Hilfsmöglichkeiten für Alleinerziehende informieren wir hier.

Alleinerziehung - eine Herausforderung

Nicht selten sind allein erziehende Frauen oder Männer von Existenzängsten und Zukunftssorgen bedroht. Sie haben die Rolle der Hauptversorgerin bzw. des Hauptversorgers und Mutter/Vater zugleich. Dies ist eine Doppelbelastung und lässt viele an ihre Grenzen kommen. Dabei sollten sie immer darauf achten, dass sie selbst nicht zu kurz kommen.

Wichtig ist ein gutes Kinderbetreuungsnetzwerk, in dem die Einelternfamilie gut eingebettet ist. Ein gesichertes Haushaltseinkommen, auch wenn es gering ist, nimmt die Existenzangst.

Ausgleich ist wichtig

Einschränkungen und Verzicht ist aber eher die Regel bei allein erziehenden Müttern und Vätern. Trotzdem sollten sie darauf achten, gute soziale Bindungen zu haben und aktiv am Leben teilzunehmen. Erholungsmöglichkeiten und Freizeitaktivitäten sind sehr wichtig, um wieder Kraft und Energie tanken zu können.

Viele Alleinerziehende haben einen Hang zum Perfektionismus und machen sich damit das Leben schwer. Man kann nicht allem gerecht werden und deshalb ist es wichtig, auch fünf einmal gerade sein zu lassen. Ein gemütlicher Kuschelnachmittag kann unter Umständen wichtiger sein als ein Haushalt, in dem alles blinkt und blitzt.

Probleme im Beruf

Kinder haben natürlich immer Vorrang und sie dürfen nicht zu kurz kommen. Sie haben ein Recht auf Zuwendung und Aufmerksamkeit. Gerade berufstätige Frauen und Männer, die allein erziehend sind, sehen sich oft vor schwierige Situationen gestellt.

Zum Beispiel wenn das Kind krank ist. Denn es ist traurige Realität, dass dies an vielen Arbeitsplätzen, wenn auch gesetzlich anders geregelt, immer noch ein Problem ist.

Alleinerziehende haben oft das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen - zwischen dem Elternsein und dem Berufsleben oder sie haben Gewissensbisse. Dies führt bei einigen tatsächlich soweit, dass es zu gesundheitlichen Problemen kommt.

Alleinerziehende sind stärker belastet und mehr gefordert. Gerade deshalb ist ein entsprechender Ausgleich so wichtig.

Hilfe suchen und annehmen

Oft müssen sie lernen, die Verantwortung dem Kind gegenüber auch einmal abzugeben und nur an sich zu denken. Zudem ist es wichtig, sich helfen zu lassen. Es gibt Beratungsstellen und ein Austausch mit Gleichgesinnten kann gut tun, um zu merken, dass man mit dieser Situation nicht allein ist.

Wie Kinder eine Trennung erleben und mit welchen Problemen sie zu kämpfen haben, erfahren Sie im Folgenden...

Die Trennung aus der Sicht der Kinder

Nach der Trennung will diese von den Kindern erst einmal verarbeitet werden. Dies kommt einem Trauerprozess und einer Trauerarbeit gleich. Das Leben und die Lebensumstände müssen neu organisiert werden. Die Kinder brauchen jetzt vor allen Dingen einen Halt und Sicherheit, also eine zuverlässige Bezugsperson, die liebevolle Zuwendung gibt und Verständnis hat.

Kinder geben sich die Schuld

Aus dem Partnerschaftskonflikt müssen Kinder grundsätzlich herausgehalten werden. Dieser sollte nur auf der Erwachsenenebene ausgetragen werden.

Je nach Alter reagieren Kinder unterschiedlich auf eine Trennung. Oft geben sie sich die Schuld und das ist verheerend.

Loyalitätskonflikt und Leistungsabfall in der Schule

Oft kommen Kinder bei einer Trennung in einen Loyalitätskonflikt. Sie müssen ihren anderen Elternteil, der nicht mehr im Haushalt lebt, lieben dürfen und sollten auch einen unbelasteten Umgang pflegen dürfen.

