Wirksame Mittel zur Krampflösung

Wasserglas mit Brausetabletten, sprudelndes Wasser

Zur Anwendung kommen natürliche und medikamentöse Krampflöser sowie diverse Hausmittel

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  • von Paradisi-Redaktion

Krämpfe zählen zu den unangenehmsten Schmerzarten. Zu ihrer Behandlung stehen jedoch unterschiedliche krampflösende Mittel zur Verfügung.

Spricht man von einem Krampf, ist damit ein Muskelkrampf oder Spasmus gemeint. Dabei kommt es zu einer starken Anspannung der Muskeln, die oft mit heftigen Schmerzen verbunden ist.

Auftreten

Ein Krampf kann beinahe an jeder Körperstelle auftreten. Besonders betroffen ist jedoch die Skelettmuskulatur. Am häufigsten zeigen sich Krämpfe in der Wade oder den Oberschenkeln. Aber auch in Hohlorganen wie dem Darm, der Harnblase oder der Gallenblase treten sie mitunter auf.

Unterschiedliche Formen

Mediziner teilen Krämpfe in tonische und klonische Muskelkrämpfe ein.

Tonische Krämpfe

Bei tonischen Krämpfen kommt es zu lang andauernden und heftigen Muskelkontraktionen. Sie können sowohl nur in einzelnen Muskeln als auch in ganzen Muskelgruppen auftreten.

Klonische Krämpfe

Klonische Muskelkrämpfe werden durch rhythmische Zuckungen von Muskeln verursacht, die entgegengesetzt wirken. Die Zuckungen folgen rasch aufeinander, wobei zwischendurch Erschlaffungen einsetzen.

Ursachen für Muskelkrämpfe

Dass die Muskeln sich anspannen, ist durchaus natürlich. So werden dadurch zahlreiche Bewegungen ermöglicht. Spannt der Mensch einen Muskel an, sendet das Gehirn über die Nervenbahnen einen Reiz aus, der ein Zusammenziehen der Muskelfasern bewirkt. Ziehen sich die Muskelfasern zusammen, kann sich der Muskel anspannen.

Liegt jedoch eine Störung der Reizübertragung vor, hat dies eine willkürliche Anspannung des Muskels zur Folge. Bemerkbar macht sich diese Störung entweder durch kleine Muskelzuckungen oder einen schmerzhaften Muskelkrampf.

Die Ursachen für das willkürliche Zusammenziehen der Muskelfasern sind vielfältig. Zu den häufigsten Gründen zählen

Treten die Muskelkrämpfe häufig und auch im Ruhezustand auf, kann sich dahinter auch eine Grunderkrankung wie zum Beispiel ein Fibromyalgie-Syndrom oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) verbergen. In solchen Fällen muss eine ärztliche Behandlung erfolgen.

Behandlungsmöglichkeiten

Um einen Muskelkrampf wirksam zu behandeln, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dazu gehören vor allem krampflösende Mittel. Dabei kann es sich um

  • natürliche Krampflöser wie Magnesium und Chininsulfat
  • medikamentöse Krampflöser (Spasmolytika) oder
  • bewährte Hausmittel wie Tees oder Wärmeanwendungen

handeln.

Im Folgenden gehen wir etwas näher auf die unterschiedlichen krampflösenden Mittel ein.

Natürliche Krampflöser

Muskelkrämpfe wie Wadenkrämpfe lassen sich oftmals auf natürliche Weise behandeln. Als bewährte natürliche Krampflöser gelten vor allem Magnesium und Chininsulfat.

Magnesium

Magnesium zählt zu den essentiellen Mineralstoffen. Kommt es im Körper zu einem Mangel an Magnesium, kann dies schmerzhafte Muskelkrämpfe zur Folge haben.

Aus diesem Grund wird Magnesium häufig gegen Wadenkrämpfe eingesetzt. Dazu löst man einfach eine Magnesiumtablette in einem Glas Wasser auf, das anschließend ausgetrunken wird.

Durch eine ausreichende Zufuhr von Magnesium lässt sich zudem Muskelkrämpfen vorbeugen. Allerdings hilft Magnesium nur dann gegen Muskelkrämpfe, wenn diese durch Magnesiummangel verursacht werden. Bei anderen Ursachen bleibt das Mittel dagegen meist wirkungslos.

