Nackenschmerzen - Ursachen und Behandlung

Viele Menschen sind von Nackenschmerzen betroffen. Nicht immer ist die Grunderkrankung harmlos. Ebenso gilt, dass nicht unbedingt eine Erkrankung die Ursache sein muss. In vielen Fällen sind die Beschwerden Folgen einer Verspannung, die wiederum durch eine ungünstige Körperhaltung erfolgt ist. Lesen Sie über die unterschiedlichen Ursachen von Nackenschmerzen und informieren Sie sich über Behandlungsmöglichkeiten.

Die Entstehung von Nackenschmerzen und wie man sie behandeln und lindern kann

Ursachen

In vielen Fällen leidet der Patient durch Verspannungen im Nackenbereich unter den Nackenschmerzen. Diese entstehen zum Beispiel durch eine falsche Körperhaltung beim Gehen oder Sitzen.

Auch ein Unfall kann die Ursache der Nackenschmerzen sein. Bei einem Autounfall wird das Auto häufig geschleudert, so dass der Patient unter einem Schleudertrauma leidet, welches sich mit Nackenschmerzen äußert.

Erkrankungen

Ein Bandscheibenvorfall kann auch die Ursache der Nackenschmerzen sein. Auch Bakterielle Erkrankungen wie eine Gehirnhautentzündung können auch Schmerzen im Nacken hervorrufen.

Krebs im Bereich der Knochen kann zudem auch Schmerzen im Nacken verursachen. Angeborene Fehlbildungen der Wirbelsäule sind auch in einigen Fällen die Ursache der Nackenschmerzen. Der Mediziner nennt diese Fehlbildungen Skoliose.

Erkrankungen aus dem rheumatischen Bereich verursachen auch Nackenschmerzen. Dazu gehört zum Beispiel die rheumatische Arthritis. Besonders Frauen nach den Wechseljahren können an Osteoporose erkranken.

Hier vermindert sich die Knochenmasse, wodurch die Patienten unter diversen Knochenbrüchen leiden können. Auch hier können Nackenschmerzen ein Symptom sein.

Folgen

Werden die Nackenschmerzen chronisch, drohen im Laufe der Zeit erhebliche Folgeerscheinungen, die sich auf andere Körperstrukturen auswirken und die Lebensqualität negativ beeinträchtigen. Dabei kann es sich um

handeln. Auch

sind im Bereich des Möglichen.

Wann zum Arzt?

Zu einem Arzt sollte man gehen, wenn die Nackenschmerzen nach einigen Tagen nicht von selbst wieder verschwinden. Besonders bedenklich ist es, wenn neben den Nackenbeschwerden auch Symptome wie

auftreten. Diese können ein Hinweis auf eine Gehirnhautentzündung (Meningitis) sein, die in der Regel mit Nackenschmerzen einher geht. Wird eine Gehirnhautentzündung zu spät festgestellt, besteht die Gefahr von lebensgefährlichen Schäden. Daher muss beim Erscheinen dieser Symptome ungehend ein Arzt alarmiert werden.

Diagnose

Leidet der Patient fortwährend unter Nackenschmerzen oder weiteren Symptomen wie Taubheitsgefühlen, sollte die Ursache von einem Arzt abgeklärt werden. Dieser befragt den Patienten zunächst danach,

  • wie lange er unter den Nackenbeschwerden leidet
  • bei welchen Situationen sie auftreten und
  • ob sie sich verschlimmert haben.

Orthopädische Untersuchung

An die Befragung des Patienten schließt sich eine orthopädische Untersuchung an. Dabei kontrolliert der Arzt die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und der Schultergelenke sowie die Funktionen der Muskeln.

Außerdem achtet er auf mögliche Einklemmungen der Nerven.

Weitere Untersuchungsverfahren

Je nachdem, welche Ursachen für die Nackenschmerzen vermutet werden, sind weitere Untersuchungen möglich. Dazu gehören vor allem

Besteht Verdacht auf eine Meningitis, findet eine Liquorpunktion statt, um das Hirnwasser zu untersuchen.

Behandlung

Harmlose Nackenschmerzen verschwinden ohne weitere Behandlung nach wenigen Tagen wieder.

Medikamente

Je nach ursächlicher Erkrankung kann der Arzt auch Medikamente verordnen. Durch die Einnahme von Schmerzmitteln werden die Schmerzen gelindert und der Patient kann sich wieder besser bewegen.