Nach einer Trennung sind Kinder oft durcheinander und zeigen einen schulischen Leistungsabfall. Da brauchen sie unbedingt jemanden, der sie auffängt und fördert.

Neue Partner als zusätzlicher Konflikt

Die wirklich Leidtragenden bei einer Trennung oder Scheidung sind meist die Kinder, denn ihre heile Welt ist zusammengebrochen. Oft gibt es einen neuen Partner der Mutter oder des Vaters, dies stellt für das Kind eine weitere Herausforderung und auch Belastung dar.

Sie fühlen den leiblichen Elternteil verdrängt und auch Eifersucht kann eine Rolle spielen. Am schlimmsten ist es wohl, wenn dann noch ein Gerangel um die Kinder losgeht, dann sind Kinder verstört und hilflos, wenn sie sich entscheiden müssen.

Am besten ist es, wenn sich die Erwachsenen einigen und zum Wohle des Kindes entscheiden. Auf Wünsche des Kindes sollte dennoch natürlich Rücksicht genommen werden.

Das Leben des Kindes nach der Trennung

Das Leben nach der Trennung ist für Kinder ein anderes, Rollen und Positionen in der Familie müssen neu definiert werden. Ein leiblicher Elternteil fehlt und wird meist schmerzlich vermisst.

Oft steht ein Umzug an

Oft geht eine Trennung mit einem sozialen Abstieg einher, etwa mit dem Umzug aus einem Haus in eine kleine Wohnung. Kinder sind jetzt nicht nur emotional, sondern unter Umständen auch materiell benachteiligt. Sie haben ihre Herkunftsfamilie verloren und zeitweise auch einen Elternteil.

Dies müssen Kinder erst einmal verkraften und eine Trauerarbeit leisten. Ältere Kinder müssen vielleicht nach einer Trennung Pflichten übernehmen, von denen sie vorher verschont waren.

Überforderung bei Eltern und Kindern

In jedem Fall bedeutet ein Leben nach einer Trennung ein ganz massiver Einschnitt in ihr Leben. Das ganze Leben und die Umstände müssen neu organisiert werden.

Ein Elternteil ist nur noch bedingt und auf Zeit verfügbar. Der Elternteil, bei dem sie leben, ist vielleicht auch durch die Trennung und die Umstände überfordert und kann nicht so auf die Kinder eingehen wie es nötig wäre.

Der Neuanfang ist immer schwer

Nach einer Trennung fängt ein neues, anderes Leben an und jeder Neuanfang ist schwer, auch für Kinder. Vieles musste im alten Leben zurückgelassen werden und dies müssen Kinder erst verarbeiten.

Es wurde über sie und ihr Leben entschieden und sie hatten kein Mitspracherecht. Man muss den Kindern eine Eingewöhnungszeit zugestehen und auch Rücksicht nehmen.

Um Kindern eine Trennung der Eltern möglichst leicht zu machen, sind die Eltern besonders gefordert - sie müssen auf einige Punkte besonders achten...

Die Erziehung und Unterstützung der Kinder nach einer Trennung

Trennungen kommen meist schleichend, denn meist haben sich die Eltern von Trennungskinder schon länger auseinander gelebt und kommen irgendwann zu dem Punkt, ab dem kein Weg mehr an einer Trennung vorbeiführt. Für Eltern ist es da oft schwer, ein gemeinsames Level zu finden, doch wer an das Wohl seiner Kinder denkt, wird einen Weg finden, vernünftig mit der Situation umzugehen.

Je nach Alter und Charakter reagieren Kinder unterschiedlich auf die Trennung der Eltern. Sie haben Ängste zu bewältigen, müssen aber auch mit Trauer, Wut, Zorn oder Eifersucht kämpfen.

Kinder brauchen in dieser Phase Sicherheit und sie müssen ihre Ängste und Befürchtungen offen aussprechen dürfen. Da auch die getrennten Eltern mit belastenden Gefühlen zu kämpfen haben, ist es oft schwierig, richtig auf die Kinder einzugehen.