Chininsulfat

Noch wirkungsvoller als Magnesium ist Chininsulfat. Dabei handelt es sich um eine pharmazeutische Zubereitung des Naturstoffs Chinin, die in der Lage ist, Muskelkrämpfe unabhängig von deren Ursache zu bekämpfen.

Chinin zählt zu den Naturstoffen. Gewonnen wird es aus der Rinde des Chinarindenbaums, der in den südamerikanischen Anden gedeiht. Der Anbau des Chinarindenbaums erfolgt auf Plantagen in Ländern wie Bolivien, Ecuador, Guatemala und Peru.

Aus der Rinde der Bäume isoliert man nach ca. 6–8 Jahren das Alkaloid Chinin. Bekannt wurde Chinin vor allem als fiebersenkendes Mittel. Doch auch seine krampflösenden Eigenschaften sind seit dem 19. Jahrhundert bekannt.

Im Jahr 1916 gelang es erstmals bei einem Versuch, mithilfe von Chinin neuromuskuläre Krämpfe zu hemmen. In der heutigen Zeit dient Chininsulfat zur Behandlung von Muskelkrämpfen wie nächtlichen Wadenkrämpfen.

Wirkungsprinzip

Kommt es zu einem Muskelkrampf, werden von den Nerven zu viele Kontraktionsimpulse an den Muskel übermittelt. Das Chininsulfat verfügt über die Eigenschaft, in diesen Mechanismus einzugreifen und dadurch den Krampf wirksam zu bekämpfen, egal wodurch er ausgelöst wird.

Eine wichtige Rolle spielt dabei der Botenstoff Acetylcholin. Dieser setzt an den Nervenenden ein Signal frei, durch das der betroffene Muskel zur Kontraktion angeregt wird.

Chininsulfat ist jedoch imstande, das Acetylcholin zu hemmen, wodurch es gleichzeitig auch die neuromuskuläre Reizübertragung stoppt. Auf diese Weise lassen sich die Nervenreize nicht mehr komplett auf den Muskel übertragen, sodass dessen Krampfbereitschaft abnimmt und es wieder zu einer Entspannung kommt.

Die positive Wirkung setzt bereits nach der ersten Einnahme von Chininsulfat ein.

Anwendung

Chininsulfat ist in Tablettenform und rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Eingenommen wird das Mittel in der Regel nach dem Abendessen.

Bei Bedarf ist aber auch eine zusätzliche Einnahme vor dem Schlafengehen möglich. Die Dauer der Anwendung liegt normalerweise bei 2-3 Wochen.

Chininsulfat lässt sich auch bei Muskelverspannungen im

anwenden. Nicht eingenommen werden sollte Chininsulfat dagegen während der Schwangerschaft.

Kalzium

In manchen Fällen kann auch ein Mangel an Kalzium Muskelkrämpfe hervorrufen. Eine krampflösende Wirkung erzielt man dann durch die Einnahme einer Kalziumtablette.

Diese wird in Wasser aufgelöst und getrunken. Als unterstützend gilt zudem der Verzehr von kalziumhaltigen Lebensmitteln.

Durchblutungsfördernde Salben

Ebenfalls krampflösend wirken durchblutungsfördernde Salben. Besonders bewährt haben sich Präparate wie Trauma-Beinwell oder Arnika.

Diese Mittel kommen als Unterstützung zum Einsatz und werden auf die betroffene Stelle aufgetragen. Eine lindernde Wirkung bei Wadenkrämpfen schreibt man auch Franzbranntwein zu.

Medikamentöse Krampflöser

Unter dem Oberbegriff "Spasmolytika" werden Medikamente zusammengefasst, die eine krampflösende Wirkung aufweisen. Es handelt sich dabei um unterschiedliche Substanzen, die miteinander gemeinsam haben, dass sie krampflösend auf die glatte Muskulatur der Organe wirken.

Spasmolytika sorgen dafür, dass sich die glatte Muskulatur entspannen kann. Je nach Wirkungsweise unterscheiden Mediziner zwischen neurotropen und myotropen Spasmolytika.

