Lesen - Nutzen, Formen und Tipps zum Lesenlernen

Lesen spielt in allen Bereichen des Alltags eine große Rolle und bedeutet mehr als nur die Aneinanderreihung von Buchstaben und Lauten. In erster Linie kommt es nämlich auf ein gutes Textverständnis an, also auf die Fähigkeit, Inhalte verstehen und interpretieren zu können. Um diese Stufe der Lesekompetenz zu erreichen, bedarf es viel Zeit und intensive Übung. Informieren Sie sich über die Bedeutung und Formen des Lesens, und welche Tipps man zum Lesenlernen beachten sollte.

Rund um die Fähigkeit, zu lesen - Vorteile, Lernmöglichkeiten und Co

Lesen: Definition und Nutzen

Das Lesen beschreibt das visuelle - oder auch taktile - Wahrnehmen von Schriftzeichen bzw. deren Umsetzen in Lautsprache. Umgesetzt werden in diesem Zusammenhang

  • Buchstabenlaute
  • Silben
  • Wörter
  • Sätze oder auch
  • Textabschnitte.

Einzelne Buchstaben werden also zu Silben, die wiederum zu Wörtern geformt usw. Des Weiteren wird der Begriff des Lesens auch für das Auswerten von nicht-linearen Texten, wie etwa Karten, Plänen oder Zeichnungen sowie Noten verwendet. Erst durch das Lesen eines Textes etc. kann man diesen verstehen.

Dabei handelt es sich um eine Fähigkeit, die erst erlernt werden muss; dies geschieht in der Regel ab der ersten Klasse; doch auch schon vorher üben viele Eltern mit ihren Kindern das Lesen.

Die Fähigkeit, Lesen zu können, ist in sämtlichen alltäglichen Bereichen unabdingbar. Neben Rechnen und Schreiben zählt sie zu den wichtigsten kulturellen Fertigkeiten.

Man liest, um

  • sich zu orientieren (z.B. beim Lesen von Wegweisern, Verkehrsschildern, Warnschildern etc.)
  • zu verstehen (z.B. beim Lesen von Bedienungsanleitungen oder Beipackzetteln von Medikamenten)
  • sich zu informieren oder sich zu unterhalten (z.B. beim Lesen von Büchern, Zeitungen oder Internetseiten

Selbst, wer nicht sehen kann, ist in der Lage zu lesen. Zu diesem Zweck gibt es eine spezielle Blindenschrift, bei der die unterschiedlichen Buchstaben in Form von Zeichen, die der bzw. die Blinde durch Anfassen erkennt, gelesen werden. Die Unfähigkeit, zu lesen, kann auf Analphabetismus zurückzuführen sein; nähere Informationen erhalten Sie hier. Probleme beim Lesen wiederum können ihre Ursachen in der Dyslexie oder der Legasthenie haben.

Merkmale einer guten Lesbarkeit

Der richtige Buchstabenabstand ist wichtig für die gute Lesbarkeit eines Textes
Der richtige Buchstabenabstand ist wichtig für die gute Lesbarkeit eines Textes

Damit ein Text für einen gesunden Leser gut lesbar ist, sollte dieser bestimmte Merkmale aufweisen. Anders als meistens angenommen, steht dabei nicht die Schriftgröße an erster Stelle.

Eine besondere Rolle spielt besonders der Buchstabenabstand. Je näher die einzelnen Buchstaben zueinander stehen, desto mühseliger ist es, sie zu erkennen.

Nach Ansicht von Gehirnforschern ist es für das menschliche Auge entscheidend, dass der Hintergrund eines Objekts ein möglichst geringes Potential für Ablenkung bietet. Je mehr Raum dieses Objekt - oder eben einen Buchstaben - umgibt, desto lesefreundlicher in diesem Fall.

Dabei gilt, dass der Abstand umso größer sein muss, je größer die Entfernung des Objekts ausfällt. Würde man sich ein Buch aus einer größeren Entfernung versuchen zu lesen, würden die Buchstaben verschwimmen und nicht mehr einzeln hervorstechen. Dabei spielt auch das Alter eine Rolle: ein älteres Kind wird einen deutlich kleineren Abstand besser wahrnehmen und somit schneller lesen können, als ein Kind, welches gerade erst mit dem Lesen begonnen hat.

Formen des Lesens

Es gibt unterschiedliche Formen des Lesens. Diese bilden die Voraussetzung für einen guten Leser; zudem gibt es gegenseitige Ergänzungen.