Aber vor allem der Elternteil, bei dem das Kind lebt, muss ihm Stabilität und Zuversicht bieten, um die Trauerarbeit bewältigen zu können. Das getrennte Paar sollte sich den Kindern zuliebe mit Wertschätzung und Achtung begegnen, damit erleichtern sie den Kindern den Umgang.

Auswirkung des Eineltern-Modells auf die kindliche Entwicklung

Man hört und liest viel von Kindern von Alleinerziehenden, sie seien:

Dabei ist nicht bewiesen, dass in Relation zu Kindern aus intakten Familien, die Situation besser oder schlechter ist. Kinder von allein erziehenden Eltern sind mit Sicherheit gefordert. Dies kann aber auch Vorteile bieten, so sind diese Kinder in der Regel auch selbstständiger.

Eltern bleiben weiterhin ein Teil des Lebens des gemeinsamen Kindes

Oft belastet Kinder bei der Trennung der Eltern die Angst, ein Elternteil zu verlieren. Dies kann vermieden werden, indem die Eltern sich weiterhin vernünftig um ihre Kinder kümmern und Wichtiges weiterhin von beiden Elternteilen besprochen wird. Ebenso sollter gegenüber den Kindern ein einheitlicher Erziehungsstil beibehalten werden.

Ehrlichkeit und Freundlichkeit erleichtern den Alltag

Doch sollten Eltern ihren Kindern gegenüber auch ehrlich sein. Sie sollten Kinder nicht im Unklaren lassen, sondern mit ihren Kindern darüber sprechen, warum ein Elternteil auszieht. Wichtig hierbei ist, dass nie negativ über den ehemaligen Partner gesprochen werden sollte.

Kindern kann erklärt werden, dass Eltern Probleme miteinander haben und dabei sollte nie einem Elternteil die Schuld gegeben werden. Die Eltern sollten hier immer in der Wir-Form sprechen.

Kinder verstehen sehr viel mehr als Eltern meist annehmen. Je offener die Eltern mit der Trennung umgehen, umso leichter fällt es den Kindern, sich mit der neuen Situation auseinander zu setzen.

Organisation des Alltags

Damit ein Alltag in einer Einelternfamilie funktioniert, braucht es in der Regel viel

  • Planung
  • Organisation und
  • Disziplin.

Aber auch Kreativität und Phantasie sind gefragt, um bestimmte Situationen zu meistern. Davon können Kinder profitieren und ein breites Spektrum an Talenten kennenlernen.

Kinder von allein erziehenden Eltern fühlen sich mit verantwortlich und übernehmen meist schon früh bestimmte Pflichten. Sie lernen mit den gegebenen Mitteln umzugehen und haben oft kreative Lösungsmöglichkeiten.

Kind eines Alleinerziehenden zu sein muss kein Manko oder Makel sein, es kann auch Stärken und Vorzüge bedeuten. Wichtig ist wohl die Gesamtsituation und wie der allein erziehende Elternteil die Kinder fördert und auf sie eingeht. Wichtig ist, dass sie genug Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommen und in ihrem Wesen wahrgenommen werden.

Kontakt zu beiden Elternteilen

Genau so wichtig ist der Kontakt zum anderen Elternteil und dieser spielt eine wichtige Rolle. Der Kontakt sollte gut und regelmäßig sein, dann hat das Kind nicht immer das Gefühl, sich zwischen den Eltern entscheiden zu müssen. Auch in intakten Familien kann es zu großen Schwierigkeiten und Problemen kommen.

Für die Kinder allein erziehender Eltern sollten beide Elternteile in der Lage sein, die Gesamtsituation soweit wie möglich zu entspannen, um dem Kind ein harmonisches Umfeld zu bieten. Dies ist die beste Gewährleistung, auch mit der außergewöhnlichen Situation umgehen zu können.

Eltern lieben ihr Kind trotz Trennung

Mutter und Vater sollten den Kindern Sicherheit geben und klarstellen, dass sich an der Liebe zum Kind durch die Trennung nichts ändert. Gerade in der Trennungsphase sollten Eltern liebevoll mit ihren Kindern umgehen, doch sollten die Kinder weiter ihren gewohnten Alltag erleben.