Neurotrope Spasmolytika

Neurotrope Spasmolytika entfalten ihre Wirkung über die Nervenfasern des Parasympathikus. Dieser zählt zu den Hauptkomponenten des vegetativen Nervensystems und sorgt für die unwillkürliche Steuerung der inneren Organe sowie des Blutkreislaufs.

Werden die Nervenfasern des Parasympathikus erregt, kommt es zur Anspannung der glatten Muskulatur. Diese Erregung entsteht durch die Anbindung des körpereigenen Botenstoffs Acetylcholin an entsprechende Rezeptoren, die sich am Parasympathikus befinden.

Neurotrope Spasmolytika verfügen über die Eigenschaft, das Acetylcholin zu verdrängen und die parasympathische Aktivität zu unterdrücken. Diese Wirkungsweise wird auch als parasympatholytisch bezeichnet.

Medikamente, die diese Wirkung entfalten, nennt man Parasympatholytika. Zu den bekanntesten Parasympatholytika zählt Atropin bzw. Hyoscyamin, bei dem es sich um ein Alkaloid der Tollkirsche und des Bilsenkrauts handelt. Weitere Parasympatholytika sind

  • Tropicamid
  • Scopolamin
  • Butylscopolamin
  • Pirenzipin und
  • Ipratropium.

Ein Nachteil von Atropin ist allerdings, dass es zahlreiche Nebenwirkungen auslöst.

Myotrope Spasmolytika

Myotrope oder muskulotrope Spasmolytika haben die Eigenschaft, unmittelbar an den Muskelfasern und ohne Beteiligung der Nerven zu wirken. Dabei sorgen sie für das Erschlaffen der glatten Muskulatur.

Ein gebräuchlicher Wirkstoff ist Hymecromon. Es gibt aber neben den synthetischen Stoffen auch pflanzliche Wirkstoffe wie das Schöllkraut.

Gemischter Wirkmechanismus

Von einem gemischten Wirkmechanismus spricht man, wenn das Spasmolytikum sowohl an den Muskelfasern als auch auf Nervenebene wirkt. Dazu gehören Wirkstoffe wie

  • Propiverin
  • Mebeverin
  • Oxybutinin
  • Drofinin und
  • Denaverin.

Anwendungsgebiete

Die Anwendungsgebiete von Spasmolytika sind vielfältig. So werden sie bei

eingesetzt. Bei Frauen können sie auch gegen Regelschmerzen zum Einsatz kommen.

Hausmittel zur Krampflösung

Zur Behandlung von Krämpfen kann auch auf verschiedene Hausmittel zurückgegriffen werden. Dazu gehören zum Beispiel Tees gegen Magen- oder Darmkrämpfe oder Wärmeanwendungen wie eine Wärmflasche. Aber auch Schwedenkräuter oder Umschläge gelten als bewährte Krampflöser.

Schafgarbentee

Schafgarbentee kommt schon seit langer Zeit gegen Magenkrämpfe zur Anwendung. So hat Schafgarbe eine krampflösende und entzündungshemmende Wirkung.

Zur Zubereitung des Schafgarbentees wird 1 gehäufter Teelöffel auf einen Viertelliter Wasser gegeben. Nach dem Aufbrühen lässt man den Tee einige Minuten ziehen und nimmt ihn dann über den Tag verteilt zu sich.

Brennnesseltee

Über eine krampflösende Wirkung verfügt auch Brennnesseltee, der ebenfalls gegen Magenkrämpfe eingesetzt wird. Wie beim Schafgarbentee beträgt die Dosierung 1 Teelöffel Brennnesseln auf 1/4 Liter Wasser.

Wer den Geschmack des Tees aufbessern möchte, kann auch Pfefferminze oder Kamille hinzugeben, die sich ebenfalls zur Krampflösung eignen.

Süßholztee

Die Süßholzwurzel hat nicht nur eine krampflösende, sondern auch eine entzündungshemmende Wirkung. Bei Magenkrämpfen gibt man

  • 20 Gramm Süßholzwurzel
  • 20 Gramm Kamillenblüten
  • 5 Gramm Melissenblätter sowie
  • 5 Gramm Pfefferminze

auf einen Viertelliter Wasser. Nach dem Aufbrühen muss der Süßholztee vor der Anwendung noch 5 Minuten ziehen.

