14. April 2009
Von Viola Reinhardt
Böse Männerwelt oder doch Frauen, die ihren eigenen Karriere- und Finanzfallen unterliegen? Zunächst ist der Mensch an sich auf dem "Ellenbogentrip": Zuerst ich und dann mal lange nichts. Der Spruch gilt für die meisten Männer und die wenigsten Frauen. Bescheidenheit, Zurückhaltung, Perfektionismus oder auch keine Konfliktbereitschaft und ein Mangel an Karrierezielen bremsen die Frauenwelt selber aus.

Schlechtere Bezahlung: Frauen ziehen beim Verdienst meist den Kürzeren
Da verdient eine Friseuse in einem typischen Frauenberuf rund 12% weniger als ihr Kollege und doch hält sie still. Die Marketing-Kauffrau arbeitet bei gleicher Leistung ebenso wie ihr männlicher Kollege und schaut monatlich mit rund 500€ weniger auf dem Konto dumm aus der Wäsche. 15,2% weniger Lohn für die Kellnerin, fast 10% weniger für die Schuhverkäuferin. Endlos ist die neue Auflistung, die zeigt, dass Frauen stets weniger verdienen als die beruflich vergleichbaren männlichen Kollegen. Und da spielt selbst eine größere Erfahrung bei der berufstätigen Frau kaum eine Rolle, denn wie ein Chef sagte "ein Mann in seinem Betrieb erhält mehr Lohn, weil er prozentual in der Unterzahl ist". Aha.
Frauen sind allerdings an der Lohn-Misere zum guten Teil selber schuld. Viele sehen in ihrem Beruf eine Übergangsstation, denn nach wie vor wollen die meisten Frauen Kinder und damit eine Familie, die sie überwiegend selbst betreuen möchten. Eine tolle Sache, jedoch mit dem Haken, dass sie in ihrer berufstätigen Zeit kaum Ansprüche stellen oder gar bestimmte Karriere-Ziele anstreben. Zum (Lohn-) Leidwesen der Frauen, die sich lieber für eine dauerhafte Karriere entscheiden.
Arbeitet Frau, dann zeigt sie sich in ihren Wünschen und Forderungen sehr bescheiden. Die eigenen Qualitäten und Fähigkeiten sehen, hat nichts mit Arroganz oder Eitelkeit zu tun, sondern zeugt von einem gesunden Selbstvertrauen. Und genau mit diesem kann man zu seinem Vorgesetzten gehen und die gerechte Bezahlung oder auch die Beförderung einfordern. Männer tun das und nicht gerade mit einer bescheidenen Art.
Auch der oft an den Tag gelegte Perfektionismus macht Frauen einen finanziellen Strich durch die monatliche Haben- und Sollliste. Zu lernen auch Arbeit zu delegieren und sich dann auf die Wesentliche Aspekte des Berufes und dessen Tätigkeit zu konzentrieren bringt einen viel weiter. Auf der Karriereleiter und dem finanziellen Polster. Zudem macht ein Perfektionswahn auf Dauer krank, gereizt und überfordert und lässt somit oftmals alles wie ein Kartenhaus in sich einbrechen.
Kritik wird zudem als Liebesentzug gewertet. Ein falscher Weg, denn gerade in der berechtigten Kritik liegt ein starkes Potenzial, um sachlich mit Problemen und Erwartungen umzugehen. Mit den eigenen und mit denen von anderen. Hier geht es gleich weiter mit den persönlichen Zielen. Möchte man in seinem Beruf gut sein und diesen auch mit Freude ausüben, dann sollte man sich nicht nur auf ein konkretes Ziel besinnen, sondern auch beständig etwas dafür tun, um diesen zu erreichen. Die Meisterin machen? Warum nicht. Es in den Vorstand schaffen? Warum nicht. Sich im Beruf selbständig machen? Warum nicht. Nur sollte Frau etwas dafür tun! Weiterbildung, Netzwerken und das eigene Licht nicht unter den Scheffel stellen sind hierbei die Basis für ein Weiterkommen. Und da man als Frau einige Fähigkeiten mehr als ein Mann besitzt, sollte man genau diese einsetzen: Soziale Kompetenzen, Empathie und Stärke ebnen Wege, die weit über einen Einkommensverlust von 23% hinausgehen. Nämlich bis zu der Spitze, die man erreichen möchte. Auch und gerade die finanzielle.
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