Wenn Kinder in der Trennungsphase zu sehr verwöhnt werden, kommt es immer wieder zu Unsicherheiten. Je gewohnter der Alltag abläuft, umso mehr Sicherheit gibt dies den Kindern.

Wenn alle am gleichen Strick ziehen und die Randbedingungen bestmöglich sind, kann sich ein Kind in einer Einelternfamilie durchaus positiv entwickeln. Jede Lebensform bietet ihre Vor- und Nachteile, Einelternfamilien haben die Möglichkeit, ihren Lebensweg selbst zu gestalten.

Tipps zur Erziehung nach der Trennung

Es gibt keine spezielle Erziehung von Trennungskindern. Erziehung sollte immer von liebevoller Zuwendung getragen werden.

Eltern sollten zusammenarbeiten und das Wohl des Kindes beachten

Die Eltern müssen auch nach der Trennung ihre gemeinsame Verantwortung wahrnehmen. Die Kinder brauchen eine stabile Bezugsperson, die auch wenn das Kind mal schwierig und anstrengend wird, es nicht persönlich nimmt, sondern die Not dahinter erkennt. Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft ist sehr wichtig.

Die Kinder müssen ihre Gefühle äußern dürfen und brauchen einen zuverlässigen Elternteil, der sie unterstützt und ihnen Halt gibt. Der vorwiegend erziehende Elternteil darf den Blick auf die Situation der Kinder nicht verlieren.

Unterstützung und Förderung

Kinder verhalten sich nach Trennungen oft anders und ein schulischer Leistungsabfall ist normal. Da brauchen sie dann Unterstützung und müssen gefördert werden. Am besten ist es, wenn es rund um sie her ein Netzwerk von Bezugspersonen gibt, auch Lehrer, von denen sie sich getragen fühlen.

Die Eltern sollten in jedem Fall mit dem Lehrer oder der Erzieherin reden und die Situation schildern. Wird ein Kind verhaltensauffällig oder zeigt psychische Probleme, kann es auch ratsam sein, kompetente therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eltern müssen ein Vorbild sein

Auf jeden Fall muss das Kind spüren, dass es wahrgenommen und mit seinen Sorgen und Ängsten angenommen wird. Klare Regeln und Grenzen können dem Kind eine Struktur und auch einen Halt bieten.

Eltern haben einen Vorbildcharakter und Kinder ahmen das Verhalten der Erwachsenen nach. Sie reflektieren vorgelebtes Verhalten. Jedes Verhalten der Kinder, auch Trotzverhalten, hat einen Sinn und spiegelt meist nur die seelische Not. Eltern müssen sich in die Kinder einfühlen können und vor allen Dingen müssen sie sich Zeit nehmen.

Zeit zum Verarbeiten geben

Kinder können nicht nur funktionieren; sie brauchen Raum und Zeit, um die Trennung verarbeiten zu können. Dafür brauchen sie auch die bedingungslose Liebe der Eltern.

Wenn sie erfahren, dass sie weiter geliebt werden und beide Eltern, wenn auch unter anderen Bedingungen, erhalten bleiben, gibt ihnen dies Sicherheit und lässt sie mit Verlustängsten fertig werden. Eine Trennung ist für die Kinder eine Ausnahmesituation - wird Verständnis entgegengebracht, erleichtert dies den Verarbeitungsprozess.

Vor allem, wenn Eltern sich scheiden lassen, müssen sie ihrem Nachwuchs die Situation behutsam näherbringen.

Fair miteinander umgehen und für eine kindgerechte Erklärung sorgen

Wenn Eltern sich trennen, bricht für die Kinder eine Welt zusammen. Um unnötiges Leiden zu vermeiden, sollten Vater und Mutter fair miteinander umgehen - und ihren Kinder die Situation ehrlich erklären.

Die Zahl der Scheidungen in Deutschland ist konstant auf hohem Niveau. Jede dritte Ehe wird mittlerweile durch richterlichen Beschluss aufgelöst.