Kamillentee mit Lakritze

Auch Lakritze enthält krampflösendes Süßholz. Kamille hat die Eigenschaft, die Schleimhäute zu beruhigen und entzündungshemmend zu wirken.

Für die Zubereitung übergießt man 5 Gramm Kamillenblätter mit kochendem Wasser. Anschließend lässt man den Kamillentee 5 Minuten lang ziehen und löst dann 20 Gramm Lakritze in ihm auf.

Thymiantee

Thymiantee eignet sich zur Behandlung von Magenkrämpfen, Unterleibskrämpfen und Menstruationskrämpfen. Auch hier beträgt die Dosis 1/4 Liter Wasser auf einen Teelöffel Thymian. Pro Tag nimmt man 2 Tassen Thymiantee zu sich.

Bei Magenkrämpfen lässt sich Thymian aber auch äußerlich anwenden. Dazu legt man getrocknete Thymianblüten und Thymianstängel als warmes Kräuterkissen auf den Magen.

Anismilch

Anismilch ist ein altes Hausmittel gegen Magenkrämpfe bei Kindern. So hat sie eine beruhigende Wirkung auf den Kindermagen, der sehr empfindlich ist.

Zur Zubereitung gibt man einen halben Teelöffel Anis sowie einen halben Teelöffel Kümmel in einen Viertelliter Milch. Diese lässt man 5 Minuten lang unter Rühren aufkochen. Nach dem Abkühlen kann das Kind die Anismilch trinken.

Kräuterauflage

Ein weiteres bewährtes Hausmittel gegen Magenkrämpfe ist eine Kräuterauflage. Zusammengesetzt wird die Auflage aus

  • 40 Gramm Mutterkraut
  • 40 Gramm Dost
  • 40 Gramm Salbei
  • 40 Gramm Wermut
  • 20 Gramm Poleiminze
  • 20 Gramm Wasserminze sowie
  • 1 Liter Essig oder Wein.

Zunächst kocht man den Wein oder Essig auf. Dann werden Leinensäckchen mit den Kräutern hinzugegeben. Nach einer Kochzeit von 10 Minuten drückt man die Säckchen aus und legt sie noch warm auf den Bauch.

Zinnkraut-Dunstumschläge

Ebenfalls zu den alten Hausmitteln zählen Umschläge mit Zinnkraut, das auch als Acker-Schachtelhalm bezeichnet wird. Dieses enthält heilkräftige Kieselsäure.

Zur Anwendung werden zwei Handvoll Zinnkraut in ein Sieb gegeben. Dieses hängt man dann über kochendes Wasser. Nachdem das Zinnkraut heiß und weich geworden ist, wird es in ein Leinentuch verpackt und auf die zu behandelnde Stelle gelegt. Wichtig ist, dass der Dunstumschlag mehrere Stunden einwirkt.

Schwedenkräuter

Unter Schwedenkräutern oder Schwedenbitter versteht man einen Kräutersaft, der in Fertigform in der Apotheke erhältlich ist, sich aber auch selbst herstellen lässt.

Wer unter Magenkrämpfen leidet, kann 1 Esslöffel Schwedenbitter zu sich nehmen. Außerdem lässt sich der Bauch mit den Schwedenkräutern einreiben.

Wärmflasche

Ein anderes bewährtes Hausmittel zur Krampflösung ist das Auflegen einer Wärmflasche. Durch die Wärmezufuhr kann sich die Muskulatur entspannen, wodurch Krämpfe gelindert werden. Gleichzeitig lässt sich das Schmerzempfinden dämpfen.

Eine Wärmflasche eignet sich sowohl zur Behandlung von Magen- und Darmkrämpfen als auch von Waden- und Oberschenkelkrämpfen. Alternativ zu einer Wärmflasche kann auch ein Heizkissen oder Kirschkernkissen zur Anwendung kommen.

Bewegung

Hilfreich gegen Krämpfe in den Beinen ist Bewegung. Oft verleiten einen die Schmerzen dazu, sich bewegungslos zu verhalten, was sie jedoch eher verschlimmert. Dagegen wirkt leichte Bewegung krampflösend.

Weiterführende Informationen zu Krämpfen

  • Wirksame Mittel zur Krampflösung

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Quellenangaben

  • Bildnachweis: Nahrungsergänzung © Carmen Steiner - www.fotolia.de

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