Da wäre zum einen das Buchstabieren:

  • einzelne Erkennung der Buchstaben und Zuordnung derer Lautwert
  • Zuordnung und Aussprechen eines hörsprachlich bekannten Wortes durch die Buchstabenabfolge
  • Schwierigkeiten: etwa bei Umlauten oder Zwielauten; hier stimmen Buchstabenlautwerte nicht mit der Aussprache des Gesamtwortes überein
  • Teil der Lesefertigkeit; gelingt auch bei unbekanntem/fremdsprachlichen Wort
  • sehr langsames Vorgehen

Auch das Erkennen von Wörtern zählt zum Lesen: selbst wenn nur ein Buchstabenteil fixiert wird, kann die richtige Zuordnung von Wörtern erfolgen. Bei kürzeren Wörtern erfolgt keine direkte Anschauung mehr, bei längeren lediglich die Kontrolle von Anfang und Ende.

Die Schwierigkeit der Sinnerfassung auf Satzebene ist abhängig von Satzlänge und Lesegeschwindigkeit, unter der Voraussetzung, dass man die Wörter kennt. Die Sinnerfassung auf thematischer Ebene dient dem Verständnis von komplizierten Sätzen sowie Wortbedeutungen aus dem Kontext heraus. Der Inhalt wird komprimiert, die Lesegeschwindigkeit gesteigert.

Tipps und Spiele zum Lesenlernen für Kinder

Lesenlernen ist ein langwieriger Prozess, der viel Zeit, Mühe und Durchhaltevermögen erfordert. Damit Kinder in der Grundschule mit Spaß das Lesen erlernen können und nicht überfordert werden, gibt es speziell konzipierte Leselernspiele, die die Motivation steigern. Doch auch andere Übungen und Tricks tragen dazu bei, dass das Kind mit Spaß und Erfolg Lesen lernt.

Lernen durch Zuhören

Die Grundlagen des Lesens werden bereits im Vorschulalter gelegt und liegen in den Händen von Eltern und Erziehern. Diese nehmen zunächst die Rolle der Vorleser ein, während die Kinder ausschließlich zuhören.

Aber schon hier beginnt der Lernprozess: Die Kinder entwickeln ein Verständnis für Worte, Silben und Betonungen, das für das Erstlesen in der Grundschule von großer Bedeutung ist. Eltern sollten ihren Kindern also regelmäßig altersgerechte Bücher vorlesen, das Erlernen von Buchstaben und die ersten eigenen Leseerfahrungen haben dagegen Zeit bis zur Einschulung.

Ab der ersten Klassen

Im Erstleseunterricht der Schuleingangsphase kommt fast überall die Anlauttabelle zum Einsatz. Auf dieser ist das Alphabet und hinter jedem Buchstaben ein für alle Kinder bekanntes Motiv, das mit dem jeweiligen Buchstaben beginnt, abgedruckt.

Im gegenseitigen Wechsel nennen die Spieler einen Buchstaben und lassen sich ein Wort sagen, dass mit diesem Buchstaben beginnt. Ziel ist es, dass die Anlauttabelle irgendwann nur noch mental in den Köpfen der Kinder zum Einsatz kommt und auch Worte gefunden werden, die nicht als Motiv in der Tabelle abgebildet sind. Andersherum kann man sich natürlich auch ein Wort ausdenken und der Spielpartner muss den Anfangsbuchstaben nennen.

Den Schülern wird so vermittelt, welchen Laut sie welchem Buchstaben zuordnen müssen. Eltern finden eine solche Anlauttabelle oft in den Schulbüchern und können mit diesem Material gemeinsam mit dem Kind üben.

Auch das Silbentraining ist für Erstklässler von großer Bedeutung. Silbenkärtchen kann man im Fachhandel erwerben oder selbst herstellen. Für Kinder ist dieses Lernmaterial eine Art Spiel, in dem die Karten verdeckt, gezogen und vorgelesen oder zu Worten zusammengefügt werden.

Wort-Memory

Für Kinder, die bereits ganze Wörter lesen können, eignet sich das Wort-Memory. Hier gehören immer drei Karten zusammen, von denen auf der ersten ein Motiv abgebildet ist, auf der zweiten dasselbe Motiv mit dem Wort in Großdruckbuchstaben und auf der dritten nur das Wort.

Das Spiel können viele Kinder gemeinsam spielen, wobei die Karten zunächst gemischt und verdeckt auf einen Tisch gelegt werden und anschließend abwechselnd von den Kindern gezogen werden. Wer alle drei Karten eines Wortes gefunden hat, darf die Karten an sich nehmen.

Worte legen

Beliebt sind auch Spiele, in denen Kinder selbständig aus einzelnen Buchstaben Worte legen müssen. Hierfür kann man kleine Buchstabenkärtchen beschriften und ausschneiden. Jeder Buchstabe sollte mehrmals vertreten sein.