Was auf dem Papier wie ein formaler Rechtsakt wirkt, hat für die Beteiligten allerdings gravierende Folgen. Vor allem Kinder leiden oft jahrelang, wenn ihre Eltern sich trennen. Rund 145.000 Minderjährige sind jedes Jahr von Scheidungen betroffen. Um die gesunde Entwicklung der Kinder nicht zu gefährden, sollten Vater und Mutter ein paar Regeln einhalten.

Es gibt keinen idealen Zeitpunkt für eine Trennung. Wenn Eltern damit warten, bis die Kinder älter sind, kann das ebenso schädliche Auswirkungen haben, wie ein zügiges Auseinandergehen. Ein konfliktreiches Zusammenleben belastet Kinder mehr als eine geglückte Trennung.

Darauf sollten Eltern achten:

  • akzeptieren Sie die negativen Reaktionen Ihres Kindes
  • erklären Sie Ihre Entscheidung offen und ehrlich
  • reden Sie nicht abfällig über ihren Partner
  • vermeiden Sie Loyalitätskonflikte
  • ermutigen Sie das Kind, seine Gefühle zu zeigen
  • nehmen Sie therapeutische Hilfe an

Negative Gefühle sind normal

Trauer, Wut, Angst - kein Kind bleibt bei einer Scheidung von unangenehmen Gefühlen verschont. Trennungen tun nun mal weh, und viele Kinder fallen zum Selbstschutz in eine frühere Entwicklungsstufe zurück. Sie verlieren ihre bereits erworbene Selbstständigkeit und Leistungsfähigkeit, auch die Toleranz für Frustrationen nimmt vorübergehend ab.

So können Sechsjährige plötzlich wieder einnässen. Für eine Übergangszeit ist das normal - es hängt aber von den Eltern ab, ob ihre Kinder dauerhaft leiden. Je fairer Vater und Mutter miteinander umgehen, desto besser gelingt es dem Nachwuchs sich mit der veränderten Situation zu arrangieren und psychisch gesund zu bleiben.

Kinder brauchen Ehrlichkeit

Wenn Eltern ihre Entscheidungen und die Konsequenzen für das Leben der Familie nicht klar kommunizieren, ist dies für Kinder belastender als eine vielleicht bittere Wahrheit. Fehlende Erklärungen werden von Kindern durch - zumeist beunruhigende - Fantasien ersetzt. Speziell kleinere Kinder fühlen sich oft schuldig an der Trennung ihrer Eltern und fürchten, ihre Liebe zu verlieren.

Fairer Umgang ist wichtig

Um diesen Angst- und Schuldgefühlen entgegenzuwirken, sollten Eltern ihre Äußerungen aufeinander abstimmen. Psychologen empfehlen etwa, dass Vater und Mutter sich auf eine gemeinsame Version der Geschehnisse einigen. Wo dies nicht möglich ist, sollten sie zumindest vermeiden, die Sichtweise des ehemaligen Partners abzuwerten oder sich abfällig über sein Verhalten zu äußern zu äußern.

Ein respektloser Umgang der Eltern verwickelt die Kinder in Loyalitätskonflikte: wem kann ich glauben, auf wessen Seite soll ich stehen? Für die psychische Entwicklung ist das schädlich.

Freier Ausdruck von Gefühlen

Kinder, die nicht über ihre Sorgen und Gefühle sprechen können, zeigen nach Trennungen oft körperliche Symptome.

Typische Symptome von Trennungskindern sind

In der Schule leiden viele unter Konzentrationsschwäche und Kopfweh. Jungen neigen verstärkt zu aggressivem Verhalten, Mädchen ziehen sich eher zurück und entwickeln depressive Syndrome.

Rechtzeitig Hilfe suchen

Eine kurzzeitige Regression auf einen früheren Entwicklungsstand ist unschön, aber kein Grund zur Besorgnis. Kinder haben noch keine Fähigkeiten, um emotionale Probleme auf andere Art zu lösen:

  • sie reagieren ängstlicher auf eigentlich normale Situationen,
  • sie fordern intensiveren Körperkontakt oder
  • sie schalten einfach ab, wenn Gespräche sie belasten.

