24. Juni 2008
Von K. Schumann
Die Blutegeltherapie zählt zu den Ausleitungsverfahren und wird in Europa schon seit mehr als 2000 Jahren angewendet. In den letzten Jahren hat die Blutegelbehandlung in der Naturheilkunde wieder vermehrt an Bedeutung gewonnen.

Nach dem Biss sondert der Blutegel seinen Speichel in die Wunde ab
Blutegel sind bis zu fünf Zentimeter große wurmartigeTiere, die auf der ganzen Welt verbreitet sind und üblicherweise im Süßwasser leben. Medizinisch eingesetzt werden jedoch nur der medizinische Blutegel (Hirudo medicinalis), welcher auf speziellen Blutegelfarmen gezüchtet wird. Da der Blutegelbestand durch die vielen Blutegelbehandlungen im 18. Jahrhundert stark dezimiert wurde, steht der medizinische Blutegel in freier Natur unter Naturschutz.
Blutegel sind sehr sensible Tiere. Sie reagieren sofort auf Hautgeruch und meiden beispielsweise Ausdünstungen von Nikotin, Alkohol oder speziellen Medikamenten. Auch den Geruch von Parfüm oder Rasierwasser können sie nicht leiden. Dementsprechend sollte sich der Patient vor der Behandlung nur mit klarem Wasser waschen.
Der Blutegel besitzt drei Kiefer mit starken Zähnen. Daher ähnelt die Bisswunde einem dreizackigen Stern. Der Egel wird mit dem Kopf direkt an die gewünschte Bissstelle gesetzt und sondert dort, nachdem er sich festgebissen hat, seinen Speichel in die Wunde ab. Dieser enthält ungefähr zwanzig verschiedene Substanzen. Neben dem Blutverlust sind vor allem die Wirkstoffe Hirudin, Eglin und Calin für die Wirkung der Blutegelbehandlung verantwortlich. Diese Stoffe wirken entzündungshemmend, gerinnungshemmend, antithrombotisch und regen den Lymphfluss an.
In einer Behandlung werden bis zu zehn Egel gesetzt, welche, nachdem sie sich vollgesogen haben, wieder von alleine abfallen. Dies kann schon nach zehn Minuten oder auch erst nach zwei Stunden der Fall sein. Sie dürfen keinesfalls wie oft beschrieben mit Salz bestreut werden, damit sie sich schneller lösen. Dies hat zur Folge dass der Egel seine Bakterien in die Wunde erbricht, was zu Infektionen führen kann. Auch darf ein Egel niemals abgerissen werden. Um eine Übertragung von Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis zu vermeiden, wird jeder Egel nur einmal verwendet. Danach muss er entweder "entsorgt" werden oder an die Zuchtfirma zurückgeschickt werden. Die meisten Egelfarmen haben so genannte Rentnerteiche, in dem die Egel ihren Lebensabend verleben dürfen. Nach der Behandlung kann die Wunde noch eine Zeit nachbluten, ist aber in der Regel nach einer Woche verheilt.
Die Hauptindikationen für die Blutegelbehandlung sind Gelenkerkrankungen, entzündliche Erkrankungen (z.B. chronische Mittelohr- oder Nebenhöhlenentzündung) oder venöse Erkrankungen (z.B. offene Beine, Krampfadern).
Nicht angewendet werden sollte die Blutegeltherapie bei massiven Lebererkrankungen, Diabetes mellitus oder bei Patienten, die Blutverdünner einnehmen.
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