Die Kinder ziehen nun eine bestimmte Anzahl von Buchstaben und versuchen jeweils, ein möglichst langes Wort zu legen. Abhängig von der Länge der Wörter werden Punkte verteilt, so dass die Kinder einen zusätzlichen Anreiz haben.

Sätze lernen

Ähnlich kann man auch beim Lernen von Sätzen verfahren. Jedes Kind schreibt zunächst auf vorgefertigte Kärtchen je drei Nomen, Verben und Objekte. Diese Kärtchen werden anschließend verdeckt auf den Tisch gelegt und jeder Spieler zieht drei Wörter. Ziel ist es, einen sinnvollen Satz zu bilden oder zu begründen, warum ein solcher mit den gezogenen Kärtchen nicht möglich ist.

Ab der zweiten Klasse

Ab der zweiten Klasse beginnen Kinder flüssiger zu lesen, sie kommen mit ganzen Sätzen zurecht und können einfache schriftliche Anweisungen inhaltlich verstehen. Eltern haben nun die Möglichkeit, ihren Kindern zu einem flüssigen Lesen zu verhelfen.

Zum einen können sie ihr Kind laut vorlesen lassen. Da das zu Beginn aber noch mit viel Anstrengung verbunden ist, sollte man die Kinder damit nicht überfordern. Zehn Minuten pro Tag reichen aus.

Lesen im Alltag

Eine weitere Idee ist es, das Lesen in den Alltag der Kinder zu integrieren. Als Möglichkeiten bieten sich das Hinterlegen kurzer Briefe und Notizen oder das Einkaufen mit Einkaufszettel an.

Dadurch erfährt das Kind, dass seine Lesefähigkeit in vielen Situationen von Nutzen ist. Für ältere Kinder, deren Lesekompetenz primär im Bereich des inhaltlichen Verständnisses gefördert werden soll, eignet sich das Stellen von einfachen Textfragen.

Spielerisches Lernen

Auch spezielle Software und Spiele eignen sich zum Lesen üben. Welches Programm pädagogisch sinnvoll ist, können Eltern bei den Lehrern ihrer Kinder oder im Fachhandel erfragen.

Weit verbreitet ist auch das Internetprogramm "Antolin". Hier können Schüler sich einloggen und inhaltliche Fragen zu einem selbstgewählten Buch beantworten. Für jede richtig beantwortete Frage Punkte und können ihren Punktestand online mit Freunden und Klassenkameraden vergleichen.

Doch auch im höheren Alter kann man noch einiges lernen, wenn es ums Lesen geht...

Tipps für effektiveres Lesen

Vieles, was man im Alltag liest, überfliegt man nur, ohne es wirklich zu behalten. Effektiv zu lesen bedeutet hingegen, das Gelesene auch wirklich zu verstehen und langfristig zu speichern.

Es geht also nicht darum, möglicht schnell zu lesen. Auf diese Weise macht das Lesen deutlich mehr Spaß, denn wer alles versteht, lernt, dies auch wirklich zu schätzen. Zudem spart man dadurch eine Menge Zeit und Energie, wenn es ums Lernen geht.

Folgende Tipps können beim effektiveren Lesen helfen:

  • sich über den Autor informieren, um das Werk besser einordnen und verstehen zu können
  • das Gelesene hinterfragen, um den Inhalt zu vertiefen und sich besser daran erinnern zu können
  • das Werk in der Gruppe zu diskutieren, um auch andere Einsichten kennen zu lernen, auf die man vorher nicht gekommen wäre
  • seine Gedanken zum Werk notieren, um sich auch nach dem Lesen noch damit zu beschäftigen
  • Rezensionen lesen, um zu lernen, was es heißt, die wichtigsten Informationen aus dem Werk herauszuholen
  • wichtige Dinge nachschlagen, um sein Allgemeinwissen immer wieder zu erweitern

Quellen:

  • Andrea Bertschi-Kaufmann: Das Lesen anregen, fördern, begleiten, Kallmeyer, 2006, ISBN 3780020793
  • Stanislas Dehaene: Lesen: Die größte Erfindung der Menschheit und was dabei in unseren Köpfen passiert, Albrecht Knaus Verlag, 2010, ISBN 3813503836
  • Birgit Kuhn: Lesetechniken optimieren: Schneller lesen - leichter merken. Die erfolgreichsten Methoden, Tipps und Strategien, Compact, 2009, ISBN 3817478550
  • Wolfgang Schmitz, Friedrich Hasse und Britta Sösemann: Schneller lesen - besser verstehen, rororo, 2008, ISBN 3499623781

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