Eltern und Erzieher sollen dieses Verhalten liebevoll begleiten - und dem Kind beständig vermitteln, dass beide Eltern es weiterhin lieben und sich um es kümmern werden. Halten die Entwicklungsrückschritte jedoch an, ist fachliche Unterstützung sinnvoll.

Es macht keinen Sinn, mehrere Monate auf eine Besserung zu warten, während das Kind durch Depressionen, aggressives Verhalten oder gesundheitliche Probleme sozial immer weiter isoliert wird. Hilfe bieten Kinder- und Jugendpsychiater, idealerweise mit einer Qualifikation in Psychosomatik.

Besonders wichtige Bezugspersonen nach der Trennung können die Großeltern sein.

Unterstützung nach der Trennung durch die Großeltern

Die Trennung der Eltern ist für ein Kind eine schlimme Situation. Keinesfalls sollte das Paar dem Kind dann auch noch die Großeltern "wegnehmen", da diese in dieser schwierigen Zeit eine große Unterstützung sein können.

Das Leben ändert sich schlagartig

Mama und Papa streiten und trennen sich schließen. Das Kind wohnt von nun an bei Mama oder Papa, nicht mehr bei Mama und Papa. Egal in welchem Alter die Kinder sind, die Trennung ist für sie ein großer Einschnitt, mit dem sie erst fertig werden müssen.

Viele Mütter und Väter machen dann den Fehler, dass den Kindern der Kontakt zu den Eltern des ehemaligen Partners verwehrt wird und sie nur noch Kontakt zu den eigenen Eltern haben dürfen. Dabei sind Großeltern für Trennungskinder ganz wichtig, egal ob es die Eltern der Mutter oder die Eltern des Vaters sind.

Die Großeltern als Stütze und Ansprechpartner

Da sich für Trennungskinder sowieso viel ändert, sollte ihr Umfeld wenigstens so bleiben, wie sie es kennen. Die Omas und Opas sollen die gleichen bleiben und sich weiterhin in dem Maße um das Kind kümmern, wie dies auch zuvor geschehen ist. Auch wenn die Wohnsituation nicht immer erhalten werden kann, so ist doch zumindest dieser Punkt für die Kinder ganz wichtig.

Großeltern können in der Trennungszeit ganz wichtige Ansprechpartner für die Kinder werden. Da Mama und Papa sich jetzt dauernd streiten und viele wichtige Dinge miteinander zu klären haben, kommen die Kinder oft zu kurz. Den Großeltern vertrauen sie sich jedoch gerne an und unternehmen Dinge mit ihnen, für die die Eltern im Moment "keinen Kopf" haben.

Großeltern sollten ihren Ex-Schwiegerkindern deutlich mitteilen, dass sie auch nach einer Trennung weiterhin für das Enkelkind da sein wollen, so wie dies zuvor war. Denn trotz Trennung bleibt es doch ihr Enkelkind.

Was Großeltern jedoch tunlichst vermeiden sollten, ist, sich in die Streitigkeiten des Paares einzumischen. Nur wenn Oma und Opa neutral bleiben und vor allem nicht in Gegenwart des Enkelkindes über Mama oder Papa schimpfen, kann die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkind weiterhin so aufrecht erhalten werden, wie es zuvor war.

Die Großeltern als Form der Stabilität

Die Trennung ist eine schlimme Zeit für die Kinder. Gerade jetzt sind Großeltern wichtig. Die Kinder finden hier die Geborgenheit, die sie zu Hause vielleicht gerade vermissen. Außerdem ist bei den Großeltern noch alles beim "Alten", zu Hause aber leider ganz und gar nicht.

Auch wenn sich die Großeltern vielleicht noch so sehr über die Ex-Schwiegertochter oder den Ex-Schwiegersohn ärgern, so sollten sie sich diesen Ärger aber gegenüber ihrem Enkelkind nicht anmerken lassen.

Großeltern als wichtige Bezugspersonen für Trennungskinder
Großeltern als wichtige Bezugspersonen für Trennungskinder

Auch Oma und Opa leiden

Lässt sich ein Ehepaar scheiden, denken die meisten Außenstehenden nicht nur an das eigentliche Paar, sondern auch an deren Kinder. Oft wird gesagt, dass die Kleinen die wahren Leidtragenden sind und es stimmt: Kinder leiden besonders stark unter der Trennung.