Zusätzlich gibt es auch Medikamente, die die Muskulatur entspannen. Diese Medikamente beheben jedoch die Ursache der Nackenschmerzen nicht, so dass die Beschwerden immer wieder auftreten können.

Sind die Nackenschmerzen durch eine von Bakterien ausgelöste Entzündung entstanden, verordnet der Arzt ein hochdosiertes Antibiotikum. Die Behandlung findet meist auf einer Intensivstation statt. Das Antibiotikum kann dann auch flüssig durch die Vene des Patienten in Form einer Infusion verabreicht werden.

Krankengymnastik und Halskrause

Der Patient muss seine Fehlhaltung beheben, um auch die Schmerzen dauerhaft zu besiegen. Dazu eignet sich zum Beispiel die Krankengymnastik. Der Patient erlernt bei einem Physiotherapeuten diverse Übungen, die er auch zu Hause fortführen muss.

Treten die Nackenschmerzen aufgrund eines Unfalles auf, so kann das Tragen einer Halskrause notwendig werden, um die Knochen des Halsbereiches ruhig zu stellen.

Operationen und Krebsbehandlungen

Teilweise muss sich der Patient mit Nackenschmerzen auch einer Operation unterziehen. Diese wird meist dann durchgeführt, wenn der Patient bereits unter Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen leidet. Der behandelnde Arzt entfernt dann einen Teil der Bandscheibe.

Auch Krebserkrankungen können zu Nackenschmerzen führen und erfordern meist eine Operation, bei der der Tumor entfernt wird. Nach dem Eingriff wird in der Regel eine Chemo- oder Strahlentherapie durchgeführt.

Selbsttherapie

In den meisten Fällen sind Nackenschmerzen das Resultat von falschen Bewegungen oder Körperpositionen. Dadurch kommt es häufig zu schmerzhaften Verspannungen. Um die Schmerzen zu bekämpfen, ist eine entspannte Körperhaltung überaus wichtig.

Erreichen lässt sich diese mithilfe von bewährten Entspannungsmethoden wie progressiver Muskelentspannung. Dabei werden die Muskeln zunächst zehn Sekunden lang bewusst angespannt, bevor man sie wieder lockert.

Hausmittel

Zur Bekämpfung von Nackenschmerzen stehen zudem verschiedene Hausmittel zur Verfügung.

Eine wichtige Rolle spielen dabei Wärmeanwendungen wie das Auflegen

Die Wärme sorgt dafür, dass sich die Nackenmuskeln besser entspannen können und die Gelenke an Steifheit einbüßen.

Eine rasche Wirkung gegen Nackenschmerzen lässt sich erzielen, wenn die Wärme mit Feuchtigkeit kombiniert wird. Das heißt, dass man ein Tuch in warmes Wasser gibt und nach dem Auswringen auf der schmerzenden Stelle positioniert. Um die Wärme länger zu gewährleisten, ist es ratsam, ein trockenes Handtuch über das feuchte Tuch zu legen.

Ebenfalls hilfreich ist das Drücken mit dem Daumen auf das Schmerzzentrum. Dazu muss jedoch drei Minuten lang fest auf die Schmerzstelle gedrückt werden. Ist dies aus eigener Kraft nicht möglich, kann jemand anderes um Hilfe gebeten werden.

Ein weiteres bewährtes Mittel gegen Nackenschmerzen ist eine Massage der schmerzenden Stelle. Für das Massieren sollte am besten Lavendelöl verwendet werden.

Zu den Hausmitteln gegen Nackenbeschwerden zählen zudem Olbastropfen. Dabei handelt es sich um eine asiatische Ölmischung aus Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Cajeputöl, die auf die Schmerzstelle aufgetragen wird.

Die Olbastropfen bewirken eine intensivere Durchblutung, wodurch ein schnellerer Abtransport von schädlichen Abfallprodukten möglich ist. Darüber hinaus hat das Öl einen betäubenden Effekt.

Studie: Gezieltes Muskeltraining hilft

Muskeltraining kann Frauen Linderung verschaffen, die an einer Verspannung der Nacken- und Schultermuskeln leiden. Dänische Wissenschaftler haben in einer Studie fünf Kurzhantel-Übungen identifiziert, die das häufigste Gesundheitsproblem von Büro-Menschen bekämpfen können.

