7. Januar 2010
Von Viola Reinhardt
Oft gehen Paare davon aus, dass eine Schwangerschaft und damit der Zeitpunkt vom Paar-zu-Eltern-werden kein Problem sein wird. Gemeinsame Einkaufsaktionen für das Kleine, kreative Stunden bei der Namenssuche oder auch eine eifrige Teilnahme an der Schwangerschaftsvorbereitung versüßen die neun Monate. Kaum ist allerdings das Baby da, bekommen viele Paare regelrecht Krisenzustände, die sich mit Streit, Stress und vielen Tränen manchmal sogar bis zur Trennung zeigen. Gemeinsam die Krise umschiffen sollte das Motto heißen, denn trennen kann sich jeder und ist zumeist der falsche Weg.
Bei zahlreichen Paaren, die gerade Eltern werden, beginnt die Krise mitunter schon im letzten Drittel der Schwangerschaft. Der Bauch wächst schnell und genauso schnell verliert so manche Frau oder so mancher Mann die Lust auf Zärtlichkeit und Sex. Als Frau fühlt man sich dick und gar nicht sexy, als Mann hat man Angst das Baby zu "verletzen" oder findet seine Frau eher unförmig als anregend. Doch gerade die letzten Monate oder Wochen vor der Geburt sind die Zeiten, in denen man weder Angst vor einer neuen Schwangerschaft haben muss oder auch ohne Babygeschrei und Hektik sich nahe sein kann. Denn genau diese Nähe wird anfangs nur schwer umzusetzen sein und sollte in den Erwartungen des Paares gleich mit bedacht werden.
Thema Erwartungen. Auch diese lösen eine mögliche Krise aus. ER erwartet, dass sie sich um ihn auch nach der Geburt des Babys kümmert wie in der Zeit ohne Baby. SIE erwartet, dass er sich mit allem zurückhält, dagegen allerdings nächtens aufsteht oder auch im Haushalt hilft. Planbar ist gerade die erste Zeit mit Kind für Paare sowieso kaum, denn auch wenn man davon träumt, dass das Baby nach wenigen Wochen durchschläft, es keine 3-Monats-Kolik oder auch Schreianfälle bekommt: Diese Ereignisse treten entweder gewiss ein oder lassen unter Umständen Monate auf sich warten. Überzogene Erwartungen desillusionieren recht schnell, Frust macht sich breit und der Haussegen hängt so schief wie das Mobile über dem Babybettchen.
Dass sich jeder seine Erwartungen macht ist ein normales menschliches psychisches Vorgehen, doch der Liebe zu Gunsten sollte man diese zurückschrauben und dafür lieber über grundlegende Dinge sprechen. Wer wird nach der Geburt für eine Weile auf den Job verzichten? Wie soll die Hausarbeit aufgeteilt werden? Welche Verwandten oder Freunde können als Babysitter einspringen, um immer noch Paar zu bleiben und in regelmäßigen Abständen sich eine gemeinsame Auszeit zunehmen und sei es auch nur mit einem Kino- oder Saunabesuch? Wichtige Fragen, die zumindest etwas Linie in die kommende Elternzeit bringen und oft eine Krise eindämmen bevor sie beginnt.
Miteinander reden statt zu schweigen und damit all den Frust oder auch Sorgen in sich hineinzufressen bis zum großen Knall, ist bereits der erste Schritt in Sachen Stressvermeidung. Gegenseitiges Verständnis zeigen, sich in der Nacht beim Aufstehen abwechseln, gemeinsame Zeiten ohne Kind oder auch Auszeiten für jeden alleine, schmieden eng zusammen und hält die Freundschaft zwischen dem Paar ebenso aufrecht als auch die Liebe. Gewürzt mit einer guten Prise Humor und weniger Perfektionismus (denn der wird auf jeden Fall zu kurz kommen), lassen sich die kleinen Fallstricke recht gut umgehen. Und tritt man dann doch hinein und sieht nur noch die Trennung als Ausweg, dann sollte man sich an die einstige verliebte Zeit erinnern und durchaus auch den Weg zur Paarberatung gehen. Zusammenbleiben lohnt sich auf jeden Fall, denn eines ist sicher: In achtzehn bis zwanzig Jahren ist alles vorbei.
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