An wen jedoch bei einer Scheidung so gut wie gar nicht gedacht wird, sind die Eltern des Ex-Ehepaares, beziehungsweise die Großeltern der Scheidungskinder. Die Eltern/Großeltern sind jedoch oft nicht nur geschockt, sondern leiden unter dem Bruch der zuvor verheirateten Familienzweige.

Balanceakt aus der Sicht der Schwiegereltern

Für die Eltern der geschiedenen Parteien ist das Miteinander plötzlich schwierig, denn es gibt keine gemeinsamen Wochenenden und Familienessen mehr. Hatte man ein gutes Verhältnis zum "Schwiegerkind" aufgebaut, ist der Gedanke an komplette Funkstille für die Eltern schwer zu ertragen. Oft beginnt ein schwieriger Balanceakt, denn man möchte dem eigenen Kind und dem Ex-Partner ein offenes Ohr und praktische Hilfe (beispielsweise beim Auszug) anbieten.

Um nicht zwischen die Fronten zu geraten, empfehlen Psychologen den Eltern der Scheidungsparteien aber, ein wenig Abstand zu halten. Man darf zuhören und trösten, sollte aber nicht Partei ergreifen. In die Beziehung der erwachsenen Kinder sollten Eltern sich nie einmischen, das bringt in der Regel nur neue Komplikationen.

Umgangsrecht für Großeltern

In der Rolle als Großeltern leiden die Betroffenen Eltern dann, wenn der Kontakt zu den Enkelkindern eingeschränkt werden soll. Bekommt das Ex-Schwiegerkind das Sorgerecht und möchte die Großeltern der anderen Seite nicht mehr sehen, wird der Kontakt zu den Enkeln oft komplett unterbrochen.

  • Rechtlich gesehen hat man als Oma und Opa zwar ein Umgangsrecht, muss dieses aber vor Gericht beantragen und dort dem Richter belegen, warum der Kontakt für das Enkelkind wichtig für die Entwicklung ist.

Das ist nicht immer einfach und vor allen Dingen ein Nervenkampf für alle Beteiligten. Oberstes Ziel sollte es daher sein, sich fernab eines Gerichtstermins zu einigen.

Als Oma und Opa schreibt man am besten einen Brief und bittet um das persönliche Gespräch unter Erwachsenen. Auf keinen Fall sollte man an Wochenenden ohne Ankündigung in der Tür stehen. Das sorgt für noch mehr Aufregung und kann eine Krise schlimmer machen.

Kommt es zu einer Scheidung der Eltern, gilt es, diese den Kindern so einfach wie möglich zu machen...

Der richtige Umgang mit Kindern im Scheidungsprozess

Ob Kinder eine Scheidung im Zweifel besser verkraften als dauerhaft unglückliche und streitende Eltern, darüber sind sich Experten uneinig. Fest steht aber: Ist die Trennung erst einmal eingetreten, dann benötigen Kinder besonders viel Unterstützung.

Gefühlschaos betroffener Kinder

Ganz grundsätzlich empfinden wohl die meisten Kinder die Scheidung ihrer Eltern als echte Bedrohung. Je jünger das Kind, desto weniger kann es rational begreifen, was hierbei eigentlich geschieht. Nicht selten suchen Kinder sogar die Schuld bei sich selbst und glauben, dass ihr Verhalten etwas mit der schmerzhaften Trennung von Mama oder Papa zu tun habe.

Vollständig schützen können Eltern ihre Kinder nicht vor diesem Gefühlschaos, das fast zwangsläufig auf die Kleinen hereinbricht. Etliche positive Beispiele beweisen aber: Man kann eine ganze Menge dafür tun, dass Kinder die Scheidung zumindest ohne größeren Schaden überstehen.

