21. April 2010
Von Andreas Hadel
Ich wurde einmal gefragt, für welche Übung ich mich entscheiden würde, wenn ich nur eine einzige absolvieren dürfte. Ohne auch nur eine Sekunde zu überlegen war Kreuzheben meine Antwort. Kreuzheben bringt Ihnen eine unvergleichliche Kombination aus Kraft, Masse und Symmetrie. Keine andere Übung birgt Wiederholung für Wiederholung soviel Potential.
Einige Athleten glauben zwar, dass das Kreuzheben nur eine Übung für den unteren Rücken sei und daher für die Gesamtentwicklung nicht soviel bringt. Tatsächlich aber beansprucht sie alle Hauptmuskelgruppen des Körpers: Beine, Gesäß, Bauch, den gesamten Rücken, Brust, Arme und Hals. Wer mir nicht glaubt, sollte einmal Kreuzheben versuchen, wenn er in eine der eben genannten Muskeln eine Zerrung oder extrem starken Muskelkater hat. Nicht zuletzt wegen dieser Eigenschaft, den gesamten Körper zu beanspruchen, wurde das Kreuzheben eine Disziplin im Kraftdreikampf. Die Sportart, in der jener Athlet mit der höchsten körperlichen Gesamtkraft ermittelt wird.
Aber es ist auch nicht falsch, das Kreuzheben zu einer Übung für den unteren Rücken zu zählen, da es keine bessere Alternative gibt, diesen wichtigen Bereich des menschlichen Körpers zu stärken. Sie müssen wissen, dass der untere Rücken in allen Kraftsportnischen eine so hohe Schlüsselposition einnimmt, wie beispielsweise das Mittelfeld einer Fußballmannschaft. Verrichten die Spieler im Mittelfeld ihre Arbeit nicht zuverlässig, kann weder ein starker Angriff aufgebaut werden, da die Bälle nicht optimal zur Spitze gebracht werden, noch wird die Verteidigung gegnerischen Angriffen standhalten können, da die feindlichen Stürmer fast ungehindert ihren Angriff aufbauen können. Beim unteren Rücken verhält es sich zum Rest des Körpers ähnlich. Er nimmt eine übergeordnete Stellung ein, was die Kraftübertragung von Unter- zum Oberkörper und umgekehrt betrifft. Die gesamte Körperstruktur und das Kraftpotential hängen von diesem Bereich ab. Ein schwacher unterer Rücken wird all' ihre Bemühungen, ein wahrer Titan zu werden, jäh ausbremsen. Die von den Hüften und Beinen erzeugte Kraft kann nicht auf den oberen Rücken und die Schultern übertragen werden, was selbstverständlich ihre Leistung im Überkopfdrücken und Kraftumsetzen mindert, aber auch das Erreichen einer hohen Kniebeugenlast verhindert, und somit ebenfalls ihren Massezuwachs schmälern wird.
Falls Sie sich bei der Wahl der Kniebeugenlast einmal überschätzen, und sich deshalb während der Wiederholung zu weit nach vorne lehnen, wird ein kräftiger unterer Rücken dabei helfen, den Versuch doch noch halbwegs sicher zu beenden. Wer diese Muskelgruppe kräftigen will und damit den Weg zu allgemeiner Masse und Kraft ebnen will, muss schwere Gewichte wuchten. Andernfalls wird der untere Rücken nur konditioniert. Hyperextensionen sind schon allein deshalb kein Ersatz für das Kreuzheben, weil sie keine schweren Gewichte zulassen.
Schließlich erzeugt das intensive Kreuzhebe-Training einen Anstieg der Ausschüttung von HGH, Testosteron und weiteren Hormonen im Blutkreislauf, die dem Muskel- und Kraftzuwachs förderlich sind.
Arnold Schwarzenegger, Franco Colombo, Lee Haney, Dorian Yates und Ronnie Coleman haben nicht nur die Gemeinsamkeit mehrere Sandow-Statuen auf dem Kaminsims stehen zu haben. Sie alle schwören auf das Kreuzheben als unersetzbare Voraussetzung für den Aufbau eines absolut beeindruckenden Körpers. Schwarzenegger, Colombo und Coleman betrieben das Kreuzheben sogar mit so hohem Eifer, dass Sie an Kraftdreikampf-Wettkämpfen teilnahmen. Und auch dort waren sie nicht minder erfolgreich wie auf der Bodybuildingbühne. Kurzum, wenn Masse und Kraft auf Ihrer Wunschliste ganz oben stehen, kommen Sie um das Kreuzheben nicht herum.
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