Der Ablauf

Wie die dänische Studie zeigte, leiden mehr als die Hälfte aller Frauen, die in einem Büro arbeiten an Nackenschmerzen. Mehr als Zwei-Drittel macht zudem ein verspannter Trapezmuskel zu schaffen. Der Trapezmuskel spannt sich von den Schulterblättern über die Wirbelsäule und wird unter anderem dann aktiv, wenn wir unseren Kopf nach oben kippen, unseren Oberkörper aufrichten oder mit unseren Schultern zucken.

An der auf zehn Wochen angelegten Studie nahmen insgesamt 42 Frauen teil, die volltags im Büro arbeiten. Alle Probanden litten unter einer chronischen Nackenschmerzen oder berichteten über wiederkehrende Verspannungen im oberen Rückenbereich. Von den 42 Frauen wurden 18 zufällig ausgesucht, die sich über die Dauer des Untersuchungszeitraumes einem Trainingsprogramm unterziehen mussten, dass aus den folgenden fünf Übungen bestand:

  • einarmiges Kurzhantel-Rudern
  • Seitheben
  • vorgebeugtes Seitheben
  • aufrechtes Rudern
  • Schulterheben

Diese Übungen zielen vor allem auf die Kräftigung der Schulter- und Nackenmuskulatur sowie des Trapezmuskels ab. Von jeder Übung absolvierten die Frauen drei Sätze zu 10 Wiederholungen.

Das Training fand dreimal pro Woche statt, wobei über die 10 Wochen die verwendeten Gewichte erhöht wurden. Die anderen Frauen mussten keinen Trainingsplan befolgen, erhielten jedoch eine Massagetherapie.

Ergebnisse

Die Teilnehmerinnen der trainierenden Gruppe zeigten deutliche Kraft- und Leistungszuwächse sowie im geringeren Maße eine Zunahme der Muskelmasse in der belasteten Körperregion. Interessanterweise führte das regelmäßige Training zu einer Reduzierung der Nackenschmerzen um mehr als 50 Prozent.

Während die Frauen aus der Massagegruppe keine langfristige Linderung erfahren konnten, berichteten die trainierenden Damen von einer deutlichen Verbesserung ihrer Schmerzen und darüber, dass die positven Auswirkungen auch nach Ende des 10-wöchigen Trainingzeitraumes zu spüren waren.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie deuten an, dass regelmäßiges Muskeltraining Verspannungen gezielt und offenbar langfristig beheben kann. Die Forscher weisen jedoch daraufhin, dass ehrgeiziges Training zu einer Übertrainingsreaktion führen kann, die wiederum Verspannungen nach sich ziehen kann.

Neben den Übungen, die die Wissenschaftler im Rahmen ihrer Studie verwendet haben, sind auch die Folgenden sinnvoll, um Verspannungen im Rücken- und Schulterbereich zu beheben und dauerhaft zu vermeiden:

Einige dieser Übung sind sehr komplex und für Anfänger nur unter der Anleitung eines qualifizierten Trainers geeignet. Achten Sie darauf, dass Sie die Übungen regelmäßig abwechseln, um Überlastungsreaktionen zu vermeiden. Wenn Sie beispielsweise am Montag Seitheben für Ihre Schulter trainieren, könnten Sie am Mittwoch stattdessen Schulterdrücken absolvieren.

Vorbeugung

Damit es gar nicht erst zu Nackenschmerzen kommt, können einige Vorbeugemaßnahmen ergriffen werden. Dazu gehört vor allem das Vermeiden von Zugluft, da diese häufig für das Entstehen von Nackenbeschwerden verantwortlich ist. Anfällige Menschen tragen am besten ein Halstuch.

Eine weitere wichtige Maßnahme ist die Stärkung des Körpers. Diese ist am besten durch sportliche Aktivitäten wie Schwimmen, Wandern und Laufen zu erzielen.

Ebenso lassen sich die Nacken- und Rückenmuskeln durch das Absolvieren einer speziellen Rückenschule kräftigen. Dabei lernt der Betroffene außerdem, wie er sich rückenschonend hinsetzt und seine beanspruchte Muskulatur effektiv schont.

Von großer Bedeutung ist natürlich auch ein guter Schlaf. So lassen sich Nackenschmerzen mithilfe einer rückenschonenden Matratze und eines Nackenkissens oft vermeiden. Außerdem ist es wichtig, den Arbeitsplatz ergonomisch zu gestalten.

Bei der Arbeit sollten zwischendurch immer wieder die Körperhaltung verändert sowie Nacken und Arme gelockert werden. Auch das Rollen mit dem Kopf oder leichte Dehnübungen gelten als hilfreich.

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