Schutz und Sicherheit

Die Basis, um einem Kind die nötige Sicherheit zu vermitteln, könnte man schlicht und banal als Liebe bezeichnen. Wenn die Eltern sich trennen, sind die betroffenen Kinder besonders anlehnungsbedürftig. Nicht alle können dies jedoch zeigen, manche werden sogar aggressiv - gerade dann müssen Mama und Papa jedoch beweisen, dass sie allen Umbrüchen zum Trotz immer an der Seite ihres Kindes stehen.

Zugegeben: Es gibt einfachere Aufgaben als die, sich mit dem Ex-Partner noch einigermaßen vernünftig zu unterhalten. Absprachen sind aber nötig, um den gemeinsamen Umgang mit dem Kind zu regeln - und ihm so zu vermitteln, dass es auch künftig auf kein Elternteil verzichten muss.

Professionelle Hilfe

Wenn die Situation besonders verfahren ist, dann sollte man durchaus auf professionelle Unterstützung zurückgreifen. Familienberatungsstellen sind gute und zudem in aller Regel kostenlose Ansprechpartner insbesondere auch für Scheidungsfamilien. Je nach Bedarf können hier Eltern und Kinder einzeln oder gemeinsam über die schwierige Zeit sprechen und Lösungen finden, wie die Situation für alle so angenehm wie möglich gestaltet werden kann.

Einen Umzug mit Kindern absprechen

Neben emotionalen fallen übrigens auch ganz handfeste Aspekte ins Gewicht: Den meisten Kindern fällt der temporäre Abschied von Mama oder Papa schwer genug. Dann auch noch ihre geliebten Schulkameraden und die gewohnte Umgebung zu verlieren, empfinden viele als echte Zumutung.

Ein möglicher Umzug sollte daher niemals Hals über Kopf durchgeführt, sondern stets auch in Absprache mit dem Kind überlegt werden. Dabei sollten die betroffenen Eltern auch nach alternativen Lösungen suchen, mit deren Hilfe man nach der Trennung auch symbolisch einen neuen Lebensabschnitt beginnen kann.

Quellen:

  • Elisabeth Cope: Allein erziehen und stark sein: Schwierige Situationen wahrnehmen, verstehen, lösen, Klett-Cotta, 2005, ISBN 3608943374
  • Armin Fischer: Alleinerziehend. Männlich. Gut. Der Ratgeber für Single-Väter, humboldt / Schlütersche, 2008, ISBN 3899942159
  • Monika Czernin und Remo H. Largo: Glückliche Scheidungskinder: Trennungen und wie Kinder damit fertig werden, Piper, 2009, ISBN 3492241581
  • Helmuth Figdor: Kinder aus geschiedenen Ehen: Zwischen Trauma und Hoffnung: Wie Kinder und Eltern die Trennung erleben, Psychosozial-Verlag, 2004, ISBN 3898063224
  • Julia Volmert: Wir bleiben eure Eltern!: Auch wenn Mama und Papa sich trennen, Albarello, 2007, ISBN 3865590284

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft. Wie wir arbeiten und unsere Artikel aktuell halten, beschreiben wir ausführlich auf dieser Seite.

War der Artikel hilfreich?

Fehler im Text gefunden?

Bitte sagen Sie uns, warum der Artikel nicht hilfreich war:

Um die Qualität unserer Texte zu verbessern, wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns den/die konkreten Fehler benennen könnten:

Historie:
Zuletzt aktualisiert am
So arbeiten wir
Autor:

Mehr über uns
Warum kein namentlicher Autor?

Unsere Artikel werden auf Grundlage fundierter wissenschaftlicher Quellen sowie dem zum Zeitpunkt der Erstellung aktuellsten Forschungsstand verfasst und regelmäßig von Experten geprüft.

Bildnachweise:
  • my friend mother © Tomasz Trojanowski - www.fotolia.de
  • Vintage Chalkboard © Maceo - www.fotolia.de
  • Schultafel Kreidetafel Textur © Gunnar Assmy - www.fotolia.de
  • 4 Colored Stick Notes Colored Pins Mix © Jan Engel - www.fotolia.de
  • Young kid playing a toy © Yuri Arcurs - www.fotolia.de

Weitere Artikel zum Thema